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Die Wahrheit · 1900-11-23 · Heft 43 (23.11.1900) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 43 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Hesterr.-Ungar. Gantoren-Aeitung. Ml-«. M ZnWnst «Me W-h-h-U20 *) **'«• Ems ist uöthig. Von M. Lintner, Bunzlau. (Schluss.) Wie oft liest man heute noch Annoncen, in denen dem Cultusbeamten 750 Kronen allgeboten werden, und was soll der betreffende Beamte alles sein! Cantor, Schächter, Religionslehrer, Mohel, Bal tokea, ein guter Kore, in Böhmen sogar noch Rabbiner!! — und noch andere Aemter soll er für diesen Hungerlohn verwalten. Dazu soll er noch verheiratet sein, das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben und n n r Reichsangehöriger sein. Und doch haben, nebenbei bemerkt, gerade die Ausländer das Chasonus und die Thora — besonders nach Deutschland — gebracht und das Judenthum aufgerüttelt. So arg sieht es noch heute auf diesem Gebiete aus. Jeden human denkenden Menschen muss innerste Empörung erfassen, wenn ersieht, wie Cantoren in Folge geringfügiger Umstände aus dem Amte entlassen werden und dieselben sich dann wieder nach Brot und Amt umsehen müssen, ohne dass ihre bisherige, oft vieljährige Dienstzeit in Anrechnung gebracht wird. Und während dieser „Suchereisezeit" sind diese bedauernswerthen armen jüdischen Cultusbeamten dem größten Elend preisgegeben. Ich habe erst neulich einen durchaus tüchtigen und gebildeten Cantor aus Oesterreich kennen gelernt, der ebenfalls aus nichtigen Gründen entlassen wurde und nun durch die Welt zog, um sich ein Aemtchen zu ergattern. „Meajin jowo esri?a Hier muss Wandel geschaffen werden, und wenn alle jüdischen Cultusbeamten einträchtig Zusammenwirken und zielbewusst Vorgehen, kann auch eine Besserung dieser wahrhaft empörenden und für das Judeuthum geradezub beschämenden Zustände herbeigesührt werden. Zu diesem Behufe fasse ich die in den vorangegangenen Artikeln begründeten Forderungen im Nachfolgenden zusammen: Wir verlangen I. in idealer Hinsicht: 1. Einen durchaus gebildeten, sowohl in wissenschaftlicher als auch in musikalischer Beziehung tüchtigen Cantor. 2. Der Cantor soll ein seminaristisch gebildeter Religionslehrer sein; deshalb soll er auch ein Lehrerexamen ablegen. 3. Er soll einige Jahre erst in kleinen Gemeinden amtiren, um sich zunächst tüchtige, praktische Uebung anzueignen. 4. Die Ausbildung muss im Seminar mindestens 4 Jahre dauern. Wir verlangen II., in materieller Hinsicht: 1. Definitive Anstellung, Pensionsberechtigung nebst Verfolgung der Hinterbliebenen. 2. Ein besseres und sicheres Einkommen. 3. Bessere sociale Stellung und Anerkennung unserer amtlichen Thätigkeit. Um die Verwirklichung dieser Forderungen zu erlangen, müssen wir uns zu einem großen Bunde vereinigen und diese Forderungen nachdrücklich gegenüber Staat und Gemeinde vertreten und solange vorstellig werden, bis dieselben erfüllt sind. Dass wir Alle, die ehrliches Streben und Standesbewusstsein hegen und pflegen, jene schöne Zeit noch erleben und uns ihrer freuen möchten, ist der Wunsch des Autors dieser Zeilen. Das walte Gott! Schirath Lehuda.^ In unseren Tagen, wo der religiöse Sinn zumeist nur im Gotteshause rege wird, ist es mehr als sonst von Nöthen, dass *) Tempelgesänge, verfasst von L. R o s e n z w e i g, Obercantor in Abony (Ungarn), für Chor und Cantor. der Cantor den Standpunkt der alten Ueberlieferung behaupte, der zu Weihe und Erbauung führt. Der moderne Gesang hat nur insoweit Berechtigung, als ihm die alte, traditionelle Sangesweise zu Grunde gelegt wird und er das Alle mit dem Neuen vereint. Der saftige &ent, gehüllt in kleidsames Gewände, wird unbedingt jene weihevolle religiöse Stimmung Hervorrufen, die der Betende aus dem Tempel in sein Familienheim mitbringen soll. Das Werk „Schirath Jehnda" enthält nun eine solche glückliche Verbindung des Modernen mit der alten Richtung. Aus jedem Gesänge fühlt mau es heraus, dass der Verfasser den traditiouellen Boden nicht verlassen, dass er zwar hie und da gefeilt und geglättet — und auch hierin zeigt sich die Meisterhand — aber im Großen und Ganzen leuchtet das Alterhabene in seiner Schöne hervor. Diese Synagogalgesänge, würde- und weihevoll vorgetragen, werden gewiss überall Anklaug und Verbreitung finden, denn auf diesem Gebiete ist der Boden noch immer nur sehr spärlich bebaut, und nur zu oit verlieren sich die Körner in dem Spreu. Einige vierzig Compositioneu, zuvörderst für den Samstag- Gottesdienst, aber auch Einiges für die Feiertage, Traunngs- und Trauerceremonieu bestimmt, bilden den Inhalt dieses hübsch ausgestatteten Buches. Es sind dies Früchte einer 25jährigen Amtsthätigkeit, die volle Berechtigung auf Anerkennung und Lob erzielen. Die Wiener Obercantoren Joses Singer und Josef Gold st ein, desgleichen die Budapesler Overcanroren Jakod Bach mann und Adolf Lazarus sprechen sich in den beigedruckten Briefen über diese synagogalen Choralgesänge überaus lobend aus. So schreibt unter Anderem Obercamor Singer : „Sowohl die melodische Originalität, lvie die anerkennenswerthe Harmonisirung, nicht .minder die leichtflüssige Stimmführung dieser Compositioneu verdienen volles Lob und »verden sich zuversichtlich der allgemeinen Sympathie erfreuen." Wir unsererseits wünschen dem Verfasser Kraft und Muth, aus diesem Wege auszuharren, aus dem Born seiner tiefen Seele weiter zu schöpfen, um mit seinen Gesängen religiöse Stimmung in den jüdischen Gemeinden zu erwecken, dem Werke selbst, das beim Verfasser in Abony um den Preis von 6 Kronen erhältlich ist, die weiteste und ausgedehnteste Verbreitung. S ch e m u e l H o r o ch. Verschiedene Nachrichten. Wien. Knapp vor Schluss des Blattes wird uns über das Hinscheiden dreier Cantoren berichtet, die theils durch langjährige Berufs - treue, theils durch hervorragende Amtstvirksamkeit sich in- und außerhalb der Collegenkreise großer Werthschätzung erfreuten. Es sind dies Cantor Herz in Preraü, Obercantor Rosenhaupt in Nürnberg, und Obercantor Leopold Stern in Wien-Fünfhaus. Dem Leben und Wirken dieser Männer wollen wir in nächster Nummer eingehendere Betrachtung widmen. Wien. In Ergänzung unseres Berichtes über die Beerdigung! des Rabbiners Fleißig s. A. tragen wir nach, dass unmittelbar nach der Rede des Rabbiners Dr. Schmied! der VereinsraKbiner Dr. Aron i Abeles dem verewigten Vorgänger einen warmen, dessen vielfache! Verdienste und Vorzüge würdigenden Nachruf hielt, ebenso hielt am! Grabe der Obmann des Bethausvorstandes „Bvth-Hakeneseth", Herr Dr. I L. Straßer, eine tiefempfundene Rede. - j Wien. (Trauergottesdienst.) Anlässlich des ^Ablebens! Sr. Ehrwürden des Herrn Gemeinderabbiners I. Fleißig ver- | anstaltete der Verein „Bet-Jsrael" Sonntag, den 18. d., in seiner Vereinssynagoge, II., Leopoldsgafse 23, eine solenne Trauerandacht ver- I Kunden mit Kanzelvortrag und Psalmenrecitation. Noch vor der anbe-

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