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Die Wahrheit · 1900-11-16 · Heft 42 (16.11.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 42 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Ceiic 4. Die lvahryei». ülv. 4 2. stürmischer Beifall! Es wird also für den Ausgang des Processes Hilsner Stimmung gemacht und bestehe angeblich ein eigenes Count«, welches Judenhetzen im größten Maßstabe vorb.reite. Wir werden offene Augen behalten! Vor Uebergang zum Gegenstand der^Tagesordnung „Cultuswahlen" wird ein Schreiben des Präsidenten der Wiener i'rael. Cultusgemciude, kaif. Rath Heinrich Klinger, zur Verlesung gebracht, in welchem derselbe, durch Unwohlsein verlstndert, der heutigen Versammlung auzuwohnen, fein Fernbleiben entschuldigt und auf die in der letzten Plenarsitzung der Union im Referate über die Wahlreform wegen Nichtbeantwortung des j Memorandums der Union seitens des Cultusvorftaudes enthaltenen - Bemerkungen reagirl.! Auf Verlangen des Referenten Dr. Zins erklärt der Vorsitzende, dass das Referat im Namen und in den Intentionen des Vorstandes erstattet wurde. , Die Versammlung nimmt die sympathischen Erklärungen j des Präsidenten der Cultusgemciude befriedigend zur Kenntnis i und spricht den Wunsch einhellig aus, dass er sich bald erholen j und seine Thatkraft dem Gemeindewohle wieder voll zuwenden! möge.! Der Vorsitzende gibt bekannt, dass sich für die bevor-; stehenden Wahlen in den Cultusvorstand ein Ceutralwahlcomit« gebildet und beschlossen habe, die nächste, für Mittwoch anberaumte Wählerversammlung abzurvarten und die Candidaten anzuhören. Für den nächsten Samstag werde das Centralcomit« wahrscheinlich eine öffentliche Wählerversammlung einberusen. Vicepräsident Prof. Ehr m a n u übernimmt den Vorsitz. Dessen wiederholte Aufforderung an die Versammlung, sich zum Worte zu melden, bleibt zunächst erfolglos. Erst als der Vorsitzende bemerkt, dass er, falls die Versammlung nicht gewillt sei, über die „Cultuswahlen" zu debattiren, den Gegenstand als erledigt betrachten und zum nächsten Punkte der Tagesordnung übergehen werde, erscheint ein Retter in der Noch, der die Debatte in Fluß bringt. Herr W e r t h e i m möchte in der Wiener Cultusgemciude! eine Einrichtung der Pester Gemeinde nachgeahmt sehen. In Pest werden aus der Gesammtzahl der Wähler 200 Ausschuss-! Mitglieder gewählt, die iu 7—8 Sektionen getheilt werden. Die! Sectiouen wählen ihre Obmänner, diese den Präsidenten. Herr Fried beklagt sich darüber, dass den meisten Gemeindemitgliedern die Rechte und Pflichten derselben nach den neuen Statuten unbekannt seien. Der Vorsitzende bemerkt, dass die neuen Statuten zugleich mit den Wahlzetteln versendet wurden. Dr. Schreiber, der sich als Candidat für den Cultusvorstand vorstellt, macht der Union zum Vorwürfe, dass sie kein bestimmtes Programm ausgestellt habe. Auch der Referent der letzten Versammlung hat sich mit einem negativen Programm begnügt. Das neue Statut wurde als fait accompli hingestellt. Warum hat sich der Vorstaitd der Union iu „begutachtenden Befunden" darüber geäußert? Die Gemeinde ist ein zu werthvolles Gut, als dass mit ihr experimeutirt werden dürfte. Der Rediter tadelt ferner das Vorgehen des Vorsitzenden in der letzten Versammlung, der die gegen Gemeindefunctionäre seitens eines Redners vorgebrachten Beschuldigungen habe protokolliren lassen, um dieselben in officieller Form dem Cultusvorstande zur Kenntnis zu bringen. Das gehöre nicht zu den Obliegenheiten des Vorstandes, Redner findet es auffallend, dass die Ausschmückung der Gräber auf dem Centralfriedhofe an einen christlichen Gärtner verpachtet fei. (Rufe: Es gibt keine jüdischen Gärtner!) Dann müsste der Vorstand den christlicheit Gärmer verpflichten, eine Anzahl jüdischer Gehilfen zu halten, damit sich dieselben zu Gärtner»» heranbilden. Der Vorsitzende rechtfertigt den vom Vorredner gerügten Vorgang gegenüber dem Präsidenten in der letzten Versammlung. Wer so schwere Beschuldigungen gegen Abwesende und Todte ausfpreche, müsse dieselben beweisen. Kaiser!. Rath RuLieka fügt hinzu: Wenn solche Beschuldigungen fallen, müsse dem Abtvesenden Gelegenheit gegeben > werden, Rechenschaft zu fordern und darum muss der Thatbestand festgehalten werden; das ist Pflicht des Vorsitzenden. Herr Gottlieb B et t e l h e i m stellt sich als Tempeljud und einfaches Cultusgemeindemitglied vor. In elftem- Eigenschaft müsse er den Vorstand loben. Es sind bedeutende Schritte vorwärts gemacht worden auf dem Wege jenes von den Tempelvereinen vor einigen Jahren aufgestellten Programmes. Insbesondere sei die Errichtung von Bezirkscommissionen ein bedeutender Schritt nach vorwärts. Redner empfiehlt die Bildung eines Gemeinderabbinates, in das auch die Vereinsrabbiner, Männer von akademischem Rang, die man nicht der Rechte von Gemeinderabbinern berauben sollte, einzubeziehen wären. Redner erklärt sich ferner dagegegen, dass das Armenwesen durch die Cultusgemeinde monopolisirt und dadurch die freitvillige Armenpflege unterbunden lverde. Auch die Friedhofverwaltnng sollte ganz der Chewra-Kadischa übertragen werden. Herr Dr. Elias bemerkt gegenüber Herrn Dr. Schreiber, dass das Programm der Union in deren Statuten genau angegeben fei. Was die Wahlreform betreffe, so sei das letztemal genug darüber gesprochen worden. Es sei jetzt abzuwarten, ^ob die vom jüdischen „Großgrundbesitz" — so nennt er die Plural-Wahlrechtsbesitzer — zu wählenden Mitglieder des Vorstandes, wenn sie das entsetzlich jüdische Elend mitansehen werden, nicht in noch anderer Weise als bisher mithelfen werden, dem Elend zu steuern. Herr Dr. Zins: In Betreff der Neuwahlen vertrete ich zwei Standpunkte. Erstens, dass alle ausgelosten Herren verdienen, wiedergewählt zu werden. Zweitens, dass wir auf die Wahlen aus der privilegirten Curie Einfluß üben sollen, damit die 12 Mitglieder dieser Curie nicht einfach „ernannt" werden. Das gesammte Präsidium dürfte Werth darauf legen, aus der allgemeinen Curie gewählt zu werden, und dieser Anspruch ist gerecht, dagegen könnten manche andere ausgeloste Herren der privilegirten Curie überwiesen werden. Kaiser!. Rath RuLieka: Die Versammlung könnte folgenden concreten Antrag beschließen. Morgen tritt das Centralwahlcomit« für die Cultuswahlen zusammen, um programmatisch festzustellen, von welchen Voraussetzungen man ausgehen soll, wenn man Candidaten namens der im Centralwahlcomit« vertretenen Vereinigungen nominirt. Mittwoch werden wir die Candidaten sehen und hören. Das Centralwahlcomit« will vorerst diese Canditaten kennen lernen, um dann seine Beschlüsse zu fassen. Mein Antrag lautet' demnach: Die Plenarversammlung der Union wird erst dann, wenn die Canditaturen bekannt worden sind, zu den Wahlen Stellung nehmen. Herr W e r t h e i m empfiehlt die Anregung des Herrn Dr. Zins auf's Wärmste und beantragt folgende Resolution: Es sei wünschenswerth, dass in der privilegirten Curie ein Theil der ansgelosten Mitglieder des Cultusvorstandes candidire. Cultusvorstand Dr. Spitzer: Die Vermehrung der Vorstandsmitglieder von 24 ans 36 entspricht einem in früheren Versammlungen oftmals geäußerten Wunsche. Was die privilegirte Curie anbetrifft, so sind die Neichen aus eigenem Antrieb an uns herangetreten mit der Bitte, mitzuthun bei der allgemeinen Interessen dienenden Arbeit. Einen solchen Wunsch musste man mit Freuden begrüßen. Die Bezirkscollegieu sind zur Erledigung jener Agenden geschaffen worden, deren Abgabe an die Bezirkstempelvorstände im § 89 der alten Statuten vorgesehen war. Gegenüber den budgetäre Verhältnisse berührenden Aeußerungen des Herrn Bettelheim bemerkt der Redner, dass die Sammlung für das Siechenhaus blos die Summe von 50.000 fl. ergab, die Gemeinde werde daher 80.000 fl. aus eigenem Säckel beisteuern müssen. Die Erhaltung des Rothschild - Spitales wird alljährlich 50—60.000 fl. kosten. Der Religionsunterricht kostet 85.000 fl., die Armenpflege 200.000 fl. Solch große Ausgaben könne der Cultusvorstand nicht privaten Vereinen überlassen. — Das Gemeinderabbiuat könne, der Tradition entsprechend, nur aus 3 Personen bestehen. Die Matrikenführuüg sei bereits den Vereinsbethäusern zugewiesen worden. — Eines ist es, das »»ns Alle eint: Die Begeisterung für'L

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