Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Pie IPahrhett. Seire 7. - Lass' die Juden auf einen bestimmten Ort beschränkt werden." Die Schranken der freien Niederlassung fielen mit dem Jnslebentreteu des vom 1840er Reichstage geschaffenen Gesetzes, welches bea Inden gestattete, sich wo. immer im Lande — mit Ausnahme der Bergstädte — niederzulafseu. Die thatsächliche, wenn, auch nicht anerkannte Conftituirung der Pester jüdischen Gemeinde fällt in das Jahr 1787, in Welchem die Pester Juden ihr Bethaus eröfsneren. Dieses Bet- - Hans war ein gemiethetes Loeal im Hänsler'schen Meierhof in - der Königsgasse. Im Jahre 1788 erhielten die Inden von der Stadt unentgeltlich einen Begräbnisplatz. Die Aufsicht über ihr Glaubensleben fühlten anfänglich die Altofner Rabvinats- Assessoren, seit 1789 der Altofner Rabbiner Moses Man;. Unter dem 23. Februar 1797 richteten die Pester Juden ein Gesuch - an die Statthalterei, es möge ihnen gestattet werden, einen Rabbiner zu wählen und in ihrem neuen Tempel offen ihren Gottesdienst zu hallen.'Der neue Tempelsaal war im April 1796 im Baron Orczy'schen Hause, an der Ecke der Königsgasse nno des heutigen Karlsriuges aus sechs Jahre gemiethei worden. Die Staathalterei gab dem Gesuch Folge und die Gemeinde wählte im Frühjahr 1799 den aus Altoseu stammenden Israel Wahrmann zu ihrem Rabbiner. Dieser Seelsorger, den der ehr- und herrschsüchtige Moses Münz einen unbedeutenden Menschen genannt hatte, trug durch sein Wirken weseiulich dazu bei, dass die Pester jüdische Gemeinde in verhältnismäßig kurzer Zeit die erste des Landes wurde. Bescheidenheit, Friedensliebe und Sinn für moderne Bildung und Gesittung kennz-'ichnelen Wahrmann's Persönlichkeit und Thätigkeit. Ans seine Initiative.und unter seiner Mitwirkung kam das erste Statut der Gemeinde zu Stande. Seinem unermüdlichen Streben war es hauptsächlich zu dailken, dass im September 1814 die Elementarschule der Gemeinde eröffnet werden konnte, „welche nebst dem Unterricht im Hebräischen es für ihre Ausgabe erachtete, die gemeinnützigen Kenntnisse zu verbreiten und die nationale Sprache zu pflegen." Zu jener Zeit gab es im Schoße der Pester Gemeinde auch mehrere mit Erlaubnisse,.- Statthalterei eröffnete Privat-Lehrinstitnte, unter welchem die S. Eibenschitz'sche, später Naschitz'sche Mädchenschule sich bis auf unsere Tage erhalten hat. Unter Wahrmann's Leitung mehrten und entwickelten sich die Cnlttts- und Wohlthätigkeits-Justitutionen der Gemeinde. Im Schoße derselben bestanden schon zu Beginn des XIX. Jahrhunderts die Chewra Kadischa, ein Schiur-Verein (zur Pflege der jüdischen Wissenschaft), ein Krankenhaus (in der Kreuzgasse, heute Kazinczygasse), ein Kranken-Unterstützungsverein, ein Waisen-Unterstützuugsverein u. s. w. Wahrmann starb am 24. Juni 1826. Sein Tod brachte riese Trauer über die ganze Gemeinde. Rach seinem Hinscheiden lockerten sich die Bande der Eintracht unter den Gemeindemitgliedern. Einige der gebildeteren »md wohlhabeitderen unter Führung Gabriel Ullmaun's setzten es durch, dass nach dem Muster des Gottesdienstes der Wiener Israeliten eine „Chorschule" eingerichtet werde. Die erste Ehorschule befand sich im Hause „zur weißen Gans" in der Königsgasse. Der erste Cautor, der den Gottesdienst mit Begleitung eines Gesangschores versah, war der aus Altoseu stammende und musikalisch gebildete Karl Eduard Denhof, ein Schüler des berühmten Wiener Camors Sulz er Im Jahre 1830 nahm die Gemeinde diese Ehorschule, fortan Cultustempel genannt, in die Reihe ihrer Institutionen auf.und verlegte sie in das Orczy'sche Haus, in unmittelbare Nachbarschaft des alten Bethauses. (Schluss folgt.) Pro domo. Es war im Jahre 1848, da ernannte Ferdinand I. das erste kgl. ungarische Ministerium, und Franz Deak übernahm das Justizmittisterium. In Preßburg, wo damals der _ ungarische Landtag tagte, brachte Deak das neue Preßgesetz ein, und das Haus nahm dasselbe an und proclamirte. damit die Preßfreiheit. Nach der betreffenden Laudtagssitzung begaben sich mehrere Ablegaten zum „Weisen der Nation" und interpellirten ihn über die freie Presse. „Lieber Deak dä-eoi" — so wendeten sie sich an den damaligen Jnstizminister — ..was darf man nun drucken lassen?" Deak gab die lakonische Antwort: „Alles, wenn es nur die Wahrheit ist!" Deak's weisen Ausspruch halle ich mir stets vor Augen, so oft ich die Feder führe. Unerschrocken schreibe ich Alles nieder, was wahr ist und meiner Ueberzengnng nach ans Wahrheit beruht. Sollte ich mich jedoch einmal irren, so bin ich stets bereit, sofort den Jrrthum offen zu bekennen. Man hat mich nun seitens des Präsidiums des israelitischen Knabenwaisenhauses ersucht, meine Mittheilungea bezüglich der i Einweihungsseiertichkeiien dahin richtig zu stellen, dass die Ein-! ladung an den Ministerpräsidenten nicht all einem Sabbath, j sondern am Dienstag erfolgte. Ich bedauere, dieser Bitte nicht j willfahren zu können, da ich vollkommen verlässliche Jnsormaj tion besitze, * dass die Einladung zur Einweihung des neuen - Waisenpalastes Samstag, den 8. Deeember 1900, erfolgte. Diese officrelle Sabbarhfahrk hat somit stattgesunden, und keinerlei? Dementi rvirö sie ungesryehen machen. j Ein Skndiojns juris har in der letzten Nummer dieses j Blattes behauptet, dass die orkh. Judengeineiilse in Eperies I ebenfalls dieewige Pampe mir elektrischem rothem Glühlichte j beleuchtet. Aufrichtig gestanden, habe ich diese Mittheilung mir j großer Skepsis ausgenommen, sollte sie aber dennoch wahr sein, dann wäre sie nur dadurch erklärlich, dass die erwähnte Gemeinde schon seit Jahren keinen Rabbiner hat und ohne geistliches Oberhaupt dem Willen von Laien überliefert ist. Oer Tempel wurde erbaut und eingerichtet vom Gem.iudevorstande! ganz allein, und der neue Rabbiner tritt erst nächster Tage sei» j Amt an. In der raböinerlosen Zeit kann dann allerdings etwas j geschehen sein, lvas natürlich ebenfalls gerügt zu werden per»! dient. Aber abgesehen davon, hatte ich es nicht nölhig in die! Ferne zn schweiien, lag doch das Schlechte leider gar jo nahe!! Ich habe auch von anderen Gemeinden kein Sterbenswörtchen! geiprocheil, und das „noch nie Dagewesene" bezog sich einzig j und allein ans bie durch die Dentsch'sche Zivingherrschask eingerifsene irreligiöse Mißwirthschast der großen and achtunggebietenden Pester israelitischen Religionsgemeinde, die so viel Herrliches zum Ruhme Israels leisten könnte mp auch leisten würde, wenn sie an ihrem ebteit Auffluge nicht gar so oft - gehindert würde.! Doch ich möchte ja über die ewige Lampe noch etwas bemerken. In der heiligen Schrift lese ich: „Und du geoiete den; Kinder» Israels, dass siedir bringen lauteres Oel, von gestoßeireu l Oliven, zur Beleuchtung, um die Lampen beständig anzltfteckeu. Im Stistszetle, außerhalb des Vorhanges, der vor dem Zeltgnis,; sollen es Aharon und seine Söhne zurecht machen für den Abend; bis zum Morgen vor dem Ewigen, eine ewige Satzung für! ihre Geschlechter von Seiten der Kiitder Israel." (2. B. M.! 27. 20/21.) Hieraus ist klar und deutlich zu ersehen, dass das i Xor tomid, die ewige Lampe, einzig und allein mit Oel gespeist i werden darf, was nicht nur die orthodoreil, sondern auch die J weniger strengen Fortschrittsrabbinen anerkennen, aber auch an-! erkennen müssen. Außerdem ist es ein althergebrachter Usus,! welcher schon durch sein hohes Alter geheiligt ist und ans Pietät : für alle Zeiten inkacc bleiben sollte. Nicht nnr in allen jüdischen i Gotteshäusern, mit Ausnahme der beiden Pester Waisenhausi tempel und — meinetwegen auch der Eperieser orrhoo. Syna-! goge, sondern an allen Audatztsstätteu sämmtlicher christlichen! und mohamedanischeu Cttlren tverden die ewigell Lampen nun; mit Oel versehen. Warum soll nun Israel, das älteste Reli-! gionsvolk, gerade hierin eine sträfliche Ausnahme machen?! Etwa weil es dem unjndischen Euitu ches nnd seinem gleich-! gesinnten Bruder, dem Waneno uer, ferner dem Kaiierl.-Kohnigl i Rabbinate so gefällt? Das wäre in der Tha. mehr als fon-! derbar!!....? Budapest. D. H. Spitzer.