Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 3 (18.1.1901)
- Date
- 1901-01-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Die Wahrheit. Seite 9. haben, müssen wir dennoch gestehen, dass diese Kauderwalsch- Musik mehr zur Entwürdigung als zur Hebung des jüdischen Geschmacks im Allgemeinen beigetragen und die Weihe der Liturgie geschädigt hat. Wem ist der „Ma-Jophit"-Gesang, das Schiboleth der polnischen Juden, der zu unserer Schande geschichtliche Berühmtheit erworben unb unter den polnischen Magnaten zum Spott und zur Carricatur der Juden und des Judenthums •gebient hat, unbekannt? Eine ähnliche Gefahr für das Judenthum und die jüdische Liturgie wurde einst von den Makkabäern, während der alexandrnlischen Periode nach Philo, mit Waffen in der Hand bekämpft rlnd besiegt, und hätten nicht Mathatias und dessen Söhne, Ritter der Wahrheit und Priester der Gerechtigkeit, sich rechtzeitig aufgemacht, um die griechische Kruste mit aller Gelvalt dein Judenlhum abzureißeu, so würde das Judenthum schon damals seinen heiligen Geist ansgehaucht haben. Auch jetzt musste das zertrümmerte Judenthum durch Ritter und Priester, aber mit ganz anderen Waffen, namentlich mit Mäßigung und Milde, durch Versöhnung und geniale Begabung gerettet werden. (Fortsetzung folgt.) Ausruf! Das Grab des vor zwei Jahren in Wien verstorbenen berühmten Ehasens, P e s ch e F r e i s i n g e r s. A., hat bisher Noch keinen Grabstein. Wir halten es als eine Pflicht der Cantoien, hier einen Act der Pietät zu erfüllen und durch eine Sammlung zur Anschaffung eines bescheidenen Grabsteines beizutragen. Beiträge übernimmt die Redaction dieses Blattes. Obercantor M. Schon zeichnet 10 Kronen ,, i, 4 it Verschiedene Nachrichten. ZSien. Eine zahlreiche Trauerversammlung hatte sich am letzten -Sonntag in der Leichenhalle des Central-Friedhofes versammelt, um einem hervorragenden Mitglieds der Cultusgemeinde, dem im In- und Auslande bis in die höchsten Kreise hinauf wohlbekannten Antiquitätenhändler, Herrn Max Blum, die letzte Ehre zu erweisen. Die große Anzahl der Trauernden, darunter mehrere Abordnungen humanitärer Vereine, deren werkthätiges Mitglied der Verblichene war, bewies, welcher Werthschätzung sich der so jäh seiner Familie Entrissene in allen Gesellschaftskreisen erfreute. Ein integrer Charakter, eine geradezu antike Hingebung an den von seinen Vätern ererbten Glauben, eine für Nothkeidende und Bedrückte stets hilfbereite, offene Hand, waren die Grundzüge dieses wahrhaft frommen Mannes. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmied! hielt dem Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, der alle Anwesenden tief ergriff. Seine Heimatsgemeinde Mähr.-Kromau. die Herrn Max Blum in Anbetracht seiner Verdienste um dieselbe schon vor langer Leit zum Ehrenmitglied« erwählt hatte, war beim Leichenbegängnis durch eine Deputation vertreten, deren Führer Sr. Ehrwürden Herr Doctor Wäschler in beredten Worten schilderte, welche treue und opferwillige Anhänglichkeit der Verblichene jederzeit seiner Vatergemeinde bewahrt hatte. Herr Obercantor Gutmann recitirte in erhebeuder Weise die Trauergesänge in der Halle und am Grabe. Unter den Besuchern des großen Leopoldstädter Tempel-, wo Herr Blum seit Jahrzehnten unter den Andächtigen am Eabbath und an den Feiertagen stets zu finden war, lässt derselbe eine gewiss fühlbare Lücke zurück. Das jüdische Museum, dessen Mitglied der Verstorbene auch war, verdankt demselben eine Anzahl wertvoller Alterthümer. n*3Hn Wie«. Sonntag, den 13. d. fand unter zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängnis der Frau Fanni Kraus, Gattin des Bethaus« Vorsteherder Fugbach-Shnagoge, Herrn Max Krau-, statt. Die Ver« Llichene war im zweiten Bezirke als Wohlthäterin sehr bekannt. Den Rachruf'hielt Rabbiner Dr. Fink. Die cantorale Function versah in erhebender Weise Obercantor Seifert. Me«. Der Politische Volks ver ein veranstaltet Samstag, den 19. Jänner, im Festsaale des „Hotel Central" «ine Goethe-Feier, bei welcher Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg den Festvortrag über das Thema „Goethe und die Juden" halten wird. Wien. Samstag, den 12. d. M. veranstaltete der israel. Krankenverein „Der Wiener Dienstmann" im Hotel Central ein Tanz-Kränzchen, welches sehr stark besucht war und höchst animirt verlief. Die gesammte Bereinsleitung, mit den Herren Obmann Adolf Armuth, Secretär S. Queller und Cassier Leopold Grund war anwesend. Das Reinerträgnis stießt der Unterstützungscassa des Vereines zu. Wien. Die Constituirung des neubegründeten allgemeinen jüdischen Arbeitervereines fand am Sonntag. Nachmittags im Clublocale des Cafö „Adria" in Anwesenheit eines Regierungsvertreters bei ziemlich zahlreicher Theilnahme von jungen Leuten statt, die dem Handels- und Arbeiterstande angehörten. Herr Rathan'Groß begrüßte die Erschienenen und legte die Tendenz des aus national-socialer Basis zu begründenden Vereines dar, gegen den gesellschaftlichen Boycotr durch stramme Organisation anzukämpsen, Arbeitsstellen zu vermitteln, gegen Arbeitsl osigkeit und Krankheit die Mitglieder zu versichern und ebenso eine thunlichst genügende Altersversorgung anzustreben. Das gründliche Referat hatte Genosse 2. Rubinstein, früher ein schneidiger Freidenker und Socialdemokrat. Durch die Erfahrungen in diesem Lager gewitzigt, kehrte er zur alten Liebe seiner Connationalen wieder zurück. Architekt Marmore! versicherte die Versammlung der möglichsten Förderung von Seile des zionistischen Actions-Comitös, in dessen Namen und Vertretung er kam. Als gewählt erschienen die Herren Salomon Rubinstein, Isidor Bröger, zum Schriftführer Bernhard Grünhut und Jac. Hammer, als Cassiere der Elektrotechniker Israel Brunner und Sal. Brainin, zum Bibliothekar Herr D. Husterlik, ferner in den Ausschuss die Herren N. Groß, Paul Lauser, Leop. Bienenstock und Josef Fingerhut. ZSien. Die vereinigten zionistischen Corporationen Wiens veranstalteten Dienstag, den 15. d. in den Sofiensälen eine nachträgliche „Makkabäer-Feier, deren überaus zahlreicher Besuch aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens eine Vorstellung gab von der Sympathie, deren sich diese Bewegung hier erfreut. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden, med. Dr. Kornfeld, brachte Obercantor Bauer, mit dem Chorpersonale des türkischen Tempels unter Leitung des Chordirigenten Löwit, einen Psalm von Halevy in brillanter Weise zum Vortrage und hierauf wurde das Makkabäer-Lied nach der Melodie „Moaus-Zur" gesungen. Aus allgemeines Verlangen wurde das Lied wiederholt und war die Wiederholung durch Mitsingen des Publikums von mächtiger Wirkung. Lebhafte Acclamation fand die Tendenzrede des Herrn Dr. Kahn. Professor Brühl erntete mit einem fein empfundenen Claviervortrage großen Beifall, wollte sich aber leider nicht, mit Rücksicht auf die große Unruhe im Saale, zu einer Zugabe bewegen lassen. Die Liedervorträge des Fräulein Forba, die Cello-Vorträge des Herrn Auber und Recnationen des Herrn Door vom Josefstädter Theater fanden ebenfalls allgemeinen Anklang. Nach Absolvirung der Vorträge begann um Mitternacht ein flottes Tanzkränzchen, bei welchem die Musikkapelle des Infanterie- Regimentes Nr. 4 die Tanzmusik und der bekannte Tanzmeister Singer das Arrangement besorgte. 3frag. Am 11. Jänner starb hier der hochangesehene Advokat Dr. Friedrich D u s ch e n e s, Mitglied des k. k. BezirkSschulrathes und der Cultusgemeinderepräsentanz, Geschäftsleiter des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, Ausschussmitglied zahlreicher humanitärer Vereine rc. im 58. Lebensjahre. Dem Sarge folgten nebst den Vertretern der Cultusgemeinde und zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine Bürgermeister Dr. Srb, wie auch die Redacteure des „Prager Tagblatt", deren langjähriger bewährter Mitarbeiter der Verstorbene war. ferner mehrere Rabbiner rc. rc. Am Grabe widmeten die Herren Oberrabbiner Doctor Ehrenfeld, Cultuspräses Dr. Rosenbacher und kais. Rath Falkowitz (namens des Centralvereines), dem Verstorbenen ehrende Nachrufe, die auf die zahlreiche Trauerversammlung einen ergreifenden Eindruck machten. Der Verblichene hinterlässt eine Witwe und zwei Söhne. Ehre seinem Andenken! Für liturg.-musik. Werk W von berühmtem Meister, druckreif, wird Känsev, event. Geldmann, gesucht. Anträge unter N. N. 100, nur gegen Schein, postlag. VW. Mariatreugaffe.