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Die Wahrheit · 1900-11-16 · Heft 42 (16.11.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 42 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42. Die Wahrheit. Leite 7. Die internationale Hilfsartion fiir die armen Juden in den galizischen Kleinstädten. Sämmtliche jüdische Blätter in Deutschland enthalten Nummer um Nummer Ausruse für die rumänischen Juden. Diese Aufruse haben evident den Zweck, die Auswanderungsmanie der rumänischen Juden neuerdings zu entsachen, wodurch diese durch humanitären Uebereiser deutscher Wohlthäter in unheilstifleude Verwirrung und namenloses Eiend gedrängt werden. Die paar Tausend nunäuischer Juden, welche im verflossenen Sommer ihre Heimat verliefen und aus Kosten der Sammlungen der Juden in der ganzen Welt über den Ocean gelangt sind, habet! bis heute in der weiten fremde keine Scholle gesunden, aus welcher sie sich durch schwere Arbeit etwa eine menschenwürdige Existenz schaffen könnten; diese flüchten voil Eanada nach Argentinien, non Argentinien nach Brasilien und ertragen die Leiden und Qualen des „ewigen Juden" dadurch, weil sie unglücklicherweise von der Wandernugssllcht ergriffen worden waren und einem Heimatland mit Verachtung den Rücken kehrten, in dem Milch und Honig fließen. Rumänien erntet jährlich soviel Getreide und Hülsenirüchte, dass dieses Land alljährlich Millionen Meter centner Erdproducte per Schiff und Eisenbahn nach allen Windrichtungen Europas exportirt. Dieses Land hat eine Weinlese ä la Ungarn, eine Viehzucht, weiche im Verhältnisse zum Territorium und der Bevölkerungszahl die russische bei Weitem übersteigt. In Rumänien beginnt außerdem eine einheimische Industrie zu erblüheu, die Baulhätigkeit ist daselbst in steter Zunahme und endlich gestaltet sich auch nunmehr die politische und bürger. liche Lage der Inden in Rumänien zu Gunsten derselben aus. In ganz Rumänien leben sieben Millionen Einwohner, darunter 260.000 Juden insgesammt. Die Hälfte dieser Judenzahl ist besitzend, während die andere Hälfte sich aus kleinen Geschäftsleuten, Handwerkern und Arbeitern zusammensetzt. Wenn Rumänien in den vorletzten Jahren von Miseruren heimgesucht war und in diesem Lande momentan Noth herrschte so wird doch seder Kenner der Verhältnisse der rumänischen Juden mit Festigkeit behaupten, dass diese gegenüber der jammervollen ökonomischen Lage der galizifchen Inden in wahrlich geordneten Lebensverhältnisseu im Allgemeinen sich befinden. Die ganze Affaire der Schürung der Auswanderung der rumänischen Juden ist nicht eines mit Vorsatz angelegten Schwindels rein. Wie sich hier in Galizien unter den 800.000 Juden sehr wenig reiche Leute findeu, die für die Armen ergiebig wirken könnten, so sind unter den 260.000 rumänischen Juden massenhaft steinreiche Juden, wahre Millionärs, vorhanden, die das arme jüdische Proletriar im Lande durch Auswanderung lichten wollen. Die Kosten dieser Emigration wälzen diese reichen jüdischen Bojaren zum Schaden der armen galizischen Juden, für welche sich bis zur Auswanderungs-Bewegung rumänischer Juden in Deutschland, England, Amerika Hilfsbereitschaft zeigte, auf die Welt herauf und die gimpelhaften Helfer dieses Emigrationsschwindels sind die jüdischen Blätter in Deutschland, die für die Entleerung Rumäniens von armen Juden und Entlastung der steinreichen jüdischen Bojaren und Banquiers in der Moldau ohne Ende in die Trommel schlagen. Die Fiage der galizifchen Juden scheint für diese Blätter perfect gelöst zu sein. Die paar galizischen Glaubensgenossen, die es verstehen, sich nach Frankfurt a. M., Mainz oder Leipzig einzuschleichen und in diesen Städten ständigen Aufenthalt nehmen, sind doch in Deutschland gern gesehene Personen; diese treiben den Hausirhandel und regen einerseits die Kauflust des Publikums an und anderseits fördern solche die einheimische Industrie und denjenigen Großhandel, welcher einzig und allein durch arme Leute gedeihen kann, die in ihrer Noth dem ausreibenven und tödtenden Berufe des Hausirhandels sich widmen müssen. Die große Masse der armen jüdischen Bevölkerung in Galizien haben diese jüdischen Blätter, welche bei den deutschen Juden die öffentliche Meinung in Beziehung der Humanität machen, hinter dem Rücken, denn gegen diese jammervolle Masse, die in ihrem Elende die Richtung gegen Deutschland wahrscheinlich nehmen würde, hat die deutsche > Regierung, trotz der hohen Cultnr und Menschenliebe dieses Reiches, direct die Grenze gesperrt. Kein armer galizischer Jude kann in Breslau oder Berlin sich Arbeit und Erwerb suchen. Und ist es nicht ein moralisches Verbrechen der jüdischen Zeitungen in Deutschland, dass sie eine unheilbringende Auswanderung rumänischer Juden sortwährend schüren und herbei-; sichren, während sie die geplante internationale Hilfsaction für 300.000 hungernde galizifche Juden todschweigen uns veri kuschen. Dieses Vorgehen der jüdischen Blätter in Deutschland i wollten wir hier einmal doch aufs Tapet bringen, vielleicht gelingt! eS uns eine Aendernng der diesbezüglichen Dinge herbeizuführeu, i denn nicht die unnütze und verderbenbringende Emigration der; rumänischen Juden, sondern das himmelschreiende Elend der! galizischen Inden, der engen R ichbarn Deutschlands, sollte i unseren deutschen Glaubensgenoss >u zu Herzen gebracht werden! und diese Arbeit müssten die jüdischen Blätter in Deutschland j verrichten, wenn sie gerechte und nolhsprechende Angelegenheiten! ihrer nnglücklicheu Glaubensbekenner in Wirklichkeit verfechten! ivollen.; Der Kamps um's Recht.! Wir erhalten folgende Zuschrift: „Hochverehrte Redaction!! Im Interesse der Wahrheit nnd des guten Rechtes ersuche ich! um die Aufnahme nachstehender Zeilen in Ihrem geschätzte»! Blatte, das nicht nur „Die W a h r h e i t" zum Titel sich! genommen, sondern die Wahrheit liebt und sie factisch bethätigt.! Genehmigen Sie rc." — Nachdem wir unS auch von der j Wahrheitsliebe und von der Glaubwürdigkeit der Berichte i unseres Mitarbeiters wiederholt überzeugt haben, nehmen wir! keinen Anstand, seinem Wunsche gemäß Artikel auszunehmen und i überlassen ihm hiermit gerne das Wort: | „Wohlwissend, dass ein Einzelner gegen eine Körperschaft l wenig, oder — sagen wir es offen — gar nichts vermag, wohlwissend, dass daS Recht in unserer Zeit, wo zumeist die Gewalt sich der Herrschaft bemächtigt, einen gar harten Kampf zu bestehen hat, wagen wir eS, nachdem wir uns noch so viel Idealismus bewahrt zu haben glauben, dass es außerhalb des Gesetzes auch noch im gesellschaftlichen und im Privatleben Gerechtigkeit gibt, den Kampf um's Recht auszunehmen. Von der Pester ifrael. Religionsgemeinde bettelten wir anfangs und forderten wir schließlich im Interesse der ganzen Gemeinde, d. h. jedes einzelnen Gemeindemitgliedes, um dieselben vor den Rohheiten irgend eines unbedeutenden Besoldeten der Gemeinde zu schützen, die Bestrafung des Chorführers und um den Ausdruck deS Bedauerns, dass dieser Mann es gewagt hat, ein altes Mitglied der Gemeinde, das gleichzeitig auch der Repräsentanz der Gemeinde augehört, im Gemeiudehause meuchlings zu überfallen und eS thätlich zu infnltiren! . . . Unbegreiflicher Weife hat der Vorstand den Chorführer — wie es in dem Bescheide des Vorstandes heißt — „zurechtgewiesen" nnd damit wäre — so meint der „gerechte" und „weise" Vorstand — wäre dem schwer verletzten Rechte Genüge geschehen. Wir gaben uns aber damit nicht zufrieden. Wir konnten und durften dies auch nicht und glaubten vielmehr, dass diese schreiende Ungerechtigkeit dem Cultuschef, welcher doch der oberste Vorgesetzte des Chordirigenten ist, zur Last gelegt werden müsse, weshalb wir denselben in unserer Flugschrift „Gedenke!" — die nebenbei bemerkt, total vergriffen ist und von mehr als- 20.000 Personen gelesen wurde — gebührend entgegentraten. Nun besitzt dieser neueste Morenu eine eiserne Slirne, er scheint mit einer Aalhaut überzogen zu fein und in seinen Adern dürste kaltes Fischblut cireuliren, da er allen Beschuldigungen ganz und gar unempfindlch bleibt. Blos im Kreise seiner Pagoden ist er noch empfindlicher als eine Magnetnadel, da duldet er keinerlei Widerspruch und übt eine solch' dämonische Gewalt aus, dass sich derselben nicht einmal ein Mann, wie der hochehrenwerthe und hochgeachtete Präsident der Pester Großgemeiude, wie es scheint, zu entziehen vermag. Wir wendeten uus auch an diesen Manu, dem Jeder nur

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