Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Beilage zur Zeitschrift „Pie Wahrheit." 21. Iahrg. Wann werden wir «ns organijirea? Die Zeit der Concurse rückl heran, und jeder von uns, der einen besser dotirten Concurs liest, reicht sein Offert ein. Mancher ist dabei im Glanben, wenn man ihn beruft, so ist er auch schon acceptnt. Aber die Herren Cantoren denken, und die Gemeinden lenken. Zn erster Reihe wäre es wünscheuswerth, dass wir uns vereinigen, nicht eher zrir Probe zu fahren, bis man uns die Spesen zusichert. Dies brachte uns einen doppelten Vortheil. Zunächst müssten wir nicht unseren karg bemessenen Gehalt dazu'verwenden, Probefahrten zu unternehmen uub dadurch unsere armen Familien zu verkürzen, und dann wurden wir auch den Gemeinden keinen Vorschub leisten, recht Viele zu berufen. Denn, wenn jeder sich im Vorhinein die Spesen bedingen wird, und die Gemeinden gezwungen sein werden, dieselben zu bezahlen, dann werden sie die-Zahl der Berufungen einschränken,- und'man wird daher auch eher zu einem Posten gelangen; denn viele Berufungen kosten viel Geld. Unter den jetzigen Verhältnißen kommt es auf ein paar Berufungen mehr oder weniger nicht an. Jllustriren wir das Gesagte an einem speciellen Falle, Die Gemeinde & z. B. schrieb im Juni vorigen Jahres einen Concurs aus. Unzählige Berufungen haben da, bis 8 Tage vor Rosch Haschonoh, stattgefunden, doch man höre und staune, Niemand war dort für die 900 fl. als befähigt anerkannt worden. Aber warum? Weil sie Niemandem auch nur einen Kreuzer Spesen gegeben und dabei 3 Monate Gehalt für einen Cantpr erspart hat. Hätte aber diese Gemeinde den Berufenen die Spesen ersetzen müssen, dann wäre gewiss jemand schon vor den Feiertagen befähigt befunden worden. So aber wurde der Concurs erneuert, und Gott weiß, wie vielen noch das Glück zu Theil wird, zum Probevortrag berufen zu werden. Bis Rosch Haschonoh ist doch noch weit, Berufungen kosten kein Geld, und man kann so viele Monate Gehalt für einen Cantor ersparen. Vielleicht bekommt man doch nach langem, Suchen für -900 fl. 'jährlich einen Opernsänger! Es ist daher hoch an der Zeit, dass wir nicht beim bloßen Schreiben bleiben, sondern endlich zur That schreiten und uns organisiren. Alle jene, welche der Organisation sich anschiießen, mögen dies der löbl. Redaction mittelst Karte bekannt geben. Trachten wir aber alle unser Blatt, „Die Wahrheit", zu fördern und kräftig zu unterstützen, damit alle Vorkommnisse, welche zwischen Gemeinde und Cantor sich ereignen, in demselben zm- Anzeige gelangen. Wir brauchen ein Blatt, welches sich uns zur Verfügung stellt, und dieses soll und muss als unser Fachblatt von Allen unterstützt werden. Jeder von uns weiß, wie viele Ungerechtigkeiten in Gemeinden gegen uns verübt werden, wo man -uns oft ohne Ursache das Brod entreißen will, oder auch entreißt- und uns sammt Familie, mag sie noch so zahlreich sein, erbarmungslos aufs Pflaster setzt. Auch gewisse Elemente, welche ..in uns Concnrrenten erblicken, sind oft dabei im Spiel. Wem sollen wir aber unser Leid klagen? Da kann nur ein uns wohlgesinntes Blatt helfen. Darum ist es sehr nothweudig, dass wir unser Blatt als Fachblatt betrachten und alle Vorkommnisse in demselben veröffentlichen. Denn, wenn die Geneinden zu befürchten haben werden, dass ihr-ungerechtes Treiben bloßgestellt wird, dann werden uns so manche Unannehmlichkeiten erspart bleiben. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Arbeitern! Wenn etwas zu ihrem' Wöhle durchgesetzt werden soll, treten sie überall solidarisch auf und erreichen zumeist, was sie anstreben. Und warum dies? Weil sie. organisirt sind, weil sie überall ihr Blatt und ihre Vertreter haben. So sollen auch wir unser Blatt als Arbeiterblatt betrachten, und jeder Beamte soll es halten, dann wird auch unser Los besser gestaltet-werden. Wir sind Factoren in beu Gemeinden, mit denen man. rechnen muss. Ohne Cantor kann nichts stattfinden, aber wie arg ist es trotzdem mit unserer Achtung bestellt? Bereinigen wir uns also ilnd dulden wir es nicht, von den Gemeinden so bagatellmäßig behandelt zu werden. Zeigen wir, dass wir eine Corporation sind, dass wir uns als Beamte fühlen und die Achtung und Behandlung als solche verlangen. Wir müssen in jedem Lande und in allen Comitaten unsere Vertreter haben. Wien-aber soll der Sitz unserer Hauptleitung sein. Wenn wir uns so aueinan--. der schließen werden, dann können auch unsere Familien einer besseren Zukunft entgegensehen. Tr...r. verschiedene. Nachrichten. Me«. Es istjetzt zeitgemäß, jdaran zu erinnern, dass der vor einigen. Tagen verstorbene König Milan von Serbien den Juden gegenüber stetsein gerechter und milder Fürst gewesen ist und überhaupt allen Confeffionen die größte Achtung entgegenbrachte. Einen eelatanten Beweisfür diese seine Gesinnung gab er, als er vor Jahren, am 17. Oktober 1888, in Begleitung seines Sohnes, des jetzigen Königs Alexander, gelegentlich seines Aufenthaltes in Wien den neuerbauten Tempel der türk.-israel. Gemeinde besuchte, woselbst für die hohen Gäste ein Festgottesdienst veranstaltet wurde. Beim Verlassen des Gotteshauses sprach König Milan dem Vorstande und den Funktionären Dank und Anerkennung aus und' richtete hiebei an den Kronprinzen Alexander folgende Worte: „Siehst du, mein Sohn, ich habe dich deshalb in dieses Gotteshaus mitgebracht, damit du lernest, dass man alle Confessionen gleich achten und ihren Anhängern in gleicher Weise gewogen sein soll." Wie« (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Der Verein hält Sonntag, den 17. d. M., präcise 7 Uhr abends im großen Festsaale des nied-öst. Gewerhevereines, I., Eschenbachgasse 11, eine Plenar-Versammlung ab. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Friedrich Elbogen, Hof- und Gerichts-Advocat^ „Aus meinen Gerichtssaal-Erlebnissen". 3. Vorführung von Toiletten der Pariser Weltausstellung 1900 mit colorirten Sciopticon-Lichtbildern durch Herrn Ad. W. Schack, Inhaber einer Lehranstalt für Schnittzeichnen. Für die Vereinsleitung: S. Brod, Obmann. Alfred Kisch. Schriftführer. Der Eintritt ist nur gegen Einladung gestattet. Wie«. (Jüdisches Museum.) Samstag, den 23. Februar d. I., halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des ,niederösterreichischen Gewerbevereines, I,, Eschenbachgasse 11, folgender Vortrag statt: Eine' Reise durch Tunis und Algier in Sciopticonbildern, Vorführung und Erläuterung von Herrn Josef Beck. Der Eintritt zu diesem Vortrage kann nur gegen Vorweisung von Karten erfolgen, welche vom kommenden Montag an im Bureau des Museums, 1., Rathhansstraße 13, Hochparterre, links, erhältlich sind. Wien. Der „Israel. Frauen-Wohlthätigkeitsverein für Hausarme in Wien", versendet seinen 30. Jahresbericht, der ebenso wie seine Vorgänger ein gktreues Bild von dem wahrhaft humanitären Wirken dieses Vereines entwirft, der, im Berichtjahre 1900 an Unterstützungen die nicht unbedeutende Summe von über 1900 Kronen verausgabt hat. Durch dw Theilnahme an den Actionen des vor Kurzem in's Leben gecuseaen Verbandes zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen hat derr; Verein seine Thätigkeit erweitert, wodurch sich auch eine Verstärkung des Vorstandes als nothwendig erwies. Die Generalversammlung, des Vereines fand am 4. d. M. unter dem Vorsitze der Präsidentin, Frau Clara. Klärmann, im Ceremoniensaale des Tempels in der Leopoldsgasse 19, statt. Nach, einigen begrüßenden Worten der Präsidentin und nach Erstattung des Rechenschafts-, Sassen- und Revisionsberichtes, wurde dem scheidenden Vorstände -einstimmig das Absolutormm ertheilt. Bei derdarauffolgende^ Vorstandswahl wurden wiedergewählt: Frau .Klara- Klärmann,. Präsidentin; Frau -Sophie Deiches, Vice-Präsidentin; -Frau