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Die Wahrheit · 1901-02-15 · Heft 7 (15.2.1901) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. . „ * Nr. 7. Die Wahrheit. Seite 11. Adele Edle von Mises, Vice-Präsidentin; Frau. Dr. Gisela Bien. -Caffierin; Frau Rosa Wiesner, Schriftführerin; Frau Ernestine Brecher, Frau Henriette Schneck, Frau Cäcilie Nussbeck. Neugewählt wurden die Damen: Selma Bachstelz, Amalie Brüll, Helene Deutsch. Als.Revisoren wurden wiedergewählt die Herren: S. Deiches und Athur Edler von Mises. In einer sehr beifällig aufgenommenen Rede sprach der Revisor, Herr S. Deiches, den Vorstandsdamen den Dank und die Annerkennung der Mitglieder für ihr segensreiches Wirken und für ihre nicht hoch peinig zu schätzenden Bemühungen aus. Wien. Im litterarifchen Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" hielt Sonntag, den 10. Februar Herr Aork Steiner einen sehr interessanten Vortrag über das „Deutschthum und jüdische Cultur" und las hierauf «ine seiner bekannten Geschichten „Die heilige Nacht" und «Wann wird er kommen" von Leo Rafael vor. Das zahlreich versammelte Publicum lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den mit echt jüdischem Gefühle 3um Ausdruck gebrachten Worten. Nach Beendigung des literarischen Nachmittags fand eine Ausschusssitzung statt, in welcher Berathungen über die am 24. Februar stattfindende große Purimfeier mit auschließendem Tanzkränzchen gepflogen wurden. Das rührige Herren- und Damen- «omite trifft mit großem Eifer Vorbereitungen, um das Fest würdig rind glanzvoll zn gestalten.' Wien. Im „Jüdischen Volksverein" hielt letzten Mittwoch Herr Hos- und Gerichtsadvocat Dr. Albert Wagner einen recht instuciiven Vortrag über den Tatmud. Wohl anknüpfend an de» kürzlich von Rector Dr. Schwarz gehaltenen Vortrag, bekämpfte er dennoch manche unrichtige Ansicht desselben, namentlich bezüglich der sogenannten juristischen Spitzfindigkeiten dieses encyclopädischen Werkes, welches er durch Vorführung einzelner halachischer und agadischer Beispiele charakterisirte. Der Vorfitzeude, Herr Cultusvorsteher Eltbogen, zollte im Namen des zahlreichen Auditoriums, in dem sich Rabbiner, Rechtsanwälte und Gelehrte befanden, dem Redner für seine hochinteressanten Ausführungen Dank und Anerkennung. ZSieu. Zu den wichtigsten Grundlagen des Jndenthums, gleichsam den nationalen Cardinal-Tugenden, gehört die Pflege von Thora. Abodah und Gemilnth Chassodim. Nach diesen drei Richtungen bewährt und bewegt sich die Haupttbätigkeit des orthodoxen Humanitäts- und Bethausvereins „Marpe lanesesch." aus dessen 5. Jahresberichte wir entnehmen, dass derselbe im abgelaufenen Jahre an arme Personen Unterstützungen im Betrage 6180 58 K. gewährt hat. Gewiss in unserer trüben Zeit eine respektable Summe, zumal in der ganzen Leopoldstadt kein einziger Verein kxistirt, der eine allg emeine philanthropisch Tendenz hat, etwa den Verein „Osten" ausgenommen, und auch dieser beschränkt seine Wohlihaten aus arme Reconvalescenten aus Galizien behufs Ermöglichung ihrer Heimfahrt. Die Mitgliederzahl übersteigt ein halbes Tausend, die Einnahmen betrugen 14.127 K., die Ausgaben noch um 578 74 K. mehr^ daher der Verein ein kleines Deficit zu decken hat. Bei der am 12. d. M. abgehalleneu Generalversammlung begrüßte der Obmann die Erschienenen und dankte sämmtlichen Mitgliedern für die freundliche Förderung der edlen Intentionen des Vereines, dem Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Friedmann als bewährter Seelsorger und Rathgeber trefflich zur Seile steht. Der Schristsührer, Herr Wilhelm Morgenstern, berichtete über die behördliche Bestätigung des neuen Statuts. Da zu demjclben nicht vorher die Wohlmeinung des Cultusvorstandes eingeholt wurde, scheint in höheren Regionen eine Verstimmung zu herrschen, woraus es wohl zurückzuführen sein dürfte, dass diesmal kein Vertreter der Hauptgemeiude bei der Generalversammlung anwesend sei. Bezüglich des Steines des Anstoßes, der Sammelbüchsen, bislang ein nothwendiges Uebel zur Geldbeschaffung, dürfte demnächst durch Errichtung einer eigenen, streng orthodoxen Fleischbank Wandel geschaffen werden, und mögen sämmtliche Freunde und Angehörige des Vereines diesfalls sich als solidarisch bewähren. Aus Antrag des Herrn Hahn wurde dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt und der Dank für seine gemeinnützige Mühewaltung votirt. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden gewählt: Eduard Hermann, Ferdinand Kohn, Salomou Steiner, Wilhelm Morgenstern. I. L. Zoltfchan. L. Schiller als Controlor, der jedoch das Mandat refüsirte, I. R. Stern, B. Groß.-Jak. Zoltschan, Josef Steiner, Sal. Frischmann, Max Reich, Sam. Daniel, Adolf Topp und L. Piowaty. Hierauf fand die Constituirung des Bereinsvorstandes in der Weise statt, dass die meisten Ehrenämter den bisher bestbewährten Kräften wieder übertragen wurden. Zu Bethausfunctionären (Gabboim) wurden gewählt die Herren: B. Groß. Max Reich, Josef Steiner und Jakob Zoltschan. Zum Schluffe sei noch die würdige Feier zu Ehren den großen Todten erwähnt, deren Verlust der Verein und das Gesammt-Judenthum in letzter Zeit zu beklagen hatte. Es sind dies Baron Simon Wilhelm v. Rothschild, Dr. Ludwig v. Gutmann und last birt not least, der im Alter Don 80 Jahren verblichene, wohlverdiente Rabbiner David Ullmann in Lackenbach, deren Andenken Rabbiner Friedmann wahrhaft erhebende Worte widmete. Die Seelenheilgebete recitirte in ergreifender Weise Herr Cantor Ellbogen. Das Gotteshaus war in allen seinen Räumen überfüllt und die durch die Büchsen erzielten Spenden wurden sofort an Arme vertheilt, deren eS leider derzeit in der Residenz zu viele gibt. ». Wien. Sonntag, de» 10. d. M. fand im Tempel des IX. Bez. in Anwesenheit zahlreicher Hochzeitsgäste die Trauung des Herrn Max Eisler mit Fräulein Rosa Beck, Tochter des Herrn Salomon Beck, statt. In Vertretung der Fugbach-Shnagoge, deren Vorstandsmitglied der! Brautvater ist, erschien, der Obmann, Herr Ad. Schrämet, und Cantor , Seifert. Den Trauungsact vollzog Rabbiner Dr. Gelbhaus, welcher an? 'das Brautpaar eine sinnvolle Ansprache hielt. Den liturgischen Theil! versah Obercantor Kläger unter Mitwirkung des von Cantor Pekarnik i trefflich geleiteten Chores in erhebender Weise. Wien. (Die Taufe eines Rabbiners.) Die „Nowa Resorma"! berichtet aus Wien, dass in der polnischen Kirche am Rennweg der junge Rabbiner Jehuda T. aus Galizien zum Christenthume übergetreten ' ist. Die Taufe vollzog der Resurrectionistenpriester Pater Jefewicz. Hewktsch. Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde erlitten. ' Herr Josef Beer, der durch lange Jahre Bürgermeister der isr. Stadt - gemeinde Gewitsch, Cultusvorsteher. Obmann der Chewra Kadischa,;! Mitglied des k. k. Bezirksschulrathes war, ist am 9. d. M. im 68. Lebenswahre verschieden. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 10. unter zahlreicher Betheilignng statt. Im Trauerhause recitierte Herr Obercantor Fuchs das Menucha-Nechauno in ergreifender Weise, worauf sich der Conduct in den Tempel bewegte. Hier hielt Sr. Ehrwücden Herr Rab- ' biner Dr. Kessler die Trauerede, indem er mit beredten Worten die j vielen Verdienste, die der Verblichene sich erworben, hervorhob. Nach; Absingung eines Psalms durch den Chor, bewegte sich der Zug unter j Betheilignng von hunderten Menschen auf den Friedhof, wo Obercantor! Fuchs das Hazur-toinim recitirte. Hierauf nahm ein Sohn des Verblichenen, j Herr Landes- und Gerichls-Advocat Dr. Beer, in erschüttender Weise in > seinem Namen und im Namen seiner Geschwister von dein thenren Todten j Abschied, wobei kein Auge trocken blieb. Nach Absingung'des Schiwisi j durch Cantor und Chor wurde das Grab geschlossen. n"2rr.-! Aus Wudapest wird uns geschrieben: Zum Bau des grandiosen Waisenpalastes benöthigte der Waisenvater Jacob Deutsch vor Allem Geld — recht ' viel Geld. Das innfsre nun aufgebracht werden und j darüber waren gar Viele aufgebracht. Deutsch besuchte unter den biesigen! Großhändlern auch Einen, der ganz besonders schlagsertig ist. Als er! ihn um einen großen Betrag anging und der Großhändler den Waisenvater nicht eher los werden konnte, als bis er seine Caffa tüchtig hergenommen hatte, da soll er zum Abschiede allen Ernstes gesagt haben: „Mein lieber Herr Deutsch! Falls Sie noch ein Waisenhalls bauen sollten, dann komme ich ins Siechenhaus " . . 3i non e veiO . . S. Iludapest. Ilm 13. Jänner l. I. wurde unter großer Betheilignng demnach langer Krankheit im 54. Lebensjahre hier verstorbene Cantor Moses Handsass (genannt Mosche Bass),zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verblichene war als vorzüglicher Chasan der alten Schule bekannt. Er fungirte in Balas-Gyarmat, Galantha und war auch vor Jahren in Amerika. Beim Leichenbegängniffe waren viele Cantoren u. A. die Obercantoren Bachmann, Hartmann und Weiss anwesend. Den Nachruf hielt Rabbiner Dr. Weiss. Der Verstorbene hinterlässt eine Gattin und mehrere Töchter, von welchen eine sich in Wien unter den Namen Gyarmati als Opernsängerin ausbildet. Werkln. Eine Vorführung anfgesnndener Reste altgriechischer und althebräischer Musik wird am 26. Februar im Berliner Neuen königlichen Operntheater (Kroll) stattfinden. Die bedeutsame Veranstaltung wird die wiffenschaftlichen und künstlerischen Kreise, aber auch die weiteren Schichten . der'Gesellschaft lebhaft intereffiren. Josef und Gäcilia Adler-Stiftung für Arme. Am 28. April 1901 gelangen bei der hiesigen israelitischen Cultusgeraeinde die halbjährigen Zinsen der obigen Stiftung per K. 240.— in Beträgen' von 40—60 K. an arme Personen israelitischer Religion behufs Bezahlung der Wohnungsmiethe zur Vertheilun“-. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armuth versehenen Gesuche bis 28. Februar 1901 im Einreichungsprotocolle der israelitischen Gemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, von 9 — 12 Uhr Vormittags zu überreichen. Auf später einiangende Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Arme Verwandte der Stifterin, Frau Cäcilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Kindern, ältere hilflose Frauen oder Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache angehörige Personen worden in erster Linie berücksichtigt. Geauchsblanquetto sind im Einreichungsprotocolle, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben. Wien, den L Februar 1901. D«r Vorstand der israel. Gultusgemeinde Wien.

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