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Die Wahrheit · 1901-02-15 · Heft 7 (15.2.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit. Seite A. M. 7. 1s weit gekommen war, wie es nur irgend anging, wurde es Sache des Einzelnen, einzugreifen und. zu vervollständigen, was Regierung, Kammer und Senat unvollständig gelassen hatten. ‘ Nun war es an jedem einzelnen Rumänen, soweit es bei ihm stand, die Juden zu martern, sie ihres Eigenthums zu berauben, zu mishandeln und todtzuschlagen. Damit indessen die vielen Einzelnen die Sache derart angreifen könnten, dass keine Kraft verloren ging, sondern jede Bethätigung so wirksam wie irgend möglich war, wurde am 8. November 1895 die sogenannte „antisemitische Allianz" gegründet, ein Geheimbund, der seitdem wie eine förmliche Maffia gewirkt und Schreckenszustände für die unglückticheu rumänischen Israeliten geschaffen hat. Und damit diese Maffia richtig arbeiten fouute, war es nothwendig, dass sie sich, wie die sicilianische,'mit undurchdringlicher Geheim- - uisthuerei umgab. Nicht einmal ihre Statuten sind gedruckt, und erst in diesen Tagen ist es gelungen, sie auszuknndschaften und zu veröffentlichen („Die Jüdische Presse", 7. December 1900). Diese Statuten machen sechs ausführliche Capitel aus, von denen das erste das wichtigste ist. In seinem ersten Paragraphen heißt es, dass diese in Bukarest begründete antisemitische Allianz Lweigdereine im ganzen Lande und Verbindungen mit allen Gesellschaften des Auslandes, welche das gleiche Ziel verfolgen, hat. Im zweiten Paragrgphen heißt es: „Die Allianz will,'da bas jüdische Element sich nicht assimiliren lässt, jede Vermehrung der politischen Rechte der Juden bekämpfen und alle zulässigen Mittel anwenden, um die Lage der Juden in Rumänien unmöglich zu machen und demgemäß ihre Auswandeeung aus dem Lande zu fördern." Paragraph 3 sagt: „Um dieses Ziel mit größerer Sicherheit zu erreichen, ist die Allianz eine geheime Vereinigung. Jedes Mitglied muss bei seiner Aufnahme einen Eid ablegen, wohl hinsichtlich aller Handlungen und Aufgaben der Allianz, wie auch hinsichtlich der Namen der Mitglieder strengstes Geheimnis zu bewahren." Diese Liga ließ zum erstell Male in November 1893 etwas von sich hören. Ihre Organisation war damals vollendet, ihre Agitatoren waren nach allen Richtungen ausgesandt, hatten überall gegen die Juden aufgestachelt und befohlen, dieselben zu boycottiren. Es ist wohl bekannt, dass frühere und jetzige Minister sowie fast sämmtliche Mitglieder der Kammer und des Senats der Allianz angehören; folglich war und ist ihre Autorität eine ganz ungeheuere. Am 17. und 23. November brachen in Bukarest Straßenunruhen aus, wahrend derer eine Plünderung der jüdischen Häuser stattfand, die von dem gegenwärtigen Domänenminister Filipescu augeordnet war, von dem damaligen Minister Pherekyvis unterstützt und von dem Premierminister Sturzda geduldet wurde. Pherekydes drohte den geplünderten Juden mit Ausweisung, falls sie nicht ihre Klagen um Schadenersatz znrücknehmen, und das, trotzdem gerichtlich erwiesen wurde, dass die patriotischen Plünderer ihre Beute öffentlich verauctionirt hatten. Nur der Mangel an pecuniäreir Mitteln hielt die Juden davon ab, schon damals auszuwandern. (Fortsetzung folgt.) Heimweh. Erzählung von Eduard Kutte. * (42. Fortsetzung.) Sie bat den Alten um Verzeihung wegen des Schreckens, den sie ihm durch ihre Flucht bereitet, aber das Heil ihres Mannes und ihres Kindes habe ihr zu sehr am Herzen gelegen. Der alte Niederhuber schrieb auf den Brief keine Antwort, tx schwieg still und hatte auch nicht gerne, dass man mit ihm von der Sache rede. Brigitte konnte sich freilich nicht so leicht ein Blatt vor den Mund nehmen; in der Art, die wir au ihr kennen zu lernen schon manche Veranlassung hatten, ließ sie sich auch über die Angelegenheit ans und schimpfte recht derb und weidlich Ker die nichtsnutzige Zeit, über den Leichtsinn der Welt und wie das alles in früheren Zeiten ganz anders zugegangen. Brigitte hatte, wie die Leute auf dem Dorfe draußen tzön ihr sagten, das Maul auf dem rechten Fleck und sprach immer grad von der Leber weg^ auf Honza aber machte der stille Kummer seines Meisters einen größern und tiefer» Eindruck als Brigittens Wortschwall und als alle ihre Deelamationen von Heidenthum und Teufel und Hölle, Flamme und Scheiterhaufen. Auch er sprach nicht viel über die Sache, unir darin glich er allerdings seinem Herrn und Meister; nur konnte er sich nicht enthalten, die Sache, wie es nun einmal in seiner Natur lag, auch vom humoristischen Standpunkt anzuschauen und dabei die Bemerkung fallen zu taffen, dass sich nun doch auch wie im Evagelinm Josef und Marie auf der Flucht, und wenn auch nicht auf der Flucht nach Egypten, jo doch auf der Flucht nach Amsterdam befunden hätten. Aber nicht nur ins Dorf hinaus, auch in die „Gasse" war ein Brief aus Amsterdam gekommen, welcher die merkwürdige Neuigkeit mittheilte. Josef hatte denselben an seine Mutter gerichtet und diese, welche wegen Schwache der Augen schon seit einiger Zeit selbst aus ihre Lieblingslectüre ans dem Menorath-hamoor verzichten musste, ließ sich das Schreiben von Finkel verlesen. Der Brief lautete, wie folgt: Geliebte und theuerste Mutter-Leben, bis zu hundert Jahren! Wie soll ich es ansangen^ vor Dich hinzutreten und Dich für all den Kuminer. ben ich Dir Jahre hindurch bereitet Hab, um Verzeihung zu bitten, womit soll ich mich rechtfertige» für das Leid, das ich Dir zugesügr, und den Schmerz, den ich über euch alle herausbeschworen? Mein Kops schwirbelt mir vor Gedanken, die sich darinnen her,»»wälzen, und die Feder zittert in meiner Hand so stark wie das Herz in meiner Brust pocht. Ich muss ansangen mit dem Ende, denn ich kann das Wort nicht länger zurückhalten; ich bin ivieder. wer ich gewesen bi», ich bin zu dem Glauben ineiuer Kindheit zurückgekehrt. Ich wünsch keinem, der mir Gnt's gönnt, dass er es erfahren soll, was ich erfahren Hab. Glaub mir, Mutter-Leben! Alles das, was mir Finkel, meine gute Sch irrster wie sie zu mir gekommen ist, um mich abzuhalten, gesagt hat, alle Erinnerungen, die sie mir aufgezählt hat aus meilter Kindheit, alles das habe ich mir selbst gesagt und wie sie da bei mir gesessen ist, und jedes Wort von ihr war ein Pfeil, den sie in das Her; hingebohrr hat, da war ich ihr gern um den Hals gefallen uns hätl' ihr gesagt: Ja, Finkel-Lebe», Du Haft Recht, komm, führ mich zu. ück zu meinen Eltern, führ mich heim zu ihnen, ich will rhun, was sie von mir wollen. _ (Fortsetzung folgt.) Kundmachung. Die PriTatisten-Prüfungen aas israelitischer Religion für Schüler (Schülerinnen) an Volks- und Bürgerschulen finden für das I. Semester des Sohuljahres 1900—1901 nach folgender Eintheilung statt: Für Schüler (Schülerinnen) wohnhaft im Bezirke Tag und Stunde der Prüfung Ort der Prüfung 1, II.. XI., XX. Donnerstag 14. Febr. , 21. „ » 28 » 17» l. Bez., Seitenstettengasse Nr. 2, U. Stoek Religionsschute UI. bis incl. X. und XIX. Dienst. 19. Feh. 3—Vsö Uhr Freitag 22. * 2—*/24 „ Dienst. 26. „ 3 — Va5 „ I. Bez., Seitenstettengasse Nr. 4, I. Stock, im Hangs links, Inspections-Zimmer XII.-XV. Mittw. 20. Febr. 2— 4 Uhr Sonnt. 24. n 9 11 „ XV. Bez., Turnergasse 22, Gemeindehaus XVI—xm Sonnt. 24. Febr. 2—4 Uhr XVI. Bez., Hubergasse 8» Gemeindehaus xvnt Sonnt. 24. Feh. 11 —12 Uhr Mittw. 27. „ 5—6 UhrA. XVIII. Bez., Schopenhauerstrasse 39, Gemeindehaus Die Prüfungstaxe betrügt K. 8 — und wird in Vorhinein an der Caisa der Cultusgemeinde, I. Bez., Seitenstettengasae 4, oder bei der entsprechenden Amtsleitung im XV., XVI. oder XVIII. Bezirk zwischen 9—12 Uhr entrichtet. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Der Erlagsohein über die Prüfungstaxe gilt für das I. and II. Semester des laufenden Schuljahres.) Wien, am 4. Fenruar 1901. D«r Vtrstaad der Israel. CnltaagMMiMte Wien.

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