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Die Wahrheit · 1900-12-21 · Heft 47 (21.12.1900) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 47 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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\ Die Mayryen. 'Nr. 47. Zwecke aufgebiachl seien, und wir hoffen in Folge der überaus! thatigen und wirksamen Unterstützung aller Fraueiuvohlthätigkeitsvereiue einen Tbeil des im Präliminare eingestellten Betrages zu ersparen. Der Versuch aber, das Armenwesen im Sinne des Elberselder Systems zu organisireu, wird vor einer neuerlichen Berathung und Beschlussfassung durch den Vorstand nicht erfolgen. Cultusvorsteher Salo Cohn kritijirt das System der Itl. Section. anerkenn! in warmen Worten die Verdienste des Dr. Alfred Berger um die Ansspeisung der armen Kinder iu der Brigittenau^nnd verlangt von der Armenverwaltuug vor Allem j die Heranziehung von Hilfskräften aus der Gemeinde. Er ver-! weist auf die vorzüglichen Leistungen des Vereines für unent- , geltliche Arbeitsvermittlung und wünscht, dass die III. Section i durch ein Comite von Gemeindemilgliedern verstärkt werden soll, j nach dem Vorbilde der Berliner Gemeinde. Auch wenn man im i Sinne des Antrages Steiner die Post von 6000 auf 8000 fl.! erhöht, wird der Betrag nicht hinreichen. Nicht eine Aenderung! der Ziffern, sondern eine Aenderung des Systems sei nothwendig.! Cultusvorsteher kais. Rath Moriz Hirsch verweist aus j I>en Zweck des in Frage stehenden Fondes, der dazu dient, in i dringenden Fällen sofortige Hilfe zu gewähren. Häufig genug j haben die Mitglieder des Vertretercollegiums in die Tasche gej griffen und private Freunde herangezogen, um einen in Noth j geraihenen Gemeiudegenossen vor gänzlichem Ruin zu bewahren. > Nach diesen Aufklärungen glaube er nicht, dass noch irgend j Jemand gegen die Post stimmen werde.! Der Präsident weist gegenüber den Ausführungen des Herrn Salo Cohn auf die Thalsache hin, dass nunmehr die Anzahl der Vorstandsmitglieder 36 betragen wird, und es sei doch aitzunehmen, dass unter diesen manche das Armenwesen kennende Persönlichkeit mit Rath und Thai im Vorstände wirken werde; man müsse nicht immer das Heit der Gemeinde in der Heranziehung von Persönlichkeiten suchen, die außerhalb des Vorstandes stehen. . Dr. Maximilian Steiner erklärt, dass die Armencommiffion in Berlin auch nichts anderes Ihne, als wir hier in Wien. Den von Dr. Berger gebrauchten Ausdruck „Gesinnungsgenossen" finde er odios. Er kenne hier nur eine einzige Gesinnung, und das ist die jüdische. Bei der Abstimmung wird der Antrag Steiner mit allen gegen vier Stimmen zum Beschluss erhoben, alle anderen Ziffern werden nach den Anträgen des Referenten geuehmigt. Kais. Rath Vogel bringt eine Beschwerde betreffs des Sinnneringer Bethausvereines vor, in deren Erörterung jedoch ui^t eingegangen wird, da sie mit der Tagesordnung nicht im Zusammenhang steht. Oberingenienr v. Mises erstattet ein ausführliches, mit vielem Beifall aufgenommenes Referat über die Verivaltung des Allersversorgungshauses und des demnächst zu eröffnenden Siechcuhauses. Seine Anträge wurden ohne Discnssion zum Beschlüsse erhoben. Ueber das Präliminare der Spitalsverwaltung referirt Cultusvorsteher Dr. Josef G r ü n f e l d. Der Zuschuss der Gemeinde beträgt 98.000 Kronen, d. i. eine Steigerung der Ausgaben um 8000 Kronen. Eingehend wird das Erfordernis von dem Referenten beleuchtet und begründet. Salo Cohn kritisirt sehr scharf die steigende Tendenz der Ausgaben in der Spitalsverwaltung und behauptet, dass die Vermehrung der Kosten keineswegs mit der erhöhten Zahl der Kranken zusammentrifft. Er zieht den Rechenschaftsbericht des Stefanie-Spitales zur Vergleichung heran und constatirt, dass im Steianie-Spital die Kosten per Person und per Tag zwei Kronen betragen, im jüdischen Gemeinde-Spiral dagegen fünf Kronen. Wenn er auch zugibt, dass das koschere Fleisch theuerer ist und dadurch die Verwaltung belastet, so wird dadurch noch nicht die ganz unglaubliche Steigerung der Ausgaben gerechtfertigt. Auch hier kann er sich eine gründliche Abhilfe nur versprechen durch Heranziehung von Frauen und Männern aus der Gemdinde zur Spitalsverivaltung und erklärt, gegen das Budget zu ftitumcit. Reserent Dr. Grünfeld erinnert daran, dass für die Spitalsverwaltung ein eigenes Comite besteht und der Vorredner Herr Salo Cohn ist ein Mitglied desselben: Die Rechnungen werden stets genau geprüft, allein die Lebensmittel werden immer theuerer und nicht blos die Anzahl der Kranken, sonvern auch — und das ist das Entscheidende — die Zahl der Verpflegslage steigen von Jahr zu Jahr. Vicepräsid nrt Dr. Gustav K o h n hebt hervor, dass die ambulatorische Behandlung der Kranken größere Ausgaben erforderlich mache für Medicin u. f. w. Bei vielen unserer Kranken erklären die Aerzte, dass durch mangelnde Ernährung ein Verfall der Kräfte herbeigcsührt worden und verlangen dringlich eine bessere Verpflegung, was selbstverständlich bei der Thenerung der Lebensmitlel die Verwaltungsausgaben sehr wesentlich erhöht. Obersinanzrath Dr. R a p p a p o r t : Unleugbar ist die Verwaltung unseres Spitals die thenerste. Die Ausgaben von 5 Kronen per Tag und Person sint! schwer zn rechtfertigen. Der Hinweis auf die Thenerung der Lebensmittel erklärt nicht Alles, denn diese Thenerung besteht nicht für das jüdische Spital allein. Dazu kommt das ungeheuerliche Mißverhältnis zwischen der Anzahl der Kranken und Gesunden, was dringend einer Aufklärung bedarf; dass die vorgelegten 'Rechnungen richtig sind, zweifelt Niemand. Der Fehler liegt offenbar in der Administration. welche zweifellos einer Reform bedarf. Nedrer behält sich vor, zur gelegenen Zeit entsprechende Anträge zn stellen. Dr. Maximilian Steiner: Früher war 70 jetzt 90 die Normalzahl der belegten Belten. Redner fügt hinzu: Die Gehalte haben Sie erhöht, ja Sie haben mehr Personen angestellt, und wenn mait Ihnen nun sagt, dass dadurch die Ausgaben größer geworden sind, kommt es Ihnen sonderbar vor. Das hätten Sie sich bei der Anstellung überlegen sollen. Befremdend findet er das Verhältnis der Zahl 100 zu 50 zwischen den Kranken und Gesunden. Nothwendig ist offenbar ein neues Statut für die Administration des Spitals, nur dieses allein ist in der Lage, gründliche Abhilfe zu schaffen. Herr Salo Cohn hat, als er die Daten des Stefanie-Spitals vorsührle, außer Acht gelassen, dass dies ältere Daten sind, mit welchen er die heutigen Ziffern der jüdischen Spitalsverwaltung vergleicht. Die Thenerung steigert sich von Jahr zn Jahr, und darum ist eine solche Zeitdiffereit; von hohem Belang. Das System der gemischten Commision hat sich gewiss in vielen Füllen gut bewährt, eignet sich aber durchaus nicht nicht für die Spitaladministratlon. Gründliche Abhilfe kann blos die Schaffung eines neuen Statutes für die Spitalsverwaltung bringen. Emanuel H o f f m a n u : Wir haben uns wiederholt Mühe gegeben, Damen zur Beihilfe zu gewinnen, aber ohne Erfolg. Man vermeidet, den Dienst im Spital zu übernehmen, und zwar mit gutem Grunde. Cultusvorsteher Salo C o h u: 3650 Personen jüdischer Confession waren int Allgemeinen Kranken Hause, wo sie überdies durch einen Wohlthätigkeitsverem, den wir subventioniren, koschere Kost erhalten haben. Was bedeutet gegenüber diese Ziffer Alles, was das jüdische Spital leistet? Redner erwähnt, dass der ganze erste Stock als Privatwohnung für den Verwalter reservirt bleibt,dagegen war im Corridor nicht geheizt war, als er das Spital besuchte. Angesichts einer solchen Administration können Sie sich nicht wundern, dass die Wohlthäter sich nicht mit Stiftungen beeilen. Redner ist überzeugt, dass sich auch zur Theilnahme an der Spitalsverwaltnug Männer und Frauen bereit finden werden. Baurath Stiaßny bietet Aufklärung über die Baulichkeiteu und über die Heizung des Corridors. Kaiser!. Rath Wilhelm Pollak glaubt, dass bei dem bisher herrschenden, großen ceittralistischeu System durch die nun platzgreisende Verstärkung des Vorstandes eine Besserung eintreten wird. Es werden sich für die weitverzweigten Agenden der Cultusgemelnde .ui Cnltusvorstande Annehmer finden, und so wie es ultserem verehrten Mitgliede Salo Eohu gelungen ist

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