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Die Wahrheit · 1900-10-19 · Heft 38 (19.10.1900) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 38 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Heslerr.-ungccr. Kantoren-Aeitung. Nr. 38. Meitage zur Zeitschrift „Die Wahrheit." 20. Iahrg. Orgeln in Synagogen. Von H. Goldstein, Gleiwitz. Zu Thurm und Glocke in der Synagoge, über welche vor einiger Zeit in diesem Blatte als Curiosa jüdischer Gotteshäuser berichtet wurde, gehör: unstreitig die Orgel, um einen stimmungsvollen harmonischen Accord zu erstreben. Diesem melodiösen Instrumente, das iast sämmtliche Gotteshäuser der civilisirreu Welt — außer Israels in der Diaspora — schmückt, die Andacht ungemein fördert und den Gesang leitet — also der Musik im Gotteshause im Allgemeinen, oder der Musik im Zudenthume insbesondere sind die nachfolgenden Ausführungen gewidmet. Wir wollen zunächst darthun, dass die Semiten die Musik, diese Jubal'fche Erfindung nicht müßig betrachteten, sondern einen bedeutenden Amheil an deren Entwicklung hatten, wie dies das Buch der Bücher — trotz des Zeterns und Polterns der lieben Antisemiten, ich erwähne nur, „das Judenthum in der Musik" — ausdrücklich bekundet. Dass Noa und seine Söhne, namentlich Sem, zu den gottbegnadeten Weisen und Lehrern der Menschheit gehören, welche die von Gott dem Adam im Paradiese unmittelbar ertheilten Lehren oder Eingebungen ihren Nachkommen weiter übermittelten, dürfte selbst der hartgesottenste Antisemit nicht in Abrede stellen. Diese überlieferten wiederum ihren Nachkommen alles Wissenswürdigste, wozu unstreitig auch die göttliche Kunst Musik gehört, die das Leben in Leid und Freud verschönt und erträglich macht. Tiefsinnig setzt die Bibel den Erfinder der Musik den Jubal, zwischen dem Jabal, dem Gründer der ersten Spur von Civilisaiion — als Zeltbewohner und Viehzüchter — und dem Tubal Kajin, dem Waffen-Erfinder, damit andeutend, dass Beide dieser göttlichen Kunst bedürfen; erstercr zur Verschönerung des Lebens, letzterer zur Erhöhung und Anfeuerung des Muthes in den Kämpfen der damalligen Menschheit, die unabläfiig bis zur Sündstuth geführt wurden. Etwa 500 Jahre nach der Sündstuth äußerte Laban zum Patriarchen Jacob 1. B. M. 31. 27.: „Warum bist du heimlich gestüchtet, ich hätte^ dich mit Freude, Gesängen, mit Pauken und Harfen entlassen." , - Aber selbst in der egyptischen Sklaverei wurde die Musik von Jacobs Nachkommen, so gut oder schlecht es eben gieng, möglichst geübt und gefördert. Denn nach dem großartigen Siegessang Moses 2. B. M. 15. 20 heißt es : „Und es nahm Mirjam die Dichterin, Sängerin, Schwester des Ahron, die Pauke in die Hand und es folgten ihr alle Frauen mit Pauken und Kastagnetten (Machol), die noch jetzt in Spanien bei Reigentänzen im Gebrauch sind. Außer der Toph gab es noch zwei Blasinstrumente: Schofar und Chzozrah. 3. B. M. 25. 8. 9. heißt es: „Zähle dir sieben Feierjahre und du sollst Lärmblasen am zehnten des siebenten Monats, itächst dem Neujahrsfeste." Der Tag des Lärmblasens heißt 4. B. M. 29. 1.: „Der erste Tag des siebenten Monats soll sein ein Tag des Lärmblasens." Von der Chzozrah-Trompete heißt es daselbst 10. 2.: „Fertige 2 silberne Trompeten. Sie sollen dir dienen zur Berufung der Gemeinde und zum Aufbruch der Lager-" Pauke und Trompete sind lärmende, eigentliche Signal- Instrumente und dienen nur, wie noch jetzt, kriegerischen Zwecken. Erst als Israel zur Ruhe kam, nach Eroberung Kanaans, traten die harmonisch lieblich klingenden Instrumente, wie Kinor- Harfe, Nebel-Violine, Ugab-Zither auf. Nach dem Tode Moses, während der Regierung Josuas, der Alten und der Richter, ungefähr 400 Jahre, gab es nur Krieg uub Eroberung — Siegessang und Triumphlied der Dichterin und Sängerin Deborah und Balak (Richter 5.) Friede und Ruhe trat erst unter dem Seher Samuel, Gründer der Dichter- und Sängerschnle, (Sam. I. 10. 5.) ein: „Und es wird sein, so du (Saul) in die Stadt kommst, wirst du einer Dichter- und Sängergesellschaft begegnen, die von der Höhe (Bamah) Opferstätte herabkommt^ und vor ihr schreiten Musiker mit Violine, Pauke, Flöte und Harfe und singen Lieder. Der Geist des Adonai wird dich begeistern, du wirst mitihren Dichtern singen — wirft ein anderer Mann werden." - Aus dieser Schule, in der zuvörderst das Gotteswort ge-! lehrt wurde, gieng die ganze Schaar gottbegnadeter Männer.; Dichter, Sänger, Propheten hervor. Die Blütezeit der Tempel-! dichtung und -Musik war unstreitig während der Regierung der königlichen Dichter und Musiker David- und des weisen! Salomo, der nicht weniger als 3000 Dichtungen und 1003! Lieder verfasste — Könige I. 4. 12. Die Sammlungen von j 150 Psalmen enthält durchwegs nur fromme, zum Vertrauen j Hoffen und Harren, zur Hingebung in allen Lebenslagen, Ver- I hältnissen auf Gott, den Herrn Zbaoth — nicht nur von David! — sondern von Adam, Malkizedek, Abraham, Salomo. Asaph j und den drei Söhnen Korachs. Diese frommen heiligen Gesänge bilden das Psalmenbuch, die in allen Gotteshäusern der civilisirten Welt ertönen. Nicht weniger als 4000 Sänger, Musiker j auf Saiteninstrumenten, die von 288 Meistern geschult und angej leitet wurden, verherrlichten den Gottesdienst im Tempel Salomo j (Chronik II. 5. 12.) (Schluss folgt.) j Gemeindeuiti> Vereinsbote,! Vien. Sonntag, den 21. October d. I.. 10 Uhr Vormittags,! finden die Einschreibungen für den Bar--Mizwah-Unterricht, welcher in! der Religionsschule der isr. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse Nr. 2, j unentgeltlich ertheilt werden wird, zstatt. Der Cultusvorstand hat an? alle Religionslehrer an Volks-, Bürger- und Mittelschulen das Ersuchen j gerichtet, ihre Schüler hievon zu verständigen.! Wien. (Amtsantritt des Obercantor Bela Gutti man n.) Am Vorabende des Schemini-Azereth-Festes hat der zum Nach-! folger des seligen Obercantor Josef Goldstein gewählte Obercantor des i Leopoldstädter Tempels, Herr Bela Guttmanu, sein Amt angetreten, j Obercantor Guttmann wurde vom Bethausvorstande namens der.Gei meinde und vom Regenschori der Wiener Cultusgemeinde, Professor > Josef Sulzer, namens des Ehorpersonals begrüßt und sodann vom Bet-! hausvorstande in den bis aufs letzte Plätzchen überfüllten Tempel geführt, j Aus allen Bezirken war das Publikum herbeigeströmt und lauschte mit : großer Spannung dem Vortrage Guttmann's. Sowohl bei seiner ersten : Function als auch an den beiden Festtagen fand Obercantor Guttmann! vielen Beifall und wurde ihm sowohl von den anwesenden Vorstands-! Mitgliedern als auch von zahlreichen Gemeindemitgliedern lobende An-! erkennung ausgesprochen. Am Schemini-Azereth-Tage wurde Obercantor : Guttmann zur Thora gerufen und vom I. Cantor Blatt mit einem von! Rabbiner Dr. Schmiedl verfassten „Mischeberach" begrüßt. Obercantor! Bela Guttmann, der vorher in Klausenburg, an der Prager Klaussynagoge' und am großen Tempel in Budapest amtirte, besitzt eine überaus sym-; pathische, klangvolle und umfangreiche Baritonstimme, hat einen weihe-; vollen Vorirag und zeigt sich als gewandter, tüchliger Chasen. Bevor : Obercantor Guttmann sich dem Cantorate widmete, oblag er als Jeschiwe-; Bocher sehr eifrig dem Studium der jüdischen Wissenschaften und daher ' kommt es, dass er den. Gebettext in virtuoser und verständnisvoller Weise zu behandeln versteht. Wien. Der vom Vorstande der ' Wiener Cultusgemeinde neuengagirte I. Cantor, Herr Don Fuchs, ist kurz nach dem Roschhaschonoh- Feste an einer schweren Gelenksentzündung erkrankt. Wie wir vernehmen, ist in seinem Befinden bereits eine erfreuliche Besserung eingetreten. Wien. Der Großindustrielle Herr David Ritter v. G u t m a n n hat aus Anlass des Ablebens seines Sohnes Dr. Ludwig Ritter v. Gutmanu dem Herrn Polizeipräsidenten Habrada den Betrag von fünf-

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