Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit. Seite 7. damit Verschiedenheit der Sprache und Methode das Kind nicht verwirre u. a. m. Den ersten Anfängen zur Gründung der Volksschule begegnen wir 200 Jahre v. Ehr. Hundert Jahre später gibt es in Palästina kaum eine Gemeinde ohne Schule. Das jüdische Volk hatte die diesbezügliche erste Anlegung mit größter Begeisterung ausgenommen und alle Bestrebungen nach dieser Richtung hin kräftigst gefördert. Hervorzuheben ist die hohe Stellung, die der Talmud dem Lehrer anweist. Die Lehrer sind die Säulen der menschlichen Gesellschaft, der Pttlichen Weltordnung, denn sie erziehen die Generationen zur Sittlichkeit, zu einem gottgefälligen und menschenwürdigen Leben. Insbesondere betonte der Redner, dass bei den Juden früher als bei allen anderen Völkern der Gedanke der allgemeinen Volksbildung Wurzel gefasst habe. Während bei den höchst' -entwickelten Völkern des Alterthums nur einige Auserwählte in das Wissen ihre Zeit eingeführt wurden, war im Iudenthume die Pflicht des Lernens auf alle Kinder ohne Unterschied ausgedehnt Sehr nachdrücklich wusste der Vortragende auch die ideal- Seite des Unterrichtes hervorzuheben. Ausgangspunkt und Endziel alles Studiums ist für den Talmud — die Gottesfurcht. Und die Inden wussten, dass die Religion der einzige Bosen sei, in dem ihre Kraft wurzelt. DerVortrag schloß mit den Worten des Talmud: „So lange die jüdischen Kinder in ihren Schulen mit der Thora sich beschäftigen, bleibt Israel unüberwindlich." Anhaltender; stürmischer Beifall folgte den in hohem Maße fesselnden Ausführungen des Vortragenden. Beim gemeinsamen Mahle entwickelte sich sodann über das Vortragsthema und über verwandte Gebiete eine lebhafte Diskussion, an tvelcher sich die Herren Prof. Dr. Ehrmann, Direktor Simon, kais. Rath Ruzirka, Dr. Bloch, Dr. Münz, Dr. Jacob Kohn und Rabbiner Dr. Taglicht betheiligten. Manche dieser Reden waren besser ungehalten geblieben. So konnten wir z. B. die Ausführungen Dr. Blochs, eine verallgemeinernde Charakteristik der Inden und Arier, uicht billigen, und auch andere Reden haben unsere Zustimmung nicht gefunden. Wien. (Gesell s ch a f t für Sa m m l u n g u n d C o n s e r v i v u n g v o n K u n stu n d h i st o r i s ch e n D e ukmälern des Judeuthums.) Samstag, den 23. Februar 1901, präcise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des nieder-österr. Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11, die Vorführung und Erläuterung eigener Ausnahmen unter dem Titel: Eine Reise durch Tunis und Algier in Sciopticonbildern durch Herrn Josef Beck statt. Wien. (C h e w r a K a d i s ch a.) Montag, den 25. Februar l. I., am Vorabende 7. Adar, um 6 Uhr abends, findet im Bethause Innere Stadt (Seitenstettengasse) eine Gedächtnisandacht für die im abgelanfenen Jahre verstorbenen Vereiusmitglieder statt. Wien. Vorige Woche fand die Generalversammlung des orthodoxen isr. Bethansver eines „Adass Jisroel" bei großer Betheiligung der Mitglieder statt, wobei der bisherige Gesammtvorstand wiedergewählt wurde. Als Vertreter der Cultusgemeinde war Herr Dr. Alfred Berger anwesend, der versicherte, dass die berechtigten Wünsche des Vereines seitens der Cultusgemeinde wohllvollende Berücksichtigung finden werden. Dr. Berger wurde für seine Verdienste einstimmig zum Ehrenmitgliede ernannt. Bezüglich der rituellen Institutionen wäre noch die Errichtung einer eigenen Bäckerei fürs ganze Jahr, tvie auch für das Pessachfest zu erwähnen, ferner die Eröffnung der Privat- Religionsschule für Knaben und Mädchen. Men. (Verein „T o m e ch E w j o n i m".) Dieser in Wien einzig dastehende Verein zur Unterstützung armer jüdischer Zugereister hat am 17. d. M. im Beth Hamidrafch, II., Große Schiffgasse 8, seine ordentliche Generalversammlung pro 1900 abgehalten. Aus dem Rechenschaftsberichte, der von der sehr zahlreich besuchten Versammlung mit großer Genugthunng ausgenommen wurde, geht die unermüdliche Thäligkeir de- Gesammt- Dorsiandes und das aufopfernde Wirken und Sstwff-.'n der im Dienste der Humanität stehenden Männer hervor. Bewnders des allbekannten und hochgeschätzten Obmannes, des Herrn Prof. <©. Hoffman«, eines Greises von 80 Jahren sei an dieser Stelle gedacht, der selbst mehr als die Hälfte der gesummten aufgebrachten Summe per 3400 Kronen gesammelt hat und seine ganze K att und sein ganzes Wirken diesem edlen Werke widmet. Ihm würdig zur Seite stehen Herr Obercanior Schorr als Obmann-Stellvertreter. Herr Wilhelm Kohu, Coutrolor, Herr j Jes. Goldschmies. Casfier. A. Roseufeld, Schriftführer und die j Herren T. Dörfler und S. Wassermann als Beiräthe. Besonders! erwähnt sei auch der allbekannte Wohlthäter, Herr Ficob Weiß,! (in Firma Kohu und Weiß), der auch der auch diesem hum ini-! täreu Verein im verflossenen Jahre 120 Kronen ivendeie. A j Wohlthäteru sei hier noch bestens gedankt und es wäre dringlich j zu wünschen, da's sich diesem besonders uothweudigen U uer-! nehmen weitere jüdische Kreise anschließen, damit es de u Vereine! zu Pestach, wo der Bedarf ein dreifacher ist, möglich sei. seiner i Aufgabe gerecht zu werden. Bei der Wahl wurden außer den! oberwähnreu Herren noch die folgenden Herren iu den Ausschuss - gewählt: Mich. Figdoe, S. Diamant, Sig. Figdor, G. Braun? und M. Sp'regl. Möge es dem Vorstände, mit Herrn Prosessor : S. Hoff nanu au der Spitze, weiter gegönnt fein, in Eintracht i das Werk der Liebe und 'Woblrhätigkeit zu fördern und hiedurch; den Verein dem gestellten Z'ele zuznführen. ' Josef Singer. j Wien. (V erein zur H e v u n g der G e iv e r b e i n i Wien.) Der Festfral de; uied. oft. Geweebevereiueö, in welchem i der Verein am 17. d. M. feine Plena-versa-umlung abhielt, i war in allen seinen Theileu überfüllt und umfasste einen so j ansehnlichen Kreis von Vertretern gewerblicher, industrieller und i Finanzkreise, wie er sich selten zuinm nenfi wet. Die Begeisterung, die der Vortragende, Herr Hofuuö Gerichts Advocat Dr.! Friedrich Elbogen, in der Zuhörerschaft hervorri'.'f, äußerte sich durch wiederholten Applaus, und es kmn füglich vehauvtet werl den, dass einen von solch' hochiuteressaineu und neuen Gedanken! dnrch.vehten Vortrug über „Gerichtsfaalitudieu", der oou ebensoviel Scharfsinn als gestlnoe m H uuior erfüllt war, selten zu hören die Gelegenheit geboten wird. Allseits wurde der Vortragende lebbaft beglückwünscht, und als der Präsident Herr Brod den - Ausführungen die gebührende A lerkennnng zu Theil werden j ließ, wiederholten sich diele znstimmenden Beifallskuudgebnugeu. j Sodann demoustrirte Herr Adoli W. Schack mittelst Seioioricon 30 von ihm iu der Pariser Weltausstellung 190) ausgenommene Lichtbilder der letzten französischen Mode, die den Beifall! aller auwefeudeu zahlreichen Damen erh-elcen. j Unter den Vertretern der verschiedenen Corporationen bemerkte man die Herren Oöerbaurath Tau'sig, Regiernngsrath i und Gewerbe-Oberinspeetor Kulka, Abgeordneter Dr. Kronrwsrter, Baurath Wilhelm Stiaßuy. den Viceprästdenrea der üsterr.! Colonialgejellschaft, Dr. Weisl, Schriftsteller Jicques Jager, j Ober-Finauzrath Dr. Rappaport, Landesgerichtsrath De. Kohn, l Dr. Z-stls, Jnl. Singer, Director der üsterr. Discoutogei feil'chafk, Orcsschnlrath Strauß, Com n:rcialrasti Sstußni). viele! Präsidentinnen der. Wiener Frauen-Wohlrhatigkeisverela-e re. M-erkm. Der Verein zur Unterstützung armer Leidtragender! (Zelaonasr ladoksr utnisellan abolina), dessen erster Vorsitzeni der Herr Fabriksbesitzer I. Weinberg ist, feierte am 20. v. M ,! Nachmittags, wiederum iu würdiger, festlicher Wuse denZFahres-! tag der Gründung unter überaus zahlreicher Becheiligitag in! der alten Synagoge Heidereutergasse. Zwischen dem Minchagebet! und nach Vorlesung aus der Thorarolle bestieg Herr Rrbbiner Dr. Echelbacher die Kanzel zur Festpredigt. Derselbe schilderte iu wohldurchdachteu, tief empfundenen und mit überaus großem Beifall aufgeuommeneu Worten Zstle und Zwecke dieses nach mehrfachen Richtungen so edel und wohlthärig wirkenden Vereins seil dessen Bestehen bis heute und schloss mit einem innigen Segenspruch für das weitere Emporblühen, Wachsen und Gedeihen des Vereins. Die Rede machte auf alle H5 er tiefen Eindruck. Die einzelnen Festgesänge vor und nach der Predigt wurden von dem Obercantor Friedmann Mltstergittig zu Gehör gebracht. Au diesem seinem Ehrentage hatte de-. Verein die Freude, eine große Anzahl neuer Mitglieder aufaehmen;ir können.