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Die Wahrheit · 1900-11-30 · Heft 44 (30.11.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 44 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Hesterr.-Ungar. Gantoren-Ieitung. Nr. 44. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 20. Iahrg. Mori) Nosenhanpt. Der 16. November ist für die deutsche Cantorenwelt nnerwartet zu einem Trauertag geworden. Kein Geringerer als M o r i z R o f e n h a n p t, der geniale Obercantor der ifrael. Cultusgemeinde zu Nürnberg, hat an diesem Tage für ewig seine Augen geschlossen. Er ist als ältester von sieben Söhnen und einer Tochter am 14. Marz 1841 in Offenbach a. d. Glan — bahr. Nheinpfalz — geboren, wo sein Vater Lehrer war. Seine ersten camoralen Studien machte er bei dem eminent tüchtigen Cantor Löwe in Straßburg, um später ein Schüler Sulzers zu werden. Er arbeitete stramm und studierte tüchtig, so dass seine Thätigkeit in- und außerhalb des Berufes bald eine derartige wurde, dass der selige Oberrabbiner Dr. Auerbach in Bonn dem damaligen Cantor und Lehrer Rosenhaupt in Kochem a. d. Mosel den "QN verlieh. Im Jahre 1864 wurde er zum Leidwesen seiner Gemeinde als Cantor nach Speier berufen, und mit diesem Moment beginnt Rosenhaupt bedeutend zu werden. Er studirte bei Professor Miß und bei Domcapellmeister Dr. Benz Theorie und Comrapunkt und brachte es durch seine außergewöhnliche musikalische Tüchtigkeit bald zu einer wunderbaren Höhe. Im Jahre 1879 erschien von ihm der Freitag- Abend-Gottesdienst; den 42. Psalm componirie er im Concertstil ebenso einige hübsche Serenaden nnd dergleichen mehr. Nach 17jähriger erfolgreicher Thätigkeit in Speyer wurde er am 1. Juni 1881 als Nachfolger des nach Wien berufenen Obercamor Singer nach Nürnberg berufen. In dieser neuen Stellung wirkte Rosenhaupl ebenso segensreich wie in den früheren und verstand es, durch seinen lautern Charakter und sein liebevolles Wesen sich nicht allein die unbegrenzte Wertschätzung feixier Gemeinde, sondern auch die Gegenliebe aller derer zu erwerben, die mit ihm jemals in Berührung kamen. Neben einer ersprießlichen litterarischen Thätigkeit veröffentlichte er von Nürnberg aus beu 2. und 3. Theil seiner Synagogen-Gesänge 2py* ^>N8 *W und compouirle größere Chorwerke mit Orchesterdegleitung. Die ihm gewordene Anerkennung ist eine überaus vielseitige, und selbst gekrönte Häupter befinden sich unter denjenigen, welchen seine Muse willkommen war. Seine Verdienste als zielbewusst energischer Vertreter des süddeutschen nmn sind nicht minderwertiger, und wer jemals Gelegenheit hatte, Rosenhaupt als Sänger zu hören, dem ward es unwillkürlich klar, dass ein solch' wundervoller, mit allen künstlerischen Fähigkeiten ausgestatteler Bariton die Zuhörer in jeder Hinsicht enthusiasmiren und erbauen musste. Das ist die Skizze eines Cantors, der beinahe 40 Jahre lang in der hervorragendsten Weise seines Amtes gewaltet hat. Und wenn einst der Historiker den Griffel ansetzt, um die Annalen des Cantorates zu vervollständigen, dann wird er mit goldenen Lettern einzutragen haben den Namen Moriz Rosenhaupt. Elberfeld, den 25. November 1900. Hermann Zivi. Ueber das Leichenbegängnis Rosenhaupt's wird uns aus Nürnberg berichtet: Nach kurzer Krankheit verschied hier am 16. d. M. Herr Obercantor Moritz Rosenhaupt plötzlich an einem Herzschlag. Seit nahezu 20 Jahren als erster Cantor und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde lhätig, ist der erst 59jährige Mann seiner ihm ans Herz gewachsenen Wirksamkeit und seiner trostlosen Familie' jäh eutriffen worden. Am Sonntag, Nach- «rittag, wurde er zur letzten Ruhe bestattet, unter einer Betheillgung aus allen Schichten und Confessionen der hiesigen und Fürther Bevölkerung, wie sie nie zuvor aus dem hiesigen israel. Friedhof gesehen worden. Von der dichtgefüllten Halle bis zum Grabe drängte sich die Menge derer, die von Nah und Fern gekommen waren, dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen und Zeugnis davon abzulegen, in welch außergewöhnlichem Maße er sich der allgemeinen Werthschätzung und Zuneigung zu erfreuen hatte. Eine trauernde Gemeinde umstand seine Bahre. In ergreifender Rede schilderte Herr Rabbiner Dr. Ziemlich die Thätigkeit des Verblichenen, der während zweier Decennien, in ungetrübter Eintracht und Harmonie, mit ihm im Dienste des Herrn zusammeugewirkt hat. Er pries ihn als den Gottgesandtcn, der ausgestattet mit einem tiesreligiösen Gemüth und einer herrlich sonoren Stimme, erfüllt von der Erhabenheit seines Berufs, es wie selten Einer verstand, die Herzen zu läutern und zur Andacht zu stimmen. Seine umfassenden Kenntnisse auf allgemein musikalischem, speciell liturgischem Gebiete machten ihn zu einem unvergleichlichen Interpreten der religiösen Gesänge. Er pflegte die traditionelle Weise mit der ganzen Wärme seines künstlerischen Empfindens. Er gestaltete sie in seiner originellen Art aus und schuf gleichzeitig aus Eigenem liturgische Compositionen von unvergänglichem Werthe. „In seinen Werken wird er weiterleben," so schloß die von Herzen kommende und zu Herzen gehende Rede. Herr Geheimer Hofrath Josephthal, — der trotz heftigen Unwohlseins es sich nicht versagen wollte, den Heimgegangenen zur letzten Ruhe zu geleiten — führte hierauf als Vorstand der Administration in beredten Worten aus, welch' klaffende Lücke sich aufthue, welch' unersetzlichen Verlust die Gemeinde erlitten durch das Hinscheiden Rosenhaupt's, dessen Ehrenhaftigkeit, mustergiltige Pflichttreue, Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit ihres Gleichen nur fand in der fascinirenden künstlerischen Eigenart, mit der er seines Cantoramts waltete. Wie Keiner vor ihm — und voraussichtlich wie Keiner nach ihm — habe er die heiligen Gesänge zum Vortrag gebracht und dabei selbst Perlen der Liturgie geschaffen. Aus tiefstem Herzen rief er ihm den Dank einer Gemeinde zu, in deren Mitte sein Andenken eut gesegnetes bleiben und nie erlöschen werde! — Als Nächster nahm Lehrer Carl Strauß aus Fürth, namens der dortigen Freimaurerloge, wehmuthsvollen Abschied vom treuen Freund und Bruder, dem in Liebe und Zuneigung die Herzen der Logenmitglieder entgegenschlugen, denen er in seinem schlicht bescheidenen Wesen ein Vorbild maurerischer Tugend war und die er so oft in Vorträgen durch sein reiches Wissen oder durch die Schönheit seines Gesanges gefesselt und erbaut hatte. — Als Letzter legte Herr Musikdirector E. Ringler einen Kranz nieder. Tiefbewegt und innig klang sein Abschied dein bewährten Freunde, dem geschätzten Componisten in den Worten aus: „Verklungen ist der letzte Ton, Die Harfe ist zerschellt. Singst Psalmen nun vor Gottes Thron In einer besser'» Welt." Leopold Stern. Mittwoch, den 21. November ist der emeritirte Obercantor" und Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde Wien im Bezirke Fünshaus, Herr Leopold Ster n, nach längerem Leiden im 75. Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist einer der wenigen

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