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Die Wahrheit · 1900-11-23 · Heft 43 (23.11.1900) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 43 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43. Die Wahrheit. Seite 5 nach außenhin gewappnet und gepanzert dastehen müssen, dass wir die errungenen Rechte nicht so leichtfertig aufgeben dürfen, sondern vielmehr die fehlenden Lücken ergänzen und mit Aufwendung der eigenen Mittel eine umsichtige Thätigkeit entfalten müssen. Und wenn da von orthodoxer Seite jegliche Hilfe aussichtslos ist, wenn alle krummen Wege dort gutgeheißen werden, wenn religiöse Dinge mit einer derartigen Nonchalance behandelt werden, wie sie jüngst zu Tage getreten ist, so ist wahrlich auf eine Besserung dieser haltlosen Zustände aus Lange keine Aussicht vorhanden. Fühlt man das Beschämende nicht, wenn immer und immer wieder Bausteine aus dem Gebäude gerissen wurden, das nur mit harter, schweißtriefender Mühe anfgeführt worden? Wird man hüben und drüben noch immer nicht zur Einsicht gelangen, dass es höchst an der Zeit wäre, über unsere Autonomie eine Verständigung zu erzielen? Den traditionellen Boden wollen wir bei Seite lassen, damit man wegen einer angeblichen Lockerung der religiösen Satzungen nicht zurückschrecke. Aber bei der organisatorischen Arbeit müssten sich Alle die Hände reichen, die an den Bestand des Judenthums nicht verzweifeln wollen, die an seinen äußeren Wällen nicht rütteln, in seine festgefügten Mauern keine Bresche legen wollen. Wenn aber schon in allen diesen Dingen eine Einigkeit nicht zu erzielen ist, die politischen Rechte auszuweileu, die gewonnenen zu festigen, hiezu müsste die ganze ungarische Judenheit wie ein Mann auf den Plan treten. In der letzten Stunde vielleicht ermannt sie sich zu dieser Heldenthat! D u n a f ö l d v a r. Rabbiner Dr. Samuel P a r t o s. Wählerversammtung des Gentral-Wahlcomites für die Wiener Clütuswahien. (Hesterreichisch-Asraekilische Ilrnorr. — Wokilifcher MokKsverein- — Die vereinigten Fernpelvereine.) Unter dem Vorsitze des Präsidenten der Oesterreichisch- Israelitischen Union, des Herrn kaiserl. Rath Ruzicka, hielt das vereinigte Wahlcomite, Samstag, den 17. November d. I., im „Hotel Central" eine ungemein zahlreich besuchte Wühlerversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand die Anhörtmg von Candidaten. Zu dieser Versammlung hatten sich vom Cultusvorstande die Herren Präsident kaiserl. Rath Kling er, Vicepräsident Dr. Alfred Ster n, Dr. Alfred Berger, Salo K o h n, Architekt Fleischer, Docent Dr. Grünfeld, kaiserl. Rath H i r s ch, Em. Hoffman n, kaiserl. Rath P o l l a k, Director S i m o n, Dr. Max Steine r, Baurath S t i a ß n y und kaiserl. Rath Vogel eingesunden. Außerdem bemerkte man die Herren Bezirksräthe Brill und N e u st ad tl, den Präsidenten des jüdischen Volksvereines Dr. Rappaport, Dr. Theodor H e r z l u. A. Ihr Ausbleiben entschuldigten die Herren Cultusvorsteher Negierungsrath Dr. Steger, v. Mises, Gottlieb Taussig und Laudesschnlrath Dr. Gustav Kohn, welch Letzterer seine Candidatur erneuerte. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende begrüßte in erster Linie den erschienenen Präsidenten der israel. Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Heinrich Kl in ger, welcher Gegenstand einer spontanen Ovation wurde. Ferner begrüßte er die erschienenen Mitglieder des Cultusvorstandes und bemerkt mit Rücksicht auf die störenden Zwischensälle in der unter der Aegide des Cultusvorstandes am letzten Mittwoch staltgehabteu Wählerversammlung: der Zweck der heutigen Versammlung ist die Anhörung von Candidaten; im Geiste der hier versammelten Herren Wähler werde ich jede sachliche Kritik zulassen, insoweit sie sich in parlamentarischen Formen bewegt, und die geehrten Herren Wähler werden die Güte haben, an dem correcten und würdigen Verlauf mitzuwirken und damit die Aufgabe des Vorsitzenden, für den parlamentarischen Verlauf der Versammlung sorgen zu können, erleichtern. Die Versammlung genehmigte sodann die Reihenfolge der Redner, und es ergreift als erster Redner das Wort Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger. Derselbe sagte: Ich bin heute derselbe, wie vor 4 Jahren, als Sie mir die Ehre erwiesen, mich in den Cultusvorstand zu wählen. Ich hatte es unternommen, in demselben eine kleine, aber bedeutende Fraction zu vertreten, eine Fraction, die ein Interesse hat, in ritueller Beziehung ein Wort mitreden zu dürfen. Trotzdem habe ich mich nie als Vertreter einer speciellen Fraction, sondern stets als Gemeindevertreter angeseben, und wenn es sich handelte, Gegensätze auszugleichen, Hude ich es immer nach beiden Seiten gethan. In einigen Bezirken hat sich aber eine Bewegung gezeigt, die darauf hinzielt, in einzelnen Tempeln weitgehende Reformen einzuführen. Wohl respectirr der Cultusvorstand jede Autonomie. Allein, wenn solche Bestrebungen dahin führen, eine Bennrnhigung hervorzurufeu, dann ist es Pflicht des Vorstandes, hier ein warnendes Wort zu sprechen, umsomehr dort, wo es sich um solche Tempel handelt, die von der Gemeinde snboentionirt werden. Es ist erfahrungsgemäß, dass solche Reformen geeignet sind, eine Spaltung hervorzurufen, und deshalb habe ich es versucht, diese Herren von ihrem Vorhaben abzubringeu. Har es sich um eine Erhöhung einer Subvention gehandelt, bin ich stets > für dieselbe eingetreten; ich war ihr Gegner, wenn dieselbe dazu; dienen sollte, die erwähnten Reformen zu fördern. An der Armeni pflege der Gemeinde habe ich nicht theilgenommen, weil ich der ■ Ansicht huldige, dass die geschlossene Armenpflege, wie Spiral : und Siechenhaus, Aufgabe der Gemeinde sei; die offene Armenpflege könne man mit Beruhiguitg ben Gemeindegenossen über- I lassen. Ich habe beim Altersversorgungshaus eine weitgehende , Controlle eingeführl, die sich vorzüglich bewährt; ich leite seit! Jahren die Verköstigung armer Schulkinder in der Brigittenau! und kann daher ruhig sagen: Wenn Ihnen meine Thätigkeit nicht j genügt, ich selbst werde Ihnen selbstverständlich nicht genügen.! (Lebhafter Beifall.) Kaiserl. Rath Friedrich Vogel: Es ist mir schwer, Ihnen meine Herren, Rechenschaft über meine Leistungen zu geben, da die weitverzweigte Thätigkeit im Cultusvorstande ver-! möge unserer internen Gliederung und Organisation, die Thätigkeit i des einzelnen Mitgliedes im Speciellen zu constatiren, sehr! schwer zulässt. Ich habe mein besonderes Interesse der Thätigkeit! in der Schul-, Finanz- und Friedhof-Section gewidmet; ich habe! seiner Zeit gelegentlich der Prärerirung jüdischer Lehrer im Verj eine mit zwei Collegen beim Bürgermeister und Statthalter inter-! venirt; die Thätigkeit öe-i einzelnen Cultusvorstehers im Ganzen, lässt sich jedoch am besten dadurch beurtheilen, wenn Sie er-; wägen, dass im Jahre 1898 173 und im Jahre 1899 195 | Sitzungen stattfanden. Ganz abgesehen von den vielen Sitzungen! der Steuer- und Schätzungscommissiouen.! Wenn ich mich heule abermals um ein Mandat bewerbe, | so thue ich es deshalb, weil ich mich in Folge meiner langjährigen! Thätigkeit in so manche Frage, die demnächst zur Lösung gelangen! dürfte, eingearbeitet habe uuö anderseits, weil mich L»Il und j Liebe für die gemeinsam., gute Sache beseelen. Wenn ehrliches I Wollen in Ihren Augen als ein Verdienst angesehen wird,! dann versichere ich Sie, dass es mir hierin auch fernerhin nie j fehlen wird. i Emannel Hofffm a n : Ich trete heute in Ihre Mitte,! vielfach als Fremder. Ich habe meine Thätigkeit im Jahre 1876; in Währing begonnen, woselbst ich 1879 eine Cultusgemeinde j gegründet und 1889 einen Tempel erbaut habe. Bei der Vereinigung mit Wien bin ich in den Cultusvorstand berufen! worden, woselbst ich in fünf Seclioneu thärig bin. Ich führe die > Verwaltung des Währinger Tempels. Jit Währing habe ich! eine Bibelschule gegründet, die derzeit von 76 Kindern besucht! wird. Ich widme mich mit Vorliebe der Ueberwachnng des! Spitals, woselbst ich zweimal wöchentlich die Kranken besuche,! und die Ausspeisung überwache. Ich bin gerne bereit, wieder ei»! Mandat anzunehmen. j Kaiserl. Rath Wilhelm P ollak: Ich habe mich, seitdem > ich im öffentlichen Leben stehe, stets für's Judenthum bethätigt. i Was ich im Cultusvorstailde leistete, müssen Sie das Präsidium i fragen. Ich bin ein Glied jener Kette, welches in der Gefammtheit

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