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Die Wahrheit · 1901-01-18 · Heft 3 (18.1.1901) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3. Die Wahrheit. Seile 7. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Audienz beim Kaiser.) Anlässlich des 70. Geburtsseftes Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I. wurde über Anregung des Herrn Jacob Weiß, Gründers und Obmannes des Leopoldstädter Bethausvereines „Moutefiore", II., Taborstraße 38, vom Vorstande einstimmig beschlossen, eine neue Thora-Rolle .anzuschaffen und dieselbe mit dem Allerhöchsten Namen Sr. Majestät „Kaiser Franz-Joses-Jubiläums-Thora" zu benennen. Mittels Gesuches an Se. Majestät wurde diese ruiterthänigste Bitte laut Erlasses des k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht vom 24. November 1900, Z. 109740, allergnädigst bewilligt. Am 14. Jänner 1901 wurde die Deputation, bestehend aus dem Obmanne Herrn Jacob Weiß, dem Schriftführer Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Leopold Brady, ^und dem Cassier, Herrn Edmund Hossinann, von Sr. Majestät hnldvollst empfangen. Der Sprecher der Deputation dankte Sr. Majestät für die Allerhöchste Auszeichnung und fetzte den Zweck des Bethausvereiues auseinander. Se. Majestät antwortete hierauf: „Es dient mir dies als ein besold er er Beweis Ihrer stets treuen Gefinnnng; es hat mich sehr gefreut und ich h a b e I h r exii W u n s ch s e h r g e r n e e r f n l l t. — Wo ist I l ^r Bethans? — Haben Sie f ch o n "I h r eigenes H a u s?" — Herr Dr. Brady antwortete: „Noch nicht, Majestät, aber es ist projeclirt ein solches zu bauen." — „Wo denn?" fragte Se. Majestät. — „In der Leopoldstadt." Die Deputation wurde hieraf hnldvollst entlassen. Wien. (I ü d i s ch e s M u s e n m.) Unter dem Titel „Ein Capitel ans der jüdischen Kunstgeschichte" hielt letzten Samstag Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d aus Hamburg einen Bortrag im Festsaale'des Niederosterreichischen Gewerbe- Vereines. ■ Der Vortragende ging von der Frage aus, ob es überhaupt eine jüdische Kunst und einen jüdischen Styl gebe, oder ob sich Amütze zeigten, die für ihre Entwicklung sprechen. Er erklärte dann die Unterschiede zwischen dem Ban der Kirche .und dem einer Synagoge und behandelte die Art und den Styl der Synagogenbauten, indem er zur Jllustrirung seines Vortrages einzelne bemerkenswerthe Synagogenbauten in Lichtbildern vorführte. Man finde in den einzelnen Ländern ein gewisse Anlehnung an die Umgebung, hier an den manrisch-gothischen Styl, dort an die Renaissance, her an die nordische Stylart, dort wieder an die Borockknnst. Eine ganz eigene Note zeige die „Mole Antonelliana" zu Turin, die 1879 vollendet wurde, heute aber ein Museum zu Ehren Victor Emanuel's ist. Zn den prachtvollsten Bauten der jüngsten Zeit zähle die Synagoge der königlichen Weinberge bei Prag, von Baurath Stiaßny geschaffen, dann die Synagogen zu Malaczka und Czaslau, deren Erbauer ebenfalls Stiaßny ist, die Synagoge von Bndweis und die in Mariahilf, welche nach den Plänen des Architekten Fleischer vollendet wurde. Dr. Grunwald besprach dann die Verwerthung der classischen Mythologie bei jüdischen Kunstwerken und die Form und Entstehungsursache der jüdischen Embleme, deren Anwendung gerade bei den modernen Synagogenbanten von wesentlicher Bedeutung sei, und schloss seinen Vortag, indem er den gothischen Styl mit dem Grundriss eines Mögen David als für die Synagoge besonders geeignet erklärte. Wir werden auf den Vortrag, der uns in der Wahl des Thema wie in den allgemeinen Ausführungen vergriffen schien und auch in den Einzelheiten vom wissenschaftlichen Standpunkte manche Bedenken Hervorrufen muss, gelegentlich noch ausführlicher zurückkommen. Jedenfalls muss constatirt werden, dass das überaus zahlreiche Publikum dem Vortrage und besonders der Vorführung der Lichtbilder mit großem. Interesse folgte und zum Schlüsse der Applaus auch nicht aüsblieb. Unter den zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen -er rührigen Gesellschaft feien erwähnt: der kgl. großbrittanische Botschafts-Pfarrer Rev. William H. Hechlerder Vicepräsident -er Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den " Vorstandsmitgliedern Dr. Alfred Berger, Salo Cohn, Arthur v. Mises, Oberfinanzrath Dr. Rappaport und Dr. Spitzer, Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann, die Bethansvorsteher Adolf Stiaßny und Heinrich Teltscher, die Regierungsräthe M. Knlka und Dr. Schlag, die kais. Räche Dr. S. Kohn, Lichtenstadt und Dr. Lieben, die Obercantoren Singer uns Bauer, I. Eantor Moriz Blatt, vom Cnratorium der Gesellschaft die Herren Banrath Stiaßny, Prost Dr. Politzer, Architekt Fleischer, Abr. Epstein, Maler Isidor Kaufmann, Dr. Ad. Stein die Rabbiner Dr. Abeles, Dr. Gelbhaus, Sor, Dr. Tagticht und Grün, der persische Arzt Elia Cohen, Dr. Friedländer, Prost Dr. Büchler, Scriptor Dr. Frankfurter, Dr. Fiatla, der Vorsteher der ■ Armenanstalt Josef Jelinek, der Vorsteher der „Jsr. Allianz" l Wilhelm Papoei'.beim, die Schriftsteller Dr. Bloch und Dr.! Löwy, Oberiitsvector Reifer, Jaspector Engel, Dr. Edmund! Kohn, Dr. Klemper^r, Großindustrieller Arnold Fröhlich. Arj chitekr Modern, der ehemalige Gemeinderarh Siginnitd Mayer,! viele Religionslehrer, zahlreiche Damen ec. i Die Gefeitfchaft hält noch folgende Vortragsabende ab : j Am 31. d. Rector Dr. Schwär;: „Der Talmud". Anfangs! Februar: Jo'ei Bck l Skioptikon). Anfangs März der Vice- - präfes, Herr Adolf Ricrer von Sonnenthal, k. k. Hofschauspieler und Qberregifsenr uuö Ende Mär; Regierungsralh Prof. Tr. , Cohelt (Breslau.) Die Vormerkung auf Karten werden schriftlich : im „Indischen Museum", l., Rachhausstraße 13 entgegengenom- ' men. Letzteres ist Zttr freien Besichtigung jeden Samstag; von 11—1 Uhr Mittags geöffnet. Wien. (I n d i f ch e r Franen-Wohlthätigkeirsj V e r e i n „Z tt f l u ch t.) Sonntag, den 6. d. M.. hielt der i nengegrnndeie Frauen - Wohlthätigkeits - Verein „Zuflucht" im j großen Feftfaale des Jüdischen Voiksvereines feine constirnirende j Generalversammlung ab. Der Vertatst der von mehr als 300 i Personen besuchten Versammlung war würdevoll und erhebend.! Frau Laura Goldschmidt, deren Initiative und eifriger j Propaganda der eminent humanitäre Verein fern Entstehen! verdankt, hieß als Proponentin die Erfchienenen herzlich! willkommen. Rach Vorlesung der Statuten dtlrch Dr. Spiel-! mann ergriff Fräulein Spielmann das Wort, nrn in längerer, wiederholt von Beifall unterbrochener Rede tue Tendenz des Vereines, dessen Zweck die materielle Unterikützung verschämter Armer ift klarnstegeii. Reicher Beifall folgte den! formvollendeten Ausführungen. 'Rach einer kurzen Altsprache der Frau Joa Misto nahm Dr. Heinz Kohn das i'3orf, um in glänzender, uon fla.umender Begeisterung getragener Rede die schwesterliche Liebe und den Zartsinn des Weibes in Israel! zu preisen, der auch den Grundstein zu diesem Verein gelegt habe.! Unter allseitigem, stürmischem Beifall schloss der Redner, indem j er den Frauen, deren Bethätigung der 'Rächstenlieoe keine kalte! Pflichterfüllung, sondern eine Thal des Herzens sei, fegensreiches Wirken wünschte uns an die anwesenden Herren einen - warmen Appell richtete, für die Thätigkeit des Vereines stets ein j opferfreudiges Herz und eine offene Hand zu zeigen, znrn Wohle j unserer armen Brüder und Schwestern. Bei den hierauf vorge- > nommenen Wahlen von 14 Vorstandsdamen wurden die Frauen i Goldschmidt, Misto und Auftal in die . Vereinsleirung berufen. | Frau Austal dankte namens der Gewählten für die auf sie ge-! sallene Wahl. Auf ihren wohlmorivirlen Antrag wurde» j schließlich die Herren Spielmann und Dr. Hein; Kohn wegen! ihrer besonderen Verdienste um die Gründung des Vereines! von der Versammlung per Acclamation zu Ehrenmitgliedern i ernannt, worauf die Präsidentin mit einem Danke an den > jüdischen Volksverein, der das Local unentgeltlich zu Verfügung j gestellt, die Versammlung schloss. Wir wünschen dem jungen Vereine, der mit der ansehnlichen Zahl von 600 Mitgliedern in die Oeffentlichkeit tritt und schon allein dadurch den Beweis seiner Lebensfähigkeit erbracht hat, dass es ihm gelingen möge, zahlreiche Verzagte zu ermuthigen, Gebeugte aufzurichten, Kummerbeladene zu stärken und neu zu beleben. Möge dieser Lohn der edlen Gründerin und allen ihren Mitarbeitern nicht versagt bleiben!

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