Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1900-11-16 · Heft 42 (16.11.1900) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 42 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063013-3063055--01052-3067610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 42. Die Wahrheit. Seite 5 Judenthum. Der Vorstand thut sein Möglichstes, dass das! Judenthum groß und geachtet dastehe. j Herr Bernhardt: Einige Wählerversammlungen der j westlichen Bezirke haben sich über den Zustand des Religions-! Unterrichtes und der Tempelverwaltung beklagt, ferner über die zu geringe^ Decentralisation des Armenwesens und die | Präterirung der Intelligenz in dem neuen Wahlstatut. Redner s spricht sodann über die Art, wie dem Elend der rumänischen Auswanderer begegnet wurde. Die Hilssaction lag zwar in den Händen der Alliance, aber die moralische Verantwortung j treffe den Cultusvorstand, deren I. Vice-Präsident auch Vicei Präsident der Alliance ist. Kaiserlicher Rath Rnzicka übernimmt wieder den Vorsitz.! Es wird der Antrag aus Schluss der Debatte gestellt.! Der Antrag wird angenommen. Es sind noch mehrere Redner angemeldet. Professor E h r m a n n : Es ist zuzugeben, dass die Alliance sich ihrer Ausgabe nicht gewachsen zeigte. Aber diese Ausgabe war eine solche, dass die Möglichkeit nicht vorlag, sie in so idealer Weise zu lösen, wie wir Alle es gewünscht hätten. Die Auswanderung war eine ungeregelte. Die Leute wollten nach Amerika. Nun hat aber die amerikanische Regierung die Häfen sperren wollen. Nur den Bemühungen einiger angesehener Glaubensgenossen gelang es, diese Sperre für die ersten Answandererscharen rückgängig zu machen. Es stand bevor, dass die nächsten Auswanderer-Abtheilungen sofort zurückgesendet werden sollten. Die Alliance verlor den Kops, einige Herren wurden nervös. Das Alles ist zuzugeben. Den Zionisten wäre aber zu rathen, jene aus Auswanderung gerichtete Agitation in geregelte Bahnen zu leiten. Herr S. H eit schließt sich den Ausführungen des Vorredners an und erzählt Fälle, wo die Auswanderer solche Hilfe zurüchwiesen, die darin bestand, dass man ihnen hier in Wien Arbeit verschaffen wollte. Herr Hosbauer: Zuerst wurde der Vorstand angegriffen, jetzt die „Aliance". Das wirkt nicht anspornend aus solche neue Männer, die sich den Mühen der Repräsentanz unterziehen wollen. Kaiserl. Rath Rnzicka: Die Debatte ist geschloffen und kein Redner mehr zum Worte vorgemerkt. Es liegt ein Antrag und eine Resolution vor. Der Antrag geht dahin, zu den! Cultuswahlen erst dann Stellung zu nehmen, wenn die Cauditaturen bekannt worden sind. Dieser Antrag wird mit allen gegen 3 Stimmen zum Beschlüsse erhoben; Die Resolution Wertheimer wird zur Kenntnis genommen. Nach einem Berichte über die Reichsrathswahlen wird die Versammlung gegen Mitternacht gegen Mitternacht geschlossen. * * Wählerversammkimg im Kleinen Musik-Wereinssaate. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Präsidenten der Cultusgemeinde, Herrn kais. Rath Heinrich K l i u g e r, wird derselbe auf Vorschlag des Herrn Lncian Brunn er per Acclamation zum Vorsitzenden gewählt und weiters beschlossen, von der Verlesung des an die Wähler ausgesendeten Berichtes des Vorstandes über seine Thätigkeit in der Periode 1898—1899 Abstand zu nehmen. Kais. Rath K l i n g e r übernimmt den Vorsitz und theilt mit, dass Herr Vicepräsident Dr. Gustav Ko h n, der krankheitshalber verhindert ist, in der Versammlung zu erscheinen, an ihn einen später zur Verlesung gelangenden Brief gerichtet habe. Ferner liegen von den Vorstandsmitgliedern kais. Rath Vogl und kais. Rath Wilh. Pollak Entschuldigungsschreiben vor, dass sie in Folge einer gleichzeitig stattfindenden, wichtigen Sitzung in der Handelskannner erst später in der Wählerversammlung erscheinen können. Die übrigen ausgelosten Vorstandsmitglieder seien sämmtliche anwesend. An diese Mittheilungen knüpft der Vorsitzende folgende Bemerkungen: Vor zwei Jahren, als die Wählerversammlung im Nebensaale stattfand, konnte er dankend der Thätigkeit der ausscheidenden Vorstandsmitglieder gedenken; heute jedoch sei ihm dies versagt, da sich das ganze Präsidium unter den Ausgelosten befindet. Ein Rückblick auf diese zwei Jahre zeigt, dass der Vorstand in diesem Zeiträume viel geleistet habe. Hiebei habe er außerordentliche Unterstützung gefunden seitens der verschiedenen Humanitäts¬ und Tempelvereine, denen voller Dank und Anerkennung gebühre, ebenso auch dem eigenen Bethausvorstande und dem Beamtenkörper, an dessen Spitze dem I. Secrerär kaii. Rail, Dr. Lieben und dem Annsvorstand W i e n e r. Da die Versammlung die Verlesung des Rechenschaftsberichtes abgelehur habe, sei ihm nur noch eine persönliche Bemerkung gestattet. Der Redner könne sich gegenwärtig wohl zu den ältesten Mit gliedern der Gemeinde rechnen und nach 16jähriger Thätigkeit iin Cultusvorstande und 4jähriger Thätigkeit als Präsident gestalte ihm die Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit nicht, sicl, neuerdings um ein Mandat zu bewerben. So sehr er anct, i diese hohe Ehre zu schätzen wisse und wiewohl ihm auch von Seiten seiner Freunde nahegelegt werde, dass es seine Pflicht sei, auch fernerhin seine Kräfte der Gemeinde zu widmen, h> hege er dennoch die Ueberzeugnng, dass unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein jüngerer, kräftiger Mann an die Svitze de Gemeinde gehört. Kritik habe weder er noch der Vorstand jemals gescheut, viel arger aber als Kritik sei die schreckliche Indolen; der Gemeindemitglieder, die auch heute in dem verhälnismäßig spärlichen Besuche der Versammlung zum Ansdrucke kommen. Wen immer Sie, meine Herren, wählen werden, wählen Sie nur echte Inden, die begeistert find für das Judenlhum und für das Gedeihen und die Einheit der Gemeinde. Mit einem Appell an die Versammlung, iiubeu heutigen, gefährlichen Zeiten den Frieden in der Gemeinde nicht zu stören, schließt kais. Rath Kliuger seine Rede, die stürmisch acclamirt wurde. Cultusvorsteher Dr. Berger berichtet über jene Sectioneu, in welchen er, gemäß seiner bekannten Richtung, hauptsächlich seine Thätigkeit im Vorstande concentrine. Es sind dies die I. und II. Section, denen die Fürsorge imi> Pflege des Cultus und des Religionsunterrichtes obliegt. Auf dem Gebiete des Cultus sei wohl noch viel zu wünschen, aber der Vorstand war immer bestrebt, den lautgewordeneu Wünschen uns Bedürfnissen gerecht zu werden. Insbesondere beabsichtige er, das Minjanimwesen alt den hohen Feiertagen, bei welchem große Unzukömmlichkeiten zu Tage getreten sind, ohne Schädigtlng der bestehenden Bethausvereine, selbst in die Hand zu nehmen. Auch in der II. Section wurde viel gearbeitet. Unter anderem verweist der Redner auf den neuen Lehrplan für den Religiousunterricht und die herausgegebenen Instructionen für die Resigionslehrer und schließt mit der Erklärung, dass er bereit sei, auch fernerhin seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde zu; stellen. (Lebhafter Beifall.)! Nach einer formellen Debatte über die ben einzelnen j Rednern einzmaumende Redezeit, in welche der Präsident, sowie ’ die Herren Brunner und Dr. Herzl eiitgreisen, erklärt Vorstaudsi Mitglied H o f m a n n unter Hinweis auf seine bisherige Wirksamkeit im Vorstande und früher als Präsident der Währinger Cultusgemeinde, dass er gerne bereit sei, eine Wiederwahl anzunehmen. ■ Es gelangt hierauf der eingangs erwähnte Brief des Vice-! Präsidenten Dr. Gustav K o h n zur Verlesung, in welchem der-! selbe mittheill, dass er zu seinem größten Bedauern durch Krant- , heit verhindert sei, in der Versammlung zu erscheinen und, falls; ihm die Wähler durch eine Wiederwahl ihr Vertrauen beweisen; wollen, er es als Pflicht erachte, auch weiterhin seine Kräne der; Gemeinde zu widmen. ^«Der Verlesung dieses Schreibens folgt allgemeiner, stürmischer Applaus.) Cultusvorsteher Dr. Steiner: Früher musste man mit j der Diogenes-Laterne Männer suchen, die sich um ein Mandat; im Cultusvorstande bewarben. Dank der antisemitischen Strömung; fehlt es heute nicht an Candilaten. Redner Hai sich besonders; zweien Agenden der Gemeinde, dem Religionsunterrichte und; der Armenpflege, gewidmet. Als er in den Vorstand eintrat, j war die Religionsschule confessiouslos, sie wollte nicht gute ' Juden, sondern gute Menschen heranziehen. Mil 2 Stunden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.