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Die Wahrheit · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite ß. Die Tvshrheit. Nr. 4 Falles außertourlich zu erfolgende Aufnahme in das Altersversorgungshaus, gelangte zur Annahme, . desgleichen das Referat des Herrn Baurathes Stiaßny, betreffend die Weiterverleihüng von sechs Stistplatzen der Dr. Sack'schen Tech n i kcrSt i stün g im Sinne des Antrages der 2. Section. Ueber einen Dringlichkeitsantrag des Herrn Dr. Steiner und Genossen wird in Ansehung der besonders strengen Jahreszeit zur Linderung des sich daraus ergebenden Nothstandes ein Betrag von Kr. 3000 aus der Reserve für Armenpflege votirt und zur Verfügung des Präsidenten gestellt, welcher erklärt, wegen der Art der Verwendung, betreffend die Vertheilung von Brennmaierialieu, auch mit dem Vorstande der Armenänstatt bas Einvernchmen zu pflegen. Wie«. Der „Politische Volksverein" veranstaltete Samsrag, den 19. d. abends im Fcstsaale des „Hotel Central" unter Theilnahme eines recht zahlreichen Pnblicums eine Goethe-Feier, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Max G r u u w a l d ans Hamburg die Festrede über „Goethe und die Juden" hielt. Wir können es nicht begreifen, wie der „Politische Volksverein", oder überhaupt ein jüdischer Verein dazu kommt, eine „Goethe-Feier" zu veranstalten, abgesehen davon, dass die Veranstaltung einige Wochen post festum der Denkmalsenihüllung fast den Eindruck erwecken musste, als sei sie nur darum erfolgt, um dem Vortragenden Gelegenheit zu bieten, vor einem Wiener Publicum einen litterarischeu Vortrag abzuhalteu. Der Obmann des „Politischen Volksvereines" scheint diese Bedenken selbst gefühlt zu haben, .Indem er in seiner Begrüßungsansprache die Berechtigung der Goethe-Feier zu motiviren suchte. Herr Dr. Fialla ist als gewandter Redner bekannt und es mag ihm auch gelungen sein, durch seine Rednergabe einen Theil des Auditoriums über diese Bedenken hinwegzutäuschen. Aber wir muffen trotz seiner großen oratorischen^Leistung der Ueberzeugung Ausdruck geben, dass wir die Goethe-Feier des Politischen Bolksvereines für eine höchst unzeitmäße Reclamsucht und Wichrigthuerei halten, die der antisemitischen Presse billigen Anlass bot, sich über die „Anmaßung des Judenthums" auszulassen. Solche, geschäftiger Vereinsmeierei entspringende Actionen sollen gerade in jüdischen Blättern offen getadelt werden. Wir bedauern es auch, dass Herr Dr. Grunwald, der doch in hiesigen Kreisen ernst genommen werden will, und der — die Absicht ist zu durchsichtig — zu bestimmtem Zwecke gerade jetzt dem Wiener Publicum näher gerückt wird, sich zu dieser Komödie hergegeben hat. Zudem muss es den Eindruck der Wissenschaftlichkeit sehr beeinträchtigen, wenn man heute über Knust, morgen über Litteratur und ein anderes Mal vielleicht wieder über ein philosophisches oder theologisches Thema spricht. Dies uujere allgemeinen Bemerkungen über die Goethe-Feier. Ueber den Vonrag selbst, auf dessen Inhalt wir noch zurückkommen werden, entnehmen wir der „Neuen freien Presse" fotgenden Bericht: Der Vortragende schilderte zuerst die Eindrücke, tvelche Goethe voit den Inden in Frankfurt empfangen hatte. Trotzdem diese Eindrücke gerade nicht die günstigsten gewesen seien, bekunde Goethe in der Judenfrage zwei charakteristische Eigenschaften, weiche die Juden wohl zu schätzerr wüssten: seinen unbeugsamen Gerechtigkeitssinn und sein feines Verständnis für die Offenbarung jüdischer Poesie. Der. Bibel, diesem „merkwürdigsten Buche der Welt", verdankte Goethe, wie er selbst sagt, den Frieden, der ihn stets umgab, mochte es draußen noch so wild und wunderlich zugehen. Zum Studium der Bibel regte den Meister das jüdische Ghetto au, und aus den Geheimnissen des Ghettos erwachten und wuchsen ihm sein „Westostlicher Dlvan" und sein unsterblicher „Faust". In den Kreis Moses Mendelsohn's, den Goethe in ferner „Dichtung und Wahrheit" einen der würdigsten Männer nennt, hat ihn Lessing eingeführt. So lernte Goethe die Dorothea Mcndelsohn kennen, dann Henriette Herz die Freundin Schleiermacher's und Rahel Varuhagen. Aber die größten Cympatieu brachte er dem Enkel Moses Mendelsohn's, dem jungen Felix Mendelsohn-Bartholdy entgegen. Auch mit dem Hamburger Arzte David Veith verknüpften ihn Bandecher Freundschaft. Von Wiener Juden wäre«, ihm die Familie Eskeles, der nachmalige Prediger Emanuet Veith und Salomon Munk bekannt. Nicht unbekannt, ist sei« Verhältnis zu Heine und Börne. Die Juden bewerthete Goethe stets nach ihren-Schätzen des Geistes. Dass er ein Gegner der ' Jüden-Emancipation war, ergab sich, meinte Dr. Grunwald, aus seiner Begeisterung für die Bibel. Er fürchtete nämlichdass die Befreiung der Juden eine Vernachlässigung der Bibel> die er auch „ein Werkzeug der Erziehung" nannte, bewirke« könnte. Von besonderer Wichtigkeit scheint Goethe's Bearbeitung des „Hohen Liedes" und des Buches „Hiob". Aus Hiob sagte der Vortragende, ist in Goethe's Händen „Faust" geworden- Das sei keineswegs eine Vermuthung, sondern ein genauer- Vergleich des „Hiob" mit dem Urfaust ergebe dieses Resultate Dr. Grunwald sühne den Vergleich mit Hilfe von Citaten aus beiden Werken interessant durch, analisirte die kabbalistischen Momente im „Faust" und gab schließlich dem Gedanken Ausdruck, die Kabbalistik sei die Grundlage zu Goethe's Natur - forfchung gewesen. Soweit der Bericht. Ueber die faustdicke« Uebertreibungen und die ganz und gar unkritischen Anssnhrnnge« dieses Vortrages muss das Urtheil den Sachkundigen überlasse« bleiben. Wie«. (Gesellschast für Sammlung unfc- Conservirnng von K u n st - und h i st o r i s ch e « Denkmälern des I u d e n t h n m s.) Donnerstag, den 31. Jänner präcise halb 8 Uhr Abends, findet im Festsaale des „Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Vereines" ein Vortrag, des Herrn Dr. Adolf Schwarz, Rector der israel.-theol. Lehranstalt hi Wien, über das Thema „Der Talmud" statt. Wien. Die Generalversammlung des Vereines „F r a ne nh o r t"" fand Sonntag, den 20. d. im .Cereinoniensaale des israelitischen Tempels, 9. Bezirk, Müllnergasse 21, vor einer« zahlreichen und distinguirten Publicum statt. Die Präsidentin., Frau Rösa Zifferer begrüßte die Anwesenden und erstattete den Bericht über die zweijährige Thätigkeit des Vereines, der jährlich 200 Schulkinder bekleidet, über 100 Wöchnerinnen unterstützt, nahezu 100 Kranke in verschiedene Cnrorte entsendet,, zahlreiche arme Familien im 9. Bezirke mit Kohle versorgt,, fännntliche arme Glaubensgenossen in diesem Bezirke mit Osterbrod betheilt und jährlich über 20.000 Kronen an Arme in allen 20 Bezirken in Wien vorausgabt. Ferner gedachte Fran Zifferer des Ärbeiterinnen-Erholungsheims, welches der „Frauen- Hort" zu gründen beabsichtigt und das der Name Kaiser Franz Josef-Erholungsheim schmücken soll. Kais. Rath Lichtenstadd hielt sodann einen Vortrag über englisches Armenwesen, namentlich das der jüdischen Frauenvereine in London. Ans Antrag, des Herrn Max Hiller, wurden die ausscheideuden Vorstandsdamen wiedergewählt und dem von Fran Bettelheim erstatteten Casenberich das Absolutorium ertheitr, womit unter allgemeiner- Zustimmung die Präsidentin die Versammlung schloss. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbein Wien.) Samstag, den 2. Februar l. I., präcise 7 Uhr abends, fiiiiet im großen Festsaale des nied.-öst. Gewerbevereines, I. Eschenbachgasse Nr. 11 eine Plenarversammlung des Vereines mit nachfolgender Tagesordnung statt. 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn k. k. Negierungsrathes Dr. Heinrich Sieger: Die Redefreiheit im Gerichtssaale. 3. Vorführung von Toiletten der Pariser Weltausstellung. 1900 mit colorirten Skiopticon-Lichtbildern durch Herrn Adolf W. Schack, Inhaber einer Lehranstalt für Schnittzeichnen rc. Jene Mitglieder, welche Toiletten ausstellen wollen, mögen dies in der- Vereinskanzlet anmelden. Für die VereinsleitnNg Alfred K i s ch, Schriftführer S. B r o d, Präsident- Wie«. Mit Bezug ans die in Nr. 3 vom 18. d. gebrachte Notiz über die constituireude Versammlung des „Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines" werben wir um Aiffnahme folgender Richtigstellung ersucht: Die Versammlung fand im Locale des „Zionvereines" II., Schwarzingergasse 2 statt,, nicht im Cas'ä^ „Adria "-.Weiters wurde blos von der Errichtung einer Arbeits-

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