Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1901-03-08 · Heft 10 (8.3.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063062-3063072--01237-3067810
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

.Nr. 10. Die Dahrhert. Seite 5. Mitgliedern die Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern überlassen^ I -die Lvahl des gesammten Vorstandes durch die Mitglieder würde, seiner Meinung nach, der Vorstand nicht genehmigen. Redner erwähnt noch der Action der Kranzablösnng, der bevorstehenden Reform in der Verwaltung der Cultusgemeinde. die eine Friedhosscommission bringen wird, in welcher sicherlich auch Mitglieder der Chewra Kadischa werden einbezogen: werden, und verweist darauf, dass auch die Vorbereitungen zur Gründung eines Pflegerinnenheims seitens der Cultusgemeinde weit vorgeschritten sind. Mit der Erklärung, jederzeit und an jeder Stelle für dir Ehre der Chewra einzutreten und des ihm verliehenen Ehren-, amtes sich würdig zu zeigen, schließt Redner seine mit vielem Beifalle aufgenommenen Allsführungen. Herr Cnitusvorsteher Lato Cohn erklärt, dass es strengstens gerügt werden muss, wenn die Vertreter der Chewra ans dem Friedhofe nicht die ihnen gebührende Rücksicht finden sollten, und sicherlich werde der Cnltusvorstand, falls derartige Fälle zu seiner Kenntniss gelangten, mit aller Strenge Vorgehen. Das Gebiet der Krankenpflege berührend erwähnt der Redner der überaus segensreichen Thätigkeit Jenes Vereines, der die armen jüdischen Kranken in den öffentlichen Spitälern mit Koscherkost versieht und auch darauf Bedacht nimmt, dass schwer Erkrankte in ihrer letzten Stunde einen Glaubensgenossen zum Trotte bei sich haben.' Mit der Gründung des Krankenpflegerinneu-Heims beschäftigt sich der Cultusvorstand eingehend. Hiezu gehört nicht nur viel Geld, sondern es sind auch geeignete Personen nöthig. Gegenwärtig hat eine überaus energische Dame, Frau Dr. W e i s s. ihre Mitwirkung zugesagt und es ist zu hoffen, dass das zu gründende Institut baldigst in Wirksamkeit treten werde. An der weiteren Debatte nahmen noch die Herren Wachster, Schick und Steiner theil, welch letzterer erklärt, dass nach feinen Erfahrungen die Vertreter der Chewra am Friedhose immer mit Achtung behandelt werden. Nachdem der Rechenschaftsbericht und die gegebenen Anregungen in Form von Reiolutionen angenommen worden waren, erklärt der Präses in seinem Schlussworte,, dass der Vorstand die gestellten Anträge prüfen und würdigen werde und schließt hierauf die Generalversammlung. . Alles strömt hierauf in den angrenzenden großen Festsaal, wo Restaurateur Tonello eine prächtige Festtafel für das Brudermahl gedeckt hatte. An der Front des Saalrs hatten die Vorsteher der Cultusgemeinde, der türkischen Gemeinde und der Chewra, in deren Mitte Oberrabbiner Dr. Güdemaun und Rabbiner Dr. Schmied! und Chacham Papo saßen, Platz genommen, und an vier anstoßenden Längsreihen die Mitgliedes und Gäste der Chewra. Nach einigen Begrüßungsworten .wünschte Präses Moriz Karpeles ^„Gesegnete Mahlzeit" und nachdem Obercantor Guttmann die Brochoh »Hamozi Lechem" gesprochen hatte, wurde das opulente Mahl servirt. Während der einzelnen Gänge wurden die officielleu Toaste gesprochen. Den Reigen derselben eröffnete der Vicepräsident der Cultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, mit dem Toast auf den Kaiser. Er gedachte' der Jubiläumstaze und aller hervorragenden Erscheinungen während der Regierungszeit des Kaisers^ Her . dem österreichischen Staate die Verfassung gab, deren Wohlthaten auch uns zugedacht waren, und schloss mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in das die Versammlung jubelnd mit einstimmte. Stürmisch acclamirt wurde der Toast auf die Cultusgemeinde, gesprochen von Oberrabbiner Dr. Güdemaun, und geradezu begeisterten Beifall fanden die zündenden Worte des Rabbiner Dr. Schmied!, der sein Glas auf die Mitglieder der Chewra erhob. Es sprachen noch Gemeinderath Donat Zifferer auf den Vorstand der Cultusgemeinde, Vicepräsident Dr, Gustav Kohn auf den Vorstand der Chewra, Dr. Marcus Spitzer auf die neu eingetrrteuen Mitglieder, Dr. Jpsef Grünfeld auf die Rahbinen und Vertreter der jüdischen Wissenschaft und Cultusvorsteher Salo Cohn auf die Wohl- Ihätigkeitsvereiue, ferner kais. Rach Rucizka und der Präses der Chewra, Herr Karpeles. Sämmtliche Toaftewaren sehr schön gehalten, aber die meisten etwas;u breit ausgeführt. Lud leider^ wurden auch die Redner von dem größten Theil der Versammlung nicht verstanden. In Zukunft sollte für die Redner ein wenigstens um eine Stufe erhöhter Platz reservivt sein, damit alle Anwesenden ihren geistreichen . Ausführungen' Aufmerksamkeit zuwenden können. ' Dass bei einer Chewra-Sude der traditionelle jüdische Gesang nicht fehlen durfte, obwohl die berufenen Pfleger desselben nur ziemlich spärlich vertreten warm, ist selbstverständlich. Obercantor Bela Gutmann erfreute die Gesellschaft durch den Vortrag eines von ihm verfassten ausgezeichnetem Mischeberach und einer zweiten Piece „Me'loch". Beide Nummern, stimmlich machtvoll' vorgetragen« brachten Herrn Obercantor Gutmann lebhafte Kundgebungen reichen Beifalls, worauf Herr Obercantor Singer mit wenig Kraftentfaltung, jedoch in oer von ihm bekannten, eleganten und stimmungsvollen Recitationsweise das Tischgebet (Benschen) vortrug und hiesür ein allgemeines jejascher koach einerntete. Auch eines von Herrn; Obercantor Singer für den Festabend gewidmeten humorreicheu Gedichtes „Die Geschichte der Wiener Chewra Kad)ischa* soll! au dieser Stelle lobend gedacht werde». Die scheinbar winzige^ in Wirklichkeit aber instructive und erschöpfende statistische Arveid fand verdiente Anerkennung. Rach dem Benschen ließ sich noch Herr Mayer Schorr, Obercantor an der polnischen Syuagoge in der Leopoldsgaffe, mit einigen Piecen hören und erzielte sowohl durch feine sympathische Stimme, wie auch durch die echt traditionelle gesangliche Vortragsweise großen Beifall. Für das Arranqement des Festmahles gebührt außer den» Restaurateur, Herrn Tonello, noch dem rührigen Ausschussmitgliede, der Chewra Herrn Adolf Roseubaum, vollste Anerkennung. * Jüdische uni) christliche Rumänen. Bon Dr. Georg Brandes in Kopenhagen. (Fortsetzung.) Wien war, wie dies in der Natur der Sache lag, die Stadt, in der die Hauptmaste der Emigranten zuerst Station machte. Die dortigen Repräsentanten der „Israelitischen Allianz" die sich bald dermaße» von Auswanderern überschwemmt saheih dass schon die Ausgabe, den Armen nur auf wenige Tage ein Obdach zu beschaffen, einzig und allein durch das größte Cntgegenkommen von Behörden und Privatleuten gelöst werden konnte, hatten die Ausgabe, die Emigranten zu sichten, die kräftigen jungen Männer, die ein Handwerk verstanden oder zur Feldarbeit taugten, auszusuchen und die anderen zurückzusenden. Die Brauchbaren sollten mit Hilfe der deutschen Organisation nach Hamburg oder Rotterdam geschickt und von da unter dem Beistand der französischen Repräsentanten nach den überseeischen Ländern befördert werden. Botschaft auf Botschaft wurde nach Rumänien gesandt, um vor planloser und übereilter Auswanderung zu warnen, die nur das Elend vermehren würde. Aber keine Warnung fruchtete das Allergeringste; die Bewegung war zu stark, ein Fieber der Verzweiflung hatte die unglücklichen Gemarterten ergriffen: sie wollten fort, wie es auch später kommen mochte. Jeder Taz brächte entweder per Eisenbahn oder per Schiff die Donau entlang Hunderte von Emigranten nach Wim, die nach de» Hafenstädten weiter befördert wurden. In der ersten Hälfte des Juli 1800 hatte man in Wien täglich 400, in der zweiten Hälfte täglich 1160 —2000 Emigranten unter Dach zu bringen und zu versorgen. Der letzteren Anzahl Obdach zu verschaffen, war unmöglich: sie schliefen in den offenen Bahnhöfen oder auf freiem Felde. Um diese Zeit traf die Mittheilung ein, dass die New- Horker Behörden den rumänischen Einwanderern, die mit dem Dampfer „Phönicia" von Hamburg kamen, als xauxvrs (dem Armenwesen Anheimsallenden) die Landung versagt hätte, und dass dieselben bereits auf dem Rücttvege feien. Infolge besser» lehnten es die Hamburger Schifffahrts-Gesellschaften ab, rumänische Auswanderer nach Amerika zu befördern, und damit war dieser Weg ganz abgefchnitten. Am 10. Juli wurde aus Roller-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.