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Die Wahrheit · 1901-03-15 · Heft 11 (15.3.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administration Wien, H/1. Novaragaffe 27. AnaMngjge Keilschrift für Msche Jfe$B<ppms: i «an,jährig . . *. 12 - | Halbjährig ... St. 6.— i> 8. k österr. Postsparrasia jttfctejjfctt. Theck-Conto Nr. 846.251. Für Cnltnsbeamte: i! 1 afitate: Sanzjährig ... 8. 10.— | 20 Heller per Noupareillr-Zeil«. Ersch eint jeden “!| Für Ausland: j jAbonnementS- und JnfertionS» »anzjährig .... 12 «ark ij betrüge sind in Wien zahlbar. Matt«: »Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" ö Rubel oder 16 Frei. | Nr. 11. Wien, 15. Mär? Ml. Inhalt r Jüdische Krankenpflegerinnen. — Gegen die Verbreiter des Blutinärcheus.^— Ist zu einem°modernen, würdigen Gottesdienste eine Orgel erforderlich? — Biblische Funde. — R. Salomo Lurja. —Gemeinde- und Vereinsbote. — Feuilleton ^Heimweh. — Offener Brief und dringende Bitte an den Vorstand der Oesterr.-ung. Cantoren-Vereines. — Verschiedene Nachrichten. Die geehrten Kerrm Abonnenten werden uw Einsendung der restlichen Aöonnewentsöeträge ersucht. I i e A d mi n i st r a tji o n. Jüdische Krankenpflegerinnen. Bekanntlich hat der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde im Jubiläumsjahre den Beschluss gefasst, das Andenken unserer, einer ruchlosen Mörderhand zum Opfer gefallenen Kaiserin durch Gründung eines den Namen dieser edlen Frau tragenden Heims zur Heranbildung und Versorgung jüdischer Krankenpflegerinnen zu ehren. Mit diesem Beschlüsse >wurde der erste Keim gelegt für die, Verwirklichung einer Idee, die in idealer und praktischer Hinsicht bedeutungsvoll ist und nach dem mnstergebenden Beispiele Deutschlands nunmehr auch in Wien zur Ausführung gelangen soll. Tie Heranbildung von Kraukenpsiegerinnen aus intelligenten Kreisen ist nicht nur eine nothwendige, durch vielseitige Erfahrungen bestätigte Grundlage für die richtige Durchführung der modernen Hygiene und Krankenpflege, sie birgt auch ein Stück Lösung der socialen Frauenfrage in sich, indem sie Frauen und Mädchen ein weites Arbeitsfeld erschließt, ans dem sie, ohne mit ihrer natürlichen, durch Geschichte und Tradition festgesetzten Bestimmung in Widerspruch zu gerathen. ihre Kräfte segensreich entfalten können zum Wohle der Allgemeinheit und zur Förderung der eigenen Individualitäten. Wenn nun schoil im Allgemeinen so gewichtige Momente für die Errichtung von Pflegerinnenschulen sprechen, so verdient diese Frage vom confcssionelleit Standpunkte besoildere Berücksichtigung. Leider hat es die gerade in Wien so stark betriebene Verhetzung so weit gebracht, dass wir Juden die Grüudnng der einzelnen Institutionen immer auch vom confessionellen Gesichtswinkel aus beurtheilen müssen. Und von dieser Seite betrachtet, hat die Gründung de» jüdischen Pslegerinnenheims und die Errichtung von jüdischen Pflegerinnenschulen eine doppelte Aufgabe. Einerseits soll für jüdische Frauen und Mädchen, die unter der allgemeinen Erschwerung der Erwerbsv erhältniße für unsJuden noch mehr zu leiden haben, als die Männer, der Kampf ums Dasein erleichtert und ihnen ein würdiger, hehrer und erträgnissicherer Beruf geschaffen werden, und anderseits soll auch kranken Glaubensgenossen, ob Arm oder Reich, die große, für ihre Genesung oft ausschlaggebeilde. Wohlthat zu Theil werden, dass sie in den schweren Stunden körperlicher und seelischer Schmerzen von liebevoll für sie bedächten Glaubensschwestern gepflegt werden und nicht auf andersgläubige Wärter, und Wärterinnen angewiesen sind, die ihrem Fühlen und Denken kalt und fremd, oft sogar auch unter dem Einflüsse bedauerlicher Tageserscheinungen feindlich gegenüberstehen. Nebst dem Cultnsvorstande haben hochherzige jüdische Frauen und Männer, sowie einige Vereine diese erhabene Joee gefördert und den Boden für ihre Verwirklichung vorbereitet. Allerdings nicht im Sturmschritte, aber, wie ein um die Wiener jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen hochverdienter Mann Magst in der Generalversammlung der Ehewra Kadischa ganz richtig ausführte, eine derartige Organisation bedarf, besonders wenn sie zu einer mustergiltigen ausgestattet werden soll, eingehender Studien und grundlegender Vorbereitungen, von deren Exactheit das spätere Gedeihen des Werkes abhängt, und man braucht hiezu nicht nur Zeit, sondern auch recht viel Geld — und, was am allerwichtigsten ist, die nöthigen Personen. Aus den beiden letzten Gründen müssen möglichst weite Kreise für diese Frage interessirt werden, und nach dieser Richtung hat sich der Verein zur Unterstützung israelitischer Hand-, Werker und Kleingewerbetreibender in Wien unstreitbar ein großes Verdienst erworben, indem er Frau Henriette Weiß, eilte Dame, die seit Jahren für die Heranbildung jüdischer Pflegerinnen mit großer Sachkenntnis und Energie eintrilt, zu einem Vorträge über dieses Thema veranlasste, der Donnerstag, den 14. d. M., halb 8 Uhr Abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines stattfand und sehr zahlreich besucht war. Der Cultusvorstand,-.viele Frauenvereine und andere humanitäre Vereine, sowie alle Schichten der jüdischen Wiener Bevölkerung waren vertreten, und der starke Besuch gab den erfreulichen Beweis, dass diese Frage bereits das allgemeine Interesse beschäftigt. Eine geeignetere Persönlichkeit konnte als Vortragende nicht gewählt werden, als Frau Henriette Weiß, die an der berühmten Anstalt „Victoriaheim" in Berlin zur Pflegerin herangebildet wurde und aus eigener Erfahrung und eigener Erkenntnis* dem gespannt lauschenden Publikum die mannigfachen Wohlthaten der Pflegerinnenschulen und deren einschneidende Wirkung auf die Förderung der Hygiene und ans die Hebung der socialen Lage der Mädchen der intelligenteli Stände vor Augen führte. An den Vortrag schloss sich eine Discusfiou an, an welcher Frau Jda Diamant, Frau Dr. Kornfeld, Frau Gutfreund, die Obmännin des Mädchenvereines »Moria" und Herr kais. Rath Lichtenstadt theilnahmen. In allen Ausführungen wurde auf die Notwendigkeit ver Gründung eines Vereines zur Errichtung von Pflegerinnenschulen hingewiesen, Ulld die meisten An wesenden zeichneten sich in den aufliegendeu Bögen als Mitglieder ein. Möge diesem Vereine eine baldige segensreiche Wirksamkeit beschieden sein, zum Wohle der Menschheit und zur Ehre oes Wiener Judentums!

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