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Die Wahrheit · 1901-02-08 · Heft 6 (8.2.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6 Die Wahrheit. Sette 7. -ihres Gatten Sigmund Stern, für dieMewra-Kadischa K. 5.—, Mr das Siechenhaus K. 5.—, von Bertha Zeilinger und Ermestine Spitzstein für die armen Brigitienauer Schulkinder St. 7.—, von N. N. für den Armenfond der Cultusgemeinde St. 2.—, aus den Sammelbüchsen im Stadttempel für die Armenanstalt K. 232.10, für die Chewra-Kadischa K. 237 40, für die i Armen in Palästina K. 69.82, aus, dem Sammelbüchsen im -Leopoldstävter Tempel für. die Armen -in. Palästina K. 2.65, Dom „Neuen Wiener Tagblatt",: Sammelspeude für die Brigittenauer Schulkinder K. 11.—. . ......... Zur Vergrößerung des CapitalK der „Rabbiner Dr. Adolf -Schmiedl-Slittung" wurden bisher gespendet: von Herren: Präsidenten Heinrich KliugerK. 300.--, kaiserl. Rath Moritz .Hirsch K. 300.—, PhilippBondy K.-.200.—, Rector Dr. Adolf Schwarz K. 50.—, Oberrabbiner.Dr. Moritz Güdemann K. 50.—. Rudolf Kohn K. 50.—, Ignaz Fluß K. 50.—, Eduard Beer K. 20.—. Den Spendern, wird der Dank votirt. Zur Verlesung gelängen: Erlass der Statthalterei, betreffend die Kenntnisnahme Berichte über die erfolgte Neuwahlen und die Constituirung des Vorstandes, eine Einladuirg der Chetpra-Kadischa zur Generalversammlrmg am 3. März 1901 und eure Eingabe des Vereines zur Hebung der Gewerbe, betreffend die von demselben am 25. December 1900 abgehaltene Expertise, in welcher die derzeitige triste Lage des Gewerbestandes und insbesondere der jüdischen Gewerbetreibenden zur Erörterung gelangte. Im Präsidialbericht gibt der Präsident Kenntnis von dem -würdevollen Verlauf der am Samstag den 26. Jänner anlässich 1>es 80. Geburtstages Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmied! stattgefundenen Feier und berichtet, dass -Herr Rabbiner Dr. Schmied! den Zweck der anlässlich dieser Feier vom Vorstände mit einem Betrage von K. 4000 begründeten, für immerwährende Zeiten den Namen „Rabbiner-Dr. Adolf Schmied!" führenden Widmung dahin bestimmt habe, dass die Linsenerträguisse jährlich einem Gymnasialschüler, welcher Talmudstudien obliegt, zuzuiveifen seien, zur Kenntnis und wird die Ausarbeitung der Widmungsurkunde der Rechtssection zugewiesen. Herr Bicepräsident Dr. Stern berichtet über die erfolgte 'Constituirung des Curatoriums der M. L. Biedermann-Waisenstiftung, wobei Herr Präsident Commercialrath Klinger zum Obmann und Herr Sectionsrath Dr. Alfred Ritter v. Pfeiffer zum Obmann-Stellvertreter gewählt wurden. Den vom Curatorium gefassten. Beschlüssen wird die Zustimmung ertheilt und ist stistbrief- .gemäß die Genehmigung der Statthalterei einzuholen. Es werden serner einige Stiftungsangelegenheiten der Erledigung zugeführt. Zu eingehenden Berathnngen gab der dem Plenum vorliegende Slatutenentwurf der Proponenten des Vereines zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums Anlass. Nach längerer Debatte wird der Antrag des Herrn v. Taussig,zu dem Zwecke, um auch den ueueingetretenen Vorstandsmitgliedern Gelegenheit zu geben, sich in der Angelegenheit genauer zu informiren, oie Beschlussfassung zu vertagen, angenommen und verfügt der Präsident, dass der in Rede stehende Ent- 1vurf,'vervielfältkgt und sämmtlichen Vorstandsmitgliedern zugesendet werde, -um die Erledigung dieser Angelegenheit in der nächsten -Plenarsitzung zu ermöglichen. - In einem Referate der Rechtssection werden die vielfachen, den Gegenstand von Beschwerden bildenden Missstände, welche durch Sammlungen einiger jüdisch-confessioneller Vereine, -durch Aussendung von Sammelbüchsen sogar in öffentlichen Localen hervorgerufen wurden, des Näheren besprochen und loird der Antrag der Rechtssection (Referent Herr D. Berger) angenommen, Maßnahmen zu treffen, welche geeignet sind, den -geschilderten Uebelständen möglichst abzuhelfen. Me«. (Zur S chächt frage.) Die in letzter Nummer unseres Battes an leitender Stelle ausgesprochene Befürchtung, dass die vom Rabbinate der Wiener Cultusgemeinde vorgeuommene Regelung der Koscher-Fleisch-Frage, respeetive die Art und Weise der getroffenen Verfügungen einen Anstoß geben Bunte zur Ausrollung der Schächtfrage in Wien, hat leider 4uir allzu rasch Bestätigung gesunden. Die Sonntag, den 3. Februar im Rathhause stattgefnndene Generalversammlung der Wiener Fleischhauergeuossenschaft hat sich für die Abschaffung des rituellen Schlachtens. ausgesprochen, lieber den Verlauf der Versammlung wird folgendes berichtet: Vom Mitglieds Popper wurde ein Antrag eingebracht, wonach die Borstehung mit allen Mitteln dahin wirken soll, dass das rituelle Schächten der Thiere in den Wiener Schlachthäusern verboten werde. — Vorsitzender Gemeinderath Hutter erklärte, dass das Schächten eine Thierquälerei sei. Jnsolange diese Art der Tödtung nicht gänzlich abgeschafft sei, soll wenigstens eine strenge Controle über das Schächten eingeführt werden. (Kammerrath Weiffenberger: Es muss ganz verboten werden!) Hütter: Es freut mich, dass Herr Kammerrath Weiffenberger diese Ansicht ausgesprochen hat,? mir hätte man gleich den antisemitischen Vorsteher vorgeworfen. Das Schächten sei eine Grausamkeit; nach gerichtlichen Entscheidungen dürfe der Schlachthausverwalter das Schächten verbieten. — Herr Haas erklärte, das Abstechen der Kälber sei noch grausamer als das Schächten und beantragte, auch das Abstechen zu verbieten. Der Antrag, das Schächten abzustellen, wurde mit allen gegen zwei Stimme» angenommen und die Vorstehung beauftragt, die nöthigen Schritte einzuleiten und auch im Gemeinderathe einen diesbezüglichen Antrag;u stellen. Wie«. (Ein Bortrag über den Talmud.) Die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums veranstaltete Donnerstag, den 31. v. M., im Daale des Ingenieur- und Architektenvereines einen sehr zahlreich besuchten Vortragsabend. eingangs dessen der Präsident der Gesellschaft, Banrath Wilh. S t i a ß n y, mittheilte, dass in Folge einer durch Heren kais. Rach Lichtenftadt gegebenen Anregung zur Errichtung eines eigenen Hauses für das „Jüdische Museum" von einem vorläufig ungenannt sein wollendeu Spender dem Vorstände 2000 Kronen mit der Widmung übergeben worden seien, 1000 Kronen als Baustein für den Bart eines Museumsgebändes und die zweite Hälfte des Betrages als Beitrag zur wissenschaftlichen Durchforschung des heiligen Landes zu verwenden. Hierauf hielt Rector Dr. Adolph Schwarz, von lebhaftem Beifall begrüßt, seinen angekündigten Bortrag über den Talmud. Der Bortrag war im wesentlichen ein rhetorisch gehaltenes und deklamatorisch vorgetragenes Plaidoyer. zu Gunsten des Talmuds und der Berechtigung des wissenschaftlichen Talmudstudinms der neueren Zeit. Durch gehobene Sprache und eingestreure „geistvolle" 'Apercus verstand es der Vortragende wohl das Interesse der Hörer zu fesseln und ihren Beifall zu gewinnen. Woran es aber fehlte, war eine klare, von jeder Tendenz freie Belehrung über die Entstehung, die Anlage und die Geschichte des in der Weltlitteratur schon durch feinen Charakter und seine Vortragsweise einzig dastehenden Werkes, endlich über seine« Einfluss auf die historische Entwicklung des Judenthums und seine Bedeutung für das Judenthum der Gegenwart. Darüber wurden die Zuhörer, unter denen sich in der Mehrzahl solche befanden, die den Talmud nur vom Hörensagen kennen, in keiner Weise belehrt. Wer es nicht vorher wusste, dem wurde trotz aller schönen, mit großem Pathos vorgelragenen und Begeisterung weckenden Worte des Redners, die eher an eine Predigt als an einen belehrenden Bortrag gemahnten, das Wesen des Talmuvs nicht klar. Gegen manche Behauptung des kenntnisreichen Redners ließe sich übrigens manches einwenden. So wird namentlich der Mehr geistreiche als klare und wahre Schlusssatz kritischer Prüfung kaum staudhalten; denn gegen die Behauptung, dass „der Talmud das ist, was die Juden aus ihm machen" und dass „nur wenn für ein wiffeuschaftliches Talmudstudiun?Sorge getragen wird, die Auklageugegen den Talmud verstummen werden" ließe sich die Einwendung machen, dass das eine große Illusion ist. Rur Aufklärung über den Inhalt des Talmud kann bei Jud und Christ die unberechtigten Anklagen gegen ben Talmud beseitigen, die berechtigten Einwendungen gegen den Geist des Talmud werden gerade durch das sogenannte wissenschaftliche Talmndstudiu« au Kraft gewinnen.

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