Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 39 (26.10.1900)
- Date
- 1900-10-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. Nr. 39. auf eine viertelhundertjährige Thätigkeit zurückblickeu und dabei stolz sagen kann: „Ich habe meine Pflicht erfüllt." Her Löwenherz verdient diese Ehrung seitens der israel. Gemeinde und der hiesigen Bürgerschaft, denn er hat seine Pflicht als Obercantor, aber auch als Mensch, als Mitbürger stets erfüllt. Seit 25 Zähren obliegt er in unserer Stadt seinem hehren Berufe zur höheren Ehre Gottes und wusste sich während dieser Zeit durch fein zuvorkommendes Wesen und seinen reinen Character die Achtung und Sympathien der Gemeindemsiglieder und der gefammten Bürgerschaft unserer Stadt zu erwerben. Auch außerhalb des Tempels ist Herr Löwenherz sehr gur bekannt. Er gehört zu den eifrigsten Mitgliedern des „Philharmonischen Vereines", woselbst er nicht blos mit seiner prachtvollen Tenorstimme den Chor ziert, sondern auch als Lehrer der Gesangsschule für den Nachwuchs sorgt und hiedurch den Verein zu großem Danke verpflichtet. Außer seinem Tenor besitzt Herr Löwenherz aber noch zwei Dinge: ein goldenes Herz und einen unverwüstlichen Humor. Wohl selten wurde ein Woblthätigkeitscouccrt veranstaltet. ohne dass der Jubilar seine Fähigkeiten in die Dienste der Humanität gestellt hätte. Sein unverwüstlicher Humor aber hals ihm über so manche Schwierigkeiten des Alltagslebens hinweg, so dass er heute nach 25jähriger Arbeit an Körper und Geist jung vor uns steht, voll Arbeitskraft, beseelt vom besten Willen Möge es ihm vergönnt sein, noch lange den Allmächtigen im Silbe zu prei en, umgeben von seiner lieben Familie und einem K>eise neuer, guter Freunde." Ueber die Festlichkeiten, an welchem die gesammte Bürgerschaft Temesvars und Umgebung, vornehmlich aber der röm.- karhol. Clerus sich betheiligte, liegt uns folgender Bericht vor: Der „Philharmonische Verein" veranstaltete am Vorabend des Festes zu Ehren des Jubilars eine Lampionserenade. Die mit Lampion versehenen Sänger zogen nach 8 Uhr unter Führung des Vereinspräsidenten Dr. Josef W e l d i n in den großen Hof des Makri'fchen Hauses ein, wo bereits eine große Menschenmenge wartete. Als erstes Lied wurde der „Lerozrol vi8szanez a vandor“ angestimmt, welchem das klangvolle Lied „Eji varasz“ folgte. Nachdem die letzten Accorde dieses Tonstückes verklungen waren, erschien Herr Löwenherz im Kreise der Sänger und wurde von brausenden Eljenrnfen empfangen. Herr Lorenz Varna begrüßte Namens des Vereines den Jubilar und hob dessen Verdirnste um das Aufblühen dieser ersten musikalischen Vereinigung in glänzenden Worten hervor. Er schließt mit dem Wunsche, Herr Löwenherz möge auch in Zukunft ein treues Mitglied des Vereines bleiben und alle Mitglieder desselben als Freunde betrachten. Mil bewegter Stimme dankte der Gefeierte für die herzliche Ovation und versprach, dem Philharmonischen Verein auch fernerhin mit derselben Liebe angehören zu wollen, wie dies bisher der Fall war. Nachdem noch ein Chor „Das macht das dunkelgrüne Laub" und der Wablspruch abgesungeu worden war, erreichte die Ovation ihr Ende. Die Serenade leitete D o m c a v e l l m e i ft e r I. M. Nova c s e k. „Nicht unerwähnt können wir bei dieser Gelegenheit lassen, schreibt die clericale „Neue Temesvarer Zeitung" in ihrem Berichte über das Jubiläum, dass diejenigen Mitglieder des Philharmonischen Vereines, welche dem kathol. Clerus angehören, an der Lampionsserenade theilnahmen. Dieser Act von lobenswerther Toleranz verfehlte seine Wirkung nicht und trug sehr viel zur Hebnttg der Feststimmung bei." Das eigentliche Fest wurde am Simchas-Thora mit einer Tempelfeier eingeleilet, welche im Rahmen des Mussaphgottesdieustes vor sich ging. Im festlich beleuchtetell Tempel, i er bis anf's letzte Plätzchen gefüllt war, harrte Alles spannungsvoll der kommenden Feier. Als der Jubilar, als Chassan Maftir, zur Thora gerufen wurde, erklangen vom Chore herab die Töne eines „Hallelujah", den Musikdireclor K a r r a ß dem Gefeierten widmete. Cantor Moses Nagel trug hierauf einen vom Oberrabbiner Dr. Löwy verfassten Mifcheberach vor. Bei den letzten Worten nahte sich Oberiabbiner Dr. Löwy dem Jubilar, um «n der Ställe, wo er ein Vierteljahrhuudert gewirkt, ihn in einer schönen Rede zu beglückwünschen. Nachdem er die Perdienste des Jubilars rühmlich hervorgehoben hatte, verlieh er ihm die „Morenu" und ertheilte ihm den Segen. Eine rührend^ Scene war es, als der Oberrabbiner zum Schlüsse seiner Worte den Jubilar umarmte und küsste; kein Auge blieb dabei thränenleer. Der Tempelchor und der Männerchor des Philharmonischen Vereines stimmten eine Festhymne an, womit die Tempelfeier ihr Ende erreichte. Eine besondere Weihe wurde dem Jubelfeste durch den künstlerischen Vortrag eines vom Mnsikdirector K. R. K a r r a ß dem gefeierten Obercantor gewidmeten großen Psalmes N., 113, Op. 334, verliehen. Diese herrliche Tonschöpfung wurde vom gemischten Chor und Solosängern unter Orgelbegleitung zu Gehör gehracht und hat diese jüngste Meisterleistung des genannten genialen Componisten auch unter ben anwesenden hervorragenden Kunstkennern wahre Sensation hervorgrrufen. Außerdem widmete Herr K. R. Karraß dem Jubilar ein Festlied, zu welchem Redacteur Franz Paul den Text lieferte und welches würdige Nachklänge zur Jubiläumfeter bieten soll. Mittags überbrachte das Gemeindepräsidium dem Jub lar ein Ehrengeschenk, bestehend aus einem kostbaren Pokal, einer Adresse und einem Sparcassa-Einlagbuch über 1000 fl. Distrikts- Präsident Salomon Sterntbal verdolmetschte der Dank der Gemeinde in schönen Worten. Der Jubilar dankte in bewegten Worten für die Ovation und sagte, er sei stolz darauf, in einer Gemeinde wirkeil zu können, die schon vor mehr als einem halben Jahrhundert den Fortschritt im Gottesdienste auf ihre Fahne geschrieben. Voll .Begeisterung für die neue Sulzer-Mannheimerische Richtung kam er in diese kleine Gemeinde und da er sah, dass alle Mitglieder derselben eines und seines Sinnes waren, fiel es ihm leicht, einen so schönen Erfolg zu erzielen. Es sprachen noch vor: die Deputation der Wohlthätigkeits- Franenvereine unter Führung der Frau Witwe Lina Ei se n stä d t erde Bnzias, die Fabriker isr. Gemeinde mit Oberrabbiner Dr. S i n g e r, der philharmonische Verein mit Präsident Dr. W e l d i n, die Amtseollegen mit Oberrabbiner Dr. Löwy, die Cantoren mit Obercantor Moriz Sonntag an der Spitze rc. Alle Deputationen überbrachten werthvolle Geschenke. Die Cantoren überbrachten eine in schönen Worten gehaltene Adresse. Die herrliche Symphonie des Cantorjubiläums hat Abends im Redontensaale einen würdigen Abschluß gefunden. Zn Ehren des jubilirenden Obercantors Eduard Löwenherz fand ein Festbanket zu 170 Gedecken statt. An der Spitze der Tafel rechts und links vom Jubilar saßen die Rabbiner Dr. Moriz Löwy und Tr. Jacob Singer, der Präsident der innerstädtischen Gemeinde Salomon S t e rn t h a l, der Präsident des philharmonischen Vereines Dr. Josef W e l d i n, der Delegirte der Csakovaer isr. Gemeinde Dr. Rudolf Ko hu, der Araber Mnsikdirector Adolf Grünzweig, die Ltoydirectoren David Herzl und Alexander Kohn, die Chormeister Novacsek und K a r r a ß, die Herren Dr. F a y, Dr. V e r t e s , Dr. Feodor Weiß und K e p p i ch. Beim Braten erhob sich Gern. indepräsiident Salomon Sternthal und brachte nebst Würdigung der Verdienste des Jubilars einen zündenden Toast auf denselben ans. Dr. I. Weld in leerte fein Glas aus den Jubilar, indem er denselben als Mnsiker und Mitglied des Philharmonischen Vereines in schwungvoller Rede feierte. Herr Löwen herz dankt feiner Gemeinde in bewegten Worten für dieses schöne Fest und leert fein Glas auf die anwesenden Gäste. Professor P e r e n y i hebt in einem feurigen Toaste die Wichtigkeit des zum größten Theile aus Mitgliedern anderer Confessionen bestehenden Philharmorischen Vereines für das gesellschaftliche Leben hervor und leert sein Glas auf das Gedeihen dieses Vereines und auf das Wohl seines hochverdienten Präsideuten Dr. Josef Weldin. Dr. Fay toastirte in einem glänzenden Spruch ans den Gemeindepräsidenten Salomon Sternthal, Dr. Vertes auf die Rabbiner Dr. Löwy und Dr. Singer, Dr. Singer ans die innerstädtische Gemeinde. Den Neigen der officiellen Toaste schloss ein vom köstlichsten Humor durchwehter