Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 40 (2.11.1900)
- Date
- 1900-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6. Die Wahrheit. Nr. 40. rgeugt’toirb, sondern vielmehr er einen Wetteifer hervorruft, der das RGemeinwohl fördert, dann wird unsere Jugend nur mehr mit 8Listigen Waffen kämpfen müssen, anstatt auf der Warte zu tehen, ob nicht ein ohrenbetäubendes Hep, hep ihnen zugerufen Dvird. Das wird aber auch ein Sieg, auf den die ganze Mensch- Meir stolz sein kann! §f Dunaföldvar. Rabbiner Dr. Samuel P a r t o s. Ignaz Weber. Äufgabe der jüdischen Volksschule. Confessionslose Schule scheint in manchen jüdischen Geeinden Ungarns das beliebte Schlagwort der Jetztzeit zu sein. ZDie Wissenschaft ist in der That confessionslos, die Grund- und Akehrsätze der Mathematik und Physik beruhen auf allgemein Anerkannten Wahrheiten, die Slätten der Wissenschaft in Hoch- Amd Mittelschulen müssen demnach confessionslos sein, wenn sie Hhrem Zwecke entsprechen und die reine Wissenschaft fördern sollen. Ganz anders verhält sich die Sache in der Volksschule. Mier erhält das Kind, nebst der Grundlage zu seinem künftigen IMissen, auch die erste moralische Erziehung, und diese kann des ^religiösen Momentes nicht entbehren. tz, Anschauungsuntericht ist der erste Gegenstand einer wohl- Dwganisirlen Volksschule, und Auschanung führt von der Schöpfung g|um Schöpfer, von der Natur zu Gott. Im Begriffe Gottes Wmauisestirt sich das Wesen der Religion. Beim ersten Unterrichte Itmui aber die Religion nicht ganz abstrakt von einem Fachlehrer Worgetragen werden, wie etwa in der Mittelschule, da bei ^Kindern zartesten Alters vor Allem die Verftandeskräfte entwickelt werderi müssen, was nur durch das harmonisches, concen- M-rirtes Jneinandergreifen des Gesammtunterrichtes zu erreichen Ast. In der Volksschule können daher nur Claffeitlehrer, nie und §* immer aber Fachlehrer, Ersprießliches leisten. Die Religion muss, sowie jeder Gegenstand, aus dem Mesammtunterichte resultiren und darf nie zum Formelwesen Wnes Fachlehrers herabsinken. Soll daher der religiöse Sinn Am zarten Kinde Wnrzel fassen und in das Gemüth, in das : Merz des Kindes tief eindringen, so muss er in der konfessionellen Eolksschule, als das Resultat des Gesammtunterrichtes, zur Ent- I -Dvickelung gelangen, aber nicht in einer Communal- oder einer! Handercn Volksschule. Hierin erkennen wir die Aufgabe der ^Mischen Volksschule. Eine Gemeinde, welche mit dem Plane . Mnngeht, den theuersten Schatz, den sie besitzt, ihre Volksschule, 'freiwillig aufzugebeu, versetzt sich in Hinsicht der Religion auf - Dem Jahrhundert hinaus den Gnadenstoß, sie begeht ein Attentat . KHegeu die zu erziehenden Gemeindemitglieder und lödtet hiemit Um Kinde jedes religiöse Gefühl, welches von dem angestammten . Wlauben unserer Väter herrührt. j D Die Aufgabe der jüdischen Volksschule ist die Weckung tz-uid die Pflege des jüdischen Nationalbewusstseins. „Ich bin j^ude, als solcher will ich leben und sterben!" rufen mir Stolz < j>i>ie ersten und größten Männer jüdischer Nationalität, und , Ndieser Ruf begeistert sie zur edelsten That jüdischer Munifizenz.;DEs sind dies patriotische Juden, warme, aufopfernde Vater- ..Aaudsfreunde, treu dem Staate, dem sie mit Leib und Leben als HBürger augehören. Wir fragen nicht nach ihren religiösen ^Satzungen, da wir sie nicht nach diesen beurtheilen, wir be- Mündern ihr unvertilgbares jüdisches Nationalgefühl, ihre edle ^^Selbstverlaugnung und fragen erstaunt, wer hat diese unauslÄöschliche jüdisch-patriotische Flamme in ihr Herz gelegt? , Die jüdische Volksschule! — Ja, die jüdische Volksschule! .'Mlüe Völker und Stämme der civilisirten Welt haben nationale jDhöhere Mittelschulen und Akademien, wo ihre Nationalsprache Sn Einklänge mit ihrem Stammpatriotismus gehegt und gepflegt ird, und der Jude hat, die einzige Ausnahme, nur seine idische Volksschule. Hier wird sein national-jüdischer Sinn, Wieden der Vaterlandsliebe wachgerufen, großgezogen und ver- , Dedelt, und darin liegt eben die schöne Ausgabe der jüdischen ' ^olksschule. D.-S zerdah e ly, am 28. Oktober 1900. B e n ö H e i l p e r n, dirig. Lehrer. r Am 29. October feierte der Oberlehrer der städtischen Volksschule, II., Novaragasse 30, und Director der türk.-israel. Schule, Herr Ignaz Weber, mit seiner Gattin Leocadie, geb. Stern, die 25. Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Oberlehrer Weber ist der Begründer des I. österr. Taubstummen- Externates, einer Schöpfung, die dem österr. Taubstummenbildungs- und Erziehuugsweseu eilte neue Richtung gab; er begründete den Verein jur Unterstützung taubstummer, mittelloser Schulkinder, welcher gegenwärtig vom Landesschnlinspector Dr. Carl Rieger geleitet wird und dem sämmtliche Wiener k. k. Bezirks-Schulinspectoren Vorstandsmitglieder. angehören: er rief die „Chewra Kadischa" in Währing ins Leben, uud schließlich ist der schöne Tempel ebendaselbst seiner Initiative zu verdanken. Director Weber war auch "Jahre hindurch staatlich bestellter Religionsschnlinspector über die israel. Religionsschulen der westlichen Vororte. Für seine vielseitige Wirksamkeit erhielt Weber eine Belobung vom hohen k. k. Unterrichtsministerium, zwei Belobungen vom hochlöblichen k. k. ii. ö. Landesschulrathe und 18 Belobungen resp. Anerkennungen vom löblichen Bezirksschnlrathe. In eingeweihten Kreisen ist es wohl bekannt, dass Oberlehrer Weber im Jahre 1885 — er war damals Obmann des Hernalser Lehrervereines — dem gottseligen Reichsrathsabgeordneten und Cultnsgeineindepräsidenten Dr. Ignaz Knranda Vorschläge behuss Einberufung eines Cnltnsgemeindetages zum Zwecke der Bekämpfung des damals im Entstehen begriffenen Antisemitismus erstattete. Eingehender köilnen diese Vorschläge wohl hier nicht erörtert werden, notorisch ist jedoch, dass ein großer Theil des damaligen Cultttsvorstandes denselben große Sympathie und der Präsident Knranda geradezu Begeisterung entgegenbrachte. Leider starb diese jüdische Leuchte viel zu frühzeitig, und mit den irdischen Resten dieses Mannes wurden auch die Weber'schen Vorschläge bestattet, da der Nachfolger Kurauda's — kein Knranda war. Nun hatte Weber die traurige Geuugthuung, dass seine Vorhersagungen leider in Erfüllung gingen,! und schmerzlich berührte es ihn, als 10 Jahre später, leider viel zu spät von verschiedener Seite Anläufe im Sinne der Weber'schen Vorschläge genommen wurden. Dr. Ignaz Kurauda's vorzeitiger Tod war eben ein großes Unglück für die Judenschaft. Am bezeichneten silbernen Hochzeitstage zeigte es sich zur Evidenz, welcher Beliebtheit und Sympathien sich der Jubilar erfreut. Persönlich gratulirten die von ihm ausgebildeten Taubstummen, der Lehrkörper der Anstalt, Herr Religionsinspector Kanitz, Obercantor Bauer, Schulleiter, Lehrer und Lehrerinnen des zweiten und achten Bezirkes. Schriftlich beglückwünschen ihn : Landesschulinspector Josef Hülsenbeck und dessen Gemalin, Polizeichesarzt Regierungsrath Dr. A. Witlacil, Moriz Edler v. Kuffner und dessen Gemalin, Elsa Edle v. Kuffner, der k. k. Schulrath Prof. Im. Hinterwaldner und fast sämmtliche k. k.. Bezirksschulinspectoren Wiens, das Präsidium der türk.-israel. Gemeinde, Bezirksvorsteher Georg Niebaner, Bezirksrath Moriz Brill, kais. Rath Dr. Theodor Lieben, Landesgerichtsrath Dr. Emanuel Weber, Steuer-Oberinspector Dr. Julius Singer, Ortsschulrath S. Heit, Nordwestbahn-Jnspector August Schulmann, der Procurist der Kuffner'schen Brauerei Eduard Glaser, der Lehrerverein des zweiten Bezirkes u. A. m. Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. Aus d e r P l e n a r s i tz u n g des Cultusv o r st a n d e s vom 28. October 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H.K l inger Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben der Frau Honora Krall mit der Mittheilung, dass, sie zum Andenken an ihren verewigten Gatten Herrn Heinrich Krall ein Capital von Kr. 10.000.— widmet, damit alljährlich am Todestage des Verstorbenen die Zinsen an 10 arme, insbesondere gelähmte