Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 43 (23.11.1900)
- Date
- 1900-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 43. Die Wahrheit. Seite 11. räumten Stunde war das geräumige, hellerleuchtete Gotteshaus von Mitgliedern des Vereines, ständigen Besuchern und zahlreichen Trauergästen bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Nebst dem Vereinsvorstande, der sich mit seinem Präses Herrn S. Meisels an der Spitze und sämmtlichen Synagogenvorstehern corporativ eingefunden hatte, bemerkte man unter den Erschienenen Se. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Dr. Gudemann, Rabbiner Dr. Schmiedel, Rector Dr. A. Schwarz. Lector M. Friedmann, den Secretär der Cultusgemeiude Dr. E. Adler, die Herren Rabbiner W. Sor, Dr. Gelbhaus, Kramer, Chacham M. Papo, Obercantor I. Bauer, Cantor Löwit, kais. Rath I. Fluß, die Söhne des Verstorbenen und dessen sämmtliche Familienmitglieder, Dr. D. Fink, Direktor Jg. Zolles, die Obmänner und Vertreter vieler hiesiger Vereine, die Vertreter der jüdischen Presse rc. Nach Beendigung des Mincha- Gebetes bestieg der Gemeinde- und gleichzeitige Vereinsrabbiner, Herr M. Mayersohn, die schwarz drapirte Kanzel, um dem Verewigten, als seinem Vorgänger im Amte, einen würdigen Hesped, einen warmen und tief empfundenen Nachruf zu halten. Unter treffender Auslegung einer ganzen Fülle schwieriger Midrasch- und Talmudstellen schilderte der Redner die hohe talmudische Gelehrsamkeit, die selten große Begabung, den außergewöhnlichen Scharfsinn und die besonders schönen und edlen Charaktereigenschaften des Verblichenen, dessen Heimgang nicht nur von der Gemeinde Wien, woselbst er ob seiner vieljährigen, segensreichen Berufsthätigkeit allgemeiner Achtung, Werthschätzung und Verehrung sich erfreute, sondern von der gesummten Judenschaft, der er zur Zier und Ehre gereichte, schwer empfunden wird. Im Laufe des Vortrages gedachre der Redner auch des im Vorjahre in der Blüthe seines Lebens \ verstorbenen Rabbinatsassessors I. Breuer, indem er die rührige Thätigkeit, die derselbe in den Angelegenheiten des Rabbinates entfaltete, hervorhob. Wir haben in dem dahingeschiedenen Rabbiner Fleißig — schloß der Redner mit tief bewegter Stimme — nicht nur einen großen, bedeutenden Talmud-Chochem, einen Thorakundigen von unschätzbarer Größe und Vollkommenheit, sondern auch einen fleißigen, unermüdlichen Forscher, Förderer und Verbreiter der Thora hakdauscho verloren und können nur in dem einem Gedanken Trost finden, dass, obwohl sein klares, scharfes Kennerauge für immer geschloffen ist, sein edler, erhabener Geist aber noch unter uns fortleben und die Saat, die er so eifrig und so sorgfältig in den Boden des Thorastudiums und der! Gotteslehre gesäet bat, weiter keimen, Wurzel fassen und reichliche j Früchte tragen wird. Nach der Trauerrede recitirie Obercantor j M. Schorr in wahrhaft rührender und herzergreifender Weise das j El mole rachamim, worauf er mit Begleitung seines. wohlgeschulten l Chores zwei eigens für die Trauerfeier componirte Psalmen vortrug und mit dem üblichen Kaddisch-Gebete schloss. Mit dem Maariw-Gebet fand die Trauerandacht, die wohl manchem der vielen Theilnehmer m pietätvoller Erinnerung bleiben wird, einen würdigen Abschluss. D. Sku. Wien. (Ehrung eines Religionslehrers.) lieber eine schöne Feier, die vor einigen Tagen in der Mädchen-Volks- und Bürger* schule in der Holzhausergaffe im 2. Bezirke stattgefunden hat, geht uns folgender Bericht zu: Der israelitische Religionslehrer Sigmund Adler, der an der genannten Schule durch 16 Jahre mit voller Hingabe thätig war, hatte aus Gesundheitsrücksichten um Enthebung von dem Unterrichte an dieser Schule ersucht, welchem Begehren von der Behörde Folge gegeben wurde. Der Abschied des beliebten und allgemein geschätzten Lehrers vom Director und dem Lehrkörper gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Director Leopold Quiex empfing den Scheidenden inmitten des Lehrkörpers, unter dem sich auch der Catechet Pater E.! Holzhausen befand. Director Quiex gedachte in einer zu Herzen gehenden! Ansprache der ersprießlichen Thätigkeit des Herrn Adler als Religionss lehrer. Er habe es stets verstanden, nicht nur das collegiale Einver-! nehmen mit dem Lehrkörper zu pflegen, ,andern dieses Einvernehmen! -in gedeihlichem Sinne auch aus das Elternhaus zu übertragen. Als! besonderes Zeichen der Ehrung überreichte sodann der Director dem j scheidenden Religionslehrer einen ihm vom Lehrkörper zum Andenken * gewidmeten, sehr kostbaren Stock mit eingravirtem Monogramm und den! Jahreszahlen der an dieser Schule zugebrachten Dienstzeit, mit dem j Wunsche, Herr Adler möge sich noch lange in vollster Kraft und bester! Gesundheit dieses Stockes als angenehmer Stütze bedienen. Gleichzeitig wurde ihm auch mit besonderem Glückwünsche von dem weiblichen Lehrkörper ein zierliches Bouquet überreicht. Tief ergriffen und zu Thränen gerührt, dankte Relizionslehrer Adler für die ihm erwiesenen Ehren. Nie Werve er die würdigen und schönen Worte des Direktors vergeffen und stets des feierlichen Moments eingedenk bleiben. Das werthvolle Geschenk werde er als theures Kleinod und als heilige Erinnerung an diesen Tag aufbewahren. Damit war die schöne Feier zu Ende. Wien, 20. November. Am 18. d. verschied nach längerem, schwerem Leiden die Gemalin Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Nathan Frankl aus Piesling, Frau Fanny Frankl geb. Stern, und heute hat das Leichenbegängnis der Entschlafenen auf dem Centralfried Hofe in Wien stattgefunden. Frau Rabbiner Frankl hat sich sowohl durch seltene Geistesgaben wie auch durch ihr wohlthätiges Wirken, welches keinen Unterschied zwischen Juden und Christen kannte, unvergängliche Verdienste erworben und so manche Gabe hat der Pieslinger Pfarrer durch ihre Intervention für nothleidenve Christen erhalten. Die Verewigte erfreute sich aber auch der ungetheilten Sympathie und Verehrung der christliche» wie jüdischen Bevölkerung jenes Sprengels, in welchem ihr Gatte als Seelsorger wirkt. Gleich ausgezeichnet als Mutter, wie nicht minder als Gattin hat die Verewigte mit peinlicher Sorgfalt die Obligenheiten einer jüdischen Hausmutter erfüllt. In würdevoller Weise wurde sie zur ewig.'n Ruhe gebettet. Herr l. Cantor Schiller hat in mustergiltiger Weise die Trauergesünge vorgetragen, woraus gramgebeugt Herr Rabbner Tr. Frankl in wenigen markanten Worten seinem Schmerze über den Heimgang seiner treuen Lebensgefährtin, die ihm über 30 Jahre zur Seite stand, in wahrhaft rührender Weise Ausdruck gab. wobei kein Auge thränenleer blieb. Ebre dem Andenken dieser Mustergattin, dieser unvergesslichen Mutter. Wir». Nach langwierigem Leiden starb am Dienstag Frau I Hanna Glas, Tochter des Cantors Fleischmann in Damborschitz s. And, im frühen Alter von 4s Jahren. Die Beerdigung fand am Donnerstag bei zahlreicher Theilnahme der Familienangehörigen statt. Anwesend waren der Bruver der Frühverblnhenen, Schriftsteller Fleischmann, wie auch deren Schwager, Buchdruckereibesitzer Fanto, ebenso deren Gatte, zwei Sohne und die einzige Tochter, die in der Pflege ihrer Mutter unermüdlich war Ein Bruder, der Professor in Schlesien ist, ein anderer Cultusvorsteher in Belovar, wie auch ein Sohn, der künstlerisch in Italien rhätig ist, konnten nicht so rasch Herkommen. Möge die allgemeine Theilnahme den Trauernden znm Tröste gereichen, die Verklärte aber ruhe in Frieden Aojetein. Einen schweren Verlust erlitt unsere Gemeinde durch das frühe Hinscheiden unseres allgemein beliebten und geschätzten Vorstehers, Herrn Simon R o s e n f e l d, der über zwanzig Jahre an der Spitze unserer Gemeinde gewirkt hat. Das imposante Leichenbegängnis, an dem sich der gesammte Gemeinderath, die corporativen Vereine und die unzähligen aus der ganzen Umgebung herbeigeeilten Trauergäste betheiligten, gaben ein beredtes Zeugnis, wie allgemein beliebt und geachtet der Verblichene war. Vom Trauerhause bewegte sich der imposante Zug in den hell erleuchteten Tempel in den der mit Blumen geschmückte Sarg getragen wurde. Nach einem Trauerchoral vorgetragen von Cantor Grünstein bestieg unser Rabbiner. >>rr Dr. Rosenzweig, die Kanzel und würdigte in meisterhaft durchdachter Rede die Verdienste des Verblichenen um die Gemeinde und die wohlthätigen Institutionen, seine Vorzüge als Mensch und Bürger. Jeder war von der gehaltvollen Rede tief ergriffen und erschüttert Sodann bewegte sich der Zug nach dem Friedhofe, wo Herr Dr. Rosenzweig am offenen Grabe von dem theuern Verklärten in ergreifenden Worten Abschied nahm. ZNKotsöurg. Die Trauung des hiesigen Obercantors, Herrn Adolf Neufeld, mit Fräulein Eva Zimmer findet Dienstag, den 27. d., 1 Uhr, in Würzburg (Hotel Goldschmied) statt. Aetgrad. Tie hiesige deutsch-israelitische Cultusgemeind* bat nach, einem mit vielem Beifalle aufgenommenem Vortrage Herrn Josef 2agh er bisher Cantor in Rapaaedl, zum Obercantor gewählt. Derselbe hat seine Ausbildung bei Obercantor I. Bauer in Wien genossen. WG" Iie geehrten Herren Abonnenten werde» höffichst und dringendst ersucht, den restlichen Aöonnementsöetrag einsenden zu wollen. Aie Administration.