Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 6. err.-Ungar. Manroren-Keuung. Beitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Iahrg. Ncherionen. Von Moriz Mandl, Bezirks-ReligionSlehrer. Wieder ist ein Jahr im uferlosen Zeiträume dahingeflossen und nun haben wir auch schon die Schwelle des ersten Jahres' im neuen Jahrdunderr überschritten. Wiewohl man nicht voraus sehen kann, wie sich das gegenwärtige Jahr gestalten wird, so dürste es doch von Interesse sein, wenigstens eilten Rückblick aus das soebenabgelausene zu werfen, um so seine Schlüsse zielen zu köilnen. Eigentlich ist es — namentlich für einen Culmsbeauuen bei uns — nicht so leckt, unsere Lage, die Erscheinungen. die-in unserem Stande zu Tage treten, einer gerechten Kritik zu unterziehen, denn, aufrichtig gesagt, haben wir ja keine» sogenannten „Verein zur Wahrung unserer Standesinteressen" hittter uns, dessen Thäligkeit wir besprechen und dessen Erfolge oder Misersolge unseren Betrachtungen als Grundlage dienen könnten. Ja, noch mehr! Seit ca. 3 Jahren haben wir sogar unser öffentliches Organ eingebüßt, und die ehemalige „Ocsterr.'ungar. Cautoren-Zeitung" nimmt heute ein bescheidenes Plätzchen als Beilage einer anderen „unabhängigen Zeitschrift für jüdische Interessen" ein. Seien wir froh, dass es wenigstens die „Wahrheit" ist, die uns unter ihrem Dache dieses bescheidene Plätzchen gewährt. Doch scheint es, dass auch dies blos nur einen Act der Pietät bedeutet, gewissermaßen einen Dank der auf den Ruinen der „Cantoren-Zeitung" entstandenen „Wahrheit." Bezeichnend ist es immerhin, dass ein großes Heer von i Beamten, wie es die zahle c/Sn Cultusgemeinden der österr.- ungar. Monarchie aufweisen, fast ganz ohne Organisation dastehl. Dem Uneingeweihten muss es scheinen, dass es uns an nichts mangle, wir hätten keine Sonderinteressen, ein jeder von uns sei ein vornehmes, unentbehrliches Glied seiner Gemeinde, die auch stets in bester Weise für ihre Diener Sorge trägt. Wir jedoch wissen, dass es leider anders ist. Sehen wir uns ein wenig um, und wir haben ein klares Bild unserer Berhältniße vor Augen. Ein großer Theil des bestehenden Misverhältnißes ist freilich auf unser Schuldconto zu setzenz 'die Indolenz in unferer Mitte hat uns fast das letzte bischen Selbstständigkeit geraubt. Wir wollen uns jedoch auch nicht allzustrenge beurtheilen; denn, was nützte schließlich unser strammes Zusammenhalten den Gemeinden gegenüber? Sieht sich jemand von Seite seiner Gemeinde chicanirt, so steht es ihm immerhin frei, bei der „Wahrheit" Zuflucht zu suchen. Wir hatten im abgelaufenen Jahre oster Gelegenheit, unserseits verschiedene Klagen zu höreil, Klagen, die. in der Regel in'einem dringenden Ruf nach Organisation ausklingen. Ich selbst habe im Vorjahre in Nummer 6 . der „Wahrheir" (Beil lge) in dem Artikel.: „Zur Organisation der Cullusdeamten" das Schicksal eines, bedrängten Collegen beklagt, und meinem. Beispiele folgten noch viele andere; aber was nützte es auch? Mitunter kann es dem Betroffenen sogar noch schaden. Mir ist ein Fall bekannt, wo ein wirklich ehrenwelcher College seine Leidensgeschichte im erwähitten Blatte „anonym" erzählte. Es ging dem Mann dort wirklich nicht gut, aber nach Erscheinen der verhängnisvollen Nummer, die feine gerechte : Beschwerden umer Bloßlegung der betreffenden Gemeind everhältuiße reproöucirte, machte er sich dadurch dortselbst ganz unmöglich. Bei einer nächsten öffentlichen Cultusgemeinde- Sltzung wurde nämlich , der „Canror" aufgefordert, sich als Verfasser des ineriminirren Artikels zu bekennen, was er auch als Mann von Ehre ohne weiteres einbekannle; die Folge davon war „gar nicht übel." Unser College hatte das zweifelhafte Vergnügen, noch in derselben Stunde den sogenannten „blauen . Bogen" in Empfang zu nehmen. . ‘ I R € rla in 0 "E d s II * 1' Ä Man darf also nicht immer ausplauichen, was man am. Herzen hat; es muss jeder mit seinem Schicksal zufrieden sein so er sich nicht selbst helfen kann. Es steht auch jedenfulls außer Zweifel, dass diejenigen: Herren Colleges die vom Schicksale begünstigt, sich in gesicherter Stellung befinden und uns, wie z. D. in den trefflichen Ar beiten: „Zur Organisationsfrage," „Eins ist nöthig," „Streiflichter" u. a. m., geschieht, Vorschläge machen zu einer durchgreifenden Organisation, wie wir unseren Stand in socialer und materieller Hinsicht heben könnten, es ehrlich und aufrichtig, mit uns meinen; wir alle wissen, dass wir definitive Anstellung, Pensionsberechtigung, Versorgung der Hinterbliebenen forderw müssen, dass wir unabhängige, freie Beamten in der Gemeinde I sein müssten, um als Lehrer, als Vertreter der Religion eine! würdige Stellung einzunehmen. — Von wem ober dies alles fordern? Einen Weg. verehrte College», müssen wir suchen r nämlich denjenigen zur Unabhängigkeit, olles andere wäre schon, gegeben! Vorderhand jedoch müssen wir es uns zugestehen, dassl sich das Prädicat: „Cultusbeamter" mit dem hebr. UNsselludsL — vollkommen deckt. Wie aber, so müssen wir uns daher wieder--' holt fragen, könnten wir gewissen Gemeinden wirksam entgegentreten, wie und w» unsere Rechte geltend machen? Das Uebell sitzt leider zu tief, als dass wir dasselbe leichthin bei der Wnrzel. fassen und es — durch selbstständiges Eingreifen — au?, Siem.| Herzen rücksichtsloser Gemeinden entfernen könnten! „Wir sollen keinem Rufe zu ei'^m Probevortrage FolgeI leisten, wenn uns die Reisespesen ni. . .gütet werden." Diesi wäre freilich ein wirksames Recept gegen Masseneinberufung — I j aber wen kann man dazu verpflichten? Ich führe ein Beispiels > an: Ein College, ohne Dienstcontraet, befindet sich in geküni. digtem Zustande, wird der nicht gerne einige Gulden riskiren, j | um einer Einladung zu irgend einem Probevortrage Folge zu! leisten, und wenn er sich auch das Geld hiezu borgen müsstt?s Handelt es sich ja darum, eine neue Brotquelle — für sich und fein Haus zu finden, so die alte zu versiegen droht! Das HebetI sitzt also tiefer! Und wie zwingen wir eine Gemeinde, hiev! Wandel zu schaffen? „Viel Köpfe, viel Sinn," sagt ei» altes Sprichwort. Es ist daher zweckmäßig, dass wir die OrgaUisatiönsfrage ventiliren. Wenn wir aber dasselbe Sprichwort! auf die Gemeinden anwenden, so wäre bei denselben wenig Aussicht, einen einheitlichen Sinn zu unseren Gunsten zu erzielen y\ denn viele Gemeinden stehen factisch noch nicht auf der Höhe des Pfiichtbewnsslseins ihren Fnuctionären gegenüber. (Forts, f.) verschiedene Nachrichten. Wie». (Jüdisches Museum.) Der Besuch an den beiden Feier tagen, 2. und 3. Februar, war ein so massenhafter, dass das Curatorium sich entschlossen hat, über, allgemeinen Wunsch und mit Zustimmung-des Jubilars, die Ehrengeschenke, welche Herr Rabbiner Dr. Schmied! qnlässlich seines 80. Geburtstages erhalten hat, noch kommenden Samstag, von 11—1 Uhr Vormittags, im; Museum zur öffentlichen Ausstellung zu bringen. Wien. (Zur Schmiedl-Feier.) Wir werden um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: „Löbliche Redaciionl Wie treffend die Charakteristik, des allverehrten Jubilars Dr. Adolf Schmied!, in Ihrem geschätzten Blatte dargestellt war, mag aus den nachfolgenden Episoden erhellen: Rach einer im vergangenen Jahre an einem Freitag Abend, von Herrn i Dr. Sch»miedl gehaltenen Rede über Mildthätigkeit sagte Schreiber dieses dem ehrwürdigen Rabbiner llssnsosisc Koehach und fügte dieselbezk. Worte, welche Ihr geschätztes Blatt treffend anführte, bei : ,,R»r Worte, die aus dem Herzen.kommen, dringW sn& Herz." Ein mir wohlbekannter israelitischer Hausherr, der mit.dem . . . . . .... . ... - ... ■ . . , .' . .... - ‘ : 1 -» -•? .V;;;Cj;;'.:’.-Ü . iitfU'. uu:: .