Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 36 (2.10.1900)
- Date
- 1900-10-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die lvahrheit. Nr. 36. gleituug mehrerer Herren Polizeicommiffäre, der Magistrats- Secretär Dr. Göttl vom magistratischen Bezirksamte des XX. Bezirkes, Herr Hofrath Kareis, Herr k. k. Landesgerichtsrath Tr. Kohn, die Herren Hartung und Tichatschek vom Ortsschulrathe Brigittenau und viele Armenräthe aus diesem Bezirke. Von jüdischen Gemeinderätheu waren Herr Ritter v. Goldschmidt, in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Lueger, und Herr Moriz Eltbogen erschienen. Die israelitische Cultusgemeinde Wien war in besonders zahlreicher Weise vertreten, und zwar waren erschienen die Herren: Präsident kais. Rath Klinger, Vicepräs. Dr. Gustav Kohn, kais. Ratb Hirsch, Dr. Alfred Berger, Arthur Edler v. Mises, Dr. Mark. Spitzer, die Secretäre kais. Rath Dr. Lieben und Dr. Adler. Viele nicht erschienene Mitglieder des israel. Cnltnsvorstandes Wien hatten ihr Fernbleiben entschuldigt. Die israel. Cultusgemeinde Krems war durch den Vorstands-Präsidenten, Herrn Leopold Karpfen, vertreten. Vertreten waren ferner viele Vorstände der Bethausvereine Wiens, unter Anderen Herr Herm. Beck. Obmann des Tempelvereines im VIII. Bezirke; Herr Dr. Straßer, Obmann des Tempelvereins im III. Bezirke; Herr Gottlieb Bettelheim, Obmann des Tcmpelvereins im IX. Bezirke rc. Die Gemeinde- und Vereins-Rabbiner und Cantoren Wiens waren ebenfalls zahlreich vertreten. So die Rabbinen Sor, Dr. Bach, Dr. Tagleicht, Jnspector Kanitz, die Obercantoren Bauer, Dünmann, Schorr, die Cantoren Seifert, Flek, Schäfer, Bassel, und viele Beamte der Cultusgemeinde. Der Baudes neuerrichteten Tempels ist im romanischen Style gehalten, präseutirt sich als eines der schönsten Gotteshäuser Wie>is und gereicht seinen Erbauern, dem bekannten Architekten Herrn I. Gärtner und dem Stadtbaumeister, Herrn Adolf Ambor, zu besonderer Ehre. Um das Zustandekommen des Tempels hat sich der Vorstand des israel. Bethausvereines Brigittenau bestehend aus den Herren: Hermann Ellbogen, Dr. Ernst Rosenthal, Heinrich Weiner, ' I. Wünsch, Dr. Max Weißenstein, David Pollatschek, Jakob Goldner, Adolf Schreiber, David Spitz, Dr. Hermann Deutsch, Adolf Feuer und Jacob Kohn, und das Executivcomite bestehend aus den Herren: Heinrich Weitter, Obmann; Emil Frisch, Obmann-Srellvertrcter; Theodor Robilschek, Schriftführer; I. Wünsch, Josef Steiner, S. Dub, Architekt Mandeltort und A. Wünsch hervorragende Verdienste erworben. Auch den übrigen Mitgliedern des israel. Bethausvereines Brigittenau gebührt für ihre stets opferwillige Theilnahme an dem Zustandekomm:it des Tempelbaues Dank und Anerkennung. Indem wir dem rührigen Bethausvereine das beste Gedeihen wünschen, niöchten wir dem Vorstände den wohlgemeinten Rath ertheilen, den Verkauf der Betsitze nicht im Gotteshause selbst sondern in einem Nebenlocale vorzunehmen. Abgesehen davon, dass überhaupt das Gotteshans kein Platz zum Feilschen und Handeln ist, wird dadurch der Vorstand Scenen vermeiden, wie sich bedauerlicher Weise jüngst eine daselbst abgespielt hat und deren Wiederkehr geeignet wäre, die Weihe des Hauses zu profaniren und die Reputation der dabei betheiligten Vorstandsmitglieder zu beeinträchtigen. Beides muß im Interesse der Religion und des Friedens im Vereine vermieden werden. Hosfentlich wird der Vorstand aus dem unliebsamen, von uns angedeuteten Vorfälle die nölhigen Consequenzen ziehen.' Gebetbuch für de» Schuigebrauch. Biele haben aus den ersten Decennien des abgelaufenen Jahrhunderts noch in Erinnerung, wie sie bei dünnen Talgkerzen oder bei dem gläsernen Stehlämpchen sich kurzsichtig machten oder den Rücken verkrümmten. Und wie hat der Druck und das Papier der Bücher ausgesehen, aus denen wir bei dieser Beleuchtung lernten? Dies fällt mir ein, da mir das für den Schulgebrauch von dem Religiouslehrer-Verein „Esra" herausgegebene Gebetbuch zur Recension vorliegt; es entspricht llnserer Beleuchtung. Ach — würden die Kinder des neuen Jahrhunderts nur recht fleißig davon Gebrauch machen — was leider nicht geschieht — kein Auge würde kurzsichtig, kein Rücken verkrümmt werden. Das Buch lässt in seiner Ausführung, in der Wahl der Typen und an möglicher Correctheit kaum zu wünschen übrig, auch merkt man, dass es von kundiger Hand redigirt wurde. Natürlich entgeht es nicht, wie jedes Druckwerk, dem Verlangen, bei einer neuen Ausgabe die verbessernde Hand daranzulegen. So würde ich es verlangen, dass der „Cholem"-Punkt sich mehr vom „Schin"- und „Sin"-Punkte unterscheide und besser sichtbar sei; man vergleiche S. 280, wo das „Cholem" für ein schwaches Auge fast unbemerkbar ist — ebenso würde ich wünschen, dass die Bibelstellen nach dem Vorbilde der Talmudausgaben nur nach dem np citirt werden sollen; das Gebetbuch ist ja keine Bibel (vergleiche S. 278), das avw von vian S. 42 hat^ ebenso so wenig Berechtigung als das in ^nSnai S. 39. Der Mangel des „Patach" in ypia S. 140 und S. 174 beruht wohl auf einem Druckfehler; in der Bibel ist es immer mit „Patach-G'nubhah", wie auch richtig S. 199 zu finden ist. Ueber die Pnnktation der aus dem Midrasch und dem Talmud entnommenen Stellen will ich nicht sprechen, weil es hier noch viele offene Fragen gibt und der Herausgeber sich nolsns volsns für eine Pnnktation entscheiden muss. Zn S. 507 vh tibtibx jedoch muss ich bemerken, dass in den Talmudansgaben Ms Wörtchen als überflüssig eingeklammert ist und zwar unter Hinweis auf m in nS'JO 21a; die Pnnktation des v ist sehr fraglich; ferner will ich noch hinznfügen, dass "2K geschrieben wird, angeblich als Abbreviatur von DIZV nnw ^2 (vergl. Seder hadoroth). Dem eigentlichen Werthe des SidurS thut dies Alles jedoch keinen Abbruch und wäre dasselbe schon aus hygienischen Gründen bestens zu empfehlen. Der herausgebende Verein verdient den Dank aller Kinderfreunde. M. F. Gemeinde- und Vereinsbote. Meu. Aus der Plenarsitzung des Cultusv o r st a n d e s vom 19. S e p t e in o e r 1900 unter d e m Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H.Klinger. Beginn 5 Uhr Nachmittags. Die Mitglieder des Vorstandes begrüßen den vom Urlaube zurückgekehrten Präsidenten. Der Präsident dankt und gibt seiner Befriedigung Ausdruck, zu Beginn der neuen Verhandlungsperiode die Herren in zahlreich besuchter Sitzung versammelt zu sehen. An Spenden sind seit der letzten, vor den Sommerferien abgehaltenen Plenarsitzung eiugelanfen: Richard KönigSberger Kr. 85.—, Katharina Jellinek als Collecte für die rumänischen Inden 2 70, N. Zwergbaum für israel. Wöchnerinnen 10.—, Bernhard Siebenschein für den israel. Frauen-Wohllhätigkeilsvereiu 10.—, Philipp von Gomperz für eine Arme 20.—, Anonymus X. Y. für eine Arme 2.—, Theodor Ritter von Goldschmidt für einen Armen 50.—, Sammelbüchse Stadt für die Chewra Kadischa 73'42, Sammelbüchse Stadt für die Armen- Anstalt 77'81, Dr. B. F. für einen Armen 10.—, Verwaltungsbeamten der israel. Cultusgemeinde Wien für die Witwe nach einem Leichenwächter 88'75, Dr. Emil Adler als Collecte für die rumänischen Inden 40.—, Charlotte Baronin von Königswarter für den Verband zur Unterstützung armer israel. Wöchnerinnen 1000.—, Philipp Götzl für beu Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländifchen Jsraelite.l 50.—, Emma Kalla, geb. Nirenstein für das Blinden-Jnstitnt und für das Siechenhaus (Frauen) 50.—, Dr. Alfred Berger für den allg. österr. isr. Bund 100.—, Karl Fritsch und Katalin Rechner für israel. Waisenkinder 6.—, N. Pollak für Arme 7.—, Doctor Emil Wiener für Arme 150.—, Lisetle Kafka für Arme 20.—, Gabriel Frankl als Collecte für die rumänischen Juden 37'20, M. A. Pollak und Emmy Pollak für die rumänischen Inden 300.—, Bernhard Kohn für einen Armen 60.—, Louise Hechter für Blinden-Jnstitnt, Handlungs-Krankenverein, israel. Kinderbewahranstalt., israel. Volksküche, israel. Waisenverein. israel. Altersversorgungshaus je Kr. 10.— zusammen 60.—, Dr. Felix Edler von Mises für verschiedene Vereine 500.—, Hofrath Samuel Ritter von Hahn, anlässlich der Vermählung seiner