Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit. Nr. 5 hier Anlass zu geben zur Ausrottung einer „Schächtfrage", die leicht eine Wendung nehmen könnte z die zu beherrschendann nicht mehr ' in der'Macht,, des RaMnates oder -er CultuSgemeinde läge. -/ ' Sr. ÄLstf Schmiedl-Feier. In besonders auszeichnender und der bedeutungsvollen Thätigkeit des Jubilars als Gelehrter, Kanzelredner und Seelsorger entsprechender Weise hat die Wiener Cultusgemeinde den 80jährigen Geburtstag Dr. Adolf Schmiedl's begangen.. Den Mittelpunkt der zahlreichen Ovationen bildete der feierliche Gottesdienst, welcher Samstag, den 26. Jänner, halb 10 Uhr Vormittags im Leopoldstädter Tempel in Anwesenheit des gelammten Culmsvorstandes, des Bethausvorstandes, zahlreicher Vertreter von Vereinen 4ind Instituten und zahlreicher hervorragender Persönlichkeiten und Gemeindemitglieder stattgefunden hat. Während Obercantor Entmann mit dem>Tsmpelchore das »Boruch habo« änstimmte, wurde der in wunderbarer körperlicher und geistiger. Frische erstrahlende Jubilar vom Bethausvorstande unter Führung des Obmannes, Vice-Präsidenten Dr. Gustav Kohn, durch den Mittelgang des Tempels zu seinem mit Blumengnirlanden geschmückten Sitze geleitet, wo er an der Seite des Oberrabbiners Dr. Güdemann Platz nahm. Der Gottesdienst, bei welchem Dr. Schmiedl seine üblichen Functionen verrichtete, würde in besonder» feierlicher Weise durchgeführt. Der Jubilar wurde als »äckliscbi« hoch aufgernsen und als I. Canlor Blatt den betreffenden Thora-Abschnitt ver-. lesen hatte, recitirte Obercantor Gutmann einen von ihm selbst zu Ehren des Jubilars in classischem Hebräisch verfassten Mifcheberach, der durch Inhalt und Vortrag des großen Mannes tvürdig war, dem er gewidmet wurde. Nach dem Jubilar folgten der Präsident der Cultusgemeinde und andere hervorragende Persönlichkeiten zur Thora und wurden namhaite Beträge für wohlthätige Zwecke gewidmet. Die erste Spende für die von der Cultusgemeinde zu Ehren d s Jubilars gegründete „Schmiedl- Stiftuug" machte der Präsident, und sein Beispiel fand vielseitige Nachahmung. Nach dem Einhebeu der Thora betrat Oberrabbiner Dr. Güdemann die Kanzel, um zunächst namens der Gemeinde den Jubilar zu seinem seltenen Feste zu beglückwünschen und hieraus die Bedeutung Dr. Schmiedl's als Gelehrter und Seelsorger, der Jungen und Alten als leuchtendes Vorbild diente, zu feiern. Die übliche Wochenpredigt hielt der Jubilar selbst über die Ausgaben und den Umfang der Sendung der religiösen Führer in Israel und durch ihren Reichthum an Gedanken, durch den Schwung der Sprache und die Erhabenheit ihrer Ideen gestaltete sich diese Predigt zu einer wahren Festpredigt. Zur Verherrlichung und Verschönerung des nachfolgenden Muffaf- Gottesdienstes trugen Obercantor Gutnranu und der Chor ihr Bestes bei. Nach dem Gottesdienste begaben sich der gesammte Cultusvorstand, der Bethausvorstand, Deputationen der Gemeindemitglieder sowie zahlreicher Vereine und Institute in die im Tempelhause gelegene Wohnung des Jubilars, um demselben ihre Glückwünsche zu übermitteln. Den ganzen Tag über währte der Zuzug der Gratulanten, und die große Zahl der zum großen Theile kunstvoll ausgeführten Adressen, der kostbaren und sinnigen Ehrengaben und der huldigenden Telegramme und Glückwunschschreiben gaben neuerdings einen untrüglichen Beweis der großen Verehrung, deren sich Dr. Schmiedl in den weitesten Kreisen erfreut. Dcn Reigen der Gratulationen eröfsnete der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde unter Führung des Präsidenten, Commercialrath Heinrich Klinger, dem sich Oberrabbiner Dr. Güdemann angeschlossen hatte. Der Präsident überreichte ei» nach dem Entwürfe des Architekten Fleischer entworfenes und in getriebenem Silber gearbeitetes Ehrengeschenk und hielt folgende! Ansprache an der» Jubilar: i „Hochgeehrter Herr Rabbinerj! Aus dem Gotteshause, von der Stätte Ihres segensreichen > Wil-kens zurückkehrendtreten wir, die Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde, vor Sie hin dankerfüllten Herzens, um an dem. Tage/ an welchem Sie, hochgeehrter Herr Rabbiner, das 80. Lebensjahr' vollenden, die vollste Anerkennung und die Glückwünsche des Vorstandes und der ganzen Gemeinde Ihnen zum Ausdrucke .zu bringen. Es kann in diesem Momente nicht meine Aufgabe sein, zu schildern, was Dr. Adolf Schmiedl ist und was dieser Mann für uns und das Judenthum bedeutet Ihre Ver. dienste sind allgemein bekannt, und darum hat der Vorstand einmüthig beschlossen, diesen Tag festlich zu begehen, und ich persönlich schätze mich glücklich, dass es mir gegönnt ist, der Dolmetsch der Gefühle, welche.Ihnen entgegengebracht werden, sein zu können. Ich bitte nun, hochgeehrter Herr Rabbiner, das Ehrengeschenk, welches der Vorstand Ihnen zu widmen sich erlaubt, gütigst entgegenznnehmen, sowie unsere von sämmtlichen Mitgliedern des Vorstandes gefertigte Adresse,, welche ich Herrn kaiserlichen Rath Dr. Lieben hiemit zu verlesen bitte." - ' Nach Verlcfüng der mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Adresse richtete der Präsident an den Jubilar noch folgende Worte : „Gestatten Sie mir nur noch, hochverehrter Herr Rabbiner, Ihnen die Mittheilung zu machen, dass der Vorstand in seiner letzten Plenarversammlung mit Einstimmigkeit beschlossen hat, in Würdigung Ihres unvergänglichen Wirkens als. Seelsorger, Rabbiner und Prediger unserer Gemeinde und "^ir Weihe dieses Tages eine Stiftung im Betrage von 4003 Kronen zu gründen, die für immerwährende Zeiten den Namen „Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl-Stistung" tragen soll und rücksichtlich welcher die Bestimmung des Zweckes dieser Widmung Ihnen, hochgeehrter Herr Rabbiner, überlassen sein soll. Ich schließe mit dem innigen ans dem Herzen kommenden Wunsche: Der Allmächtige erhalte Sie in ungeschwächter Kraft und Gesundheit noch ungezählte Jahre an der Seile Ihrer geehrten Frau Gemalin, zum Stolze, und zur Zierde unserer Gemeinde und des Judenthums. Das walte. Gott!" Der am Schlüsse in tiefer Bewegung ausgesprochene Wunsch des Präsidenten fand allseitige lebhafte Zustimmung. Die Deputation des Belhausvorstandes führte Vicepräsident Dr. Gustav Kohn und nach einigen herzlichen Wornen Dr. Kohn's verlas Dr. Markus'Spitzer die von ihm selbst überaus schwungvoll verfasste Adresse, die sich nach einem Entwürfe des Herrn Architekten Fleischer als ein wahres Kunstlverk repräsentirt. Eine Deputation der Tempelbesucher des Leopoldstädter Tempels unter Führung des Herrn Med. Dr. Adolf Herzseld überreichte gleichfalls eine prachtvoll ansgestattete, von Herrn Julius Braun verfasste Adresse, die folgenden Wortlaut hat: Euer Ehrwürden! Hochverehrter Herr Rabbiner! Die Unterzeichneten Tempelbesucher, als ein kleiner Theil Ihrer Verehrer, begrüßen den frohen Tag Ihres 80. Geburtstages mit besonderer Freude. Gibt er uns doch willkommenen Anlass, Ihnen, verehrter Herr Rabbiner, die Gefühle unserer Liebe und Verehrung auszusprechen und Ihnen vom Herzen zu danken für die vielen Stunden reiner Freude uild idealer Erhebung, die Ihre heiligen Zwecken geweihte Beredsamkeit uns gewährt. Wir danken dem Allmächtigen, dass er Sie berufen hat, in unserer Stadt zu wirken und vor uns auszubreiten die Schätze Ihres Wissens, die Gaben Ihrer Poesie. Die Fülle der Gedanken, die Volksthümlichkeit der Darstellung, die überzeugende Wahrheit Ihrer Reden wirkt aus die Hörer gleich einer Offenbarung, erfreuend Herz uild Seele und ausrichteno das Gemüth, wenn die ärmliche Sorge des Tages uns uiederdrückt. Und so siegreich wie Ihre Rede, so unerschöpflich ist der Reichthmn Ihres Herzens, der Adel Ihrer Gesinnung. Die frohe Begeisterung für Ihren erhabenen Beruf, Ihr lauterer Charakter und die Bescheidenheit Ihres Wesens sind uns Ansporn und Vorbild im Leben. Eingedenk dieses segensreichen Wirkens -beten wir heute und täglich zu Gott, dass er Sie, unseren guten und weisen Lehrer und Freund, mit der Fülle seiner Gnade segne. Wir