Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 46 (14.12.1900)
- Date
- 1900-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46. Die Wahrheit. Sette 7.; lung, die in der Entfernung von Häuten und Adern besteht, \ aus dem Gänsehals herstellt, verdient die höchste Anerkennung. | Den gefällten Därmen ist noch kein genügendes Loblied gesungen i worden, und der nach den mannigfachsten Recepten gefüllte j Gänsehals wird bei richtiger Zubereitung selbst von sehr verwöhnten j Feinschmeckern geschätzt. Das Gänseschmalz muss im jüdischen! Haushalte drei Viertel der Aufgaben der Bmter erfüllen. Darum j spielt die Gaus auch, namentlich die Stopfgans, in der jüdischen > Küche dieselbe Rolle wie das Schwein in der christlichen. Was i Israel ohne die Gans gelhan hätte, vermag keine Phantasie! auszudenkeu. Die Gans ist nicht nur Retterin des Capitols, j sondern auch die Retterin der jüdischen Küche. Da Fleisch knapp j und theuer ist, muss großer Werth auf Zu- und Vorspeisen; gelegt werden. Früchte, Gemüse, Vegetabilien sind von den jüdischen! Speisegesetzgebern schrankenlos freigegebeu. Da aber auch diese I noch verhältnismäßig theuer sind, so werden Reis, Hirse, Graupe, j Sago, Gries und namentlich Mehlspeisen verschiedenster Art viel gekocht. Die Zerstreuung über alle Länder der Erde und die! Wanderungen von Land zu Land haben das Aushäufen von j j Küchen recepten ungemein begünstigt. Zwiebel und Knoblauch sind! spanische, orientalische und wohl noch egyptische Reminiscenzen.! Wenigstens drücken nach dem biblischen Berichte die Inden in j der Wüste ihre Sehnsucht wie nach den Fleischtöpfen so auch! nach den Zwiebeln und nach dem Knoblauch Egyptens aus. ' Der .Jüdin ist es. gerade zur Pflicht gemacht, den Sabbath und die Festtage durch einen guten Tisch zu ehren. Am! Sabbath sollen Fleisch, Fisch und Wein genossen werden. Da j rituell genatreter Wein, zumal von den armem Inden, nicht j | leicht beschaffen werden kann, haben sie sich durch Herstellung! von Rosinenwein zu helfen gewusst. Aber da sind wieder neue! ' Beschränkungen, die neue Mittet zu erfüllten zwangen. Am Sab-! bath darf nichts gekocht werden. Das Essen für den Freitagabend und für den ganzen Samstag musste schon Freitag hergestellt werden. Für den Freitagabend konnte man sich noch leicht helfen. Das fertige Essen wurde in der Nähe des nicht ansgelöschten Herdfeuers warm gehalten oder in gewissen natürlichen Therj mophoren aufbewahrt. Für den Sabbath wurde das durch Heine 1 klassisch gewordene Schalet erfunden und ebenso wie das Fleisch, die Kugel, eine fetttriefende süße Speise, ja der Cafe zum Bäckergeschickt, der alles im heißen Backofen anfbewahrte, bis man es zu den verschiedenen Sabbathmalzeiten abholte. Der Bersöhnugnstag ist gleichzeitig ein sehr strenger Fast- und Festtag. Volle 24 Stunden dürfen die Juden nichts essen und nicht einmal einen . Schluck Wasser genießen und ebenso wenig am Herde hantiren. j Nach 24stündigem Fasten aller, auch der weiblichen Mit-! glieder im Alter von mehr als 12 bis 13 Jahren, das Abendj brot, das obendrein ein feierliches sein soll, herznstellen, geht j nicht gut an. Man kocht daher bereits den Tag vorher alles i für den folgenden Abend und bereitet einige Gerichte so weit! vor, dass sie in kürzester Zeit gekocht werden können, so Nudeln l ) oder Eiergranpe, die den Tag vorher gebacken werden und am! f folgenden Abend nur auf wenige Minuten in kochendes Wasser! geschüttet zu werden brauchen. Dass eine so eng begrenzte j und streng geregelte Küche einen ganz außerordentlichen Einfluss auf Gesundheit, Sitte, Wirthschaftlichkeit, Gesellschastsleben ausübeu musste, wird auch derjenige sich leicht vor-; . stellen könnnen, der die dem täglichen Augenschein widerj sprechende materialistische Lehre, dass der Mensch ist, was er isst, i nur soweit gelten lässt, dass kaum noch etwas davon übrig l bleibt. Der orthodoxe Jude liebt es nicht zu hören, dass! Moses den Genuss des Schweinefleisches und anderer kriechender I und schwimmender Thiere aus Gesundheitsrücksichten, den anderer! Geschöpfe aus ästhetischen oder humanen Gründen verboten ' Habe. Er lässt lieber seinen Gott nach dem Grundsätze: oar! tsl 68t mon plaisir den Juden den Fleischkorb höher hängen.! Alle ailderen Menschenkinder werden lieber anuehmen, dass das! Schwein den Inden verboten worden ist, weil seine Verwendung; im heißen Orient unzuträglich war. Ob Moses auch bereits! die Trichinen geahnt oder empirisch die Schädlichkeit des! Schweinefleichs für die es Genießenden gekannt hat, bleibe * dahingestellt. Diese obligatorische Fleischbeschau hat die Juden vor mancherlei Krankheiten bewahrt. Ans die gemischte Kost, die von den Aerzten als die zuträglichste bezeichnet wird, sind die Juden durch ihre Speisegesetze geradezu angewiesen. Nicht minder groß als die gesundheitlichen sin!) die gewollten oder lrubeabsichliglen sittlichen »Folgen. Mait mag gegen das Schächten sagen, was man will — eine nicht geringe Zahl von Sachverständigen ersten Ranges hat, wie man ans den Reichstagsverhandlui.gen lvissen wird, das Schächten als die immer noch zweckmäßigste uitd am wenigsten grausame Tötungsweife anerkannt — die humanen Gründe, die das Schächtgebot veranlasst haben, die Thatsache, dass man das Schächten nicht dem Fleischer, sondern einem immerhin doch etwas höher stehenden ' Cultusbeamten anvertraut hat, der ihm durch Segenssprüche und sonst eine gewisse religiöse Weihe verleiht, mussten nothwendig bei den Inden Rücksicht auf die Thiere erzeugen. (Schluss folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wie» (C h e w r a - K a d i s ch a i u W i e n.) In Folge Ablebens des bisherigen Präsidenten Jacob Brand eis fand am 27. November d. I. die Nen-Conft'tnirnng des Vorstandes statt. Cs wurden mit Stimmenei'.'chclligkeit gewählt: Herr Moriz K a r p e l e s zum Präsidenten; Herr Cnltusvorsteher und Bezirksschulrath Dr. Markus Spitzer zum Bice-Präsidenten und Herr S. Heit;n:n Schriftführer. Wie». Sonntag, öeu 16. Decrmder, 10 Uhr Vormittags, findet eine öffentliche Plenar-Sitzang des Vorstandes der israelitischen Cnltnsgemeinde stau. Gegenstaitd: Fortsetzung der Berathnng des Budgets pro 1001. Wien. (S u I t fl n f e i e r.) Anlässlich des Gebutstages Sr. Majestät des Sultan Adbul Hamid II. saus Samstag, den 8. d. M., im Tempel der türkischen Gemeinde, halb 12 Uhr Vormittags, ein Festgottesdienst statt, an welchem der kauert. tückische Botschafter, Mahmud Bey, sammt den Botschaftsräthen, Boltzeiteiter Kende, Bezirksvorsteher Niebaner. Generalconsul Thalberg. Bezirksrath Mensch. Polizeiarzt Dr. Ehrmann, Obercantor Singer. Secretär Königsberg u. v. a. Gäste und Gemeindemitglieder theilnahmen. Der Präsident Marcus Russo begrüßte den Botschafter und die anderen Würdenträger und geleitete dieselben auf ihre Ehrenplätze in den Tempel. Mit Vortrag des „Matown" durch Obercantor Bauer mit Orgel-, Harfen- und Chorbegleitung wurde der Gottesdienst eingeleite:. Rabbiner Papo hielt die Festrede und Obercantor Bauer recitirte das Geber für den Sultan. Mit Absingung der türkischen Hymne durch den Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit schloss die solenne Feier. Wien. Samstag, den 8. M., fand im „Hotel de France" das Kinderbekleidungsfest des Frauen-Wohlthätigketts-Bereines im 8. Bezirke statt, das durch die Anwesenheit der Gräfin Kiel mannsegg und anderer Honoratioren ausgeielchuet wurde. Nach einer Ansprache der verdienstvollen Präsidentin. Frau Amalie B e ck, die den Gönnern und Mitgliedern des Vereines für oli Förderung seiner humanitären Bestrebungen herzlichen Dank sagte, trug Obercantor Bauer eine deutsche Hymne vor Z>n Saale, in iv.uchem die Kinder bewirthet wurden, hielten die Rabbiner Dr. Bach und Dr. G e l b h aus der Feier entsprechende Reden. Wien. Sonntag, d::: l i. d. M., 4 Uhr Nachmittags, findet im israel. Blindeninstitnt ans der Hohen Warte die C hanukaferer der Zöglinge des Jnst'äute» start. Wien. Mittwoch, den 26. d. M., 10 Uhr Vormittags, sindet der dritte Verbandstaz dev ifeael. Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen in W:en, l, Seitenstettengasse 2 «Local der Religionsschnle der israel. Cultusgemeinoe), statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Ausschussis. 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl des Ausschusses und der R:vis..:.., eventuell Beschlussfassung über die Auflösung des Verbandes. 4. Vorträge und Discn>sionen. 5. Anträge.?t«j. Der hiesige Verein jüdischer .Hochschüler „Bar-Kochba" veranstaltete am 9. d. in der Peductendörse einen geselligen Abend, der sehr gelungen ausfiel. Der Wiener Schriftsteller Ao. Donath brachte eigene Dichtungen und eine Erzähl". >g L>'rhars zum Vorträge. Herr Cantor Leo Mirsky sang einige Lieber mit bekannter Meisterschaft. Auch Frl. Camilla Löivenbach brachte hübsche Liedervorträge, Herr MUC. Robert Fleischmann gelungene VioUupieeeu und Herr Friedrich Schiller vortreffliche humoristische Darbietungen. Herr Dr. Bondy besorgte in eracter Weise die Clavierbegleirn m. Der Verein „Bar-Kochba" gesenkt noch eine Reihe von litterarisch-tüug^.i.he i Voccrng-aoensen zn veranstalten. 9. .lyklus reinde t Dr. lichen w er ählte, arische > am :m er durch eraus schaft Zeit zullen, »urde. 'fallen >urde, nach vom rrauf i Dr. :inge- : und öolesi rrauf blieb renso viel Wahl c auf nun robeg an - von s ein - und Sein ig er, auf -40 »chte hule varb iner mit irter gere ochentgen. 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