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Die Wahrheit · 1900-12-28 · Heft 48 (28.12.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 48 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite & L ■ | Nr. 48. Oie Wahrheit. Einiger Worte seiner Bestimmung zu übergeben. Als mein geliebter Vater — sagte Redner u. Ä. — vor Jahren sehr schwer Erkrankt war, that er das Gelübde, im Falle er genesen sollte, ein gottgefälliges Werk zu errichten. Er überstand mit Gottes ^ilfe seine Krankheit und nach rastloser Thätigkeit ist es ihm mun auch gelungen, ein Werk zu vollführen, das Nun vollendet seiner Bestimmung zugeführt werden kann. Wohl hatte er seine Iganze Kraft in den Dienst dieser Humanitären Aufgabe gestellt, jdoch ist die glückliche Durchführung des schönen Planes nicht!allein sein Verdienst. Die edlen Spender und Mitbegründer -dieses ueueu Heims, das dem Schutze armer, schwergeprüfter Minder dienen soll, all' Jene, die bereitwillig und opferfreudig jmit hochherzigen Gaben zum Baufonds beitrugen, haben am! Verdienst den größeren Antheil, denn nur ihrem Großmuthe l und ihrer Opferwilligkeit ist' das Entstehen dieses Waisenhauses -zu verdanken. Mögen deshalb die Worte der Anerkennung in j erster Reihe den Spendern gelten. (Lebhafte Eljenrufe.) j Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, Sigmund \ Kohner, begrüßte in einer dem Anlasse angepassten, von leb-! haften Beifallskundgebungen oft unterbrochenen Ansprache die f erschienenen Festgä ste, die Vertreterder Munizipien, in erster! Reihe aber die Vertreter der Regierung. (Eljenrufe.) Redner 1 gedachte sodann in Worten der größten Anerkenitung der Verf dienste Jacob Deutsch', dessen Name dauernder denn in Erz, in! die 'Herzen aller seiner edelsinnigen Mitbürger eingedrungen t sei. (Beifall.) Ihm gebührt der Löwenantheil des Verdienstes, t Nebst ihm seien es aber die Mitglieder der Waisenhaus-Com-; Mission und allen voran die zahlreichen Speilder, denen besonj derer Dank zutheil werden muss. (Lebhafte Eljenrufe.) f Nachdem der Präsident des den Namen Jacob Deutsch l führenden Vereins der einstigen Zöglinge des Waisenhauses, f Salomon Rolter, in rührender Weise die Antheilnahme der \ dankbaren Schüler des Waisenhauses an der schönen Feier verf dolmetschte, ergriff Oberbürgermeister Josef Marcus das Wort, f um den Schöpfern und Förderern der humanen Anstalt den 1 Dank der Hauptstadt atlszudrückeu. „Voll Staunen und Bef geisternng — sagt Redner — sehen wir da, wie innerhalb J geringer Zeitabschnitte monumentale Werke der Humanität ent- | stehen, wie die grenzenlose Hochherzigkeit der Leiter dieser schönen | Institution unserer Hauptstadt solch bedeutungsvolle, segen- I bringende Anstälten überreichen. Die Gegenwart kann angesichts l dieser gewaltigen Schaffenskraft ihrer Anerkennung keine Schranken | setzen, doch dürfen die Gründer dieses Werkes auch des Dankes f der kommenden Generationen gewiss sein. (Stürmischer Beifall.) j[ Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn vollzog nun in Bel gleitung einer schöuelt Rede, in welcher er den Segen des j Himmels aus das Institut und seine Begründer herab stehle, den f eigentlichen Weihact. Dem Gebete des eloquenten Predigers | folgte die Absingung des von Ferdinand Singer componirten j religiösen Liedes, wozu Dr. Sigmund Gouda den stimmungs- I vollen Text geschrieben hatte. j Mit den Klängen des „Hymnus" erreichte die solenne (Feier ihr Ende. Die Anwesenden besichtigten nun, vom Präsidenten Jacob Deutsch geführt, das neue, bereits complett eingerichtete Gebäude. | Die anwesenden Vertreter der Regierung gaben zu wiederß holten Malen ihrer Anerkennung über das schöne Heim der | Waisen Ausdruck. | Aas neue Waisenhaus E Das neue i sraelitische Waiseirhaus in der Stadtwäldchen- 1 Allee, welches das alte, gleichen Zwecken dienende Gebäude in H der Epreskertgafse zu ergänzen berufen ist, präsentirt sich als ff eines der stattlichsten Neubauten der Hauptstadt. Die Facade, f in Gothik mit modernen Anklängen gehalten, ist aus röthen S Backsteinen mit weißer Quaderstein-Einfassung; imposante, farbige Glasfenster zieren die Front und im geräumigen Foyer verkün- I den zwei Marmortafeln die Namen der Gründer der Anstalt, z wie auch über der Thüre eines jeden Lehrsaales der Name, und im Innern der Säle die Porträts solcher Stifter angebracht sind, welche der Anstalt zumindest 20.000 Kronen gespendet haben. Das zweistockhohe Gebäude ist gegen die Allee durch ein schönes Gitter abgesperrt; ein überdeckter, an den Seiten offener Corridor führt ins Foyer. Wir begegnen uns zunächst im Souterrain, wo sich außer der Küche und dem 400 Kindern Raum bietenden Speisesaale auch die große Turnhalle befindet. An diese Halle schließen sich eine prächtige Badestube, Ankleidezimmer und ein separates Local zum Schuhreinigeu. Im Parterre befinden sich die Räume für den Präsidenten und den Vorstand. An der Wand bemerke»» wir das Porträt der Präsidentin des Damencomitös, Frau Katharina Stein. Aus einem Tische liegen das Besuchs- und das Stammbuch mit den Photographien der gründenden Mitglieder auf, wie auch in diesem Raume die äußerst werthvolle Bibliothek Ptatz gefunden hat. Den Corridor entlang schreitend, gelangen wir in die Arbeitssäle; dann in die vollständig isolirbaren, mit allen Er» fordernißen der modernen Hygiene ausgestatteten Krankeusäle, anstoßend in das Empfangszimmer des Ordinarius der Anstalt, und schließlich in die Wohnung des Directors. Im ersten Stock finden wir für die sechs Normalclassen sechs entsprechende geräumige, lichte und luftige Lehrsäle, mit allen uöthigen Lehrmitteln reichlich versehen; ihre Fenster münden nach dem schattigen Garten. Auch der Saal des Lehrkörpers befindet sich hier, ferner die Synagoge, ein prächtiger Raum, mit reicher Vergoldung und üppigen Arabesken; ihre sonstige Ausstattung ist vie übliche: gesonderte Galerie für Frauen, ein eigener Platz für den Chor und eine Orgel. Die zweite Etage enthält zwei riesige Schlafsäle, jeder für 30—40 Kinder. Jedes Kind hat sein braunes Beuchen mit blaugestreifter Decke; zu dessen Füßen einen Kleiderschrank, über demselben eine kleine Schublade für Waschgeräthe. Jeder die'er Säle wird von sechs Säulen getragen; auf jeder Längsseite befinden sich sieben Fenster. Daneben gibt es zwei Badezimmer mit großen Marmorplatten, Wasserleitung; sie sind wie die Schlafsäle mit weichen Teppichen versehen. An diese Räume reiht sich dann das Zimmer des inspectionirenden Lehrers. Im künftigen Jahre sollen die bisherigen sechs Normalclassen mit einer Bürgerschule in Verbindung gebracht werden, so dass die Anstalt dann den meisten ihrer Zöglinge vollkommene Ausbildung wird bieten können. Obzwar das Institut selbstverständlich streng confesfionellen Character trägt, ist es ihm durch eine im Milleniumsjahre gegründete Stiftung von 80.000 Kronen ermöglicht, im Sinne derselben von deren Zinsen die Waisen armer Staatsbeamten, Horivedofficiere und -llnteroffieiere ohne Unterschied der Religion in der Anstalt selbst zu erziehen, i Aber auch externe Zöglinge nimmt die Schule auf; obgleich das > in diesem Falle zu entrichtende Schulgeld ungefähr doppelt so j hoch ist, wie anderswo, hindert das viele Eltern keineswegs,! ihre Kinder dieser vorzüglich geleiteten Anstalt anzuvertrauen. Das neue Heim des Waisenhauses verdankt sein Entstehen der aufopferungsvollen Thätigkeit des Herrn Jacob Deutsch, dem es gelungen war, innerhalb eines Jahres durch eigene »»nd fremde Spenden die bedeutende Summe von einer Viertelmillion für diesen edlen Zweck aufzubringen. Außer ihm gebührt aber auch allen edlen Spendern, die zu dem Werke opferfreudig beitrugen, vollste Anerkennuilg. i Aus Anlass der Einweihungsfeier erschien, von Sigmund! Döri und Geza Kabos redigirt, eine Gedenkschrist, ivelche »verthj volle litterarische Beiträge, Porträts und Abbildungen enthälr. j In dem Gedenkblatte, welches mit einem schwungvollen Aufsatz j des Predigers Dr. Samuel W e i ß b u r g eingeleilet wurde, : finden wir Beiträge aus der Feder Zoltan Thury's. Joseph Veßi's, Emil Abraui's, Theodor Svab's, Karl Oetvös, Salom. Rotter's u. A. Ferner enthält das schön ausgestattete Heft eine Würdigung der Verdienste Jacob Deutsch's und seiner Gemalin, eine Beschreibung des »reuen Gebäudes, sowie des Ferialwaisenhauses in Tahi und die Statuten des de»» Namen Jacob Deutsch führenden Vereins der ehemaligen Zöglinge des Waisenhauses.

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