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Die Wahrheit · 1901-01-04 · Heft 1 (4.1.1901) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Hesterr.-ungcrr. Kcrntoren-Ieitung. Nr. 1. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 21. Inl,rg. Ein Beitrag zur Organisationsfrage. In Nummer 35 dieses. Blattes hat College Schwarz in Linz den Vorschlag gemacht, dass kein Cantor einer Berufung Folge leisten solle, wenn in dem von der betreffenden Gemeinde ausgeschriebenen Concurse der Passus enthalten ist: „Nur dem Acceptinen werden Reisespesen vergütet." Wie nothwendig und wünschenswerth die Beherzigung dieses Vorschlages für uns Cantoren Ware, was wohl auch schon oft, aber bisher immer , noch ohne Erfolg, in diesem Blatte geschrieben wurde, zeigt nun »euerdings folgender Fall: Die israel. Cultusgemeinde in Floridsdorf liebt, wie so manche andere Gemeinde in der österr.-ungar. Monarchie, die Abwechslung, und jedes Jahr wird dort ein Obercantor gesucht. Wan sann wohl diesen Gemeinden den steten Wechsel nicht verbieten, aber auch unser Recht, ja sogar unsere Pflicht ist es, bas Vorgehen derselben öffentlich in unserem Fachblatte zu beleuchten, damit nicht arme Cantoren irre geführt und geschädigt werden. Auch Heuer hat uns die Gemeinde Floridsdorf wie alljährlich mit einem Concurse beglückt. Ich und ein Nachbarcollege, beide in Slavonieu in bedeutenden Gemeinden wirkend, haben Offerte eingereicht, und wir hatten auch beide das — Glück, zum Probevortrage berufen zu werden, welcher Berufung wir auch Folge geleistet haben. Wie groß war jedoch meine Ueberraschung, als ich an einem Freilag Abend den Probevortrag hielt und nicht einen einzigen Vorsteher im Tempel sah. Ist es nicht eine offene Misachtung und unverantwortlich, dass man arme Familienvater 30 Gulden Spesen machen lässt, während die Herren Vorsteher es nicht der Mühe werth ftiiben, zum Probetrortrag zu erscheinen? Wozu denn die ganze Comödie der Concursausschreibung und Berufung, wenn jene Persönlichkeiten, welche über die Aufnahme zn entscheiden haben, dem Probevortrag nicht anwohnen? Diese Herren haben sich's zum Principe gemacht, jedes Jahr einen Concurs auszuschreiben und von Slavonieu und aus dem Banat Cantoren zu berufen. Leider finden sie immer noch Narren, die sich zu dieser Posse hergeben. Müssten aber solche Gemeindeli jedem zum Probevortrag Berufenen die Spesen ersetzen, dann würde ihnen wohl der Appetit vergehen, alljährlich einen Concurs auszuschreiben und arme Familienväter irre zu führen. Ein Vorstand müsste schließlich auch soviel Tack besitzen und Freitag zum Probevortrag.im Tempel erscheinen. Diese Herren kümmern sich jedoch wenig um solche Dummheiten, sie lawen sich ins Fäusicherr, urrd wir arme Carltoren müssen unser schwer verdientes Geld zur Probefahrt nach Floridsdorf und ähnlichen Gemeinden ausgeben. Gegen derartige Vorgänge müssen wir alle Front machen. Vereinigen wir uns also solidarisch in allen Punkten des Schwarz'schen Antrages in Nummer 35 dieses Blattes, dann können wir aus eine bessere Zukunft hoffen. Tr...r. Gemeinde- Md Vereinsbote. Vien. Sonntag, den 6. Jänner 1901., präcife l/2llU§r Vormittags, sinder eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der isr. Cultusgemeinde Wien, I., Seitenstetrengasse 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung: Coustiluirung des Vorstandes. Kohenems (Vorarlberg). Herr Landesrabbiner Dr. Tänzer hält in diesem Winter folgende wissenschaftliche Vorträge: Zu St. Gallen am 6. Jänner 1901 über „Oie Stellung oer Frau im Judeilthume". In Zürich im Februar über „Börne, Heine und Saphir". Sodann späterhin über „Esther im Drama". Alle Vorträge erscheinen in Buchform. Budapest. (Ans dem isr. S p i t a l.) Wie wir er» fahren, wurde in Angelegeilheit der von uns gerügten Uebel- > stände und Mißbräuche im israel. Spital eine strenge Untersuchung eiugeleitet. Der Bericht der mit. der Untersuchung betrauten Organe liegt gegeilwärtig dem Vorstand der Cultusj gemeinde vor, welcher über die weiteren Schritte berathen Wird.! Wir wollen dem Ergebnis der Untersnchnng nicht vorgreifen. und enthalten uns deshalb in loyalster Weise derzeit jeder Erörterung dieser Angelegenheit. Wir warten den Abschluss dieser Untersuchung ab liub werden nicht ermangeln, seinerzeit das Ergebnis derselben zn publieireu und zn demselben Stellung zu. nehmen. Eines bemerken wir jedoch schon heute: die Untersuchung muss gründlich geführt werden, und es ist absolut nicht zulässig, die Recherchen nur deshalb nicht vorzunehmen, weil einige Anklagen bereits einmal erhoben wurden und weit damals durch unstatthafte Beeinflussung und Bestechung der Zeugen die Untersuchung keine Bestätigung der Anklagen ergab. Jagy-Surany. Am 26. v. M. erschien die Repräsentanz, der hiesigen orthodoxen israelitischen Gemeillde bei dem neuernannten katholischen Pfarrer Horvath, um ihn anlässlich seines Amtsantrittes zu begrüßen. Der Sprecher der Deputation, Lehren Franz Priesner, begrüßte den Pfarrer mit herzlichen Worten: und betonte, dass ein unlösbares Band der Nächstenliebe die Bürger von Nagy-Surany aneinander knüpfe; ferner gedachte er in warmen Worten des verstorbenen Pfarrers, welcher der.- berufenste Pfleger und Lehrer der Nächstenliebe war. Der neuernannte Pfarrer Horvath dankte für die Aufmerksamkeit derisraelitischen Gemeinde mit folgenden Worten: „Tief in meinem. Herzen wurzelt die Liebe, die mich meine Eltern lehrten, in der sie mich erzogen haben, und Liebe lehrt mich meine Religion- Ich werde trachten, mir die Liede meiner Nächsten zu erringen, denn auch ich liebe sie Alle. Die wahre Liebe kann man nicht analysiren; sie ist eine Eiilheit, unparteiisch und uneigennützig^ so Eins, wie Gott Einer ist uub wie wir Alle Eines Gottes Kinder sind. Bewahren Sie mir auch ferner Ihre Liebe." Die Worte des toleranten Pfarrers wurden von der Deputation mit lebhaften Eljenrnfen ausgenommen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Mittwoch, den 26. December, fand im Stadttempel die- Trauung des Herrn. Rabbiner Dr. S ch o r n st e i n aus Leitmeritz mit. der- Tochter des Cultusvorstehers Director Simon statt. Dem Trauungsacte, welchen Oberrabbiner Dr. Güdeinann und Obercantor Singer vollzögen, wohnten das Präsidium der Cultusgemeinde, viele Cultusvorsteher, sowie die Theilnehmer des Religionslehrertages für Mittelschulen und zahlreicheandere Hochzeitsgäste bei. Wien. Sonntag den 6. d. M. findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Isidor Dr. Braun mit Frl. Martha E l t b o g e n, Tochter des bekannten Gemeindrathes E l t b o gen statt. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Szeniczer in Wien",. veranstaltete am 31. December 1300 zu Ehren des Ehren-Präses, Herrn Dr. Sinnreich, eine Sylvester-Feier, zu welcher sich im großen Restaürationssaal des Herrn Herlinger (XlV., Schwendergäfse) eine große Anzahl der Vereinsmitglieder mit ihren liebenswürdigen Damen, sowie: zahlreiche Gäste eingefunden hatten. Der Obmann-Stellvertreter, Herr Josef Back, begrüßte die Festtheilnehmer und hob gleichzeitig die Verdienste des gewesenen Obmannes und derzeitigen Ehren-Präses, Herrn Dr. Sinnreich, um den Verein hervor. Eine abwechslungsreiche Reihe von Vorträgen, um deren Zusammenstellung sich namentlich Herr L. Wein--, mann sehr erfolgreich bemüht hatte, unterhielt die animirte Gesellschaft bis zur Miternachtsstunde. Da erhob sich Dr. Sinnreich, dankte für die ihn ehrenden Worte des ersten Redners, und — allen Anwesenden ein Prosiit Neujahr und Neu-Jahrhundert zurufend — klang seine Rede in. ein freudig aufgenommenes Hoch auf den Verein der Szeniczer aus. Aus der R^'ihe der erwähnten Vorträge sei vorerst das unermüdliche Künstlerquatett Willi Kraus genannt, welches ernste sowie heitere Musikstücke mit gleicher Vollendung vortrug. Sein erster Geiger, Herr I. Stern, entzückte überdies in einem Solovortrag (Fantasie aus Trovotore). die Zuhörer. Frl. Ada Bernfeld erfreute uns durch einige schalkhafte.,

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