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Die Wahrheit · 1900-10-02 · Heft 36 (2.10.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 36 (2.10.1900)
Date
1900-10-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36. Die Wahrheit. Seite 7. Tochter zu Wohlthätigkeitszweckeu 2000.—, Wilhelm Utlmanu für verweiste Bräute 50.—, Eduard Laugfelder zur Förderung des Bibel- und Talmudstudiums 600.—, Max Gelbert zur Vertheilung an Arme Kr. 20.—. Im Einlaufe gelangen zur Verlesung: ein Dankschreiben der Familie des sel. Herrn Jacob Branders, Ehrenpräsidenten des Bethausvorstandes, für die demselben seitens des Cnltusvorstaudes erwiesene letzte.Ehrung; eine Einladung des Tempel- Vereines Mariahils-Nenban, zu der Sonntag, 23. d. M. stattfindenden festlichen Wiedereröffnung des vollständig renovierten Vereinstempels. Die Versammlung betraut Herrn Vice Präsideuten Landesschnlrath Dr. Kohn mit der Vertreturrg des Vorstandes bei dieser Feier. Im Präsidialbei icht gibt der Präsident Kenntnis von der am 10. September im Stadttempel für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth abgehaltenen Trauerseier. Der Präsident theilt mit, dass in der vergaugeneu Woche unter Führung des Obmannes der Wohlthätigkeits - Sectiou, Herrn k. k. Daurath Ritter von Goldschmidt, ein Localaugenschein in dem erweiterten Versorgungsbause und in dem anlässlich des Regiernngsjubilänms Sr. Majestät des Kaisers Franz Joses I. erbauten Siechenhause vorgenommen wurde, wobei der Abschluss der Arbeiten coustatirt wurde. Nunmehr steht die innere Einrichtung in Ausführung. Sache der Wohlthätigkeits- Sectiou sei es, die Schlu'sarbeiten zu beschleunigen, damit die neuen Hnmanitätsanstalteii, für welche viele Ansuchen um Ans. nahme bereits vorliegen, noch in diesem Jahre ihrer Bestimmung übergeben werden können. Die Beschlussfassung hierüber wird Vorbehalten. Der Präsident gibt seiner Freude darüber Ausdruck, dass in jüngster Zeit einem Mitglieds des Vorstandscollegiums, Herrn Gottlieb Taussig, eine a. h. Auszeichnung durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josefs-Ordens zutheil geworden ist, und erklärt unter Zustimmung der Versammlung, dem von der Sitzung abwesenden Collegen aus schriftlichem Wege die Gratulation des Vorstandes auszudrücken. Ueber das von Herrn Baurath von Goldschmidt namens des Vertreter-Collegiums erstattete Referat wird für den pro 1900 mit Kr. 12.000.— dotirten Armensond des Vertreter- Collegiums mit Rücksicht aus die in Folge der herrschenden Roihlage unverhältnismäßig gesteigerte Zahl von Ansuchen Hilfsbedürftiger ein Nachtrags-Credit von Kr. 6000.— votirt. Herr Vice-Präsident Dr. Kohn reserirt über mehrfach eingelanfene Ansuchen um periodische Bekanntgabe der Geburten und Sterbefälle. Referent beantragt namens des Vertreter- Collegiums, allwöchentlich den jüdischen Blättern die ehelichen Geburten, Trauungen und Sterbesälle mitzutheilen. Nach längerer Debatte spricht sich die Versammlung mit Majoritätsbeschluss dahin aus, dass diesem Anträge aus principiellen Gründen nicht beizuftimmen sei. Herr Dr. Berger reserirt namens der I. Section über Ansuchen von Bethansvereinen um Subventionserhöhungen. Im Sinne der Sectionsanträge werden pro 1900 außerordentliche Subventionen gewährt: Dem Tempelverein im XVIII. Bez.: Kr. 500.—, dem Bethausvereine Chewra Bethatfilah im IX. Bezirke: Kr. 1200.—, dem Betvereine Mikdosch m'at im II. Bezirke: Kr. 200.—. Nach Erledigung von -Personalien wird die Sitzung um 8 Uhr Abends geschlossen. Wien. (F e r i e n h e i m.) Für die aus dem Kaiser Franz .Josephs-Ferienheim in Tischnowitz, sowie aus den anderen Colonien in Petra», Darkau rc. heimgekehrten Schützlinge des (520 an der Zahl), findet am 4. October 1900, um 4 Uhr Nachmittags, Ws Anlass des allerhöchsten Namenssestes Sr. Majestät, im „Hotel Continental," II., Taborstraße, ein Kinderfest statt, zu welchem die Mitglieder und Kinderfreunde geladen werden. Ahgersdorf. (DieEinweihungdesJubiläums- Tempels in Atzger sdo rs.) Ju feierlicher Weise wurde am 19. v. M. der neue israelitische Tempel in Atzgersdors, ein Werk des Wiener Architekten Richard Esriel, in Anwesenheit zahlreicher officieller Functiönäre seiner Bestimmung übergeben. Der imposante Bau wirkt schon durch seine schone Facade, deren Hauvtzier zwei hochragende Thürme bilden. Die aus der Mittelaxe angebrachte Marmortasel trägt nebst dem gravirten Lorbeerkranz die Inschrift: „Zur Ehre Gottes! Erbaut im Jahre 1900, anlässlich des 70. Geburtssestes unseres allergnädigsten Kaisers Franz Joses I." Hemesvar. In der jüngst abgehaltenen Plenarversammlung der Temesvar-Fabriker israelitischen Status guo-Gemeinde wurden mit Acclamation gewählt: zum I. Vicepräies Herr- Max Steiner und zum II. Vicepräses Herr Martin Kohn. Heimweh. Erzählung von E-uaev Kutte, j (35. Fortsetzung.) j Und nicht lange nachher, nachdem diese Auslösung des Sohrres vor sich gegangen war, kam endlich eines Tages der Thoraschreiber mit seinen fertig geschriebenen Pergamentrollen, und es war au dem Werke nichts mehr zu thun, als die einzelneit Rollen au einander;u nähen. An dieser frommen i Handlung betheiligten sich sämmtliche Weiber der „Gasse"; so I ist es Brauch und Herkommen, dass jede sich an dem frommen! Werke betheilige und ans Anweisung des Thoraschreibers j wenigstens zwei Rollen an einander hefte. Die Bekleidung für j die Thora, die Seidenwickelbänder, so wie das mit Goldbuch, j staben bestickte röche Samnumäntelchen war schon früher in j Bereitschaft, ehe die Schrift noch fertig war; eben so hatte j Jacob Löb sich beeilt, die silberner! Geräthschaslen zu besorgen, ,! bestehend in den beiden „Bäumen des Lebens", die oben aus! die Hölzer, um welche das Pergamentherumgerollt wird, aus-! gesteckt werden, ferner in dem Silberblech, der schönen silbernen j Tafel, die au Silberketten über die Thora gehängt wird, und! endlich in der „Jad", die ebenfalls an einem Silberkettlein j hängt und die dazu dient, dem Thoravorleser mit ihr die ein- > zelnen Zeilen, die er zu lesen hat, anznzeigen. Der Jubel tvar l groß in der „Gasse" als man das neue „Sefer-Thora" zum! ersten Mal in die Synagoge brachte. Der Rabbi und alle! Gemeindemitglieder hatten sich, in Feiertagskleidern angethan, j bei Jacob Löb eingesunden, um die Thora abzuholen und sie! im feierlichen Zuge nach der Synagoge zu bringen. Die j „Chuppa" wurde ausgestellt, um die Thora, wie eine Braut^ i unter dein Tranhimmel zu führen, und die Musikanten, die dem; Zuge voranschritten, spielten das beste Stück aus, das sie zu j spielen vermochten, um der Thora die allergrößte Ehre zu er-! weisen, so viel von ihnen abhing. Der Rabbi hielt eine Predigt! und pries glücklich die Gemeinde, der ein solcher Mann wie! Jacob Lob angehöre, und pries glücklich das Weib, das einen! solchen Mann besitze, und glücklich die Mutter, die einen solchen j Sohn errungen. | Bei der hieraus ftattfindenden festlichen Mahlzeit ließen die srählicherl Leute ans der „Gasse" alle Geister der Lust und Freude los, diesmal entschädigten sie sich für die etwas stille Hochzeit vor einem Jahre und holte» bei dieser Veranlassung reichlich nach, was sie damals versäumt hatten. Joses nahm die Nachrichten über die Vorgänge daheim in der „Gasse" mit Empfindungen widerstreiteirder Natur entgegen. Er fteute sich herzlich, dass seiner Schwester ein Sohn, seiner Mutter ein Enkel geschenkt worden sei; denn er fühlte - sich trotz seinem Absalle doch als Bruder und Sohn; aber es schmerzte ihn zugleich, wenn er bedachte, dass sein eigenes Kind, das doch auch seiner Mutter Enkelkind sei, von dieser nicht als solches auerkauut werde, weil diejenige, die es geboren und die er über alles liebte, keine Tochter der „Gasse" war. Er freute sich über die Festlichkeit bei der „Sohnesauslösung", die man ihm geschildert, aber es that ihm weh, wenrt er bedachte, dass .er ja auch ein Erstgeborener, dass er einstmals in eben solcher Weise vom Priester ansgelöst worden sei, und dass er trotz dieser Auslösung, womit die Eltern ihn als ihr Eigenthmn zurückgekanst, ihnen doch nicht mehr augehöre, da er das schöne Band, das ihn mit dem Heimatshaufe verknüpfte, gewaltsam zerrissen. (Fortsetzung folgt.)

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