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Die Wahrheit · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9h\ 4. Die Wahrheit. Seite 5 wünschen Ihnen und uns von ganzem Herzen, dass Sie, hochgeehrter Herr Rabbiner, noch lange, lange Jahre fruchtbarer Thätigkeit entfalten mögen, 'amy: "itwa irnnm und zeichnen mit dem'Ausdrucke liebevoller^ Verehrung Ihre ergebensten. Die Adresse trägt viele Hundert Unterschriften von Tempelbesucheru, und an der Spitze derselben steht der Name des Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild. Namen der „Israel. Allianz" überreichte VicepräsidnU Dr. Alfred Stern mit dem Vorstandsmitgliede Herrn Pappenheim eine wohl in bescheidener Ausstattung aber in überaus herzlichen und anerkennenden Worten gehaltene Adresse. — Herr Moriz Karpeles überbrachte ein Ehrendiplom der „Chewra Kadischa," welche den Jubilar zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt hatte. Gleichzeitig gratulirte er als Präsident des Curatoriums der israel. theol. Lehranstalt unter Ueberreichung einer Adresse, die Secretär Fuchs zur Verlesung brachte. Die kunstvoll ausgeführte Adresse des „Jüdischen Museums" überreichteil Baurath Stiaßny and Architekt Fleischer, welch letzterer auch als Vorstand des Tempelvereiues im VI. Bezirke mit einer Ehrengabe erschien und eine überaus gemüthsvolle durch Reminiseenzeu an die längst entschwundene Jugendzeit geradezu rührend wirkende Ansp'uche an den Jubilar richtete. - In Vertretung des „österr.-ungar. Cantoren-Vereines" erschienen der Präsident Obercantor Singer, Vicepräsident Obercantar Bauer, Cassier I. Cantor Blati, Controllor I. Cantor Schlesinger, denen sich Amtsleiter Stransky, als ehemaliger Cantor, anschloss. Obercantor Singer richtete einige herzliche Glückwnnschworte an den Jubilar, indem er auf die schönen Beziehungen, die derselbe zwischen Rabbiner und pflegte, hinwies lmd überreichte eine vom Kalligraphen Kuustadt verfertigte Adresse. Und so reihte sich in fast ununterbrochener Folge Deputation an Deputation. Adressen wurden noch überreicht vom Beth-Hamidrasch, von den Verwaltungsbeamtender Cultusgemeinde, vom Blindeninstitute, von der türk, israel. Gemeinde, von der Chewra Kadischa in Fünfhaus, von der Chewra Kadischa in Hernals und Ottakring, vom israel. Frauen-Wohlthätigkeits-Verein in der Leopoldstadt unter Führung der Präsidentin Frau kais. Rath Dr. Bertha Kohn, vom Synagogen- Vereine „Beth-Jsrael" unter Führung des Obmannes des S. Meisels und des Cultusvorstehers Edler v. Mises rc. Ansprachen hielten außer den Erwähnten Rector Dr. Schwarz namens des Lehrercollegiums der israel. theologischen Lehranstalt, Lector Friedmanu, Religionsschulinspeetor Dr. Kanitz, der die Deputation der Religionslehrer führte, Dr. Zins namens der „österr.-israel. Union," Redacteur Dr. Lüwy („Wahrheit"), Cantor Blatt namens der Functionäre am Leopoldstädter Tempel, Religionslehrer Antscherl, Dr. Weiß namens der Religionslehrer an den Mittelschulen , Börsenrath Kanitz rc. Unter den einzelnen Telegrammen und Glückwunschschreiben seien insbesondere erwähnt: die Zuschriften des Ministers für Cultus und Unterricht, Dr. Ritter v. Härtel, des Ministerialrathes im Cultusministerium Dr. Edwin v. Plazek, des Bezirksvorstehers Niebauer, des Professor Bergmeister, von dem Lehrercolleginm der israel. theol. Lehranstalt in Breslau, von der Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen, von den Cultusgemeinden Prag, Graz, Linz, Proßnitz, Olmütz, Teschen, Bielitz rc. Unter den Spendern von Ehrengaben seien noch erwähnt: Baronin Charlotte Königswarter, David Ritter v. Gutmann und Gemalin, Bergrath Max Ritter v. Gutmann, Herr und Frau kaiserl. Ryth Friedrich Vogel, Salo Cohn, Bernhard Reicher, Jacob Kann, Emanuel Baumgarten, Herr nnd Frau Gottlieb Taussig, Herr und Frau Rudolf Kohn, Nanette Kuffner, Julius Wolf, Herr und Frau Commercialrath Heinrich Klinger, Louis Hamburger, Professor Salzer, Herr und Frau Julius Bella?, Buchhändler Braudeis-Prag, Frau Bertha Leinkauf, Oscar und Marianne Kohn rc. . ' Und so verenigten sich die weitesten Kreise, um den Jubilar zn ehren, der dem Judenthume zur Ehre'und zur Zierde gereicht. Drr neue israelitische waiseapalast m Sadaprß' ii. Wir wollen nun unsere — wir betonen dies nochmals t— rein sachliche Kritik fortsetzen und dabei gleich vorweg die moglichertveise austauchenden Gegenansichten zu widerlegen suchen. So könnten Einige meinen, nachdem das neue Waisenhaus in der herrlichen Stadtwäldchen-Allee aufgefnhrt wurde, musste schon der Stadtverschönerung zuliebe eine Monumentalbau errichtet werden. Sehr richtig, aber musste denn das Waisenhaus überhaupt an einem solch' exponirten Platze, in einer der prächtigsten Villenreihen erbaut werden? Gibt') denn in einer Seitengasse keine passenden nnd überdies noch viel billigere» Baustellen? Und endlich, wenn schon von außen der monumentale Charakter des Bauwerkes gewahrt werden musste, hätte doch sicherlich im Innern des Palastes jeder überflüssige Pomp und jeder überflüssige Luxus vermieden werden sollen. Der Waisenvater Jacob Deutsch hat — wir wiederholen es — unglaublich viel geleistet. Ihm verdankt die Pester israel. Religionsgemeinde die Errichtung, Erhaltung uu» Vergrößerung, ja sogar den für eine lange Zeitdauer gescherten Bestand des großen Knabenwaisenhauses au der Ecke der Epreskertgasse und der Andrässystraße, in welchem sich auch ein eleganter Jnstitutstempel befindet. Nebenan — ebenfalls in ver Andrässystraße befindet sich eine Villa, welche zu einem Knabenwaisenasyl umgewandelt und mit der vorstehenden Hauptanstalt verbunden wurde, so dass beide Baulichkeiten sich derzeit auf einem Territorium befinden und einen gemeinsamen Anstaltspart besitzen. Sodann kommt noch der nenerbante Palast dazu und damit wären die stabilen Häuser unserer Knabenwaiseu erschöpft. Jacob Deutsch plante, nach dem Muster der so segensreich wirkenden Feriencolonien, eine Sommereolonie für „seine" Kinder, was überaus löblich und gut gewesen ist. Noch besser aber war's, dass ihm das Zustandekommen seiner menschenfreundlichen Idee gar bald auch gelungen ist. In Tahi, gegenüber Waitzen, auf einer Donauinsel reizend gelegen, hat er ein stockhohes Gebäude angekauft und dieses zum Sommerausenthalte der Kuabenwaisen hergerichtet. Daselbst befindet sich ein großer Obstgarten, ein ansehnlicher Weingarten und auch ein Wirlhschastsgarten. Dazu gehört noch ziemliches Ackerfeld, also ein kleines Gut. Das hat Alles der „König der Schnorrer," Jacob Deutsch, herbeigeschafft, und es gilt als eine unumstößliche Thatsache, dass dies — sozusagen — das alleinige Verdienst des Waifenvaters ist. Werfen wir nun die berechtigte Frage auf: Wie war; oder wie ist es möglich, dass e i n Mensch so Großes zu vollbringen vermag? Nichts ist leichter als die Lösung dieses Räthfels. Jacob Deutsch, ein Großkaufmann, dessen Specglationen fast durchgehends vom schönsten Erfolge begleitet waren, speculirte auch auf die Eielkeit der Menschen und machte aus der Wohlthätigkeit und mir der Wohlthätigkeit ein Geschäft, was in diesem Falle unsererseits durchaus nicht als Tadel, sondern vielmehr als Lob angeführt wird. Denn, wenn auch die Eitelkeit an und für sich stets zn verdammen Ist, so ist sie, verbunden mit der Wohlthätigkeit immer statthaft. D'-. Namen der edlen Menschenfreunde, die dem Waisenvater Tn-nkenoe von Gulden zu Gunsten, der israel. Waisenknaben als hochherzige Spenden zur Verfügung gestellt haben, sind mit goldenen Lettern ans den Marmortafeln im Ansialtsgebäude eingemeißelt, im Anstalcstempel werden an den betretenden Sterbetagen Gedenkfeierlichkeiten abgehalten, *u. f. w., das alles kann nur gebilligt werden. Somit sind wir auf dem besten Wege, beim Anblicke unserer „fürstlichen" Waisenhäuser mit Bileam zn sprechen : „Wie herrlich sind deine Ballten, Jacobmüssen jedoch sofort bedauernd fragen: „Sind dies aber auch die Wohnungen Israels?!..." Wohl hört man daselbst bis zum Ueberornss das Abraspeln der unzähligen Kaddisch-Gebete, das iit aber auch so ziemlich das ganze Um nnd Ans der Liturgie unserer Waisenknaben. Wir behaupteten jüngst, dass „Deutsch" ltno „unjüdisch"

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