Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Oie Wahrheit. Seite 5. die Klage gewiss nicht unterdrückt, dass die Welt verjndet sei bis aus die strammsten Antisemiten hiuaö! Hätte er ferner auch nur eine Ahnung von der rabbinischen Theologie gehabt, bereu Glauben an eine unsterbliche Seele doch lange vor Jesus im Volke lebte, so hätte er gewiss nicht alle Absonderlichkeiten der Ethik Zesu aus der philonischen Philosophie abgeleitet, und außerdem^ waren viele Böcke ungeschossen geblieben! Jüdische md christliche Kumäuen. Von Dr. Georg Brandes in Kopenhagen. (Fortsetzung.) Im Mai 1899 folgten für die Unterdrückten und Mißhandelten ..eA schlimmere Schreckenstage in Jassy. Nachdem sie die Vororte der Stadt unansgesetzt durch anfwiegelnde und drohende Reden in Bewegung gesetzt hatten, besch rossen die Antisemitenführer (Professoren, Studenten und Beauue) zum Angriff überzugehen. Unter den Augen der Behörden wurden Aufrufe vertheilt, in denen für die von Christen bewohnten Häuser, welche ja doch geschont werden sollten, Kennzeichen augegebkn und die Christen aufgefordert wurden, sich mit Stöcke» gegen die Juden zu bewaffnen. Der Präfeet, der Polizeipräsident, Deputate und Senatoren zeichneten Beiträge für diese „Manifestation". Man schlug Fenster ein, erbrach Thüreu, plünderte Läden und zerstörte Häuser. Darauf fand eine Scheinuntersuchung statt, welche Veranlassung dazu gab, vor Gericht voll Neuem gegen die Inden anfzureize». Der öffentliche Anklüger zog seine Klage gegen die Urheber zurück, dagegen wurden mehrere Inden zu 3—6 Monaten, einzelne sogar zu 2—K Jahren Zuchthaus verurtheilt, weil sie den Angreifern, die ihnen nach dem Leben trachteten, Widerstand geleistet haben Von nun an musste es allen Rumänen jüdischer Abkunft klar sein, dass sie in ihrem Vaterlallde völlig recht- und schutzlos waren. Bisher hatten sie das Land, in dem ihre Vorfahren Jahrhunderte hindtlrch ihr Vaterland erblickten, mit treuer Liebe umfasst uild in Bethätigung jener Anhänglichkeil für dasselbe, welche der israelitischen Bevölkerung in allen Staaten eigenthümlich ist, jede Gelegenheit ergriffen, um es auszusprechen, dass sie Rumänen seien, dass sie sich als Rumänen fühleil, im _ . , Kriege nicht nur aus Pflichtgefühl, sondern aus Vaterlandsgerlheit ist die Grausamkeit die einzige Frömmigkeit." — Wahr- 1 liebe wie Rumänen gekämpft hatten, obgleich sie Rumäilen ohne lich! Da dürfen wir uns über den Mädchenranb in Galizien Menschenrechte und ohne Bürgerrechte seien. Aber nunmehr hatte nicht sonderlich aufregen! Im christlichen Staate soll eben die die Stunde der Entscheidung geschlagen. Mißwachs und Theuerung, christliche Moral maßgebend sein. .. Aber leben wir denn auch! die im Sommer 1899 hereinbrachen, gestalteten ihre Lage zu wirklich, in einem christlichen Staate? einer verzweifelten. Aller Handel hörte auf; kein Credit wnroe Der wahre Christ darf nichts besitzen, darf nichts arbeiten.! mehr gegeben. Es war den Juden unmöglich, das trockene Brok „Tatum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen, i für sich und ihren Familien zu schaffen. Die kleinen Kinder erwas werden wir trinken, mit was werden wir uns kleiden?" Nach! froren in den Wiegen; die Eltern stahlen ein Bror, um die solchem Alleit trachten die Heiden (Matth. 6). Der wahre Christ | Klagen der älteren Kinder zu stillen. In Jassy begann mau darf kein Ehrgefühl haben, er darf die Verletzung leiuei* Ehre! man, für Geld, das von Juden aus anüereil europäischen und feines Ergenthums nicht bestrafen wollerl — die Rechtsj Städten gesandt worden war, unter die ausgehungerten Handpflege hat überhaupt keinen Platz tu der christlichen Ethik! Die > Werker Brod zu vertheileu. Im Dunkel der Nacht schlichen sie vielgerühmte christliche Feindeslieve macht ben modernen Rechtsj sich über den langen Hof zur Vertheilungsftelle, be>chämr staat einfach unmöglich! Ja, die ganze christliche Moral, con-! darüber, betteln zu muffen, sie, die noch vor einem Jahre fequenr durchgeführr, rvürde den Ruin aller Cultur, aller Sill-! wöchentlich 30—40 Francs verdient halten. Sie kamen iu erllchkeit und Wohlanstündigkeit zur Folge haben (S. 177). j bärmlichen, dünnen Lumpen — alles andere hauen sie mpetzen Thatsächlich feien alle Greuel der christlichen Religionsgejchichte,! müssen — um etwas Brod zu empfaitgeu. Oft kamen die Kinder, wie Maffenadfchlachtuug, Scheiterhaufen, Knebelung der Wissenj um an Stelle der kranken Eltern das Brod zu holen, schüft u. s. tv., aus der christlichen Ethik e»U|pningeu (S. 209). j In einem Briefe aus Galatz vom 28, Mai liest mau,. Für sie ist auch die aus deal Coucil zu Eonftanz gelteild gemachte! dass, wer die Stadt besuche, Unglückliche erblicke, die buchstävUch These charakteristisch: üaeretiois mm est servanda fides, | verhungern, Weiber, die sich vor Hmiger krümmen, Kinder die . Ketzern soll man keine Treue halten! Dass nach diesem Griinv-! zu Grunde gehen, nicht blos aus Mangel an einem Stück satz eilt irltercollfessioneUer Staat — und welcher ist es heiltj Brod, sondern — so unglaublich es klingt — aus Mangel an zutage nicht? —- einfach unmöglich ist, liegt aus der Ha»td. Der , eillem Schluck Wasser. Die jüdische Bevölkerung der anderen oberste sittliche Grundsatz, nach dem sich die heutige Gesellschaft '-Orte war in Rumänieu's zweiter Hauptstadt in solchen Mass-n richten kann, ist nicht die Liebe, aber schon gar nicht die Fein-.? znfariimengeströmt, dass sie zu Hunderte» in offenen Höfen, desliebe, sondern einzig und allein — die Gerechtigkeit! (6.132). i andere in den Synagogen, die meisten auf den Friedhöseu l,gen„ Die Gerechtigkeit aber, das scheint Albrecht Rail nicht zu! wo malt sie wie hungrige Wölfe umherstreifen sah, am Tage wissen, ist die Grundlage der jüdische» Ethik in Bibel und j von der Sonnenhitze und des Nachts von Mosquitostichen ge-. Talmud. Sonst hätte er, der Antisemit von reinstem Waffer,! quält. Die Kinder wäre» fast nackt, die Frauen meist fieberkrank. Evangeliums zur Richtschnur in einem modernen Staate machen, so wäre das die Proelamirung der absoluten Unordnung! Die Grundlage dei modernen Staates ist das eheliche Familienleben. Das Evangelium aber und das clafsifche Chriftenthum sind gegen Ehe nlld Familie. „Die Ehe ist nur im Alten, aber nicht mehr im Neuen Testament geheiligt" (S. 137). Nicht nur der Apostel Paulus wünscht, dass alle Menschen wäre» wie er (unverehelicht) 1 Cor. 7. 7°. Auch der Kirchenvater Tertnllian sagt frei heraus : Die Ehe. sei^ wesentlich dasselbe, wie die Hurerei" (S. 138). Der Mönch Jovinian, der behauptete, dass die Ehelosigkeit nicht verdienstvoller sei als die Ehe, wurde im Jahre .390 auf zwei Synoden,zu Rom und Mailand, aus 1>er Kirchengemeinschast gestoßen! Der Kirchenvater Origeiles hat das radikalste und wirksamste Mittel angewendet, um der Ehe zu entgehen — er entmannte sich! Nicht besser steht es mit der Kindesliebe. Wie Jesus seine Mlltter verleugnete (Mark. 3, 33) und von seinen Anhängern verlangte, Vater, Mutter, Weib, Kind, Bruder und Schwestern zu Haffen (Luk. 14, 26), ebenso haben die berühmtesten Vertreter der Kirche es darauf angelegt, die Familienliede aus ihrem Herzen zu reiße». Der fromme Bernhard von Clairvaux lässt ~ einen jungen Mönch, den seine Eltern zum Rücktritt aus dem Kloster veranlassen wollten, folgendes nette Brieschelr an sie schreiben: „Was habe ich von Euch außer Sünde und Elend? Diesen verderblichen Körper allein, das gestehe ich ein und erkenne ich an, trage ich von Euch. Genügt es Euch denn nicht, dass Ihr Elenden mich Elenden in das Elend dieser Well gesetzt habt, dass Sünder nicht Sünder in Eurer. Sünde erzeugt Habt, dass Ihr mich in Sünde Geborenen von Sünde ernährt habt? Wollt Ihr mir auch noch obendrein das Erbarmen misgönnen, welches ich von dem erlangt habe, der den Tod des Sünders nicht will, und wollt mich zu einem Sohn der Hölle machen?" — Der heilige Hieronymus ermahnte den Heliodorus, seine Familie zu verlassen und Mönch zu werden mit den Worten: „Wenn auch Dein kleiner Neffe seine Arme um Deinen Hals schlingt, wenn auch Deine Mutter mit aufgelöstem Haar ihr Kleid zerreißend aus die Brust zeigt, welche Dich säugte, wenn auch Dein Vater auf der Schwelle vor Dir niederfallt — gehe über Deines Vaters Körper hinweg, fliehe mit lhränenlofen Augen zu dem Zeichen des Kreuzes. In dieser Anaele- 3 I! I 'f