Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 48 (28.12.1900)
- Date
- 1900-12-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Die Wahryeu. -kr. 48. ihre Thätigkeit, die sie einmal in den Dienst der Humanität gestellt haben, auch auf das Gebiet der religiösen Erziehung ausdehnen würden? Vielleicht könnten sie bewogen werden, zuweilen die Ergebnisse festlicher Veranstaltungen jenen Vereinen zuzuwenden, die über eine eigene Synagoge, ein eigenes Bethaus £-■ oder andere Räumlichkeiten verfügen und gewiss gerne bereit wären, dieselben gemeim.ützigen Zwecken zur unentgeltlichen ch Benützung zu überlassen. Dort sollten nun armer Leute Kinder M, durch je eine auzustellende Lehrkraft in den Synagogengottesdrenst mit all' feinen Ceremonien und Gebräuchen eingeführt fh' werden, und auf Basis des Religionslehrplanes der Schule %" erweiterten hebräischen Unterricht, sowie überhaupt alle auf das praktische jüdische Leben bezughabenden Belehrungen und Unter- $ Weisungen erhalten. Wahrlich, ein solcher Collectivschritt wäre U eine der schönsten Errungenschaften in dieser für das Judenthum?--■ so tief ernsten und bewegten Zeit und würde allen Jenen, die |v zur Förderung desselben beitrageil, ein würdiges Denkmal dankbarer Erinnerung für spätere Zeiten sichern. Die Commune Wien gegen den San einer e Lyuagoge. 5 Zm Februar 1897 kaufte der Tempelbauvereitt für den ß achten Bezirk das Haus in der Neudeggergasse Nr. 12 in der Absicht, an Stelle dieses Hauses eine Synagoge zu bauen Bei i dem im Mai 1897 stattgehabten, der angesuchten, Baubewilligung vorausgeheilden Localaugenschein hatten das Bauamt und das; Physikat gegen den projectirlen Bau keinerlei Einwendung erhoben, während die Bezirksvertretung, die Polizeibehörde und die Anrainer des Hauses gegen die Aufführung der Synagoge „aus Verkehrsrücksichten" Protest einlegten. Der Stadtrath verweigerte die Baubewilligung, wogegen die Baudeputatiou über Recurs des Tempelbauvereiues die Entscheidung des Stadtrathes s aufhob und das Project genehmigte. Das Ministerium des Innern, an welches nun die Commune recurrirte, stellte die Entscheidung des Stadtrathes wieder her und verbot unter Hinweis auf die bei Tempelbauten xsr analogiam anzuwendende Theaterordnung aus dem Jahre 1882 den projectirten Tempelbau aus Gründen der Feuergefährlichkeit. Der Tempelbauvereitt ergriff gegen die Entscheidung des Ministeriums die Beschwerde au den Verwaltungsgerichtshof, der am 10. November 1898 unter dem Vorsitze des Präsidenten Grafen Schönborn die angefochtene Entscheidung des Ministerium des Innern wegen mangelhaften Verfahrens aushob und den unteren Verwaltungsbehörden neuerliche Erhebuilgen auflrug, insbesondere in der Richtung, ob bei Eintritt eines zufälligen Ereignisses mit Grund eine Gefährdung der körperlichen Sicherheit beim Bestände des projectirten Synagogeubaues zu befürchten sei. In der Entscheidung erklärte gleichzeitig der Verwaltungsgerichtshof, dass bei dem fraglichen Baue die Theaterordnung keine Anwendung finde. — Auf Grund der erwähnten Entscheidung fand am 30. März 1899 unter Zuziehung bei compelenten Factoren ein neuerlicher Localaugenschein in der Neudeggergasse 12 statt. Das Stadlbauamt erhob neuerlich keine Einwendungen, während die Feuerwehr, die Bezirksvertretung und die Polizei abermals gegen den projectirten Synagogeubau protestirten. Der Stadtrath verweigerte wiederum die Baubewilligung, die Baudeputation und diesmal auch das Ministerium des Innern entschieden gegen die Commune, die nun die Beschwerde au beu Verwaltungsgerichtshof ergriff. Am 21. December hatte die oberste Verwaltungsinstanz über diese Beschwerde zu entscheiden. Als Vertreter der Commune interverlirte Dr. Pattai, für den betheiligten Tempelbauverein Dr. Sigmund Goldberger. J>r der Beschwerde wird insbesondere geltend gemacht, dass die unteren Verwaltungsbehörden die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshoses vom 10. December 1898 nicht richtig aufgefasst und daher ein mangelhaftes Verfahren eingeleitet hätten. Dr. Goldberger hingegen verwies auf das klare Gutachten des Stadtbauamtes. Das Urcheil des Verwaltungsgerichtshvses wird am 8. Februar verkündet werden. Einweihung des neuen israelitischen Waisenhauses. B u d a p e st, im Decemb«r 1901. Imposant und erhebend gestaltete sich die schöne Feier, mit welcher am 16. d. M. das in der Sladtwäldchen-Allee errichtete neue israelitische Waisenhaus seiner humanen Bestimmung zugeführt wurde. Es war dies ein Ehrentag für alle jene edlen Menschenfreunde, deren opferwilligen und großmüthigen Beiträgen das Entstehen des neuen, edlen Zwecken dienenden Gebäudes zu verdanken ist. Ihnen voran steht der eigentliche Initiator und Leiter menschenfreundlichen Werkes, der Präsident des Waisenhauses, Herr Jacob Deutsch, von dessen Verdiensten ein Theil auch den Mitgliedern der Waisenhaus-Commission und nicht in letzter Reihe dem Director des Institutes, Bsla Csajä-gi, ferner dem Oberlehrer Hertzka, die im Stillen ihre hingebungsvolle Thätigkeit entfalten, zufällt. Sie alle errichteten da der Humanität ein glänzendes Denkmal, das auch ihren Namen den kommenden Generationen verkünden wird. Kie feierliche Hinweihung. Das schöne neue Waisenhaus in der Stadtwäldchen-Allee prangte in herrlichem Flaggensch muck. Die Eingangspforte war mit nationalsarbigen Emblemen, Guirlanden rc. reichlich geschmückt. Im Inneren bildeten auf den Gängen und Stiegen die uniformirten Waisenknaben Spalier. Lange vor anberaumter Stunde begann,tzie Auffahrt der Festgäste in einer großen Wagenreihe. Alle, deren Namen guten Klang hat, kamen herbei, um Augenzeugen einer erhebenden Feierlichkeit zu sein. Die große, noch ungeweihte Synagoge im ersten Stockwerk, rvelche als Festsaal diente, vermochte das nach Hunderten zählende Publikum kaum zu fassen. Es wäre unmöglich, eine auf Vollkommenheit Anspruch erhebende Liste der Anwesenden festzustellen. Unserem Berichterstatter gelang es, in der langen Reihe der Festgäste folgende Namen festzuhalten: Ministerpräsident Koloinan v. Szsll, Unterrichtsminister Julius Wlassics, die Staatssecretäre Ignaz Szsll, Michael Zstlinsky, Geheimrath Berzeviczy, Oberbürgermeister Josef Märkus, Bürgermeister Halmos, Vicegespan Beniczky, die Magnatenhansmitglieder Sigmund Brädy und Karl Sväb, daun die Reichstagsabgeordneten Hofrath Dr. Armin Nenmann, Josef Vsßi, Dr. Moriz Mezei, Lazar Sämuel, Dr. Max Falk, Berthold Weiß, Franz Chorin, Theodor Wolfner, Dr. Julius Rosenberg; die Professoren Jonas Baron, Berthold Stiller, Bükai, Adolf Szily, Oberphysikns Dr. Schermann, die Stadtrepräsentanten Paul Tencer, Dr. Morzsä.uyi, Gustav G. Ehrlich, Ludwig v. Krauß, Alexander Hatvany-Deutsch, Börsenpräsident Sigmund Kornfeld, Consul Birnbaum, Josef Körösy и, v. A. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde war vollzählig erschiene^. Wir sahen Präsident Sigmund Kohner, Samuel Deutsch, Martin Schweiger, Ludwig Adler, Ludwig Baumgarten, Max Grünbaum, ferner die Herren Jacob Deutsch, Samnel Deutsch, August Kohner, Moriz Lövy, Arthur Vasärhelyi-Wodianer, Berthold Goldberger de Buda, Jacob Boschän, Dr. Ignaz Goldzieher, Josef Galitzenstein, Dr. Ignaz Brüll, Dr. Ernst Deutsch, Dr. Bäta Lederer, Dr. Isidor Krauß de Megyer, Dr. Jacob Schreyer, Ignaz Schlesiinger, Julius Adler, Dr. Julius Basch, Dr. Balä Dalnoki, den Erbauer des Waisenhauses, Architekt Alfred Wellisch, Director Bsla Csajägi, Anstaltsvorstand Johann Hertzka u. v. A. Als der Ministerpräsident Koloman Szsll, vom Präsidenten der isr. Cultusgemeinde, Sigmund Kohner, und dem Reichstagsabgeordneten Moriz Mezei geleitet, den Festsaal betrat, ertönten vom Chor herab die Klänge der vom Regenschori, Ferdinand Singer in Musik gesetzten und von Alexander Feleki verfassten Festscene ^ävörlst'*, welche von Mitgliedern der к. Oper weihevoll zu Gehör gebracht wurde. Nach dieser Einleitung der Feier, die den Anwesenden einen wahren Ohrenschmaus bereitete, betrat der Primarius der Anstalt, Dr. Ernst Deutsch, die Estrade,..um im Namen seines Vaters, des Initiators des Gebäudes und Präsidenten des Waisenhaus-Vereines, Jacob Deutsch, den Neubau in Begleitung