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Die Wahrheit · 1900-11-16 · Heft 42 (16.11.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 42 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administration Wien. H/1, Novaragaffe 27. St. k Bflerr. Postjparcasia Theck-Conto Rr. 846.251. > » s« r a t t : 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnementsnnd Jnsertionsbetrüge sind in Wien zahlbar. chakhängige Aeitschrift für jüdische Mlere^en.!> || %ngspc8is: jj Ganzjährig . . . 9t. 12.— jj Halbjährig . . . Ä. 6— Für Lultnsbeamte: Ganzjährig ... St. 10.— Erscheint jeden Freitag. Mali» : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für Ausland:! Ganzjährig .... 12 Mark j 6 Rubel oder 16 *reä. Ar. 43. Wien, 16. November 1906. Inhalt r Die Wiener Cultuswahlen. — Die internationale Hilfsaction für die armen Juden in den galizischen Kleinstädten. — Der Kampf mn's Recht. — Dr. D. Leimdörfer. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zur Berufsfrage. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Heimweh. Die Wiener Cultuswahlen. In der abgelanfenen Woche haben sich zwei größere Verianimlnngen mit den bevorstehenden Wahlen in den Wiener Eultusvorstaud beschäftigt, u. zw. Samstag den 10 d. M. die Plenarversammlung der „österr. israel. Union" nnd Mittwoch den 14. d. M. die vom Vorstande selbst einberufene officielle Wählerversammlung im kleinen Musikvereinssaale. Wiewohl es diesmal wegen der Kürze der Zeit, die uns bis zur Fertigstellung des Blattes zur Versügung stand, nicht möglich ist, getreu unserer sonstigen Gepflogenheit an leitender Stelle über die in beiden Versammlungen ausgetauchten Meinungen nnd Anschauungen kritische Betrachtungen anzustellen, lvollen wir uns dennoch einige flüchtige Bemerkungen nicht entgehen lassen. Die Plenarversammlung in der Union bot wenig Unterschied gegen ihre unmittelbare Vorgängerin. Anfangs dieselbe Unlust zum Sprechen, die aber, sobald der bekannte jüdische Widerspruchsgeist gereizt wurde, in endlose Debatten ausartete, dieselben unklaren Begriffe über die Ausgaben des Vorstandes nnd das Wesen der einzelnen Agenden der Gemeinde, nnd infolge dessen Beschwerden und Anklagen, die jeder Berechtigung entbehrten oder nicht an die richtige Adresse gerichtet waren. Freilich derartige Verdächtigungen und Panschalanklagen, wie die Woche vorher, kamen nicht vor, und wenn zu letzteren ein kleiner Anlauf genommen wurde, wussten der Vorsitzende, anwesende Mitglieder des Cnltnsvorstandes und auch einsichtige Vereinsmitglieder denselben wirksam entgegenzutreten. Wiewohl es unserem Programme entspricht, an den Vorgängen in den jüdischen Gemeinden und Vereinen strenge sachliche Kritik zu üben, haben wir selbstverständlich, da wir unser publicistisches Streben als ein ernstes anfgefasst wünschen, Pauschalanklagen nnd Pauschalverdächtigungen jederzeit perhorrescirt. Und wenn an irgend einer Stelle, vielleicht verleitet durch. ein missverstandenes Wort, eine andere Auffassung über unseren Standpunkt herrschen sollte, so erklären wir mit aller Entschiedenheit, dass wir derlei Verirrungen des politischen Kampfes, die nur dazu führen, die gut und edel Denkenden von jeder öffentlichen Thätigkeit abzuschrecken, auf das tiefste bedauern und dass wir es der ernsten jüdischen Presse unwürdig halten, sich mit solchen Hetzereien zu befassen. Auch die Wählerversammlung im kleinen Musikvereinssaale konnte diejenigen, welche in Wien wieder einmal frisches jüdisches Leben — aber nicht blos in impetuoser Erscheinung — Pnlsiren sehen möchten, nicht befriedigen. Dieselven oft gehörten Tiradeu und Phrasen seitens einiger oppositioneller Redner, die es durch Uebertreibungen und leicht widerlegbare Bebauptungen den neuerdings candidirenden Vorstandsmikglioern sehr leicht machten, mit ihren wirklich sachlich und ernst gehaltenen Ausführungen den Beifall der Wähler zu sinden. Einer der Redner z. B. bekannte freimüthig, dass er für seine Person sehr wenig religiöse Bedürfnisse habe. Drängt sich da nicht ioiort die Frage aus, ob denn ein solcher Mann auch die richtige Erkenntnis hat von den Aufgaben einer jüdischen Eultusgemeinde, deren wesentlichster Zweck die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Glaubensgenossen ist? Mit vollem Rechte hat der Vorsitzende Präsident der Eultusgemeinde seinem Bedauern über die auch in der vorigen Nummer unseres Blattes gerügte Indolenz der Wähler Ausdruck geliehen. Diese Indolenz zeigte sich aber nicht so sehr in dem verhältnismäßig geringen Besuch der Versammlung, sondern noch vielmehr in der massenhaften Flucht, die beim Herannahen der Sperrstunde eintrat. Eine Wählerschaft, die nicht so viel Takt besitzt, den Schluss einer von ihrem Oberhanpte prändirten Versammlung abzuwarten, hat nicht das Recht, ihre Stimmen gegeit einen Vorstand zu erheben, dessen Mitgliedern selbst von ihren Gegnern nicht abgesprochen werden kann, dass sie viele kostbare Stunden ihrem Berufe und ihrer Familie entziehen, um sie im Dienste der Gemeinde zu verbringen. Im Nachstehenden der Bericht über die beiden Versammlungen : Versammlung der „ökerr.ifraek. Union". Nach Eröffnung der Versammlung berichtet der Vorsitzende, kais. Rath Rurieka, über die von ihm eingeleiteten Schritte zur Beilegung der am Schluffe der letzten Sitzung stattgehabten Eontroverse zwischen dem Vorsitzenden und einem Vereinsmitgliede. Die Versammlung nimmt die Mittheilung zustimmend zur Kenntnis. Hierauf theilte er mit, dass aus Böhmen bennruhigeme Nachrichten vorliegen. Ein Mitglied der „Union" in Norvdöhmen schreibt, dass es an seinem Wohnort anlässlich einer Theatervorstellung zu Scandalen kam. Einer der Schauspieler sagt mit mit Bezug auf seinen Partner: „Blut, Blut will ich sehen!" und dieser hat zu antworten: „Du, Hilsner, Du!" Darauf

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