Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 47 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 47. Die Mahrheit. ire 7.! Per Kerr Aufpector Im israel. Krankenhanse schaltet und waltet unumschränkt,! infallibel Herr Leopold Stern. Seines Zeichens ist Herr Stern! heute wohlbestallter Jnspector des Spitales, eine Würde, die! mir noch vor wenigen Jahren vergebens im Personalregister -er Spitals-Angestellten suchen. Eigentlich war es ja Herrn I Stern auch nicht an seiner Wiege vorgesungen, dass er einst I -en tönenden Titel „Herr Jnspeceor" führen wird, denn ci- { | devant hieß er ganz vulgär: der Hausmeister, der Portier,! der Oberportirr. der Herr Oberportier — je nachdem, wer mit > Ihm zu rhttn halte. Stern hatte sich vom Portier zum Jnspector hinansge- Ichwungen — als solcher bezieht er 600, sage und schreibe sechshundert jährliches Gehalt und 100, sage und schreibe hundert Gulden „Personalznlage" (auch so eine neckische Budgetpost.) Loch, wir wollen ja nicht die Biographie des Herrn Stern schreiben, wir überlassen dies berufeneren Federn. Thatsache ist, dass Herr Stern der Allgewaltige des Spitales ist, ein antoj <rater Herrscher über alle Lieferanten, die Küche und Keller, j Hans und Boden des Spitals versorgen. Und er versteht seine j Sache, denn feine Vorgesetzten, die gewiss ganz andere, edle! i Intentionen verfolgen, haben von den Machinationen, die wir ln Folgendem zergliedern wollen, keine Ahnung.! Pie Wäsche des Spitals. Es ist wohl selbstverständlich, dass es in einem Spitale rrnd noch dazu in einem Budapester Spitale viel schmutzige Wäsche gibt. Warum soll dies eben im jüdischen Spirale anders lein. Dieser Ansicht ist auch Herr Stern und, da er colossal! auf Reinlichkeit sieht, stellt er daselbst drei Wäscherinnen an! j mit einem Monatsgehalte von je 22 Gulden, was jedoch nicht! hindert,' dass gelegentlich einer Untersuchung im Spitale Herr! Stern in die unangenehme Lage kam, die von ihm sonst tyrannisch i j mnd despotisch behandelte Oberwäscherin, Frau Johanna Nagy, in dem Momente, als sie eben vor der Untersuchungs-Commission aussagen sollte, vor der Thüre stellig zu machen und selbe mit aufgehobenen Händen zu bitten, aus etwaiges Befragen die Antwort zu ertheilen, es wären ihrer vier Wäscherinnen, und zwar jede mit einem Monatsgehalte von 30 Gulden augestellt. Er werde, sagte damals Stern, Alles, was ihr an Verdienst entgangen, reichlich ersetzen. Und so bearbeitet erschien Frau Nagy vor Herrn Leopold Keppich, dem eine anonyirte Anzeige genügte, eine strenge Untersuchung einzuleiten, und der sich natürlich nicht vorstellen konnte, dass die Zeugen von ihrem Vorgesetzten im Spitale zu einerfalschen Zeugenaussage präparirt wurden. Es wurde übrigens nur Frau Nagy verhört, denn sie, als Oberwäscherin, stellte das übrige Personal und war für dasselbe verantwortlich. Herr Keppich verhörte die Oberwäscherin mit seinem be- Eannten Pflichteifer — es war jedoch vergeblich, die Unter-; suchnng förderte nichts Gravierendes zu Tage, denn Frau Nagy ‘ war nicht nur instruirt, puncto der Zahl der angestellten Wäschez rinnen und des Gehaltes derselben auszusagen, sondern der j vorsichtige Stern, der den Gegenstand der Rekriminationetl j kannte, trug ihr auch auf, abzuläugnen, dass die Wäsche der > .Familie Stern im Spital gewaschen wird, und zwar mit der Seife und den sonstigen Waschmaterialien der Anstalt. j Frau Nagy lhat, wie ihr befohlen wurde, und sagte in j diesem Sinne ans. Wer aber sein Wort bezüglich der Verj gütung nicht hielt, war wieder der Herr Stern, was zur Folge! hatte, dass die Oberwäscherin, die nun mit Positivität wusste,! dass Stern sich Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließ, j den Herrn Jnspector nicht sehr respectirlich behandelte. Nun j lassen wir die Oberwäscherill, Frau Nagy, selbst erzählen.? s Was die Wäscherin erzählt.; Ich war bis Mai d. I. Oberwäscherin im isr. Spital, j welchen Dienst ich vier Jahre hindurch versehen hatte. Eigentlich i i war ich wohl als Oberwäscherin im Spital angestellt, nach dem ' ersten halben Jahre aber mniste ich ans Rech., mg des Spitals die Schmlltzwäiche der Familie Stern, einer Schwestertochter aus Kolocsa und der Familie Bauer, (Frau Bauer ist eine Tochter Slern's) waschen. Eine Woche habe ich gewaschen, die andere Woche gebügelt. Für das Spital haben Sie keinen Dienst versehen? Ja, ich bade die Krankeniväsche übernommen, sie an die übrigen Wäscherinnen vertheilt, ich selbst aber habe nur für die Familien Stern und Bauer gewaschen. Man gab mir hiezu Spitalsseise. Spiralskohle und sämmtliche Zubehör zum Waschen wie zum Bügeln. Sogar ans Kalocsa schickte eine Schwester der Frau Stern ihre Wäsche, die ich waschen musste. Ich wurde aber auch zu anderen Diensten verwendet. So wurde mir sehr oft ausgetragen, Fleisch zu zivei und zweieinhalb Kilo, ganze Hühner zum Backen, fertige Mehlspeisen ans der Küche in die Stern'sche Wohnung zu tragen. Mir wurden diese Lebensmittel durch das Schiedsenster gereicht. Eines Tages wurde mir ausgetragen, für das Spital vier Bügeleisen zu kaufen. Das Geld hiesür erhielt ich vom Herrn Verwalter. Ich kaufte die Bügeleisen bei Nemerh und Kristov in der Köuigsgasse und trug sie nach Hans ins Spital. Ich gieng in die Wohnung des Herrn Juipeclors, um die eingekanite 'Ware zu zeigen. Ich traf Frau Stern im Vorzimmer. Frau Zlern vesahl mir nun, zwei Bügeleisen gleich in der Wohnung zu lassen und trug mir aus, Niemanden darüber etwas zu sagen. Frau Nagy erzählte sodann, sie sei öfters in der Wohnung der Tochter des Stern gesendet worden, um von dort die schmutzige Wäsche abzuholen oder reine Wäsche hinzutragen. Eine Zeit lang musste ich, fuhr Frau Nagy fort, die Wäsche in roihes Papier einichlagen. wie wenn sie aus der Pntzerei käme. Dies geschah, weil in demselben Hanse in welchem Frau Bauer wohnte, aus demselben Gange, Thür an Thür ein Fräulein Joa Fürst logirte, welches Fräulein kurze Zeit Krankenpflegerin im Kmderspual war und vor welcher sich die Frau Stern und ihre Tochter sehr fürchteten. Bei der Frau Bauer sah ich in der Küche Geschirr, Gläser, Eßzeug re. welche alls dem Inventar des isr. Spitals stammten. Pie Spitalsnäherin. Was nun folgt, bezieht sich auf ein Mädchen, welches im Spitale als Näherin mit einem Monatsgehalt angestellt ist. Rosa Popper, dies der Name der Näherin, wurde von der Familie Stern weidlich ausgenützt. Die Näherin, erzählt Frau Nagy, bekommt ganze Stücke Leinwand, Barchent und Köper. Von diesen werden große Stücke abgeschnikien und gleich von der Näherin für den Privat - verdrauch der Familien Stern und Bauer sertiggenäht. So weiß ich von zwölf Stück Leintüchern, die Frau Stern in ihre Wohnung schaffen ließ. Selbstverständlich wurden diese Wäschestücke nicht mit dem Spitalsstemp'el versehen. Es wurde ein Stück Köper für Operalionsschürzen gekauft: davon wurden jedoch für das Spital nur vier Schürzen gemacht —■ der Rest wurde folgendermaßen ausgearbeitet: ein Unterrock für die Näherin; ein Tischtuch für die Näherin; je ein Kleid für die beiden Enkel der Frau Stern. Woher wissen Sie das? Ich habe, antwortete Frau Nagy, diese Sachen als sie fertig wurden, von der Nahmaschine weg zum Waschen bekommen. Ferner wurde alljährlich zum Ausbessern der blauen Kleider der Wärterinnell stückweise Leinwand gekauft; auch davon wurden Unterröcke für Frau Stern, Frau Bauer und der Schwester der Frau Stern nach Kalocsa gemacht. Ebenso wurde mit dem Barchent manipnlirt. Und noch eines: Ich musste öfters die Betten in der Wohnung der Frau Bauer machen nno dort sah ich zu meinem größten Erstaunen, dass die Matr. zen ans dem Spitale stammen. (Schluss^folgt.) Seite 9. r Prof. Hoierungsrath Schriftsteller utmann, die der Armen- - Religionsenstag und allgemeinen erbe in ' findet in e 6, eine ng starr: die Lage :on über nlgewerbe Saison," n.n williMührer: e r, Canrs. Herrn Veiner, in Kolin m Dienste em Leben und Re- München- :t. wurde d Lehrer usriedennes Herz- > versetzt, egängnis .'summten >ie israel. e Jung Fromme, Simon n Worte d, dieses rffend zn Kantoren »es Berantoren at, lln- -est ein »eihuna :it von israel. zahlward, ächster utschen abge- . unter neinde n, an kselben äfefte. Lanze l :erung ation . Obereines Weise, wische t und § des irden, igiöse