Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 42 (16.11.1900)
- Date
- 1900-11-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 42. Die U)ahrheit. Seile 9. Don den Geschwistern der sel. Frau Eugenie Löw, geb. Winternitz als Wohlthätigkeitsstiftung zur Erinnerung an den Sterbetag ihrer Schwester ^r. 500.—; von einem ungenannt sein wollenden Ehepaare anlässlich der Vermählung ihres Sohnes für verschiedene Wvhlthätigkeitszwecke Kr. 420.—; von Frau Ernestine Brecher, anlässlich der Vermählung ihres Sohnes für das Siechenhaus Kr. 10—: von Herrn Dr. Jacob Löwinger die bei ihm in einer Ehrenbeleidigungs-Angelegenheit für Arme erlegten Kr. 40.—. Wien. In der am 1l. November startgehabten Plenarsitzung des Vorstandes der isr. Cultusgemeinde hielt der Präsident dem verewigten Rabbiner Herrn Jacob Fleißig einen tief empfundenen Nachruf, welchen die Versammlung stehend anhörte. Die Trauerkundgebung wurde dem Sitzungsprotocolle einverleibt. — Anlässlich des Hinscheidens des Herrn Rabbiners Fleißig sind seitens des Budapester Rabbiner-Seminars und anderer Körperschaften Condolenzichreiben an den Vorstand der Cultus' gemeinde gelangt. I»rag. Der Verein jüdischer Hochschüler in Prag „Lar Kochba“ hielt am 28. October seine Generalversammlung ab, in welcher dem Ausschüsse das Absolutorium ertheilt wurde. Nach Vornahme der Wahlen fasste die Generalversammlung u. A. den Beschluss, außer einem Kränzchen am 19. Jänner 1901 im Wintersemester 1900 — 1901 einen Cyclus von litterarischen Unterhaltungsabenden zu veranstalten. Zzudapest. Wir sind in der Lage, nachstehendes, dem ungarischen Originale gleichkommendes Schreiben in wortgetreuer Uebersetzung zu veröffentlichen. Es ist an den Abgeordneten I. Madarasz gerichtet und lautet: „Hochgeborener Herr Reichstags-Abgeordneter! Nicht Zudringlichkeit ist es, wenn ich mir erlaube. Euer Hochgeboren, bezüglich der laut Angabe eines jüdischen Wählers, welcher gleichzeitig auch Lehrer in dem durch Euer Hochgeboren vertretenen Bezirkes ist, im Reichstage eingebrachten Interpellation, meine bescheidene Ansicht mitzuthellen. — „Audiatur et altera pars!“ (Deuteron. 1, 10.) Ich thue dies nicht als Amtsperson, sondern als bescheidener ungarischer Volksschullehrer, welcher durch 41 Jahre mit ganzer Hingebung und mit vollster Gewissenhaftigkeit seinem schweren Berufe treu ergeben war. Aber auch als traditioneller, gläubiger Jude erlaube ich mir diesbezüglich Euer Hochgeboren ganz offen meine Meinung auszusprechen. ' Dass in den Gemeinden Sopron-Szil, Bihar-Nagy-Bajom, Györök, Balaton-Füred und Tökös-Ujfalu — wie Euer Hochgeboren sehr richtig bemerkten — die Winkelschulen gedeihen, ist — sowie ich die Verhältnisse aus eigener Wahrnehmung kenne — die alleinige Ursache, dass eben in diesen Gemeinden nur confessionelle Schulen bestehen. Meine daselbst wohnhaften Glaubensgenossen sind in Folge ihrer Mittellosigkeit nicht in der Lage, jüdisch-confessionelle Schulen zu erhalten, somit ist es selbstverständlich, dass die Eltern, welche von der religiösen Erziehung ihrer Kinder nicht lassen können, von den den anderen Confessionen gehörigen Schulen keinen Gebrauch machen dürfen! 8apienti sat! Als zweite Anklage brachten Euer Hochgeboren vor, dass in vielen jüdischen Gemeinden die Anstellung der diplomirten Lehrer nicht erfolge. Das ist leider wahr, aber aus die Thatsache zurückzuführen, dass viele jüdische Lehrer — trotz ihres Diploms — einen irreligiösen Lebenswandel führen, was nicht nur ich behaupte, sondern was auch durch den isr. Landes-Lehrerpräparandie-Professor Dr. Samuel Kraus; zu wiederholten Malen im ..Irr. tanugyi ertesitö11, dem Fach blatte des jüdischen Lehrerverbandes, schärsstens gerügt wurde. Hoffentlich dürften Euer Hochgeboren nicht ungehalten sein, dass ich mir zur Aufklärung in dieser Angelegenheit erlaubte, meine höflichen Bemerkungen zu machen. Mit patriotischem Gruße verharre :c. K a i m P o l l a k. Hiezu bemerkt die „Allg. Jüdische Zeitung", es verlautet, dass der Abgeordnete Josef v. Madarasz gelegentlich der Interpellations- Beantwortung von dem Inhalte vorstehenden Schreibens Gebrauch machen dürfte. S. Hfen. Zur Besetzung der durch das Ableben des Dr. Rafael Gold b e r g vacant gewordenen Stelle eines Oberrabbiners hat der Vorstand der Ofner isr. Cultusgemeinde einige ungarische Rabbiner zur Abhaltung von Probepredigten eingeladen. Den Reigen derselben er' ■ öffnete Rabbiner Dr. Ungar aus Szegszard. Ihm folgte als Zweiter | j Dr. Jacob Steinherz, Oberrabbiner zu Stuhlweißenburg, welcher! Freitag Abends beim 4>/, Uhr-Gottesdienste eine deutsche und beim Hauptgottesdienste am Sabbathtage eine ungarische Kanzelrede hielt. ' Aus diesem Anlasse versammelte sich im Haupttempel der hiesigen Gej ine nde der Geiammtvorstand mit dem Präsidenten Dr. Isidor Szabolcsi, : die Vertretung der Ehewra Kadischa mit ihrem Präsidenten Dr. Ernyeh, j der Gemeindesecreiär Roe Weißmann und viele hervorragende oiemeindei Mitglieder. Auch die Frauengallerie war — trotz der ungünstigen Witterung — gut besucht. Von Pest waren erschienen: Dr. Bernhard 1 Reumann, der ehemalige Präsident der Stuhlweißenburger Jsraeliten- ' gemeinde, Dr. Emil Farkas, Tr. Wilhelm Grauer, Tr. Friediieber > D. H. Spitzer, Tr. Scheider u. A. — Dr. Steinher; wählte sich zur! Grundlage seiner zweimaligen Kanzelvorträge das strahlende Bild des! Patriarchen Abraham, dessen mustergiltiges Leben uns stets ein Vorbild; sei in allen Lagen und Verhältnissen nuferes Einzellebens, wie nicht; minder draußen int öffentlichen Leben. Dr. Steinherz bot seinen Zuhörer! einen wirklichen Genuis, sein Vortrag ist ein fesselnder, seine Sprache ' elegant, dabei überaus kräftig und markig. Er ist kein Phrasenheld und ' vermeidet jegliche Schnörkelei. In seiner schlichten und doch prächtigen - Redeweise bot der Dberrabbiner eine reiche Gedankenfülle und eine Menge j von Anregungen seinem andächtig lauschenden Auditorium. Soviel ist! sicher, dass Dr. Steinherz ein redegewaltiger, gelehrter, jüdischfühlender i und gottbegeisterter Rabbiner ist, der seinem Stande zur hohen Ehre gereicht. Die vielen und herzlichen Gratulationen, die dem Tr. Stein-; Herz nach seinen Probepredigten von den anwesenden Notabilitäten | spontan dargebracht wurden, zeugten klar und deutlich, dass er sehr ge»! fallen hat. — Es sollen noch 5 Proberedner vorgemerkt sein. — Beim i gestrigen Gottesdienste spendete der hauptstädtische Advocat und Aus- | schussmitglied der Pester isr. Religionsgemeinde, Dr. Emil Farkas,jeinen größeren Betrag für die hiesigen Institutionen und ließ u. A. dem , Wiener Obercantor Bela Guttmann einen Mischeberach machen. D r. H e r in a n n. Centralwahlcomite ^ür die GuLtuswablen 1900. Samstag, den 17. November 1900! Abends halb 8 Uhr priicise findet im Saale des Hotel Central II., Taborstrasse Nr. 8, 1. Stock eine W/in LER-VEKS/innLMNQ : statt. Tagesordnung: Anhörung von Candidaten. Der Zutritt ist nur gegen Yorweisung der Wahllegitimation gestattet. j Oesterr.-Israel. Union. Politischer Volkscer ein. | Die vereinigten Tempel vereine. j Dr. Adolf Sacks'sche Stiftung für Techniker! Der Unterzeichnete Vorstand verlautbart hierait, dass aus den i Erträgnissen des Stiftungscapitales elf Stipendien, jedes im Betrage j von K. 600 jährlich, an Studierende der technischen Hochschulen der | im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder zur Verleihung; gelangen. Kompetenz berechtigt sind ohne Unterschied des Glaubena-; Bekenntnisses, solche Studierende der Technik, welche ihre Vermögens -! losigkeit und die Armut ihrer Eltern nachzuweisen vermögen. Die! ungestempelten Gesuche sind bis 30 November 1900 im Einreichungs-! protocolle der isralitirschen Cultusgemeinde in Wien, I., Seitenstetten,-! gasse 4, I., Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr Vormittag zu überreichen und müssen mit nachstehenden Beilagen versehen sein: 1. -Mit Geburts- und Zuständigkeits-Dokumenten; 2. mit! einem glaubhaften Nachweis der Armut der Eltern und der Vermöi genslosigkeit des Bewerbers, hiebei ist auch der etwaige Genuss eines; Stipendiums anzuführen; 3. mit einem Frequentations-Zeugnisse und den Studien-Zeugnissen. Bewerber, welche bereits im Genüsse dieser Stiftung stehen, haben in der Regel den Vorzug. Auszüge aus den Gebnrts- Trauungs- und Sterbematriken der Israel. Cultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbeilagen nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 1. November 1900. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Wien.