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Die Wahrheit · 1901-01-11 · Heft 2 (11.1.1901) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2. Seite 5 Oie Wahrheit. indem ich die Beschlussfähigkeit der Versammlung constatiere. Mit Rücksicht aus den Umstand, dass mehr als die Hälfte der Vorstandsmitglieder, nämlich 21 Herren, aus Neuwahlen hervorgegangen sind, möchte ich mir dar Uebergang zur Tagesordnung gestatten, einige Worte an die geehrte Versammlung zn richten. Zunächst entspreche ich der angenehmen Pflicht, jene sechs Collegen zu begrüßen und ihren Wiedereintritt willkommen zu heißen, welche aus , der Wahl vom 25. November 1900 hervorgegangen sind; es sind dies altbewährte, opferwillige Männer, deren Arbeitsfreudigkeit uns allen ' bekannt ist. Ich heiße des Weiteren willkommen jene zwei geehrten Herren, welche aus der engeren Wahl vom 2. December 1900 hervorgegangen, in den Vorstand neu eingetreten sind, und gebe der Zuversicht Ausdruck, dass diese Herren m nicht ferner Zeit sich überzeugen werden, dass im Vorstande Parteiungen, welche die Pflege von Sonderinteressen verfolgen, nicht bestehen, und hoffe, dass diese geehrte i Herren mit uns zusammen wirken werden in dem hier vorwaltenden Streben, das Wohl und die Größe der Cultusgemeinde zu sördern in einträchtigter, ernster Arbeit. Hohe Genugthuung gewährt in weiten Kreisen der Eintritt jener geehrten 12 Herren, welche aus der am 4. December 1900 von den höherbesteuerten Mitgliedern der Gemeinde vorgenommenen Wahl hervorgegangen sind und die heute zum erftenmale als Mitglieder des Vorstandes zu begrüßen, wir die Ehre haben. Es sei ihnen herzlicher Dank und volle Anerkennung gezollt, dass sie zur Annahme des Mandates sich bereit gefunden haben. (Lebhafter Beifall.) Männer in hervorragender socialer Slellung, von denen man unbestritten sagen kann, dass sie Zierden des Judenthums und der Gesellschaft sind, stellen sich nunmehr, eingedenk alter Väter sitte, opferwillig in den Dienst unserer Gemeinde. (Bravo, Bravo!) Dies kannn nur zur Regelung und Ordnung der Verhältnisse beitragen, und ich begegne gewiss keinen Widerspruche, wenn ich die hiemit erfolgte Vermehrung der Anzahl der Vorstandsmitglieder als wirkliche Verstärkung des Vorstandes bezeichne, und so glaube ich auch nicht zu weit zu gehen, wenn ich ausspreche, dass durch den Eintritt dieser Herren in den Vorstand einem bedeutsamen Abschnitte in der Geschichte unserer Cultusgemeinde die Signaturgegeben ist. Ich persönlich bewahre es als bleibende Erinnerung aus der Zeit meiner Präsidialthätigkeit, dass noch während derselben die Wahl dieser geehrten Herren erfolgt ist." (Lebhafter Beifall). Z>ie neuen Worstetjer. Cultusvorsteher Eltbogen dankt dem Präsidenten für die ipecielle Begrüßung und bemerkt, dass er nicht als Parteimann in den Vorstand eintrete, sondern als Vertreter der Interessen des Judenthums und speciell der Bekhansvereine. Er gehöre nicht zu denjenigen, welche Opposition um jeden Preis machen wollen, oder — wie in der letzen Vorstandssitzung gesagt wurde — durch Nörgeleien die Arbeiten zu stören suchen; er wolle vielmehr mit Lust an den Arbeiten des Vorstandes theilnehmen und die Interessen oer Gemeinde fördern. lBravo, Bravo!) Vorsteher Ritter von T a u s s i g stattet zunächst namens der aus der Gruppe der Höchftbesteuerten gewählten Vorstandsmitglieder dem Präsidenten für die freundliche Begrüßung den verbindlichsten Dank ab und fährt dann fort: „Wir haben dem an uns gerichteten Appell, in den Cultusvorstand unserer Gemeinde einzutreten, bereitwilligst Folge geleistet, tveil es uns in erster Linie darum zu thun war, dttrch unser eigenes Thun den Beweis zu liefern, dass die vielfach laut getvordene und verbreitete Meinung von der in einem Theile der Gemeindemitglieder herrschenden Indolenz den Thatsachen nicht entspricht. (Beifall.) Wir haben uns bereit erklärt, trotz vielfacher Ungelegenheiten und Schwierigkeiten, die für manchen von uns hiedurch entstehen, der Berufung zu folgen, da ja ein größerer Theil von uns durch Berufspflichten in einer Weise in Anspruch genommen ist, dass es — ohne?jede Phrase — als eine schwere Last erscheint, neue Verpflichtungen zu übernehmen. Wir haben uns aber auch weiters bereit erklärt, dem an uns ergaltgenen Rufe zu folgen, weil wir es bei der heutige» s chwierigen Und bedrängten Zeit als die Pflicht jedes Gemeindemitgliedes angesehen haben, seine Kr ä f te in deu D i en st unseres G emeindewesens zu stellen. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube im Sinne aller verehrten Wahlcollegen zu sprechen und erlaube mir auch zu coustatieren, dass, wenngleich wir aus der Wahl einer speciellen Curie von Mitgliedern der Gemeinde hervorgegangen sind, wir selbstverständlich in diesem Raume und bei der Betätigung unseres Amtes es einzig und allein als Aufgabe und unseren Standpunkt ansehen können, die Interessen der Gesammtgemeinde nach bestem Wissen und nach unseren Kräften zu fördern. (Lebhafter Beifall.) Sowie die Aufgabe des Cultus» Vorstandes eine doppelte ist, eine administrative und eine repräsentative, so ist — meines bescheidenen Erachtens — auch die erste und wichtigste Voraussetzung zur Erfüllung unserer Aufgabe eine zweifache: Ordnung nach innen und Ansehen nach außen (Beifall.) In dem Bestreben, zur Lösung dieser Aufgabe beizutragen und mitzuwirken, haben wir unsere Mandate übernommen und in diesem Bestreben sind wir in Ihre Mitte, verehrte Herren, eingetreten; wir hoffen uub wünschen aufs innigste, dass es uns in collegialem und harmonischem Zusammenwirken ermöglicht wird, zum Besten unserer Gemeinde, zu ihrem Emporblühen und Gedeihen nach den triften Verhältnissen unser Schärflein beizutragen. (Andauernder, großer Beifall.) H>räftdenteuwaht. Bei Uebergang zur Tagesordnung wird zunächst die Wahl des Präsidenten vorgeuommen. Von den 35 anwesenden Vorstehern — kais. Rath Leopold P o l l a k hat sein Fernbleiben entschuldigt — stimmen 34 für den b i s h e r i g e n Präsidenten kais. Rath Heinrich K l i n g e r. Nach Verkündigung des Wahlresultates bereitet die Versammlung dem einstimmig gewählten Präsidenten eine lebhafte Ovation, an der sich auch das Auditorium betheiligr. Der Präsident nimmt zu folgenden Bemerkungen das Wort: „Durch die Wahl, welche Sie sehr geehrte Herren, soeben voll-- zogen haben, fühle ich mich im höchsten Grade geehrt und ich betrachte es als eine Auszeichnung besonderer Art, welche Sie mir namentlich durch die Einmüthigkeit, mit welcher Sie mich zu diesem Vertrauensposten berufen, erwiesen haben. Ich bitte darum meinen innigsten^, herzlichsten Dank anzunehmen. Allein ich gestehe uub habe dies auch jedem Collegen, der vorher über die Präsidentenwahl mit mir gesprochen, nicht verhehlt, dass ich beabsichtige zu ersuchen, die Wahl zum Präsidenten auf ein anderes Vorstandsmitglied zu lenken und mir zu gestatten, wie' vor 4 Jahren und wie ich es früher gethan habe, als einfacher Soldat ohne Charge im Dienste der Gemeinde wirken zu können. Es ist nicht eine Ziererei von mir, sondern die Rücksicht auf meine Gesundheit, sowie der Umstand, dass ich mir immer sage, ein solches Amt sollte nicht durch viele Jahre in einer und derselben Person verkörpert sein, also nicht eine Art von Petrificilung erfahren. Dadurch, dass die Wahl nach der statutarischen Vorschrift auf 3 Jahre lautet, wäre es nicht unmöglich einen solchen Wechsel einlrelen zu lassen. Im Herbste dieses Jahre trete ich in das 70. Lebensjahr, ein Alter, in welchem man nach meiner Auffassung sich von öffentlichen Aemtern zurückziehen sollte; ich muss jedoch die Einmüthigkeit, mit welcher die Wahl aber erfolgte, als einen Appell an mein Pflichtgefühl betrachten (lebhafte Zuftimmnng) und so erkläre ich, diesen Ehrenposten für das laufende Jahr mit bestem Danke anzunehmen. (Lebhafter Beifall). Soweit meine Kraft reicht, werde ich bestrebt sein, meine Pst-chr zu erfüllen, aber unter der Voraussetzung, dass Sie, tumie sehr geehrten Herren, mir Nachsicht, jedoch auch Ihre Uruerstützuug zutheil werden lassen. Nachdem hier in der neuert Aera die Beschränkung in der Rededauer als Grundsatz au"ge::ellt werden soll, will ich Sie mit einer Programmrede ver, .onen. Wenn Sie aber die Vorschläge zur Bildung der verschiedenen Comites betrachten, welche ich mir erlaubt habe, Ihm:: znzu-

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