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Die Wahrheit · 1900-10-19 · Heft 38 (19.10.1900) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 38 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38. Oie * Wahrheit. Seile 9 lausend Kronen zur Vertheilung an im Wiener Gemeindegebiete sesshafte, wahrhaft arme und würdige Personen ohne Unterschied der Confeffion im Mindestbetrage von zwanzig Kronen übersendet. Dieser Betrag wurde im Sinne des Spenders bereits am heutigen Tage, als dem Tage des Leichenbegängnisses, durch die Bezirksleiter zur Vertheilung gebracht. Wien. Aus Anlass des Ablebens ihres Gatten,, Herrn Heinrich Krall, hat im Sinne desselben Frau Honora Krall für wohlthätige Zwecke die Summe von 100,000 Kronen gewidmet, Ein Theil dieser Summe wurde jener großen Zahl von Bedürftigen zugewendet, welche der Verstorbene zu unterstützen pflegte. Der größere Theil fließt Wiener Wohlthätigkeitsvereinen zu. Von letzteren empfangen einen ansehnlichen Betrag, unter Andern die Freiwillige Rettungsgesellschaft, die isr. Cultusgemeinde, das Spital der Barmherzigen Brüder, der Frauenwohlthätigkeitsverein „Providentia", das Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium, das Haus der Barmherzigkeit für Unheilbare in Währing, das Asyl für Obdachlose, das Rothschildspital (Bettstiftung), der Journalistenverein „Concordia", die Gemeinden St. Georgen und Ischl, der Verein Ferienheim, die Charitas, der Frauenhort, der Jnvalidendank, das Asyl für verkrüppelte Kinder in Maria-Lanzendorf, das Spital in der Hartmanngasse rc. Wien. Besonders feierlich gestaltete sich das Simchath-Thora- Fest im Tempel der tiirk. Gemeinde in diesem Jahre. Der Vorstand bedachte den zurückgetretenen Sekretär der Gemeinde, Herrn Hof- und Gerichts-M^k^ien Dr. Eduard Thaler, mit der Würde des Chatan-Tbora, und Herr Heinrich A. Russo, ein vornehmes Mitglied der Gemeinde, fungirte als Chatan-Bereschit. Herr Tr. Thaler hält trotz seines Berufes an den alten Traditionen fest und machte beim Seier namhafte Spenden für die Gemeinde und diverse Vereine. In der Wohnung des Chatan Thora fand sich auch der zweite Chatan ein. und es erschienen der Vorstand der Gemeinde, Präses Marcus Russo und Vorsteher A. H. Elias, ferner viele vernehme Mitglieder und sämmtliche Funktionäre. Ter Tempelchor führte mehrere Piecen zu Ehren der Chatanim aus. worauf der Festgeber Dr. Thaler an die Gäste eine schwungvolle Ansprache hielt und den Dank fü. die ihm erwiesene Ehre dem Vorstande der türk. Gemeinde abstattete. Zum Schluffe äußerte er den Wunsch, dass im kommenden Jahre die Gemeinde reichere Chatanim haben möge, woraus sogleich die anwesenden Vertreter des Vorstandes und hervorragendsten Männer der Gemeinde als Chatanim für das nächste Jahr feierlichst proklamirt wurden. Hlmütz, 16. October. Am Simchath-Thora-Feste übergab Rabbiner Dr. Oppenheim ein silbernes Kle Kodesch mit der Widmung „zur Erinnerung an den 70. Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I" dem löbl. Vorstande der isr. Cultusgemeinde als Spende. ^rag. In Wien verschied am 9. d. nach einer Operation Herr Hermann Grab im 58. Lebensjahre. Der Verstorbene war Chef der Firma M. Grab Söhne, Großindustrieller, Ritter des Ordens der eisernen Krone, Verwaltungsrath der Ersten österreichischen Linoleum-Fabrik in Triest, Mitglied der hiesigen Cultusgemeinderepräsentanz, Ehrenmitglied vieler Humanitären Vereine und erfreute sich ob seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften und seines vielgeübten Wohlthätigkeitssinnes besonderer Werthschätzung. Namentlich seinen zahlreichen Angestellten und seinen Arbeitern war er ein fürsorglicher Chef und wird sein früher Tod allgemein schmerzlich betrauert. Er nahm nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im gesellschaftlichen Leben eine hervorragende Stellung ein. Arag. Samstag am 13. d. feierte Herr Obercantor S. Moor das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit am Neuen Tempel in der Gcistgaffe. Der Jubilar erfreut sich ob seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften, wie auch ob seiner künstlerischen Fähigkeiten allgemeiner Werthschätzusg und Beliebtheit sowohl in seiner Gemeinde als auch im weitesten Freundes- und Collegenkreise. Lemberg. Der Lemberger isr. Gemeindevorstand macht bereits Ernst mit der Errichtung einer öffentlichen jüdischen Leihbibliothek und werden einige Räumlichkeiten in dem jüdischen Schulhause adaptirt. Es ist bereits die höchste Zeit an deren Realisirung zu gehen, als ein Postulat des Vereines „Schomer Israel". Leider aber hat das jüdische Wissen in erschreckendster Weise unter der glänzenden Fürsorge der Affimilation derart abgenommen, dass man erst einen Fühler ausstrecken muß, um sich über das Bedürfnis eines so hochwichtigen Institutes Gewissheit zu verschaffen. Wir kommen noch darauf zurück. Budapest. (Baron Sigmund S ch o s b e r g e r.) Unter außerordentlich großer Theilnahme von Leidtragenden, unter Entfaltung eines reichen Trauerpompes und in Anwesenheit zahlreicher Korporationen und vieler Sommitäten des öffentlichen Lebens wurde Baron Sigmund Schosberger Sonntag den 14. d. Nachmittags um 3 Uhr j vom Trauerhause Palatingaffe Nr. 19 zu Grabe getragen. Die Umge- - bung des Trauerhauses war schon in den ersten Nachmittagsstunden i von zahlreichen Neugierigen besetzt. Auf der Fahrstraße, sowie vor! dem Thore des Trauerhauses hielten berittene Polizisten und Constabler j die Ordnung aufrecht. Kurz vor 3 Uhr war der bis zum ersten Stock-! werke schwarzdrapirte Hof von einem zahlreichen, leidtragenden Publicum; dicht gefüllt und auch in den mit schwarzen Draperien verhüllten Trauer-! gemächern wogte eine große Schaar der Condolirenden. Zum Leichen-; begängniffe waren erschienen die Magnatenhausmitglieder Graf Ferdinand Zichy und Eugen Szabo, die Abgeordneten Leo Lanczy, Emerich! H o d o s s y, Moriz M e c z e y, Armin N e u m a n n, Franz C h o r i n,! Ambrus N e m e n y i, Lazar Samuel, Theodor W o l s n e r, Paul j Mandel, Senatspräsident Dr. Decsey, sernee die Vertreter der j Handels- und Gewerbekammer, des bürgerlichen Gremiums. Sigmund i Ritter v. Falk, der Vorstand und der Ausschuß der isr. Religionsi gemeinde, Generaldirector Sigmund Kornfeld, die Directoren * Wilhelm Ormody, Ieney, Adolf v. Ullmann, Philipp Weiß,! Feiner, S ch w a r tz. die Mitglieder der Familien K o h n e r, Hatv any,-D e uts ch, Peter v. Herzog, Dirßtai Fischl, die Redac-! lion und Administration des „Pester Lloyd" unter Führung des Ches- : redacteurs Reichstags-Abgeordneten Dr. Max Falk, die Pfarrer aus j den Kirchengemeinden, in welchen der Verblichene das Patronat besaß, j Abordnungen aus den Ortschaften, die zu den Schosberger'schen Gütern j gehören, die Beamten der Commerzialbank und der Ersten Ungarischen! Allgemeinen Versicherungsgesellschaft, die Professoren und die Hörer der! Handelsakademie unter Führung des Directors Ladislaus R e v y. die i Deputationen des iir. Frauenvereines unter Führung der Frau Marie Herz l, des isr. Siechenhauses, des isr. Knabenwaisenhauses u. v. A.! Die Trauerzeremonie begann um 3 Uhr. Nachdem der Sarg aus dein i im Hofe ausgestellten Katafalk postirt war. stimmte der Tempelchvr - unter Leitung des Obercantors Professor Lazarus einen Trauerchoral! an. Hierauf widmete Rabbiner Dr. Samuel K o h n dem Verblichenen i einen ergreifenden Nachruf. „Vor vier Tagen." sagte Redner, „als wir das Bersöhnungssest; feierte, ten, blieb der Platz im Tempel leer, aus dem wir seit langen Jahren Baron Sigmund Schosberger als glaubenseisrigen und reli- I giösen Mann zu sehen gewöhnt waren. Wir wussten, dass ein Leiden! ihn zurückhielt, aber wir ahnten nicht, dass die Krankheit ihn so rasch i dahinraffen werde. Als würdiger Nachfolger seines Vaters, hat er! dessen Werk in seinem Geiste erhalten und ausgebaut, er war unermüdlich thätig, um seinen Namen und dem der Familie Achtung und An'eben zu verschaffen. Erst in der jüngsten Vergangenheit hat er bewiesen, dass er für seinen fleckenlosen Namen, für die Aufrechterhaltung seiner! strengen Rechtlichkeit kein Opfer scheue. Redner schilderte sodann das! wahrhaft patriarchalische Leben in der Familie des Verblichenen und i seine wohlthätigen Werke im Dienste der Glaubensgemeinde, der Armen! und der Kultur. Der Allmächtige hat dem Verewigten mehr als die z gewöhnliche Dauer des Lebens beschieden und leicht und schmerzlos! führte ihn der Tod aus unserer Mitte. Das Glück das ihm auf j Erden beschieden war, möge der Allmächtige ihm auch im Jenseits geben." l Nach der Absingung eines Trauerliedes wurde der schwarze mit Schnitzereien geschmückte Holzsarg auf den sechsspännigen Leichenwagen gehobsn, weschem zwei, mit Kränzen über und über bedeckte Wagen folgten. Die beiden Söhne des Verblichenen, die Barone Ferdinand und Victor Schoßberger, sowie die Familienangehörigen und die Trauer-! gifte gaben dem Sarge zu Fuß das Geleite. Der Trauerconduct! bewegte sich über die Marokkanergasse zum Waitzner-Boulevard. Hier j musste auf Anordnung der Polizei der ursprünglich gewählte Weg über I den Karlsring und die Kerepeserstraße abgeändert werden, da zu dieser! Stunde auf dem erwähnten Straßenzuge die Ankunft des Schah von; Persien erfolgte. Der imposante Zug bewegte sich daher über die! Andraffystraße, den Elisabethring und die Kerepeserstraße zum Kerepeser i Friedhose. In Folge des Umweges war es bereits 4*/» Uhr, als der i Conduct im Friedhofe eintraf. Der Sarg wurde im Leichenhause der isr. Abtheilung des Friedhofes aufgestellt. Der Chor stimmte einen { Trauergesang an und nach einem kurzen Gebete würde der Sara von j den Familienangehörigen in die Marmorgruft der Familie Schosberger i getragen und dort zur ewigen Ruhe bestattet. Berlin. Der erste Cantor an der Syangoge der Potsdamer Brücke (Berlin. Westen), Herr Eliah Sänger, feiert am 2l. d. das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit, aus welchem Anlasse für den! Jubilar seitens seiner Gemeinde, wie von Freunden und Collegen! mannigfache Ovationen geplant sind.

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