Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 46 (14.12.1900)
- Date
- 1900-12-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 46. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir die Bedeutung des Israel. Spitales erörtern. Welch' gewaltiger Schritt, welche Summe von Arbeit und Aufopferung von jenem bescheidenen Zimmerchen, welches die Pester israel. Gemeinde im Jahre 1805 miethete und mit vier Betten belegte, bis zu jenem Gedäudecomplex, welcher sich heute draußen in der Szabolcsz! gaffe erhebt. Wir schwer wurde dieses Ziel erreicht: im Jahre 1 1809 wurde ein Haus gemiethet, dann musste von König Franz die Erlaubnis eingeholt werden, einen Grund für ein Spital zu kaufen, (den Juden war bekanntlich damals der Ankauf von Immobilien verboten), später per tot discrimina rerum die Einweihung des Spitals Ecke der Fabriks- und Aradergasse, im September 1841, dann unermüdliches Wirken großer Geister, bis endlich am 17. November 1889 das neue Haus bezogen wurde. Und dann steigt von Jahr zu Jahr die Zahl Jener, die Heilung und Linderung suchen in diesem Spitale, wo anerkannte Capacitäten mit dem Altmeister Stiller an der Spitze mit sel-? teuer Selbstaufopferung wirken. 1889 zählen wir 888 liegende und 12506 ambulante Kranke und der jüngste Ausweis vom J Jahre 1899 zeigt die stolzen Ziffern : 1839 liegende und 20159 ^ambulante Kranke. Unter den Gründern finden wir die größten - Namen, welche die Pester israel. Gemeinde aufzuweisen hat, und heule stehen an der Spitze des Spitals im Wohlthun ergraute Männer, deren Namen immer dort zu lesen sind, wo Menschen zstch vereinigen, um Schönes und Edles durchzuführen. Herr r s Leopold Keppich, der Präsident der Spitals-Commission obliegt - z seinem Ehrenamte mit ernstem Pflichteifer — in dem uns vorliegenden Berichte wird geschildert, wie diesem Manne, der seine Eheste Zeit dem Wohle der ihm anvertrauteu Institution widmet, zSand in die Augen gestreut wird. Dann wirkten im Spnale Prof. \ Dr Berthold Stiller, mit dessen Namen das Aufblühen und der vor- , Mögliche medizinische Ruf des israel. Spitals seit einem Viertel- | -Jahrhundert eng verknüpft itt, und Prof. Dr. Baron, eine Zierde s Iber ungarischen Chirurgie. Den Herren Julius Adler und Ignaz NI. Mandl ist die Aufsicht der Wirthschafts-Angelegenheiten überjj (tragen, aber auch sie konnten nicht sehen.!.:? Und deshalb haben wir uns entschlossen, die Angelegenheit ^^'!vor die Oeffeullichkeit zu bringen, damit all' das edle Wirken, t die unermüdliche Arbeit, die im Spital und für das Spital - geleistet wird, nicht durch die Machinationen einzelner Organe * ^illusorisch gemacht werde. t Wir geben die Anklagen, so wie wir sie erhalten haben. Wir sind ein Sprachrohr und wir beschränken uus derzeit auf ^fdiese Rolle. Nicht Seusationssucht leitet uns. Wenn dies die Triebfeder unserer Publication wäre, müssten wir ganz andere Dinge noch erzählen, die sich im israel. Spitale nach Angabe gUtubwürdiger Zeugen zugetrageu. Wir thun es nicht, denn wir find überzeugt, dass die zur Veröffentlichung gelangenden Daten zum Gegenstand einer strengen Untersuchung gemacht werden. Wir fordern diese Untersuchung. Ist es wahr, was die Leute uits erzählen und was sie zu heeiden bereit sind, dann muss strenge ins Gericht gegangen Werden, denn die Schuldigen haben sich eines großen Verbrechens schuldig gemacht, welches doppelt schwer in die Wagjchale fallt, nicht nur weil sie einen Vertranensbruch begingen, soltdern weil es sich um Wohlthäligkeilsgelder handelt. Ist es nicht wahr, dann müssen jene Leute zur Verantwortung gezogen werden, die es wagen, über die Gebahrung in einer wissenschaftlich als Musterspital bekannten Wohlthätigkeitsanstall Dinge zu verbreiten, welche geeignet finb, diese grandiose Institution zu discreditiren. Wir stehen den competenten Kactoren im Interesse des edlen Zweckes bereitwilligst zur Bergung, damit Licht in die Sache komme. Das israel. Spital hat ein Budget von 160.570 Kronen; er Pflegetag eines jeden Kranken kostet beiläufig 4*/« Kronen es ist von großer Wichtigkeit, ob diese Summe stimmt, ob „,,e ganz für den Kranken verwendet wurde. Je weniger ein M?arcker kostet, desto mehr Arme können gepflegt werden, und je ^besser ein Kranker gepflegt wird, desto größer ist der Percent¬ ,V ni' -fl m satz der Heilungen. Alljährlich schließt der Budget des Spitals mit einem Defizit ab, welches die Gemeinde aus den hohen Steuerbeiträgen ihrer Mitglieder deckt. Die ganze Gemeinde ist also an dieser Sache interessirt. Deshalb haben wir den Anklagen Raum gegeben, deshalb stellen wir diese dunklen Machenschaften in das helle und grelle Tageslicht der Oeffentlichkeit. Wir erfüllen nur unsere journalistische Pflicht, Dolmetsch der Ankläger zu sein. Pflicht der com* Petenten Factoren ist es, das Richteramt zu üben. Die Kölnische Zeitung über dir jüd. Speisegesche. In civilisirien Ländern ist nach der vegetarischen die jüdische Küche hinsichtlich der Auswahl die beschränkteste. Da, wo in allen andern Küchen die Delicatessen erst ansangen, hat der Küchenzettel der jüdischen Hausfrau schon aufgehört. Versagt ist ihr alles vom Jäger erlegte Wild, verboten sind ihr nicht nur Austern, Caviar und die meisten Seefische^ sondern auch Aale und Krebse. Das Schwein, das in dem Haushalte der Volksmasscu eine so große Rolle spielt, ist bekanntlich aus derjüdischen Küche aufs strengste ausgeschlossen. Nich genug damit, ist der Genuss des Hinterviertels des sonst gestatteten Schlachtviehs verpönt. Das Fleisch allzu junger Kälber, sowie aller von einer tödtlichen Krankheit befallener oder tödtlich verletzter oder verwundeter Thiere darf nicht genossen werden. Aber auch damit hören die Beschränkungen nicht auf. Die jüdische Hausfrau kann nicht in dem ersten besten Laden ein ihr zusagendes Stück Rind¬ oder Hammelfleisch, eine ihr preisweth erscheinende Gans, Ente, Taube kaufen und in ihrer Küche verwenden. Geflügel wie Schlachtvieh müssen nach der Vorschrift geschächtet sein. Das geschachtete Thier wird einer strengen Beschau unterworfen. Das einwandsfrei befundene Fleisch muss auch noch rituell behandelt, es muss ihm namentlich das Blut entzogen werden. Denn jeder Blutgenuss, gleichviel in welcher Form, ist »ein Greuel". Um so seltsamer ist es, dass gerade Juden, denen selbst der Genuss von Thierblut seit Jahrtausenden verboten ist, beschuldigt werden, sogar Menfchenblut zu gebrauchen. Alles, was über Ritualmorde als religiös zulässig oder gar geboten gesagt wird, ist barer Unsinn. Ist das Fleisch so weit für die jüdische Küche reif, dann sangen erst die eigenthümlichen Küchenschwierigkeiten an. Zum Kochen oder Braten von Fleisch und aller zum Fleisch zu genießenden Gemüse, Vor- und Zuspeisen dürfen weder Butter noch Milch oder Sahne verwendet werden. Alle Fleischgerichte müssen in besonderen, nur für diese bestimmten Küchengeräthen aufbewahrt, gekocht und gebraten und auf besonderem Tischgeschirr gespeist werden. Selbst Löffel, Messer und Gabel, die man für Fleisch und mit Gänseschmalz oder Rindertalg zubereitete Speisen braucht, dürfen nicht für Speisen verwendet werden, die mit Milch und Butter hergestellt werden. Für das Osterfest sind noch wieder andere Einschränkungen vorhanden. Die Osterküche ist das wahre Kreuz der jüdischen Hausfrau, die für die acht Tage eine ganz andere Wirtschaft braucht und in der Hauvtsache mit Mazzes, Eiern, Fleisch und einer für das Osterfest hergestellten eigenartigen Suppe aus rothen Rüben j operiren muss. | Dass eine so beschränkte Auswahl der jüdischen Hausfrau die Herstellung eines abwechslungsreichen Küchenzettels ungemein erschwert, wird jeder leicht begreifen. Weitere Beschränkungen stellen sie noch vor andere schwierige Aufgaben. Aber in der Beschränkung zeigt sich die Meisterin, und sie muss eben mit wenig auskommen. Die Noth macht erfinderisch. Die erste Aufgabe der jüdischen Hausfrau ist, das Fleisch nach Möglichkeit anszunützen, nicht nur weil sie keine große Auswahl hat, sondern auch weil sie, zumal in kleinen Städten, sich es überhaupt nicht immer beschaffen kann, sowie auch weil das für sie verwendbare Fleisch verhältnismäßig theurer ist. Was, besonders in reicheren Landestheilen, etwa in Rheinland und Westfalen, weggeworfen wird, das wird in der jüdischen Küche noch vielfach zn Delicatessen verarbeitet. Was die Jüdin beispielsweise aus Milz und Därmen, beiläufig nach besonderer ritueller Behänd-