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Die Wahrheit · 1901-01-04 · Heft 1 (4.1.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit. Seite g. -neckige Deklamationen, die ihr reiches Talent und ihre erstaunliche Be- Herrschung unterschiedlicher Dialekte bewiesen. Herr Oberkantor Jacob Bauer sang in gewohnter Meisterschaft das „Zauberlied" von Mayer- Hellmuth und erweckte mit dem leidenschaftlichen Vortrage des „Erlkönig" von Schubert geradezu begeisterten Beifall. Die Vorführung eines Gelegenheits-Scherzes durch Herrn und Frau L. Weinmann wurde lebhaft! applaudirt. Ein animirtes Tanzkränzchen hielt die junge Welt dann ' noch lange in seinem Bann, während der ältere Theil der Gesellschaft j fich in das Cafe „Schwenderhof" des Landsmannes Neufeld zurückge- } zogen hatte, den schönen Abend mit einer kleinen, intimen Nachfeier! beschließend. - X. Ä'rag- Am 26. v M. fand im Hotel Bristol die Vermählung des! Herrn Siegfried Glaser, Lehrer und Secretär der isr. Cultusgemeinde j in Jungbunzlau, mit Frau Flora Hirsch, Hausbesitzerin ebendort, statt, j Srag. Am 26. v. M. starb hier im 90. Lebensjahre Herr Hermann i Glattauer, Gründer der Firma H. Glattauer u. Comp., der sich ob feiner! guten Charaktereigenschaften allgemeiner Werthschätzung erfreute. Er war! Mitglied zahlreicher Woblthätigkeitsvereine. Srag. Im 84. Lebensjahre ist hier am 27. v. M. der Private! Herr Gabriel Lieben verschieden, der sich Zeit seines Lebens durch! Frömmigkeit ausgezeichnet hatte.. Das Leichenbegängnis fand am 30. j unter großer Betheiligung der Verwandten und Freunde des Ver-! blichenen statt. ILudapest. (Jubiläum eines j ü d. S ch u l d i r e c t o r s.) J Wenn Jemand auf irgend einem Gebiete ein halbes Jahrhundert hindurch! mit Fleiß und Eifer im Interesse der Menschheit thätig war und durch > jeine Thätigkeit bedeutende Erfolge aufzuweifen vermag, so gebührt j ihm unbedingt die Achtung und Werthschätzung seiner Mitmenschen. Um j wie viel mehr verdient aber ein jüdischer Religionslehrer gefeiert zu! werden, der volle fünf Tecennien für die Erziehung und religiöse Ausj bildung der jüdischen Mädchen in Ungarn sich redlich bemüht hat. ' Ein solcher Held ist der Director an der Pester isr. Mädchen-! Elementar- und Bürgerschule Nathan H a l ä s z, der am 23. December j fein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum und den 30. Jahrestag seiner Eri Kennung zum Director dieser Anstalt begieng. Wer das Vergnügen hat, > diesen Pädagogen näher zu kennen, weiß es, dass derselbe wohl ein; großer Schulmann aber ein ebenso bescheidener und zurückgezogener! Mensch ist, der es nicht liebt, aus seinem stillen Wirkungskreise in die j Oeffentlichkeit geführt zu werden. Er verwahrte sich auch gegen jede > Veranstaltung einer Feierlichkeit ihm zu Ehren und wollte seinen Jubeltag in aller Stille vocübergehen lassen. Allein der Vorstand der hiesigen isr. Cultusgemeinde wollte diese Gelegenheit benützen, um einer eminenten Lehrkraft vom Range Haläsz' den Dank einer ganzen Ge° > meinde in imposanter Form auszudrücken. Und so traf derselbe alle! hiezu nöthigen Vorbereitungen, -um die Halüsz-Feier aus das glänzendste > zu insceniren. Sonntag um 11 Vhr Vormittags hat dieselbe im Pracht- | faale der Gemeinde in der Pfeifergasse ftattgefunden, wohin sich die > Führer und hervorragenden Vertreter der isr. Religions- und der j Orthodoxengemeinde begeben hatten, um diese Zierde der ungarländischen! Pädagogen in würdiger Weise zu beglückwünschen.! Bei der großen Beliebtheit, deren sich Nathan Halnsz in den weitesten Kreisen der Hauptstadt erfreut, war es selbstverständlich, dass die Häupter aller pädagogischen Anstalten Budapest's ebenfalls erschienen, um ihrem geliebten Collegen an seinem Ehrentage die Hand zu drücken 4tnd ihn herzlich zu beglückwünschen. Der Jubilar wurde von einer Deputation eingeholt und mit einem Choral empfangen. Nach der Eröffnungsrede Martin Schweizers richtete Schulinspector kön. Rath Dr. Karl V e r«d y in Vertretung des Unterrichtsministeriums an den Gefeierten Worte des Lobes und der Anerkennung. Hierauf wurde folgendes, an Nathan Haläsz gerichtetes Handschreiben des Cultusministers Dr. Julius Wlafficz verlesen: „Geehrterter Herr Director! Empfangen Sie anlässlich Ihres LOjährigen Lehrer- und 30jährigen Directorjubiläums den Ausdruck meiner herzlichsten Glückwünsche. Gott verleihe Ihnen Kraft, dass Sie noch lange auf der schönen Laufbahn wirken, auf welcher Sie dem Vaterlande so viele gute Töchter erziehen können und erzogen haben. ^Empfangen Sie wiederholt meine herzlichste Gratulation". W l a s s i c s. Nach Verlesung dieses Schreibens richtete Schulinspector Dr. Bernhard Munkäcsi an den Jubilar eine schwungvolle und geistreiche Ansprache im Namen des Lehrkörpers der isr. Mädchenschule. Sodann /sprachen der Reihe nach: Rudolf Bard. N. Kornfeld im Namen der Collegen und des isr. Landes-Lehrervereines, Director Wendelin Lakots i!im Namen der Landescommiffion der ungarischen Lehrer, Director Will Helm Szuppän im Namen der höheren Staats-Mädchenschule, Severin i i Gerley im Namen des Budapester Vereins der Volkserzieher. Frau > Dr. Josef Ormay und Frl. Roszika Barna begrüßten den Jubilar im Namen seiner gewesenen Schülerinnen, welche die Summe vo nA2000 Kr. die sie durch Sammlungen zusammenbrachten, einer Nathan-Haläsz-Stiftung widmeten, deren Ertrag alljährlich unter den armen isr. Schülerinnen vertheilt werden soll. Im Namen der jetzigen Schülerinnen, welche weiß gekleidet erschienen, trug Elisabeth Haar eine schöne Ansprache vor» welche mit einem Gebet auf das Wohl ihres geliebten Erziehers schloss. Zum Schluffe richtete der Jubilar eine gehaltvolle Ansprache an alle Erschienenen, in welcher er ihnen für ihre freundlichen Gesinnungen in zündenden Worten Dank sagte. Mit der Absingung eines Hymnus war die schöne Feier zu Ende. Abends fand zu Ehren des Jubilars im Saale des Kindergartens in der Acaziengaffe ein Banket statt, bei welchem fast sämmtliche Lehrer und viele bedeutende Persönlichkeiten der Hauptstadt zugegen waren, v. G. Ararta. Am 9. Jänner findet die Trauung des Herrn Cantor Menaffe Gross, Sohn des Cantors M. Gross aus Braila, mit Frl. Rebeca Aks in Negresti statt. Heimweh. Erzählung von Eduar» Kulte. (39. Fortsetzung.) Es war ein schöner, freundlicher Wintermorgen; die Stimmung des gestrigen Abends hatte in den Herzen der beiden Ehegatten noch fröhlich nachgeklungen, nnd die hell scheinende Winterfonne. welche die weiten Schneeflächen beglänzte, stimmte gar lvohl zu dem frendighellen Gesichtchen des kleinen Nannchens. Das Mädchen freute sich schon jetzt auf die Bescheerung des Christkindes, welche der Abend bringen sollte, denn die liebliche Weihnacht war da. Und nun ereignete sich jener Vorfall, der zu Beginn unserer Geschichte erzählt wurde, jener Vorfall, da das Kind in seiner Unbefangenheit den Vater mit neugierigen Fragen über das Christkindlein bestürmte, mit Fragen, auf die der hiedurch wieder traurig gewordene Mann zu antworten, nicht das Herz harte, jener Vorfall, der dem Weibe mm endlich die Augen öffnete und die volle Klarheit verschaffte, wie fremd Josef dem Christenglauben noch gegenüber stehe, wie groß das das Opfer sei, welches er ihr mit dem Uebertritte in das Christenthum gebracht, und wie wenig er die Kraft besitze, ein solches Opfer mir jedem neuen Tage feines Lebens zu wiederholen. Der Christabetld kam heran; der alte Niederhuver, Brigitte, Honze und noch andere Verwandte und Bekannte, welche geladen waren, hatten sich bereits eingefunden. Josef bestrebte sich zu thun, wie Marie ihm geheißen hatte, er zwang sich zur Heiterkeit, so gut er's vermochte. Die Lichtlein am Christbaume waren angezündet, Nannerl war geblendet von der Pracht und Herrlichkeit nird konnte sich nicht satt sehen. Die F-ftlichkeit nahm ihren Verlaus unter Ernst nnd Scher;. Man erinnerte sich an den Christabend vor fünf Jahren, Brigitte that sich noch immer sehr viel zu Gute auf den Einfall, den sie damals gehabt, die Braut als Christgeschenk für den Bräutigam an den Christbaum zu binden, Honza zog sie ans wegen der laugen Nede, die sie damals gehalten, und in der sie zu beweisen gesucht, dass sie nicht viel reden könne, und so ging es denn fort, der Eine erinnerte an dies, der Andere an jenes, nichts wurde vergeffen und alles ging ganz prächtig von statten. Es war fast Mitternacht, ehe man ans einander ging. Am andern Morgen aber sagte Marie zu ihrem Manne: »Ich bin mir Dir zufrieden, Josef, Du hast Dich gestern gut gehalten! Ich habe Dir den Zwang angesehen, den^Dn Dir auserlegt hast, ich dank Dir dafür! Aber jetzt Josef! Ich kann es nicht ertragen, Dich leiden zu seDm;" ich kann es nicht dulden, dass Du unter dem Z-v^ng, unter dem Du jetzt schon ffuif Jahre lang ein eleiwes \!ebeu führst, fortlebst! Das muss ein Ende baden, Jojei! D.rs muss auihören! Kehr zurück, Josef, zu dem Glauben Deiner Väter!" „Marie!" — ries Joief erschreckt. „Ja, Josef! Du musst diese Maske abwerfeu, unter der es Dir doch nun einmal nicht wohl werden will!" „Ader Marie! Du frößesr mich von Dir? Was habe ich Dir denn gelhan?" (Fortsetzung folgt.)

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