Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 45 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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©efterrungar. Aantoren-Aeilung. Uv. 45. Beilage zm Zeitschrift „Die Wahrheit." 20. Iahrg. ÄUS dem österreichisch-ungarische» Cantoren-Verem. In der Donnerstag, den 29. November stattgehabten Vorstandssitzung des österreichisch-ungarischen Eantoren-Vereines widmete der Vorsitzende, Präses Obercantor Josef Singer, tief empfundene Nachrufe zweien vor kurzer Zeit verstorbenen Mitgliedern, und zwar dem EL Vice-Präsidenten Obercantor Leopold Ster n-Wieu und dem Vereinsmitgliede Josef Herz-Prerau. Hierauf wurde beschlossen, der Witwe des letzteren, die selbst an einer schweren Krankheit leidet, einen Witwenbeitrag von 400 Kronen zu bewilligen. Zm Sinne dieses Beschlusses werden die Mitglieder des Vereines ausgefordert, den statutarischen Pflichtbeitrag umgehend an den Vereinscassier, Herrn I. Cantor M. Blatt, II., Tempelgaffe 3, zu senden, damit die Liquidirung des Witwenbeitrages möglichst rasch erfolgen könne. Nach Erstattung des Berichtes über die Einzahlungen durch den Vereinscassier spricht der Vorstand sein Bedauern aus über die Lässigkeit und Unpünktlichkeit der Einzahlungen seitens der Mitglieder und beschließt, in Zukunft gegen säumige Mitglieder streng nach den Bestimmungen der Statuten vorzugehen. Ueber Anregung des I. Vice-Präsidenten, Obercantor Bauer, entspinnt sich eine längere Debatte über die Frage, wie der Wirkungskreis und die Mitgliederanzahl des Vereines gehoben werden könnte. An dieser Debatte nahmen der Präsident, der Vereinscassier, sowie die Vorstandsmitglieder D. L. Rotter, S. Hirsch und Ph. Baffel Antheil und es wurde unter Anderem beschlossen, gelegentlich der Aussenduug des heurigen Jahresberichtes eine regere Agitation für den Verein einzuleiten. Die weitere Discussion wurde nach zweistündiger Sitzungsdauer für eine demnächst staltsindende Vorstandssitzung vertagt. verschiedene Nachrichten. Wie«. Samstag, den 15. December, präcise halb 8 Uhr- Abends, findet im Festsaale des niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Eschenbachgasse 11 die vierte ordentliche Generalversammlung der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" mit nachfolgender Tagesordnung statt: 1. Begrüßung der Generalversammlung durch den Präsidenten, Herrn Baurath Stiaßnh. 2. Bericht über die Thätigkeit des Curatoriums für das Vereinsjahr 1899, erstattet von dem Schriftführer, Herrn Architekten Fleischer. 3. Bericht über die Cassagebahrung, erstattet von dem Cassaverwalter, Herrn Baurath Ritter von Goldschmidt. 4. Bericht der Revisoren, 5. Wahl von 3 Revisoren für das Jahr 1901. 6. Beschlussfassung über die Wahl von correspondirenden Mitgliedern. (§ 4, lit. c des Statuts.) Referent Herr Profeffor Dr. D. H. Müller. 7. Beschlussfassung über eventuelle Anträge von Mitgliedern. Im Anschlüsse an die Generalversammluug: Vortrag des Herrn k. Universitäts-Professors Dr. Cornill- Breslau: „Schir Haschirim" (Das hohe Lied). Wie«. DerVerein „Ferienheim" veranstaltet am Sonntag den 13. Jänner 1901 zu Gunsten des Kaiser Franz- Josefs-Ferienheim eine höchstinteressante Theater-Vorstellung u. z: wird die seit vielen Jahren in Wien nicht ausgeführte Operette „Angot" von Lequoc unter Mitwirkung von hervorragendsten Kunstkräften zur Darstellung gelangen. Wie«. Der israel. Frauen-Wohlthätigkeits-V erein des VIII. Berirkes veranstaltet am Samstag den 8. December d. I. von 4—6 Uhr nachmittags im Hotel de France I. Schottenring eine Kinderbekleidung, zu welcher die Vereinsleitung die verehrten Mitglieder und Gönner um recht zahlreiches Erscheiuen bittet. Wien. (Jugendandacht.) Der Verein „Jugend-Andacht" welcher Samstag, den 1. December im großen Sitzungssaals der israelitischen Cultusgemeind e, I., Seitenstettengasse 4 die constituirende Geueral-Versammlung abhielt, veröffentlicht folgenden Aufruf: „Vom religiösen Standpunkte betrachtet, haben wir Ursache genug, für die Zukunft unserer Jugend besorgt zu sein. Der Religions-Unterricht allein vermag nicht den Grad des Glaubenseifers zu verleihen, den das Judenthum erheischt, sondern die Gewähr für dasselbe liegt in der praktischen Bcthätigung. Nur wenigen Eltern ist es gegönnt, ihre Kinder au dem Gottesdienste der hohen Feiertage theilnehmen zu lassen. Weitaus der größte Theil unserer Jugend wächst ohne die Kenntnis der, ulso auch ohne die Pietät für die altehrwürdigen gottesdienstlichen Institutionen gerade dieser hohen Feste heran. Man denke nur an die Verwaisten, an die Kinder der Unbemittelten, die Lehrlinge, die studirende Irgend, und man muß sich sagen: Diesen Tausenden des kommenden Geschlechtes muß hierin Hilfe geleistet werden, sonst werden sie dereinst zu ebensovielen Anklägern für uns,sonst kommt die Zeit, wo es nur Juden dem Namen nach, nicht aber in Wirklichkeit geben wird. Wer hiefür Herz hat, trete mit uns in einen Verein zusammen, dessen Aufgabe es sein soll, in Ergänzung des bestehenden sabbatlichen einen Gottesdienst für die Jugend an den hohen Feiertagen zu organisiren. Die Statuten dieses Vereines sind schon behördlich genehmigt. Der moralischen wie materiellen Förderung von Seite des löblichen Cultusgemeinde-Vorstandes sind wir bestens versichert worden. Wir bitten um werkthätige Theilnahme." Die constituirende Generalversammlung nahm folgenden Verlauf: Der Alterspräsident des provisorischen Comitss, Herr Joachim Gollerstepper, begrüßte die spärlich Erschienenen und legte -die Wichtigkeit dieser Institution in kurzen, prägnanten Worten so drastisch dar, dass sämmtliche Herren, die sich zum Worte meldeten, die Nothwendigkeit, diese klaffende Lücke auszufüllen, vollauf anerkannten. Für die Jugend sei nur das Beste gut genug und namentlich an den hohen Feiertagen müsse eine solenne Andacht für die Heranwachsende Generation, so weit sie dem Handwerke- oder Kaufmaunsstaude sich widmet, veranstaltet werden. Der Reihe nach ergriffen das Wort Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmiedl, der die hohe Bedeutung der hebräischen Gebete und deren Erklärung betonte, so dass nicht erst bis zu den „Jomim nauroim“ gewartet werden dürfe, sondern schon früher, beispielsweise zu Chanukah und anderen festlichen Gelegenheiten müsse eine solche Vorfeier für die Schuljugend und deren Altersgenossen in Angriff genommen werden. In ähnlichem Sinne sprachen noch die Herren Dr. Bach, Dr. Kaminka, Rosenfeld, Cultusvorsteher Direktor Simon, Directov Mautner, Prediger Grün, welch letzterer für einen allwöchentlichen Vortrag, am Sonntag Abend, plaidirte. Das provisorische Comils solle für die nächste Versammlung in einem anderen, eher zugänglichen Vereiuslocale rechtzeitig mehr Propaganda machen, damit es gelinge, das Interesse weiterer Kreise für die gute Sache wachzurufeu. Vom Cultusvorstande erschien Baurath Ritter v. Goldschmidt, von den Cultusbeamten Secretär Dr. Adler, Herr Jonas Stranski, der auch dem Comite angehört, gleichwie Herr I. Cantor Schiller, der diesen Abend am Erscheinen verhindert war. Vivat osgusno! Hoffen wir auf größeren Zuspruch bei der nächsten Zusammenkunft! Wie«. („R ud o lfs bund".) Sonntag, den 2. December, 3Uhr Nachmittags, feierte dieser Verein zum 11. male sein Bekleidungsfest, bei welchem 130 Kinder beschenkt wurden. Unter den weihevollen Klängen eines Chorals führte der Obmann. Herr Armenrath Josef