Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 6 (8.2.1901)
- Date
- 1901-02-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 6. Die MahrheU. Seile 9. Judenthum nichts gemein hatte, nur dass er durch Geburt der jüdischen Religion angehörte, hörte von den vortrefflichen Predigten des Herrn Dr. j Schmiedl. Er wohnte denselben bei und erklärte Folgendes: „Bei meinem! -langjährigen Aufenthalte in Deutschland und dann in Wien habe ich j mich nie um den Besuch eines Gotteshauses und um das Judenthum! gekümmert, dieser Prediger hat mich zum wahren Juden gemacht." — f •<§in Jugendfreund, ein Großindustrieller, dem seine berufliche Thätigkeit s den Besuch des Gotteshauses besonders Freitag Abend erschwert, lässt ' sich, falls bekannt wird, dass der allverehrte Rabbiner Dr. Schmiedl; sprechen wird, durch nichts abhalten, in den Leopoldstädter Tempel zu! kommen, und nie verlässt er das Gotteshaus, ohne seinem Entzücken und j seiner Anerkennung in wärmsten Worten Ausdruck zu leihen. In der | Ansicht, dass diese Thacsachen charakteristisch sind, erlaubteich mir dieselben! mitzutheilen und habe die Ehre zu zeichnen Ihr hochachtungsvoll ergebener; H. Stiaßn i." > Kien. Montag, den 28. Jänner, fand unter zahlreicher Betheilij gung das Leichenbegängnis des im 86. Lebensjahr dahingeschiedenen! Herrn Marcus Winkler statt. Der Verblichene war als äußerst frommer And wohlthäliger Mann in weitesten Kreisen bekannt. ,T2S:n Kien. (A llgemeiner Kranken- und Unterstützungs verein ,,M ontefiore".) Dieser humanitäre Verein hat am 28. v. M. seine 19. ordentliche Generalversammlung in Hirsch' Restauration „zum -goldenen Widder", 2., Taborstraße 36 abgehalten. In den Vorstand; wurden die zum Ausscheiden bestimmten Herren Jul. Beck, Jgn. Beck-; mann, Jul. Ehrenzweig, Josef Guttmann und Leopold Weinwurm mit großer Stinwlenanzahl wiedergewählt und die Herren I. A Wasservogel und Michael Samek als Ersatzmänner neu gewählt, während die bis-! herigen Revisoren, die Herren Leopold Winter und Samuel Löwinger j neuerdings, sonne seit vielen Jahren mit diesem Ehrenamte ausgezeichnet wurden. Bei. der Constituirung des Vorstandes wurden die bis-! herigen Funktionäre und zwar die Herren Jos. Pollak als Obmann, ■ Leop. Weinwurm als Obmaun-SteUvertreter, Jos. Guttmann als Schriftj süh:er, Mori; Koppe! als Cassier und Elias Weiß als Controlor mit! Stimnieneinhettigkeit wiedergewählt, während die Herren Jacob Weiß! Edmund Hofmann. Jgn. Beckmann, Wilh. Kleppner, Jul. Beck, Jul.! -Ehrenzweig, Em. Taub den Vorstand ergänzen. i Wien. In dem blumengeschmückten und mit den kaiserlichen Farben > decorirten Gotteshause des Levpoldstädter Bethausvereines „Montefiore" s i2., Tabarstraße 3s fand Samstag, den 2. Februar unter außerordentlich! starker Betheiligung die feierliche Elnweihuntz der mit Allerhöchster Gej nehmigung den Namen des Monarchen tragenden „Kaiser Franz Josefj Jubiläums-Thorastatt. Die Einführung der neuen Thorarolle, geschmückt i mit einer prachtvollen Silberkrone — einer Spende des Herrn Lewin j Freis - geschah durch Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner S. Fürst, der, > von den übrigen Thorarollen gefolgt, dieselbe am Portale des Gottes-! Hauses entgegennahm. Nach Vortrag eines der Feier angemessenen! Psalmes durch Herrn Obercantor Wittmann und seinen trefflich ge- - schulten Chor erfolgte die Vorlesung aus der Thora, an welche sich die; Absinaung der Volkshymne schloß. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. j M. Rosenfeld die Kanzel, um in der großangelegten, meisterhaften Fest-! predigt die Bedeutung dieser zugleich religiösen und patriotischen Feier j zu würdigen. Unter den zahlreichen Ehrengästen bemerkten wir Herren! Dr. Alired Berger als Delegirter der israelitischen Cultusgemeinde, > -Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner M. Kramer, viele Deputationen der! Bethausvereine, so Herrn Dr. Straffer und Herrn Dr. Markus fürZden! Bethausverein im 8. Bezirke, Herrn Julius Beck für den Bethausverein - „Am Volkert," die Herren kais. Rath Dr. Theodor Lieben, Amtsvorstand : Gustav Wiener, Secretär Dr. Emil Adler, Obercantor Bauer, ben Vor- | -stand des Bethauses Große Schiffgasse, vertreten durch die Herren Leop.! Kohn. Ignaz Lunzer, Wolf Pappenheim, Bernfeld, Kritzler u. A. Nach j dem Mussafgebete erreichte die erhebende Feier um 1 Uhr Nachmittags s ihr Ende. Das aus gleichem Anlasse am 3. Februar, Abends, im! 'Prachtsaale des ..Jüdischen Volksvereines," stattgefundene Festbankett I verlief in ebenso würdiger als fröhlicher Weise. Nachdem der Präsident, j Herr Jacob Weiß, die Gäste aufs herzlichste begrüßt hatte, wünschte; Herr Dr. Rappaport namens des „Jüdischen Volksvereines" in geist- > vollen Worten als Hausherr allen Festtheilnehmern einen gemüthlichen - Abend in den gastlichen Räumen feines Vereines. Herr Dr. Leop. Brady! 'brachte nun den begeistert ausgenommenen Kaisertoast aus, worauf ein - Huldigungstelegramm an Se. Majestät den Kaiser abgesandt wurde.! Weitere Tischreden wurden gehalten von den Herren Jacob Weiß, Dr. j Rosenfeld aus den Bethausverein „Montefiore", Dr. Lifschitz, Wolf Pappenheim, Arnienrath Josef Pollak, Armenrath Edmund H offmann -und Julius Beck. Letzte beglückwünschte als Vertreter des Bethausvereines „Am Volkert" den Verein „Montefiore" zu dem schönen Feste, hob die Verdienste des Vorstandes und besonders des Obmannes, Herrn Jacob Weiß, hervor und schloss mit dem Wunsche ferneren Gedeihens. Die zwanglose Gemüthlichkeit und der herzliche Ton haben bewiesen, dass die um das so überaus gelungene Arrangement sehr verdienten Herren Elias Weiß, Jacob Sputz und Adolf Hirschler ihre schwierige Ausgabe glänzend gelöst hatten. Dass in solch' echt jüdischem Kreise die Wohlthätigkeit nicht vergessen sein darf, bewiesen die zahlreichen bei Tisch erfolgten Spenden für die verschiedensten Vereine, für Arme, Kranke, Witwen und Waisen, wie auch der Umstand, dass ein großes Barches und viele Flaschen Wein an die Jnsaffen des israel. Versor» gungshauses geschickt wurden. Das um 2 Ahr Nachts beendete, in allen seinen Theilen wohlgelungene Fest hat dein wackeren Bethausvereine „Montefiore" sicherlich viele neue Freunde geworben. Wien. Sonntag, den 17. Februar, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Olga Winter, Tochter des im zweiten Bezirke bekannten Kaufmannes Leopold Winter, mit Herrn August Brauner statt. Warienbad. Sonntag, den 3. d. M. fand hier die Trauung des Fräulein F i s chl mit Herrn Aurel R a d o w i tz, Beamter der Banque de Roumanie in Bukarest, statt. Die außerordentliche Beliebtheit, deren sich die Familie Fisch! in Marienbad erfreut, kam durch zahlreiche Theilnahme aller Kreise der hiesigen gesammten Bevölkerung zum Ausdruck. Die Hochzeitsfeierlichkeit im Tempel erhielt auch dadurch ein besonders solennes Gepräge, dass die Braut als erste Kraft unseres Chores galt und Herr Rabbiner Dr. Goldberger hob in seiner Trauungsrede rühmend hervor,dass die Brautmit chrer prachtvollen Stimme so oft den Gottesdienst verherrlicht hatte. Die Trauungsgesänge wurden vom Obercantor Goldenberg und dem verstärkten gemischten Chore überaus exact und wirkungsvoll ausgeführt. Ein deutsches Trauungslied, gesungen von Fräulein Martha Wolfner, fand besonderen Anklang. Die Hochzeitstafel fand in Herrn D. Löwenthals Walhalla statt, und die berühmte Küche dieses Etablissements bewährte auch diesmal ihren wohlbegründeten Ruf. Inaim. Der hier allgemein beliebre Cultusvorsteher, Herr Herm. Steiner, welcher sich einer Operation in Wien unterziehen musste, ist wieder gesund zurückgekommen, worüber in der Gemeinde allgemeine Freude herrscht. Iröstng. Am 28v. M. ist Herr Ignatz Heilig zur ewigen Ruhe bestattet worden. Der Verblichene war ein sehr frommer und wohlrhätiger Mann und genoß in der ganzen Umgebung große Verehrung. Er hat den Minjanverein hier jederzeit gefördert und für die Aufrechrerhaltung des Gottesdienstes Sorge getragen. Er erreichte ein Alter von ns Jahren. Staniskau. Am 27. v. M. fand im hiesigen Chorkempel die Trau ung des Fräulein Jeanette Löwensohn, der Schwester unseres beliebten Obercantor Löwensohn, mit Herrn Salomon Fuhr statt. Dem Trauungsacte, den Herr Prediger Dr. Broude vollzog, wohnten der Gemeindepräses, Herr Siegmund Rezenftreif, sowie zahlreiche Vorsteher und Gemeindemitglieder bei. Die cantorale Function versah der Bruder der Braut, Obercantor Löwensohn. Budapest. Geehrrer Herr Redacteur! In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes sprach Ihr Corre spoudent seine Misbilligung darüber aus, dass in den beiden Tempeln der isr. Knabenwaisenhäuser zu Budapest die „ewige Lampe" mit elektrischem roihem Glühlicht beleuchtet wird. Gestatten Sie mir nun zu bemerken, dass Ihr Correspondent im Jrrthum ist, wenn er meint, dass die hiesige Gemeinde die erste ist, die dies genehmigt. In Eperies ist eine große, streng orthodoxe Gemeinde,, die zum großen Theil aus eingewanderten galiziichen Juden (Chassidim) besteht, und doch hat diese Gemeinde ebenfalls gestattet, dass in dem vor anderthatb Jahren erbauten neuen Tempel, welcher! durch elektrische Glühlampen beleuchtet wird, die ewige Lampe durch ein rotbes Glühlicht ersetzt wird. Bemerkenswerth ist es aber, dass der elektrische Strom in Budapest ein sortdauerender ist, in Eperies jedoch in der Zeit von 11—12 Uhr Vormittags der Strom unterbrochen wird, so dass keine Lampe brennen kann. Achtungsvoll Marlin Rosenberg stud. jur. Budapest, 4. Februar. Heute, um 5 Uhr Abends, fand im Tempel des neuen isr. Waisenpalastes als am Sterbetage weiland des Herrn Leopold Leitersdorser eine solenne Trauerandacht statt. Das herrliche Gotteshaus hatte Trauerschmuck angelegt und war von einem erlesenen Trauerpublikum gut besucht. Cantor Lewandosszkh verrichtete das Abendgebet unb besorgte den liturgischen Theil der Trauerjeier. Das Seelenheilgebet für den verklärten Wohlthäter — bisher besorgte dies ein Gemeinderabbiner — verrichtete in ungarischer Sprache ein Waisenknabe. Das Mitglied der kgl. ung. Oper Deri sang mit seiner überaus sympathisch klingenden Stimme einen hebräischen Trauerpsalm und erzielte damit eine mächtige Wirkung. Die Orgel spielte und den Chorgesang leitete der musikalisch hochgebildete und auch als Compomst synagogaler Tonwerke rühmlichst bekannte Regenschori der Pester israel. Religionsgemeinde Ferdinand Singer. Mit dem Kaddijch-Gebete der Waisenknaben endere die schöne Gedenkfeier. Für das Seelenheil ihres noch im ehrendsten Gedenken stehenden Mannes spendete die hochedle Frau Therese Leitersdorser, geb. Epstein einen kostbaren Teppich für das Sanctuarium des Waiscnpalasttempels und 50 Kronen bar für den Maisenfond, für den Pester isr. Frauenverein 400 Kronen und für den Ungarisch-israelitischen Handwerks- und Ackerbauverein ebenfalls 400 Kronen. D. H. S.