Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 44 (30.11.1900)
- Date
- 1900-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 44. Taborstraße 39, statt. Nach der Bekleidung werden die Kinder reichlich bewirthet. Abends findet im selben Saale ein Tanzkränzchen statt, dessen Reinertrag zur Gänze dem Bekleidungsfonde des Vereines zufließt. Spenden für die Bekleidung und Ausspeisung nimmt der Obmann, Herr Josef P 0 llak, II., Circusgaffe 42, entgegen und werden selbe im Berichte ausgewiesen. Wien. Der Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien hatte am Samstag, den 24. d. einen gelungenen Abend. Der Festsaal dcs nied.-österr. Gewerbevereines erwies sich als viel zu klein, die Nebensäle mußten geöffnet werden, aber selbst dann standen Mann an Mann gereiht bis zum Schlüsse des Vortrages. Unter großem Beifall der Versammlung begann der General-Comniiffär, Sectionschef Dr. Exn er, seinen Vortrag über die Pariser Weltausstellung mit den einleitenden Worten: Sehr gerne bin iw von Paris dem Rufe eines Vereines gefolgt, dessen Rührigkeit und erfolgreiche Strebsamkeit mir seit vielen Zähren bekannt in. Nach einer Schilderung der äußeren Erscheinung der Ausstellung unter Vorführung von Lichtbildern der verschiedenen stabilen und provisorischen Bauten, gieng der Redner ans die sveciellen Leistungen der einzelnen Großstaaten und kleineren Mächte ein. Den Hauptstoff des Vortrages bildete die Besprechungen der Leistungen Oesterreichs in den einzelnen Gruppen, die der Reihe nach" erörtert und in Vergleich mit den analogen Leistungen der anderen Staaten gestellt wurden. Die in der Form vollendeten und im Inhalt äußerst instructiven Ausführungen des Vortragenden hielten das zahlreiche Publikum vom Anfang bis zum Ende in gespannter Aufmerksamkeit und wurden durch lebhaften Beifall belohnt. Unter den illustren Persönlichkeiten bemerkte man : die gewesenen Minister Gras Friedrich Schönborn, Präsident des VerwaltungZgerichtshofes, Dr. Josef Baernreither, Geheimrath Graf Wurmbrand, Dr. Heinrich RoLa, Sections-Ches im Ministerium des Innern, Max Ritter von Pichler, Sections-Ches im Eisenbahn-Ministerium Die Herrenhaus-Mitglieder Hosrath Ritter von Hausse, Dr. Alois Millanich, Paul Ritter von Schüller, Präsident der Börse, Sectiousrath Dr. Brejcha, Hof- und Ministerial-Secretar Dr. Popovic, Die Regierungsrathe Professor Lamboeck, Schramm, Gewerbe-Ober-Inspecror Kulka, die Abgeordneten Dr. Kopp, Tr. Kronaweuer, Dr. Menger, Dr. Ofner, Wrabetz, Laiidesgerichtsrath Dr. Kohn, die Großindustriellen Medinger, Präsident des öst. Brauerbundes, Co > mercialrath Seidel, Anton Fix, Dr. Schlumberger, Edler von Goldeck, der Präsident des nied.- öst. Gewerbe-Vereines von Harpke, und die Verwaltungsräthe desselben, kais. Ratd Friedrich Pollak und Oskar von Hoefft, die Professoren Kanitz, Resek, Ober-Jnspector Ingenieur Raiael, Consul Marek, Qrtsschulrath Heit, Commercialrath Stiasfny, kais. Rath Dr. Lieben, Dr. Adler, Amts-Vorstand Wiener, Dr. Gelbhaus, Sor, Vertreter des kaufmännischen Vereines, der Colonial-Gesellscha't und eine große Anzahl anderer Vereine. Der k. k. Polizeipräsident Habrda und Abgeordneter Noske entschuldigten ihr Fernbleiben. Zum Schlüsse dankte der Präsident, Herr S. Brod, den zu Ehren des Vereins so zahlreich erschienen Gästen und Mitgliedern und feierte den Vortragenden durch tief empfundene Worte des Dankes. Ztabiugs. Bei der am 25. November stattgefundenen Wahl eines neuen Vorstandes in Piesling sind folgende Herren in den Ausschuss gewählt worden: Dr. Wilhelm Gold st ein, Zlabings; Emanuel Mandl, Zlabings; Ignaz Bauer, Zlabings; Moriz Kaufmann, Piesling; Leopold O st r e i ch e r, Piesling; Johann Spitz, Slawaten; Wilhelm S p i e g l, Zlabings; Friedrich Zimmer, Zlabings; Max Bauer, Zlabings; als Ersatzmänner: Heinrich W 0 t i tz k i, Wölking; Hermann Planer, Zlabings; Ignaz F ü r st, Zlabings; als Vertrauensmänner in den verstärkten Ausschuss: Dr. Josef Kohn, Böhm.- Rudoletz; Max Stukhart, Zlabings; Ludwig M eister, Maires; Moriz Bauer, Zlabings; Leopold Stukhart, Zlabings; Sigmund Salzer, Piesling; Dc. Hermann B i x, Piesling; Max Hirschkron, Zlabings; Max Salik, Zlabings. Nach langjährigem Kampfe erhielten die Zlabingser die gewünschte Majorität.^ Srag. (Bo y co ttirun g jüdischer Geschäftsleute.) Am 28. d. wird hier eine Versammlung fiaitfinden, in der Dr. Baxa und andere antisemitischen Größen belehren wollen, wo das Volk seine Einkäufe besorgen soll. Der jüdische Volksverein, der davon erfuhr, hat bereits Gegenmaßregeln ergriffen und wird an die maßgebenden Behörden eine Eingabe richten, in welcher diese ersucht wird, die jüdischen Steuerzahler gegen die Schädigung ihrer Jntereffen in Schutz zu nehmen. Budapest. Eine schöne Feier hat unlängst in der Ortschaft Körösmezö (Comitat Maramaros) stattgefundeu. Der aus Anlass der Millenniumsfeier gestiftete ist. Landesfond hat nämlich in der benannten Ortschaft eine consessionelle ungarische Volksschule gegründet, deren feierliche Eröffnung im Beisein der christlichen und jüdischen Ortsinsassen vorgenommen wurde. Das Präsidium des ist. Landesfond war durch Dr. Franz Mezei vertreten, der eine von patriotischem Geiste durchwehte, schwungvolle Eröffnungsrede hielt. Er sagte unter Anderem: „Wir sind der festen Ueberzeugung, dass wir, indem wir unsere sich selbst überlassenen confeffionellen Institutionen unterstützen, die ungarische Cultur verbreiten, dem Staate arbeitsame und nützliche Bürger erziehen und dass der istael. Landessond hiedurch unter den Culturinstituten einen Platz sich sichert und seitens aller guten Patrioten auf Unterstützung rechnen darf . . . Mit der Errichtung dieser Schulanstalt befolgten wir den Zweck, für die patriotische Erziehung der Kinder unserer hiesigen unbemittelten Glaubensgenossen zu sorgen. Wir halten die religiösen Gefühle unserer hiesigen Brüder in Ehren; andererseits aber sind sie selber zur Einsicht gelangt, dass die göttliche Lehre schön ist, wenn sie sich mit weltlichen Kenntnissen vereinigt und dass der religiöse Eifer nur dann einen hehren Charakter besitzt, wenn er mit den Sitten und Gesetzen des Landes im Einklänge steht, in welchem wir leben, wenn er sich dem geheiligten Boden anpasst, den wir als unser Vaterland anbeten . . Nach der von den Anwesenden mit lebhaften Beifallskundgebungen begleiteten Rede Dr. Mezei's sprachen der röm.-kath. Pfarrer Ronay, der gr.-kath. Pfarrer Bacsinßky und der Gemeindenotär Ernst Kiss, worauf der dirigirende Lehrer der neuen Anstalt eine schöne Rede hielt. Die Anstalt hat bereits zahlreiche Zöglinge, und zwar fast ausschließlich solche, die bisher überhaupt keinen Schulunterricht genossen^ Es sind das lauter Kinder blutarmer Leute. Zu Bekleidungszwecken für die armen Kinder brachte Dr. Mezei einen vom israel. Landessond gespendeten Betrag von 500 Kronen zur Vertheilu ng. Hesihen, im November. Vor kurzem wurde hier das Jubiläum der 25jährigen Thätigkeit des hochverehrten Herrn Moritz F a s a l, als Vorstandsmitglied der hiesigen Cultusgemeinde, festlich begangen, aus welchem Anlasse dem Jubilar zahlreiche Ovationen und Glückwünsche seitens seiner vielen Verehrer und Freunde von Nah und Fern zngingen. Am Sabbath vorher erschien Herr Fasal in der Synagoge und wurde zur Thora gerufen, woselbst ihm auf Veranlassung Sr. Ehrwürden des Herrn Kreisrabbiners, Dr. Leimdörfer, und entsprechend den Intentionen der Cultusgemeinde-Vertretung ein zu diesem Zwecke eigens verfasster Mi scheberach durch Herrn Cantor Hahn vorgetragen wurde, in welchem nach traditioneller Weise der Segen Gottes für das fernere Wohl des um die Cultusgemeinde so viel verdienten verehrten Jubilars und für seine an vielen Tugenden reichbegabte, ihm ebenbürtige wohlthätige, edle Gattin und seine Familie erfleht wurde. Bei dieser Gelegenheit spendete der Gefeierte in seiner gewohnten munificenten Weise namhafte Beträge für die Cultusgemeinde-Jnstitutionen. Von den vielen, am eigentlichen Jubeltage in der Wohnung des Jubilars erschienenen Gr atulanten und Deputationen sei erwähnt: Der Cultusvorstand und Gesammtausschuss korporativ unter Führung des Präses, Großindustriellen Herrn I. Ph. Glesinger. Der Herr Präses hielt namens der Gesammtvertretung der Cultusgemeinde an den Jubilar eine warmstthlende kollegiale Begrüßungsansprache, in welcher er die Verdienste des Gefeierten, die er sich durch seine segensreiche 25jährige Thätigkeit auf allen Verwaltungsgebieten der Cultusgemeinde erworben, gebührend würdigte, insbesondere sein opferfreudiges Wirken als Vorsteher des Talmud-Thora-Vereines, dessen gedeihlichen Fortbestand er in jeder Beziehung und nach besten Kräften zu fördern suchte. Er betonte ferner seine Friedensliebe, welche er bei jeder Gelegenheit bethätigt und die sich auch vom Standpunkte seines Ehrenamtes als vieljähriges Ausschussmitglied der Stadtgemeinde durch Wahrung des confeffionellen Friedens in vortheilhaster Weise manifestirte. Se. Ehrwürden, Herr Kreisrabbiner