Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 44 (30.11.1900)
- Date
- 1900-11-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063013-3063057--01074-3067634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
yig Mahchek Seite 5 Nr. 44. cember,; Abends 6 Uhr, im Locale selbst .ein, und bittem alle, die sich für die Esvrichtung^ dcr Doyuhee-Halleu interefsiren, bestipimt zu erscheinen. ' /.* . . Wien, 18, November 1900. ' Für das Comitö: Professor Dr. Leon K e l l n e r> LVM./ Gersthoferstaße 89. Htrahlengarbe». Ueberall werden setzt neue Hassen geschmiedet, um uns Juden den Genuss der schwer errungenen Rechte zu verleiden. Staat und Gesellschaft, sie scheinen alle einen festen Bund geschloffen zu haben, um die Kraft des Juden zu lähmen, seinen Geist in Bande zu schlagen, seine Thätigkeit auf allen Gebieten der Cultur und Wissenschaft zu hemmen. Wenn sie nur bedenken wollten, wie viel blutige Kämpfe es gekostet, bis die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit unter den Menschen sich das Feld erobert, wenn sie nur ihr Gewissen befragen möchten, ob es denn mit dem Fortschritte der Civilrsation vereinbar ist, Hass und Lieblosigkeit zu predigen gegen Menschen, die nichts sonst verschuldet haben, als dass sie den Schöpfer der Weltalls in seiner Einfachheit anbeten, wie es jede gesittete Creatur thun müsste, wenn leider der Boden der Moral nicht gelockert und unterwühlt worden wäre. Warum werden denn immer Schlagworte ersonnen, mit denen man Wunder zu bewirken glaubt, die in Wirklichkeit aber nur darauf Hinzielen, unseren Nacken zu beugen, unsere Thätigkeit und Wirksamkeit einzuengen? Warum werden die niederträchtigsten Fehler dem Juden in die Schuhe geschoben, warum die hecllosesten Anklagen gegen unsere Glaubensgenossen geschleudert, als wenn jeder Funke von Liebe und Gerechtigkeit aus ihrem Herzen geschwunden, als wenn die längst versunkene Bar» darei zu neuem Leben erwacht wäre, die Tobsucht jeden besseren Sinn, jedes bessere Gefühl umstrickt hätte? Da noch das jüdische Gesetz in sagenhafte Nebel gehüllt war, die zu zerstreuen man sich keine Mühe genommen, da unser Schriftthum keinen Interpreten noch gefunden hatte, konnte man aus Unwissenheit die jüdische Religion als den Ausbund der Niedertracht hin stellen. Doch seitdem auch christliche Gelehrte von Wissensgier getrieben Einsicht in unser traditionelles Leben genommen, seitdem Bibel und Talmud auch den nichtjüdischen Gelehrten mehr kein Geheimnis sind, seitdem man die Mühe nicht gescheut hat, mit großer Sorgfalt die hebräische Litteratur zu pflegen, sollte man doch annehmeu, dass die Berläumdung und Anschwärzung ihr Ende erreicht, dass die Wahrheit und Gerechtigkeit in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden. Doch weit gefehlt! Die Dunkelmänner meiden vorsätzlich das Licht, und der Starrkopf will keine Lehre annehmen. Längst überholte Faseleien werden neu aufgefrischt und die abscheulichsten Dinge dem Judenthume und seiner Religion ins Gesicht geschleudert. Sein Gott ist ein Gott der Rache und die natürliche Folge davon, dass auch seinen Bekennern jede Menschenliebe fremd ist; sein Gott ist ein Nationalgott, der um die andern Volker sich nur wenig kümmert, und somit hat auch Israel nur für seine Stammesgenossen Herz und Gefühl, es kennt keine Sünde, die durch betrügerische Handlungen an Andersgläubige begangen würde. Solche und ähnliche Faseleien hört man jetzt häufig gegen das Judenthum ausstoßen und so wird allmählich der Boden unterwühlt, der Hass geschürt, die Unduldsamkeit genährt, die Triebfedern alles Bösen angespannt, und wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese infectiöse Krankheit, dass auch die edeldenkenden Geister unwillkürlich von ihr ergriffen werden. Auch hier in Ungarn müssen wir so manche bittere Pille herunterschlucken, seitdem das Treiben der Volkspartei frecher und dreister geworden. Handel und Gewerbe haben in letzter Zeit gar stark gelitten, eine Folge der Consumvereine, die wie Pilze hervorschossen, und dass dem armen Landjuden auf solche Weise der Nährboden entzogen wird, ist nur zu bedauern. Aus diesem trüben Gewölke ragen aber auch einige glanzende Sterne hervor, die uns Math und Vertrauen einfläßen. Muth — um nicht ganz zu verzagen,, und Vertrauen —auf toi» , Edelsinn der ungarischen Nation, die demNarrenseilldesschtvarzen Regimentes einen Damm entgegensetzen wird. In Debreczin und Kecskemet hat die siudirende Jugerch Protesiversämmlungen abgehalten^ in welchen sie offen erklärt, ., dass sie mit der schwarzen Geiersbrut keine gemeinfäHe Sache machen will, dass sie die Eintracht zwischen den verschiedenen, Cdnfessionen nicht stören, sondern Liebe und brüderliches' Zusammengehen fördern will, darum wendek fle sich mit Abscheu von dem Beginnen der Studenten in Budapest, welche verdammenswerthe Hetzen gegen Andersgläubige inscenipen. ' Der Staatsmann Graf Äpponyi hat in einem katholischen Jugendvereine es für nüthig erachtet^ der Liebe und Brüderlichkeit zwischen allen Confessionen das Wort zu reden. Seine eindringliche Mahnung, vom Schlepptau der Reaction sich nicht Hinreißen zu lassen, wird gewiss nicht verfehlen, die stürmische Fluth der Jugend in ihrem Alles zerstörende Laufe zu hewmen. Man hat ihn gar oft beschuldigt, dass er mit dem Clericalismus liebäugelt, doch diesmal hat er den besten Beweis geliefert, dass der Liberalismus über Alles ihm am Herzen gewachsen ist. Auch der Kafchauer Bischof hat der Jugend beherzigenswerthe Lehren ertheilt : „Gott, die Religion upd das Vaterland zu lieben, möge ihr ernstes Streben sein, damit Friede, Eintracht und Liebe sie alle verbinde, damit sie dessen sich bewusst werden, dass Sprache und Religion kein Hindernis bilden, um gemeinsam für die erhabenen Güter der Menschheit zu kämpfen und zu arbeiten. Lernet die heilige Schrift, so schloss er seine Ansprache, und ihr werdet inne werden, dass Gott keinen Unterschied gemacht zwischen Menschen und Menschen." Angesichts solcher edeldenkender Größen müssen wir frischen Muth fassen, um uns auf dem Wege nicht beirren zu lassen^ den wir bereits eingeschlagen. Unser bestes Können soll stets dem Wohle der Menschheit geweiht sein. Nicht in dumpfes Hinbrüten versünken, nicht in Gleichgültigkeit verfallen, sondern mit kühner Stirne der Reaction enlgegenzutreten, das kann die lichtscheue Brut zur Besinnung bringen, das fami uns aus ihren Klauen für immer retten. Aber auch unser Glaube muss uns in den Schreckenstagen Trost und Beruhigung gewähren, er muss uüfere Zuflucht sein in den Stunden des Bangens und der Verzagtheit, und wir haben die Strahlengarben gefunden, welche das,Dunkel' der Nacht weithin verscheuchen. D u n a f ö l d v a r. Rabbiner Dr. Samuel Part o s. Gemeinde- und Vereinsbote. Mir«. (Die Commune gegen He israelitische Cultusgemeinde.) Der Berwaltungsgerichtshof unter Borfitz' des Präsidenten Dr. v. Lemayer hatte über eine Beschwerden der Commune gegen eine zu Gunsten der israelitischen Cultusgemeinde erst offene Entscheidung des Unterrichtsministeriums^ zu urtheilen. Es handelte sich um die Vermehrung von israelitischen Religionsstunden an der Mädchen-Bürgerschule in der Zollergaffer die vom Gemeinderath: verweigert, vom Landesschulrath unter der Bedingung genehmigt wurde , dass die Kosten, die sonst die Commune zu zahlen hat, bezüglich des erweiterten Unterrichts von der Cultusgemeinde getragen werden. Das Unterrichtsministerium normirte eine Vermehrung der Religionsstunden auf Kosten der Commune, da die israelitischen Schulkinder hinsichtlich , ihres Religionsunterrichtes nicht ungünstiger behandelt werden dürfen als die Schulkinder überhaupt hinsichtlich der sonstigen obligaten Unterrichtsstunden. Für die Beschwerde der Commune trat GR. Dr. Wessely ein, für die Cultusgemeinde intervenirte Dr. Gustav Kohn. Der Berwaltungsg erichtshof erkannte auf Abweisung der Beschwerde der Commune. Me«. (R u d o l f s b u n d.> Seit 11 Jahren im Dienste der Humanität stehend, bekleidete dieser Verein, der fich von den allerkleinsten Anfängen zur heutigen Höhe emporgeschwunzen hat, während der Zeit seines Bestandes weit über 800 Kinder. Heuer findet die Bekleidung am 2. December, Nachmittags L Uhr im Hotel „Bairischer Hof", H.,