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Die Wahrheit · 1900-11-30 · Heft 44 (30.11.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 44 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Die Wahrheit. Seite 7. Nr. 44. j Dr. Leimdörfer, welcher in Amtstracht erschien, gratulirte in sehr herzz lichen Worten und hob insbesondere den allgemein bekannten Wohlr thätigkeitssinn des Gefeierten Khervor, eine Eigenschaft, welche als! Cardinaltugend unsere Glaubensgenossen von jeher auszeichnet und von! dem geehrten Jubilar in hervorragender Weise bethätigt wird. Auch; die Cantoren, Lehrer und sonstigen Angestellten der Cultusgemeinde! unterbreiteten ihre Glückwünsche persönlich. Cantor A. Hahn widmete! dem Jubilar einen zu diesem Zwecke verfassten Mischeberach. Von den! vielen edlen Charakterzügen des verehrten Herrn Moritz Fasal verdient j auch seine besondere Herzensgüte, seine freundliche Zuvorkommenheit und j bescheidenes Entgegenkommen im Umgänge mit den ihm subordinirten! Personen betont zu werden, denen er nicht nur der Vorgesetzte Chef, sondern auch ein väterlicher Freund und Beschützer ist und Viele der- ' selben haben seiner hochachtbaren, weitbekannten Firma die Grundlage j ihres Glückes und ihrer Existenz zu verdanken. — In ähnlicher; Weise ist er auch bestrebt, in der Eigenschaft als Vorsteher der Cultusgemeinde das Wohl der Cultusbeamten zu fördern und deren Wünsche, insoweit es die Verhältnisse gestatten, nach Thunlichkeit zu gewähren. In Anbetracht dessen war die Beglückwünschung seitens des Beamtenkörpers nicht nur als ein Act der Courtoisie zu betrachten, sondern viel weiter nach als ein Herzensbedürfnis zur spontanen Kundgebung der Gefühlen der Dankbarkeit und der tiefen Verehrung für den Jubilar. Solche Männer an der Spitze der Cu ltus gemein den könnten gewiss viel; zur Verbesserung der mitunter sehr bedrängten und precären Lage der j Cultusbeamten beitragen und verdienen es, als nachahmenswerthes Bei-! spiel in den Vordergrund gestellt werden. Möge es dem verehrten Jubilar noch lange gegönnt sein, an der Seite seiner hochherzigen, edlen Gattin und im Kreise seiner Angehörigen in voller Rüstigkeit zu wirken und zu walten zum Wohle der Cultusgemeinde und zur Freude seiner vielen Freunde und Verehrer! Wien. Der humanitäre Verein „Freundschaftsbuud" zur! Bekleidung armer jüdischer Schulkinder hat Samstag, den 24.! d. M. zum ersten Male seit seinem wohl erst einjährigen Bestände eine beträchtliche Allzahl von Knaben mit Winterkleidnng,! Wäsche ulld Schuhelt betheill. Das schöne Fest wurde im 20.! Bez., „Weilandhof" abgehalten. Die Ausstattung der Knaben! hat bei den Anwesenden die größte Befriedigung hervorgernfen, und sämmtliche Lieferanten, wie Schneider, Schuster, Huterer rc., handelten nicht als Geschäftsleute, sondern mehr als gute Menschen. Erwähnt sei auch die besondere Fürsorge, die Herr und Frau : S t e i n h a r t für einen Waisenknaben zeigten. — Nach der Bekleidung wurden die Knaben mit Leckerbissen beschenkt. Möge cs dem jungen Vereine auch ferner gegönnt sein, aus diesem ' Humanitären Gebiete zum Wohle der vielen armen jüdischen Kin- 1 der zu wirken. Wien. Der Frauen-Wohlthätigkeits-Verein im 20. Bezirke, an I dessen Spitze die allbekannte Wohlthäterin und eifrige Förderin humanitärer Acte, Frau Spitz, steht, betheilte am 22. d. M., Nachmittag, im Caf6 Fritz eine beträchliche Zahl armer jüdischer Schulkinder mit Winterschuhen, wobei den Kindern auch eine Jause verabreicht wurde. Der Schuhlieferant, Herr David P o l l a t s ch e k, hat zu sehr billigem Preise dauerhafte Schuhe aus gutem Material geliefert und sich die Anerkennung sämmtlicher Vrrstandsdamen erworben. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dem Vorstandsmitgliede der israel. Cultusgemeinde, Herrn Emil Horner, Procurist des Hauses Rothschild, wurde in Anerkennung seiner hervorragenden, ersprießlichen Thätigkeit auf humanitärem Gebiete von Sr. Majestät dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Joses- Ordens verliehen. Wien. Sonntag, den 25. d. M., fand im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Med. Dr. Moritz Laub mit Fräulein Bertha M a r m o r e k statt. Dem Trauungsacte, den Rabbiner Papo und Obercantor Bauer vollzogen, wohnte ein zahlreiches, distinguirtes Publicum bei. Waidyofen an der Hhaya. Fräulein Jda P o l l a k, Tochter des hiesigen verehrten Cultusvorstehers, Herrn Josef Pollak, hat sich mit Herrn Max Tandler aus Linz verlobt. Ang.»Z3rod (Mähren). Auf Anregung unseres hochgeehrten Herrn Rabbiners Dr. M. Jung hielt, der hier zum Besuche seines hochbetagten Vaters weilende Prediger Grün aus Wien im literarischen Vereine „Choreb" einen recht gut besuchten Vortrag über „Religiösen und politischen Zionismus", welche letztere Bewegung der Redner mit der Sccte der Sadducäer zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels zu Jerusalem in Parallele zog und zu dem logischen Schluffe gelangte, dass mit bloßer Förderung der hebräischen Sprache und Litteratur, Mit der bloßen Kenntnis der Geschichte unseres Volkes demselben nicht genügend geholfen sei — ohne gleichzeichtige religiöse Wiedergeburt und innere ethische Erhebung auf ein höheres Niveau, zu dem sich dann mit Gottes Hilfe alle anderen Nationen zugleich emporschwingen würden. Dieses Zion bedeute die Messiaszeit. Z?rag Donnerstag, am 22. d. fand in Smichow die Beerdigung der Frau Körner geb. Karpeles statt, der Witwe des ehemaligen Smichower beliebten Obercantors Körner. Die Verstorbene genoss ob ihres biederen Charakters die Werthschätzung Aller, die sie kannten. Sriöram. Dieser Tage hat Herr Simon R o t t e r, der durch mehrere Jahre als Religionslehrer an der deutschen Volksschule wirktet unsere Stadt verlaffen, um seinen neuen Posten in Floridsdorf bei Wien anzutreten. Zum Religionslehrer wurde nun der Rabbiner Herr Phil. Dr. Carl K o h n ernannt. Vitin. Am 22. d. fand hier das Begräbnis des Vorstehers unserer Cultusgemeinde, des Herrn Ignaz Röhr, statt, der stch allgemeiner Werthschätzung erfreute. Herr Rabbiner Brock hielt eine ergreifende Trauerrede. ILnda, im November. Allwöchentlich hören wir nun in unserem Haupttempel die deutschen und die ungarischen Kanzelvorlräge der zur Besetzung des verwaisten Rabbinersitzes der Ofner Jsraelitengemeinde berufenen Probeprediger^. Wir hörten der Reihenfolge nach Dr. B ara ny aus Kecskement und Dr. F l e s ch aus Mohacs, welche sehr großen Beifall hatten. Nach ihnen kam Dr. Arnold K i s, Oberrabbiner von Veszprim, ein gottbegnadeter Dichter, hochpoetisch veranlangt, ein Meister des Wortes, deffen Vortragsweise eine hinreißende Kraft besitzt, und der seine Zuhörer durch blumige Auen zu führen versteht. Als Kanzelredner ist Dr. Kis ein verjüngter Meisel, oder sagen wir: „Ein Dr. W. A. Meisel in ungarischer Ausgabe ist Dr. Arnold Kis." Dabei steht ihm auch die deutsche Sprache zu Verfügung, denn er beherrscht sie vollständig. Dr. Kis hat sein überaus zahlreiches Auditorium — so viele Besucher waren im Gotteshause noch zu keinem Probevortrag gekommen — förmlich mit sich fortgeriffen und hätte die Wahl in der Siedehitze der momentanen Begeisterung stattgefunden, so wäre sicherlich schon heute unter stürmischer Acclamation Dr. Arnold Kis der gewählte Obberrabbiner von Ofen! . . . . Dies soll aber den beliebten und gefeierten, ja förmlich bewunderten Oberrabbiner nicht allzufrüh und nicht allzu hoffnungsfreudig in einen Traum lullen, deffen Schaum sich rascher verflüchtigen dürste, als ihm angenehm wäre. Wir möchten nicht gerne Dr. Kis aus seinem schönen und berechtigten Traume unsanft aufrütteln, denn wir sprechen mit ihm: „Träumen ist süß, träumen ist gut!" aber wir fürchten, dass dieser Traum blos ein Truggebilde sein wird, denn nach unserer Orientirung, hat bis nun Oberrabbiner Dr. Jacob Stein Herz aus Szekessehervar. vermöge seiner eminenten Rabbinerqualification, seines großen universellen Wissens, wie nicht minder seiner ercellenten Rednergabe die meiste Aussicht Ofener Oberrabbiner zu werden. — Diese Woche kommt Dr. Vajda, Oberrabbiner von Loson; an die Reihe, dem ein sehr guter Ruf vorangeht. — Noch regiftriren wir die Thatsache, dass viele Bester Herren als Gäste den Probevorträgen anwvhnten, welche dann und wann ihr votum inkormativum abgaben. Wir hörten am letzten Sabbathtage 'aus dem Munde eines hochangesehenen und gelehrten Mannes, der ein hervorragendes Mitglied der Pester israelitischen Religionsgemeinde ist, er bedauere vom Herzen, dass Dr. Kis nicht Pester Prediger sei. Wir hätten — so meinte dieser Herr — einen solchen dringend nöthig, doch hat's damit noch seine guten Wege, einstweilen können und dürfen wir von einem gediegenen Kanzelredner in unserem herrlichen Tabakgasse-Tempel blos nur — träumen! . . . D. H. S. Steinamanger. Anlässlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät hat Obercantor Max Gold stein eine „Freudenfesthvmne" (Psalm 2 l) componirt und dieselbe Sr. Majestät gewidmet. Auf Erlass des Obergespans des Comitates Eisenburg verständigte der Bürgermeister der Stadt Steinamanger den Componisten in einer Zuschrift, dass seine „Hymne" allerhöchsten Ortes huldvollst angenommen und für deffen loyalen und Gesinnung der allerhöchste Dank ausgesprochen wurde. Iuna-Szerdaheky. Am 27. November wurde Herr Cantor M. I. Klein nach swöchentlichem Krankenlager zu Grabe getragen. Durch volle 13 Jahre hat der Verblichene hier zur Zufriedenheit aller Gemeinde Mitglieder gewirkt, und welcher Achtung er sich erfreute, bezeugte die große Theilnahme bei der Beerdigung, bei welcher nicht nur die hiesige Gemeinde mit dem Gemeindevorsteher Brno Paschkess an der Spitze, sondern auch die Umgebung zahlreich vertreten war. Zum Herzen driirgende Leichenreden hielten die Rabbinatsaffefforen S. Stern und L. D. Grünwald. Eine aus 7 Gliedern bestehende und gänzlich unversorgte Familie betrauert den früh Verblichenen. Möge ihm die Erde leicht sein! Er schlummere sanft in des Himmels heiligem Frieden, dort ist ihm E gewiss ein besseres Los beschieden! » (Das „B l u t >n ä r ch e n" in S; t. - E n d r e.) Aus 2;t.-Endre wird der folgende Fall berichtet: Einige deutsche Bauern überfielen einen Beamten der israelitischen Cultusgemeinde, der ein kleines Mädchen an ... der Hand führte, in der Nähe der Eisenbahnstation und schlugen ihn, * vom Wahne befangen, dass er an dem Kinde einen Ritualmord verüben ft wolle, halb tobt. Glücklicherweise eilten einige Passanten dem bereits aus mehreren Wunden blutenden bewusstlosen Manne zu Hilfe und retteten ihn aus den Händen seiner Peiniger. Der Schwer-verwundete wurde ins ’ Johannisspital gebracht. Den Thätern aber gelang es, zu enrweichen. J* Nachträglich stellte es sich heraus, dais das»von dem Cultusbeamten :r vermeintlich geraubte Mädchen das Töchterchen eines verarmten Alt- , Ofener — Juden, des Juweliers Moritz Weil, war, dessen Barer einen Selbstmord verübte und dessen Mutter aus Schinerz über den Verlust rhres Gatten irrsinnig wurde, der vermeintliche Mädchenräubec aber damit *** betraut war, das unter der Obhut seiner Großmutter Frau B 0 s k 0 v i t s en befindliche verwaiste Kind im Budapester israelitischen Waiienoause unterzubringen. Aus dem Wege zur Station der Budapeft-Szt.-Endreer Vizinalbahn wurde er jedoch, wie erwähnt, von den unwissenden ianati- * sirten Bauern unter dem lächerlichen Verdachte eines beavnchrigen Ritualmordes attakirt und schwer verwundet. Die Gendarmerie forscht nach den Thätern. Das Waisenmädchen wurde von einer Budapester Dame ins isralitische Waisenhaus in der Damjanichgasse gebracht. Der Fall erregt in Szt.-Endre begreifliche Sensation.

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