Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 2. faiben, und zu Beschluss erheben, dann geehrte Herren werden Sie schon einer Art Programm Ihre Zustimmung gegeben haben, welches im Wesen dahin geht, eine Deceniralisirung der Arbeit durch Heranziehung aller Vorstandsmitglieder zu erzielen. Ich möchte also, wenn Sie es erlauben, noch die Zuversicht aussprechen, dass Sie geehrte Herren mir Helsen werden, die innere Reform der Organisation durchzuführen; ich habe bekanntlich dies schon im Vorjahre zu thun versucht, bin aber damit gescheitert. Nunmehr glaube ich, dass insbesondere im Hinblick auf die mittlerweile erfolgte Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit gedachter Aenderungen in der Verwaltung und Geschäftsführung allgemeiner Billigung begegnen werde. Ich schließe damit, dass ich Sie nochmals bitte, meinen herzlichsten Dank für das mir entgegengebrachte Vertrauen nnd mein Versprechen entgegen zu nehmen, dass, soweit meine Kraft reicht, ich bestrebt sein werde, den Pflichten des mir übertragenen Amtes gerecht zu werden. (Anhaltender Beifall.) Wahl der Sectiorrerr. Vor Uebergang zum 2. Punkte der Tagesordnung, Wahl der Sections-Obmänner und Obmann-Stellvertreter, gibt Baurath Ritter von G o l d s ch m i d t der Freude Ausdruck, dass der vortrefflich bewährte und allseits sympathisch begrüßte Führer wieder gewählt wurde. Dieser Führer bedarf aber auch tüchtiger Mitarbeiter, einer Art Geueralstabes, um die vielfachen Actionen mit Erfolg durchführen zu können. Die Obmänner und Obmann- Stellvertreter der Sectiouen, an deren Wahl nun geschritten werden soll, bilden den Generalstab des Präsidenten. Da nun der Redner überzeugt ist, dass unter den neugewählten Vorstehern sehr erfahrene und tüchtige Männer sind, möchte er es für wünschenswerth halten, wenn einige derselben als Sections- Obmänner gewählt würden. Namens sämmtlicher aus der Curie der Höherbesteuerten gewählten Vorsteher erklärt Ritter von T a u s s i g, dass er für diese freundliche Anregung und deren schmeichelhafte Motivirung bestens danke, aber gleichzeitig an den Vorstand die dringende Bitte richten müsse, von diesem Act der Courtoiste Umgang zu nehmen. Uns allen, so führt Redner aus, mangelt als neuen Männern die Erfahrung in den Geschäften der Cultusgemeinde, und es zieme ernsten Männern keineswegs, unter solchen Umständen eine führende Rolle übernehmen zu wollen. Aus diesem Grunde und zur Vereinfachung des Wahlganges möge von eineretwaigen Wahl neuer Vorstandsmitglieder abgesehen werden. Bei der hierauf folgenden Wahl der Obmänner und Obmann-Stellvertreter der Sectiouen wurden fämmtliche j bisherigen Funktionäre wieder gewählt, u. zw.: Sektion Obmann: Stellvertreter: : Architekt Fleischer Dr. Josef Grün selb Salo Cohn Gottlieb T a u s s i g Dr. Marcus Spitzer Arth. Edler v. Mises. L Dr. Maximilian Steiner II. Dr. Gustav K o h n HL Baurath v. Goldichmidt IV. kais. Rath Moriz Hirsch V. Dr. Alfred Stern VL Baurath Stiaßuy Landesschulrath Dr. Gustav K o h n dankt den alten uns neuen Vorstandsmitgliedern für die ihm durch die Wiederwah erwiesene Vertrauenskundgebung. Seit dem Jahre 1884 Mitglied des Vorstandes und der H. Section, genieße er bereits durä 10 Jahre die Ehre und Freude, die Stelle eines Obmannedieser Section einzunehmen, welche so hohe und wichtige Aus gaben zu erfüllen hat. In seinem Wirken Haber er jederzeit bti vollste Unterstützung seitens des Obmann-Stellvertreters Dr Grünfeld und der übrigen Sectionscollegen gefunden und ii Verbindung mit diesen Collegen wolle er sich auch fernerhin den Dienste der Schule widmen. (Beifall.) Oberfinanzrath Dr. Rappaport gibt anlässlich bei vollzogenen Sectionswahlen namens einer größeren Zahl von Gesinnungsgenossen die Erklärung ab, dass sie nur dem Zwange gehorchend, um eine Stockung in der Administration der Gemeinde zu vermeiden, aber contra coeur sich an diesen Wahlen betheiligt haben. Die Administration ist mit den Sectiouen nicht auf einer richtigen Grundlage, und auch die neuen Vorstandsmitglieder werden hoffemlich bald sehen, wie das Werk geht. Wahl der Wiceprüstdenterr. Bei der hierauf folgenden Wahl des e r st e n V i c e- Präsidenten wurden 32 Stimmen abgegeben, von welchen 28 Stimmen auf Herrn Dr. Alf. Stern fallen, welcher somit in dieser Eigenschaft wiedergewählt erscheint. Vicepräsident Dr. Stern dankt für die ihm durch die Wiederwahl gewordene Ehrung und Auszeichnung, die er vollkommen zu würdigen wisse. „Eie schemos b’ne Jisroel<‘, so beginnt der nächste Wochenabfchnitl, welcher von dem ältesten Constituirungsact des Judenthums erzählt. Wenn auch die heutige Constituirnng des Vorstandes nicht mit dem erwähnten geschichtlichen Ereigniße verglichen werden könne, so müsse man sich dennoch die große Bedeutung der Wiener Cultusgemeinde gegenwärtig halten, die weit über die geographischen und topographischen Grenzen der Residenz hinausreiche, denn unter den gegenwärtigen Verhältnissen richten sich die Augen der gesammten Judenheit des Reiches auf die Hauptgemeinde und das Wirken ihres Vorstandes. Redner will dem Beispiele ves Präsidenten folgend, auch keine Programmrede halten, immerhin aber auf einen Punkt Hinweisen, der in der Wiener Cultusgemeinde immer als Programm und geachtete Tradition galt, nämlich den Frieden und die Eintracht zu wahren und zu schützen. In diesem Sinne zu wirken, werde auch Redner als seine Ausgabe betrachten. (Beifall.) Der Präsident constatirt mit besonderer Befriedigung, dass er diesen Freund und Collegen wieder an seiner Seite zu gedeihlicher Wirksamkeit begrüßen könne. Zum zweiten V icep rä si d ent e n wurde mit 29 von 34 abgegebenen Stimmen Landesschulrath Dr. Gustav Kohn wiedergewählt und vom Präsidenten als arbeitsfreudiger Und opferwilliger College begrüßt. (Allgemeine Zustimmung.) Vicepräsident Dr. Kohn dankt für die ihm zu Theil gewordene Auszeichnung, die ihm zur Ehre und Freude gereiche. In Anbetracht der vielfachen Opfer, welche diese Würde einem Berufsmenschen auferlegt, folge er der Berufung aus zwei Gründen. Zunächst, weil es ihm vergönnt sei, unter dem geichätzten Präsidium des kais. Rathes Kling er zu arbeiten, dann aber als Mann der Pflicht, der dem an ihn ergangenen Rufe sich füge. Er wolle aber nicht verkennen, dass die Wahl nicht so sehr seiner Person, als vielmehr der Wahrung eines Principes und der Anfrechthaltung der Continuität in der Verwaltung der Gemeinde gelte. Bei der hierauf folgenden Wahl der ständigen Comit6s entspinnt sich eine principielle Debatte darüber, ob der Eintritt in die einzelnen Comites jedem Vorstandsmitgliede freistehe, oder von einem diesbezüglichen Vorstandsvotum abhängig gemacht werde, und weiters, ob die Wahl per Acclamation oder mittelst Stimmzettel erfolgen soll. Die letztere Anschauung wiro von den Herren Wilhelm Kuffner und Ritter v. Taussig, die elftere-von Ritter v. Goldschmidt und Hermann Eltbogen vertreten. Durch einen Vermittlungsantrag des Herrn Ritter v. Taussig wird die Debatte, an welcher weiters noch der Präsident, Vicepräsident Dr. Stern und Herr Gewitsch theilnahmen, beendet und hierauf beschlossen, heute nur die Wahlen in jene vom Präsidenten vorzufchlagenden Comites vorzunehmen, deren Constituirnng unaufschiebbar sei. Die Wahl der übrigen Comites wird einer nächsten Sitzung Vorbehalten und hieraus die öffentliche Sitzung geschlossen. _ Zur Loschrr Fleisch-Frage in Wie«. Die Regelung der Koscher-Fleisch-Frage bildet bekanntlich schon seit Jahren den Gegenstand eifriger Studien und Verhandlungen des Wiener Cultusvorstandes mit den betheiligten Factoren, und da die Interessen der Gemeinde, die des consumirenden Publikums, sowie der Fleischhauer und Schächter sich nicht leicht -vereinigen lassen, kann es nicht verwundern, wenn auf der einen