Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Die Wahrhert. e 6. Nr. 7. Toleranz in weilen Kreisen des Landes zur Anerkennung gelangt Pnd, die Beobachtung des Sabbath die größten Schwierigkeiten rmd geht oftmals auch Söhnen religiöser Häuser durch die beständigen Versuchungen, denen sie in der Schulenusgesetzt Lmd, schon in frühem Alter gänzlich verloren. Andererseits werden die Religionsfächer, für die die Schüler staatlicher höherer Lehranstalten zumeist auf vrivaten, in der ^Regel nicht sedr hoch geschätzten Unterricht angewiesen sind, in Een'jüdischen Lehranstalten in dem Rahmen des allgemeinen Unterrichts bebandelt und dadurch schon als gleichwerrthig mit -Änderen Gegenständen angesehen. Es ist also mit Recht zu erwarten, dass bei sonst gleichen Vorbedingungen das Studium Hinserer heiligen Schriften bei den Zöglingen indischer Lehr-! -Änstalteu eiue weit größere Würdigung als bei anderen ' Puden wird. Wie sehr aber eine gründliche Kenntnis des jüdischen 1 Echriftthums der beramvachsenden Generation noth thut, bedarf; gerade in unserer Zeit, wo die Lehren des Iudenthums so viel-! sach verkannt und verunglimpft werden, keiner besonderen Erörterung. Beginnt doch setzt gerade in weiten Kreisen unserer Glaubensgenossen auch bei solchen, die sonst dem practische» i Jndenthum ferner standen, eine Ahnung davon aufzudämmern, was sic der eignen Würde und Selbstachtung schuldig sind: sich wit dem geistigen Erbe Israels .vertraut zu machen und es alten! Anfeindungen zum Trotz hoch zu halten, nicht - d»rrch übertriebene mnd lächerliche Assimilationssucht sich ihres wahren Werthes feige entäußern. , Dir Juden in Budapest.! . ii. Die Pester israel. Cultusgemeinde ist nicht nur die jüngste! ^Dudaprster Gemeinde, sie ist überhaupt eine der jüngsten im! ^ande. Wohl mag es in älteren Zeiten in Pest vereinzelt Inden j gegeben haben, aber über ihre Schicksale ist soweit wie nichts bekannt. Zn der Türkenzeit wohnten Juden in Pest; gegen das Gnde derselben befand sich der Zndensriedhof in der heutigen Leopoldjtadt in der Gegend des Leopoldstädter Casinos — „gerad Zegen der Stadt (Ösen) über, aus der anderen Seiten des "Flusses, sein der Türcken und Inden Grabstätte, durch da.s Held gleichsam . ausgestreuet, unterschieden mir eingehauenen Tulbamen, klein und bedeckt, nach Beschaffenheit der Personen" — so berichtet Johann Benaglia in seiner 1867 zu Frankfurt -Erschienen „Ausführlichen Reiss-Beschreibung". Nach der Ver Ereibung der Türken indess wohnte irr Pest ein Jahrhundert Lang keur Jude. Kraft ihrer Privilegien (»Zur Autoritär des "Magistrats gehören . . . Bürger uub Einwohner aufzunehmen hie Juden und Zigeuner zuzulassen, das zu dulden oder ab;utuencn") als kou. Freistadt verweigerte die Stadt Pest den Judeu die Niederlasftrug; selbst der Durchzug wurde ihnen erschwert: der durchreisende Jude musste dreißig Kreuzer, der übernachtende einen Thaler zahlen; später wurde der „Schlas- Hroscheu" aus drei Kreuzer herabgesetzt. Das ganze ^XVIII. Jahrhundert hindurch bis zum Erscheinen des Toleranzedikts Joses's IL vereitelte der Pester Magistrat jeden Versuch eines Juden, sich in Pest niederzulassen,' ja selbst Samuel Mendel And Löw Letlersvorser, welche von Maria Theresia das Privilegium halten, im Land wo immer wohnen und Handel treiben zu dürfen, wurden abgewiesen. Als Ausaugs 1726 im strengsten Winter der Chef der berühmten Wiener Firma Oppenheimer Mit fünf Glaubensgenossen nach Pest kam, wo sie bei der köu. Tafel zu thun hatten, wurde ihnen zwar gestattet, sich tagsüber Pest auszuhalteu, aber die Nacht mussten sie in Ofen zuchrmgen, wohin sie sich über die zugefroreue Donau begaben; Erlös für den Fall, dass das Eis unpassirbar wurde, stellte Ehnen der Magistrat die' Erlaubnis/ gegen eine bestimmte Gebühr Lu Pest zu übernachten, iu Aussicht. Und dabei blieb es, trotz- Lem die tön. Tafel und die Hofkanzlei sich aus Seite der Juden Pellten. Und als die Pressburger Jude» I. M. Wormser uud Michael Hirsch, vom Kecskemöi.r Jahrmarkt kommend, wegen der Eisstauung nicht über die Brücke nach Ose» gehen konnten, und deshalb in der Vorstadt Pest's übernachteten, wurde ihnen vom Magistrat eine empfindliche Geldbuße auferlegt. Den ihm am 25. Februar 1727 zugegangenen Judenconscriptionsbogen sendet der Magistrat der Statthalterei selbstbewusst und stolz mit bem Bemerken zurück, dass auf seinem Territorium Tein Jude wohne, und als 1735 die Juden abermals consckibirt werden sollen, schickt der Magistrat die Conscriptionstabe.lle leer zurück, da die Stadt keine Juden habe und auch in Hinkunft keine haben weide. Roch 1766 durften die Juden die Pester Märkte nicht besuchen; später gelingt ibuen dies wohl, aber:jie müssen die Erlaubnis'mit'beträchtli neu Abgaben erkaufen..; Erst" das Toleranzpatent Josef II. machte, wie. erwähnt, . im Jahre 1763 diesen Zuständen ein Ende; diese Verordnung konnte „der erste Grundstein zur'Bildung der Pesther Israeliten dankbarst genannt werden". Während die Juden in Pest früher nur für die Dauer des Marktes (16 Tage lang) ein Gasthaus offenhalten durften, schloss der Magistrat schon am 30. Oetober des genannten Jahres mit der Altosner Cultusgemeinde einen dreijährigen Vertrag, wonach diese gegen einen jährlichen Pachtschilling von 550 fl. an vier Stellen der Vorstadt (das heißt Theresienstadt) ein Wirthshans halten kann. Die ersten jüdischen Ansiedler stammten ans Altofen; die ersten Familien, die sich' in Pest niederließen, waren Ossenheim, Berliner, ^chönttein, Boskowitz und Leilersdorfer. Dass der Pester Magistrat den Inden auch in der Folge mannigfache Schwierigkeiten in den Weg legte, lässt sich denken. Die indischen Bewohner zerfielen in tolerirte, welche sich ansässig machen dursten, und in kommorante. die sich nur zeitweilig hier aushalten konnten. Im Jahre 1787 erschien die Verordnung Kaiser Joses's, wonach die Inden deutsche Familiennameit annehmen mussten; im selben Jahre erschien die erste amtliche Conscription der Juden, i ach welcher es damals 14 tolerirte Familien und insgesammt 114 Ansässige gab, die zumeist-der. dienenden Classe angchörren. Hieraus darf indess nicht gefolgert werden, dass die Juden so reich waren, um sich große Dienerschaft halten zu -können, sondern die „Diener" waren Juden, die, um ständig hier wohnen zu können, sich als „Angestellte" der Tolerirten ansgaben. Kaum hatte Kaiser Josef im Jahre 1790 die' Augen geschlossen, als die Stadt Pest, aus die Revocation des Kaisers gestützt, die Inden wieder vertreiben wollte. Die Gefahr für die Juden war groß und sie >vandten sich in ihrer Bedrängnis schließlich an den Reichstag, welcher zur Prüfung der Ang-legenheitell der Juden eine Commission einietzte und zugleich" (im G.-A. XXXYIII) aussprach, dass die Inden einstweilen in dem Zustande zu belassen seien, in welchem sie am 1. Jänner 1790 waren. Konnte demnach die Stadt Pest ihre Inden nicht anstreiben, so suchte sie doch ihnen in jeder möglichen Weise das Leben sauer zu machen. Man gestattete ihnen nicht, ihre Eingaben »lud Schriftstücke mit „Pester Jndengemelllde" zu unterschreiben, die Unterschrift durste nur lauten: „Pester Inden" oder „Pester Jndenschast." Im Deeember 1799 gab es in Pest schon 310 tolerirte und 765 commorante (zu zeitweiligem Aufenthalte berechtigte) Juden. Mit der Zeit verbreiteten sie sich auch außerhalb der Theresienstadt. Der Stadtmagistrat wandte sich deshalb an die Statthalterei mit der Bille, die Inden sollen auf die Theresienstadt beschränkt bleiben uns ihnen das Wohnen in der Inneren Stadt und in her Neustadt (Leopoldstadt) verwehrt werden. In der That gestattete die Statthalterei unter dem 24. April 1804, dass die Juden aus diesen zwei Sladttheilen ausgeschlossen werden. Den christlichen Bürgern der Leopoldstadt tvar diese Verfügung keineswegs willkommen, beim durch die Ansiedlung der Juden in der Leopoldstadt — diese zählte damals schon 62 Judenfamilien — war in diesem Stadt - theile der-Werth der Grunde und Häuser bedeutend gestiegen. Im Jahre 1815 war es übrigeils die Stadt selbst, welche die Statthalterei bat, die Ausschiießungssrage falle»! zu lassen, „weil der Fleiß der Juden und ihre Verdienste um die Stadt, die Bürgerschaft bewogen habe, voir dem Verlangen abzufeh: n,