Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 47 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063013-3063060--01107-3067670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 Nr. 47. Die? WaHrheit^ im Versorgungshause durch Zuziehung von auswärtigen Kräften soausreichende Ordnung zu schaffen, so wird es auch dem verstärkten Vorstande möglich sein, im Spital jene Wirthschastlichkeit einzuführen, welche die Kosten nicht ins Unendliche steigen lässt. Der Hauptmangel liegt eigentlich nach meiner Ansicht in der nicht richtigen Ueberwachung und in der Nichtbeachtung der Instructionen, welche von Seiten unseres Bureaux nicht grhandhabt werden. Es ist ja bekannt, dass unser Bureau aus sehr anständigen, tüchtigen Männern besteht, welche jedoch nicht die Machtvollkommenheit, nicht die Energie besitzen, controUirend einzugreifen. Speciell die Oberbeamten sind es, welche unzählige Beschlüsse des Vorstandes und der Sectionen stets in sich aufzunehmen haben, ihnen aber nicht immer thalkräftig zur Geltung verhelfen können, wie Pies ein nackensteifer, nicht nur gütiger, sondern auch energischer Magistrat (Heiterkeit) thun sollte. Wenn man mir den Vorwurf gemacht, ich hätte gesagt, es sei Einiges faul im Staate, so muss ich bemerken, dass ich damit nicht gemeint habe, dass die Beamten oder Lehrer faul seien, sondern dass manche Agenden theils aus Ueberbürdung, theils aus gewohnheitsmäßiger Lethargie nicht richtig behandelt werden. Vicepräsident Dr. Alfred Stern verwahrt sich gegen einzelne vom kaiserl. Rath Wilhelm Pollak angewendete Redeformen in der Debatte. Es geht nicht an, dass man sagt, es sei „etwas faul", wenn es sich um Bemühungen handelt, in einzelnen Dingen Ersparnisse zu erzielen. Dr. Grün seid muss ebenfalls gegen die Ausfälle des kais. Rathes Wilhelm Pollak Verwahrung einlegen und bemerkt, wenn dem Verwalter ein Wohnungsbeitrag bewilligt werde, lverde er sofort das Spital verlassen und die Räumlichkeiten würden dann ihrem eigentlichen Zwecke zugeführt werden. Präsident kais. Rath Klinger: Ohne Zweifel wird, verstärkt durch Eintritt von Fachmännern, im kommenden Zahre eine eigene, selbstständige Spitalscommission die Ueberwachung der Administration des Spitales und' die Durchführung von Reformen daselbst übernehmen. Gegenüber den vom kais. Rath Wilhelm Pollak, betreffend das Bureau, gemachten Bemerkungen muss der Präsident sagen, dass nach seiner Erfahrung, die Bureauvorstände nicht nur ihre Pflichten in gewissenhafter Weise nach jeder Richtung hin erfüllen, sondern hierin das Menschenmöglichste leisten. Kais. Rath Pollak berichtigt, dass es ihm fern lag, gegen das Bureau irgend eine Beschwerde zu erheben. Er habe blos hervorheben wollen, dass dem Secretariaie bei der Fülle langer Sitzungen im Plenum und in den Sectionen für die eigentliche Verwaltungsarbeit wenig Zeit übrig bleibt. Nach Annahme des Spitals-Budget referirt Baurath Stiaßny über den Voranschlag der VI. Section: Das vorgelegte Budget stellt sich als ein vollkommen normales dar. Weder in der Einnahmsnoch in den Ansgabeposten weichen die Präliminarbeträge für das kommende Jahr von denjenigen ab, die für das laufende Jahr in Aussicht genommen waren. Im Allgemeinen stimmte auch das Ergebnis eines jeden Jahres ziemlich genau mit den Präliminaransätzen überein. Es ist kaum nöthig, hervorzuheben, dass wir es als unsere Psticht betrachten, das Beerdignngswesen in humanem Sinne und in echt jüdischem Geiste zu verwalten. Hiefür spricht die Thatsache, dass die Anzabl der entgeltlichen Beerdigungen im Durchschnitte nur 31—32°/0 der Gesammtzahl der in einem Jahre stattgefandenen B erdigungen erreicht; das heißt, es werden alljährlich mehr als zweimal soviel Glaubensgenossen unentgeltlich beerdigt. Hiefür will ich folgende statistische Daten anführen: Im Jahre 1898 entfielen von 1983 Beerdigungen 615 auf entgeltliche, 1368 auf unentgeltliche. Im Jahre 1899 stellte sich bei einer Gesammtzahl von 2171 Beerdigungen das Verhältnis auf 685:1486. Nach dem Ergebnisse der abgelaufeneu 11 Monate des Jahres 1900 stellt sich bei der berechneten Anzahl von 2087 Beerdigungen das mehr erwähnte Verhältnis auf 653 :1434. Der Cultusvorstand nimmt in der Bemessung der Gebühren und in der Anordnung von Leichenbegängnissen billigt Rücksicht auf alle Personen, welche im Dienste der Cultnsgemeinde oder überhaupt im öffentlichen Dienste gestanden sind, oder sich um das öffentliche Leben Verdienste erworben haben. Und nun gestatten Sie, dass ich hier die Hauptziffern des Budget folgen lasse. I. Beerdigungswesen: Einnahmen Ausgaben 1900 191.760 176.940 1901 215.000 183.972 1901 Mehr Weniger 24.230 — 7.032 — Ueberschuss 14.820 31.028 16.208 — II. Centralfriedhof: 1900 1901 1901 Mehr Weniger Einnahmen 196.000 191.000 — —5000 Ausgaben 63.383 60.955 — —2428 Ueberschuss 132.617 130.045 — —2572 III. Alte Friedhöfe. Gegenüber den Ausgaben des Jahres 1900 pro Kronen 3054 stellte sich das Ausgabenprätiminare pro 1901 auf Kronen 2732. Im Jahre 1900 standen den Präliminar-Einnahmen nur Kronen 387.760.— Ausgaben in der Höhe von Kronen 243.377 gegenüber, so dass sich ein Ueberschuss von Kronen 147.436 ergibt. Im kommenden Jahr sollen die Einnahmen Kr. 406.002 (4- Kronen 18.242), die Ausgaben Kronen 247.661(4- Kronen 4284) und der Ueberschuss Kronen 161.072 ( 4- Kronen 13.635) betragen. Der nach Abzug des Zuschusses für die alten Friedhöfe sich ergebende Saldo von Kronen 158.340'— wird seiner Gänze nach für ^Zwecke der Wohlthätigkeits-Seetiou verwendet. Der Vorsitzende, Präsident kais. Rath Klinger, constatirt, dass der Ueberschuss zu theilweisen Deckung des Deficits der III. Section verwendet wird, und bemerkt, dass bei der Vorberathung des Voranschlages der Friedhossection manche' Verbesserungen angeregt wurden, mit deren Durchführung sich zunächst die Fachsection zu beschäftigen haben wird. Nach Annahme der Sectionsanträge referirt I. Viee-Präsident Dr. Alfred Stern über den Voranschlag der V. Section. Das Erfordernis beträgt 28,890 Kronen, mit einer besonderen Post für Kataster und Statistik, welche auch für das Jahr 1900 bereits eingestellt war. ohne zur Ausgabe gelangt zu sein. Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger wünscht bei den Ausgaben für Papier Ersparnisse zu erzielen. Man braucht nicht für alle Ausfertigungen die besten Papiersorteu zu verwenden. Der Vorsitzende replieirt, dass ohnehin bei der Verwendung von Papiersorten Unterschiede eingehalteu werden, übrigens die Würde der Gemeinde es erforderlich mache, dass Zuschriften und Ausfertigungen des Cultnsvorstandes in einer anständigen und tadellosen Form erfolgen. Die Anträge der Section wurden genehmigt. Kaiserl. Rath Moriz Hirsch: Ich habe die Ehre, Ihnen das Budget der IV. Section vorzulegen und bemerke zunächst, dass, vielen Wünschen Rechnung tragend, das diesjährige Budget nur die normalen Bedürfnisse der Gemeinde enthält, während jene Ausgaben, welche übergehend das Budget belasten, in einem besonderen Anhänge zum Voranschläge zusammengefasst erscheinen. Das Budget der IV. Section betrifft die Capitel Cultussteuer und Jmmarriculationsgebühren, Gemeindeverwaltung, Pensionszulageu, Gnadeugaben, Gebäudeerhaltung und -Verwaltung, Gebäude-Jnspectiou, diverse Einnahmen und Ausgaben, Gemeindeschuld. Die Differenzen, welche sich gegen das vorjährige Budget ergeben, will ich kurz beleuchten. Während wir vor der letzten Steuerregulirung die Cultussteuern noch mit 710.000 Kronen eingestellt haben, veranschlagen wir auf Grund der neuerfolgten Einschätzungen der Bezirkscollegien für das Jahr 1901