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Die Wahrheit · 1900-12-14 · Heft 46 (14.12.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 46 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46. Die Wahrheit. Seite 5 Standpunkte muss man sagen „leider", vom Standpunkte der Leistungtn aber „Gott sei Dank". Im heurigen Jahre ist die Steigerung eine mäßige, da die Differenz nur 8000 Kr. gegen das Borsahr beträgt. Sie ist einerseits bedingt durch Verringerung der Einnahmen aus dem Bezirksschulsonde, da der derzeitige Stadtrath die auf Grund des Katechetengesetzes gebührenden Zuschüsse zum jüdischen Religionsunterrichte an den Volksschulen immer mehr und mehr herabzusetzen sucht; und andererseits sind unter den Ausgaben des Budgets 5000 Kr. eingestellt, um die bisher bestandene, vom Cultusvorstande als ungerecht anerkannte Differenzirung zwischen den Gehältern der älteren und jüngeren Religionslehrer auszuheben. Die in früheren Jahren angesteUten Religionslehrer haben als Gehalt 42 fl. per Wochenstunde miss Jahr gerechnet bekommen, hingegen die in den letzten Jahren Angestellten 45 fl. erhielten. Vom nächsten Schuljahre an soll der Gehalt ein gleicher sein, und als Deckung der Differenz für 4 Monaten im nächsten Schuljahre sind 5000 Kronen in die Reserve eingestellt. Kaiserl. Rath P o l l a k verweist auf verschiedene Uebelstände beim Religionsunterricht in den Sammelschulen und schlägt vor, außer den Religionsschul-Jnspectoren aus der Mitte der Bezirkscommissionen Aussichtsorgane für den Religionsunterricht zu ernennen. Dr. K o h n erklärt, dass seitens der II. Section alle Vorkehrungen getroffen wurden, um den gerügten Uebelstäuden zu begegnen, die nur daun eintreten können, wenn irgend ein Lehrer plötzlich erkrankt und für einen Ersatz nicht rechtzeitig gesorgt werden kann. Im Uebrigen ist beabsichtigt, aus den Bezirkscommiisionen in jedem Bezirke ein Schulcomite zur Ueberwachung des Religionsunterrichtes zu bilden. Schließlich ersucht er den Vorredner, an den Sitzungen der II. Section theilzunehmen und dort seine Anregungen vorzubringen. Dr. Steiner erinnert daran, dass die für das theologische Seminar als Subvention eingestellten 4000 fl. an eine bisher nicht erfüllte Bedingung geknüpft sind. Im Seminar sollten auch Religionslehrer herangebildet werden, aber die zu diesem Zwecke einige Jahre bestandene Abtheilung für Religiouslehrer wurde aufgelassen und der an ihre Stelle getretene Abendcurs ist ein unzulängliches Surrogat. Der Bedarf an Religionslehrern ist viel größer als der Bedarf an Rabbii'ern und daher muss auch für den Nachwuchs von Religionslehrern gesorgt werden. Im Laufe des Jahres wird sich vielleicht die Nothwendigkeit ergeben, eine Aenderung in dieser Post herbeizuführen, da sie an eine bisher nicht erfüllte Bedingung geknüpft ist. Kais. Rath P o l l a k plaidirt dafür, dass auch die Religionslehrer an den Mittelschulen von der Cnltusgemeinde ernannt werden, und verweist auf mannigfache Klagen, die in den Familien gegen dieselben laut werden. Der V o r s i tz e u d e bemerkt demgegenüber, dass er es wohl begreiflich finde, wenn die Wähler in den Wählerversammlungen derartiges Vorbringen, aber die Vorstandsmitglieder hätten während des Jahres in den Sectioneu genügend Zeit, Anregungen zu geben, sowie Wünsche und Beschwerden vorzubringen. Dr. Kohn verweist dm auf, dass auch der Kirche nicht das Ernennungsrecht der Religionslehrer au den Mittelschulen zustehe, daher auch wir Juden ein solches Recht für die Cultusgemeinde nicht ansprechen dürfen. Dr. Spitzer stellt zunächst einen Antrag aus Vertagung der Debatte, der abgelehnt wird, und bemerkt dann, dass auch die Eltern berufen sind, die Thätigkeit des Religionslehrers zu unterstützen. Dass dies aber nicht der Fall ist, beweist das allwälige Eingehen der Bibelschulen, da die Eltern ihre Kinder freiwillig in dieselben nicht schicken. Außerordentlich notwendig und ersprießlich wäre es auch, wenn die Gemeinde, nach dem Muster ailderer, großer Gemeinden, eine Lehrerpräparandie für Religionslehrer gründete. Dr. Berger plaidirt dafür, dass die Gemeinde den Religionsunterricht über das schulpflichtige Alter sortsetzen möge. Director Simon erklärt, er habe bisher niemals Lum Fenster hinausgesprochen, heute müsse er es aber zur Feststellung der Wahrheit thun. In den Wählerversammlungen wird so oft über Religionsunterricht und Religionslebrer abfällig geurtherlt, aber alle Anklagen müsse Redner in solange als Pauschalverdächtigungen hinstelleu, als die Allkläger erstens nicht den Besähigungs» Nachweis für die Beurtheilung dieser Berkrältnisße erbracht haben, und zweitens die angeführten speciellen Fälle nicht einen einigermaßen beachtellswerthen Percentsatz aufweisen. Der Schullehrer hat seine Stütze am Oberlehrer, der Religionslehrer ist aber schutzlos nlld das größte Uebellvollen bringen ihm die- Eltern, entgegen. Selbst auf die Gefahr hin, seine ganze Popularität zu verlieren, müsse Redner den Eltern znrufeu.: „Fasset Euch» selbst an der Nase!" Kais. Rath Pollak möchte nicht als Lehrerfeind angesehen werden, er halte es nur für seine Pflicht, die an ihn gelangten Mittheilungen offen darznlegen. Als geeignete Stelle hiefür erscheine ihm die Budget-Debatte. Dem Vorwurf, dass» er an den Berathungen der Schnlsection nicht theitnehme, müsse er damit begegnen, dass er zwei anderen Sectioneu angehöre. Es sei richtig, dass die Eltern an vielem schuld seien, aber die Schule habe auch eine große Aufgabe zu erfüllen. In einem Schlussworte erachtet es auch der Präsident als seine Pflicht, nach dem Beispiel einiger Vorredner, einige Worte zllm Fenster Hinalls zu sprechen, und zwar an die Mütter und jungen Frauen in Israel. Ihre Aufgabe ist es in erster Linie, bei den Kinderli schon im frühesten Alter das religiöse Gefühl zu wecken und zu fordern. Das frühzeitige Anhalten zu religiösen Uebungen, zum Tempelbesuch rc. ist die uolhwendige Basis für die religiöse Erziehung, und wer nicht die ersten Ein- drücke in seiner Jugend erhattell und im Ellernhaufe nichts vor sich gesehen hat, dem wird auch die beste Schule nichts nützen. Redner richtet darum einen dringenden Appell au die Frauen und Mütter, nach dieser Richtung ihre Kinder für die Schute vorzubitden, dann werden sie auch mit den Leistuugeu der Religionslehrer zufriedener fein. Hierauf wird das Budget der 2. Section nach obige* Ausstellung geuehmigt und die öfienttiche Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittag geschlossen. Panama. (Geheimnisse aus demSpitale der Budapest er israe * Lultusgemeinde.) Unter diesem Titel berichtet das „Neue Budapester Abendblatt" über geradezu scandalüse Vorgänge im israel. Kranken- | Hause, Betrügereien und Uuterschleise in allen Zweigen der Beri waltuug, die durch untergeordnete Verwaltungsorgane mit er-! staunlicher Frechheit lange Zeit unentdeckt verübt wurden. Endlich ' gelangte dieses Treiben in öfienttiche Beleuchtung. Man brachte uns, so heißt es in dem genannten Blatte, einen Beschwerde- :• brief. Leute aus dem Volke. Und man stellt an uns die Bitte, diesem Schreiben Raum iu unserem Blatte zu geben. Als „Eingesendet", als „Stimme aus dem Publikum". Wir haben die Zeilen, welche von einer Hand herrührten, die nicht gewohnt» scheint, die Feder zu führen, gelesen, und diese wenigen Zeile« entrollten uns ein erschreckendes Bild der Corruption. Und eK kamen andere Leute, die noch schrecklichere Dinge erzählten. Dies die Getresis des neuefiell Spitalspanama's. Panama — wir wählen dieses Wort, obzwar es niW ganz den Begriff deckt. Panama war ein srauduloses Gebühre« mit einem Geschästscapital, in einer Geschafrsgebahrung, mit geschäftlichen Geldern. In unserem Falle handelt es sich uv0\ ein Panama in einer Wohlthätigkeitsaustalt, mit Spenden wotzk-»z thätiger Leute. Was uns mitgetheilt wurde, bezieht sich auf regelmäßigkeiten in einem Spitale, welches nicht aus öffentliche« Geldern, sondern aus Spenden erhalten wird, im jüdischem Spitale, jener grandiosen Schöpfung wohlthätiger Menschen Mrs Leidende ohne Unterschied der Confeffion. Und diese Unregeb»j Mäßigkeiten fallen ganz untergeordneten Leuten zur Last, die eini raffinirtes Manöver veranstalten, damit vor jenen Männern^ die an der Spitze des Institutes stehen, dieses Gebühren gehe»« bleibe. Die traurigen Helden dieser Affaire sind die kleine« Verwaltungsorgane. J

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