Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 38 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38. Die Mahrheit. Seite?. Resormpartei im Schwinden begriffene traditionelle Judenthum, hier I nicht wieder schließen wollte, und so verfloss ihm ein Tag nach beginnen sich allmälig Judenthum, wirkliches traditionelles Judenthum! dem anderen, und so verrann ihm die Zeit der Jugend und der und zeitgemäße, allerdings orthodox zugeschnittene Bildung miteinander j Hellen Freude, durch welche sich ein schwarzer Faden der Trauzu befreunden und darum wird hier der Beobachter stets lohnenden Stoff j rigkeit unabreissbnr hindnrchzog. Der alte Niederhuber, Honza, finden. Hermann Löwinger ist ein solch gewiegter Beobachter. Seine? Brigitte, vor denen Josei deil Trübsinn seiner Seele auch nicht „Typen aus der Preßburger Judengaffe". als Feuilletons bereits früher > immer zu verbergen im Stande war. quälten Marien gar oft. veröffentlicht, unterhalten den Leser in geistvoller Weise, ebenso seine j ihnen doch zu sagen, was es denn mit ihrem Manne gebe, ob „Jüdischen Sagen und Alterchümer", während die gelungene Schilderung! sie miteinander heimlich vielleicht nicht zufrieden und glücklich der Feier „Jüdischer Feste" sich nur mit Wehmuth, wie längstverschollene! seien, ob sie vielleicht doch für einander nicht passen und jetzt Klänge einer alten besseren Zeit vernehmen lässt. Kurz, viel zu kurz.! aus Scham, es vor der Welt zu gestehen, ihren Kummer lieber für den überreichen und lohnenden, in das jüdische Leben der Gegenwart tief eingreifenden Stoff behandelt er das „Leben und Treiben der Preßburger Jeschibah", doch auch das Gebotene ist der Wahrheit entsprechend, eine Skizze nach dem Leben, mit welcherder Verfasser ebenso unterhaltend wie belehrend wirkt. Löwinger's „Preßburger Ghettobilder" werden sich jedenfalls, einen weiten Kreis von Freunden erwerben, den sie auch verdienen. Hohenems (Vorarlberg). Rabb. Dr. Tänzer. — Das von Herrn Dr. Adolph K o h u t im Verlag des Herrn A. H. P ahne in Leipzig herausgegebene Werk: ..Aerühmte israelitische Männer und Krauen in der Huttnrgeschichte der Menschheit" verdient nach jeder Richtung hin die größte Anerkennung und die allgemeinste Verbreitung. Es ist ein bedeutendes Werk, das der Welt die Augen öffnet über das, was Juden und Jüdinnen auf allen Gebieten der Wiffenschaft, Litteratur, Kunst, Philosophie, des Welthandels, des Gewerbes und der Industrie geleistet haben. Ein großes Stück Weltgeschichte zieht hier an unserem Geiste vorüber und manche Lücke des Wissens wird durch dieses Buch ausgefüllt. Das Werk hat aber auch eine culturgeschichtliche Bedeutung und ist berufen, endlich einmal die Lästerzunge verstummen zu machen, die da glaubt, die jüdische Geschichte zu kennen, wenn sie die Juden begeifert. In diesem Werk wird aller Welt klar und deutlich nachgewiesen, dass, sowie der Jude sich nach feiner eigenthümlichen psychischen und physischen Anlage überall acclimatisirt, ebenso auch der jüdische Geist in der' g rnzen Welt und ans allen Gebieten geistiger und moralischer Thätigkeit Bedeutendes zu leisten im Stande ist. Darum soll das Buch an erster Stelle an Nichtjuden empfohlen sein, damit die Vorurtheile schwinden und an deren Stelle gerechte Anerkennung trete. Meinen Glaubensgenossen, vor allen den jüdischen Familienvätern möchte ich rathen, in dem Buche mit allen Mitgliedern der Familie jede Woche ein Capitel zu studiren und den Inhalt sich einzuprägen. Dann sammelt man sich Rüstzeuge gegen etwaige ungerechte Angriffe von außen, aber auch Muth, Hoffnung. Zuversicht und Vertrauen aus bessere Zeiten werden in die zu leicht verbitterte Seele einziehen. Möge dieses bedeutende Werk zur Aufklärung, zur Belehrung, aber auch zur Versöhnung der aufgeregten Geister und beunruhigten Gemüther beitragen. Köln, am Rüsttage des Versöhnungstages 5661 (1900.) Dr. Frank, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde. Heimweh. Erzählung von Eduard Kulte. (36. Fortsetzung.) ' Er freute sich auch darüber, dass sein Schwager Jacob Löb durch das Geschenk au die Synagoge seiner guten alten Mutter und seiner lieben Schwester eine so große Freude bereitet habe, doch schmerzlich berührte es ihn, dass erst ein Fremder kommen musste, Schwester und Mutter zu erfreuen, während er. der Sohn, der Bruder, ihnen so unsagbares Leid zugesügt. So ging es ihm immer dem guten Josef. Einer reinen, .herzinnigen, ungetrübten Freiide war er nicyt mehr fähig. Ueberall gab es einen Stachel, der ihn verwundete und ritzte, wenn er sich auch noch so ungetheilt und unbefangen der Freude hinzngeben vermeinte. So ging es ihm immer dem guten Josef, immerfort boten sich Veranlassungen, bald in seinem eigenen Hause, bald drüben im Hause seiner Kinderzeit, die ihn durch die Vorstellungen, die sie ihm erweckten, durch den Gegensatz seines Verhällnisses zur allen und lleuen Heimat niemals zur Nuhe kommen ließen; es war ein Riss durch sein Herz gegangen, der sich nun einmal ■ heimlich mit sich herumtragen, und es müsse doch etwas vor- 1 gehen, der Joses gehe manchmal so umher, als ob ihm ein! Schiff im Meere llntergegangen wäre, und das sei nicht umsonst,; und einen Grund und eine Ursache müsse sein kopfhängerisches i Wesen wohl haben, und sie werde es wohl wissen, der Mann! werde seinem Weibe doch wohl schon geklagt haben, was ihm nicht recht sei, und sie solle sich nicht schämen, und es nur frei : heraus sagen, vielleicht ließe sich mit wenig Mitteln, vielleicht;• mit Anstrengung Abhilfe treffen, und wenn sie wirklich nichts! ivisse, so sei es um so schlimmer, sie müsse es wissen, ein Weib! muss wissen, was dem Manne fehlt, wenn er traurig und nieder-! geschlagen ist, uild wenit er selbst den Mund nicht öffnet, so habe sie die Pflicht ihn zum Reden zu bringen, sie solle ihn nur I herzhaft fragen, und wenn er ihr nichts gestehen will, solle sie! nur in ihn dringen, und er werde ihr schon am Eilde sagen,! wo ihn der Schuh drückt.! Das sei ihre Pflicht, das sei keine bloße Neugierde, das! sei ein Weib sich schuldig, sie sei es schuldig dem Frieden und! der Ruhe des Hauses, und wenn nicht sich selbst, so müsse sie i es dem K-nde zu Gefallen thnn, das Kind werde mit jedem j Tag älter, es sei ein gescheidtes Kind, und es werde das gar; bald auch an sangen zu merken, dass im Hanse irgend etwas; nicht recht sei, es fei dies für die Zukunft des Kindes gefährlich, j wenn es unter einer solcheit Spannung heranwachse, und was; denn ans dem guten Nannerl werden solle, wenn es den Vater; immerfort traurig sieht, wie das Kind mit der Zeit selber veri düstert werden müsse, und das alles müsse anders werden, - wenn Marie sich nur ein Herz fassen und ihn einmal nur recht! fragen wolle, und was denn überhaupt dran sei, wenn sie ihn i frage, er werde sie nicht fressen und dergleichen noch mehr in I dieser Art. Sie bestürmten Marien so lange und so heftig, bis I sie ihnen versprach, ihr Schweigen zu brechen und Joses um die! Ursache seines Kummers zu fragen. j Recht so — sagte der alte Riederhuber — heraus muß | es; wir wollen wissen, was es gibt. j Und wenn ers vielleicht gar bereut, dass er Christ gej worden ist — sagt Honza.! Red kein' solchen Unsinn — unterbrach Brigitte den Fleischj hauergesell, der schon der Gedanke an die Möglichkeit eines l solchen Gedankens ein Gräuel war — red mir kein' solchen j Unsinn, Honza! Bereuen wird ers! Von wessen wegen? Hat j er denn nicht erreicht, was sein Herz verlangt? - Doch manches auch verloren, was sein Herz nicht weniger j verlangt — warf Honza leicht hin und ging. (Fortsetzung folgt.)? Rosalia Hintz’selie Witien-Stütung. j Bei der hiesigen israel. Cultusgemeinde werden die jährliche« | Zinsen der obigen Stiftung an vier arme Witwen jüdischer Religion | zur Vertheilung gelangen und zwar in Beträgen von je Kr. 189. — .! Die Bewerberinnen haben ihre diesfälligen mit dem Nachweise; ihrer Arniuth und des Witwenstandes versehenen Gesuche bis 31. October 1900 j im Einreichungs-Protocolle der israel. Cultusgemeinde, l., Seitenj 8tettengas.se 4, I. Stock, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr . zu überreichen.! Gesuchsblanquctte sind während der angegebenen Amtsstunden i im Einreichungsprotocolle unentgeltlich zu beheben, j Wien, 1. October 1900.! Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Wien.