Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 35 (21.9.1900)
- Date
- 1900-09-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35. Die Wahrheit. Seite 7.! Sie allein sind es, die in richtiger Erkenntnis der Sachlage,! sich von der geistigen Seuche Assimilation hinauszurelten wussten.! Sie haben die Briefe, die sie von ihren vermeintlichen Freunden zurückbekommen, nochmals durchgelesen, erkannten ihr eigenes Siegel, ihre eigenen Schriftzüge und erinnerten sich somit ihrer schlechten Handlungsweise. Diese Erinnerung führte sie gleichsam 2 um »öaaia hadia,“ zur Selbstprüfung. Die Zionisten sahen ein, dass sie sich an falsche Freunde, ja Feinde gewendet, suchten nunmehr nach der richtigen Adresse, welche sie auch fanden. Sie lautet: „An das jüdische Volk". An diese einzige wahre Adresse wendet sich der Zionismus mit seinen Trost- und Klageliedern. „Das jüdische Volk soll wissen, wie es heute um die Judenheit bestellt ist, welche neuen Schicksalsschlage sie getroffen haben. Das jüdische Volk soll wissen, dass niemand ihm helfen wird, wenn es sich nicht selbst hilft." Die Congresse, gleichsam der Schofar des Zionismus, tönen diese Worte in die weite Welt hinaus. Mit donnernder Stimme, i mit herzergreifenden Worten wird den verstoßenen Söhnen der Weg des Lebens gezeigt, der wahre Freund und Rettungsanker, j Don Dem allein sie ihr Heil zu erwarten haben. Möge der heutige „Tag der Erinnerung" uns an die großen Baseler und Londoner Tage zurückdenken zu lassen. Mögen wir, indem wir heute das Gebet: „Gedenke unser zum Leben" (Sovkreaa lechaim) verrichten, uns jene jüdisch-nationalen! Versammlungen vergegenwärtigen, die de m jüdischen Volke neue Schwung- und Lebenskraft zuführen. Möge das heilige Feuer der Begeisterung, die unsere großen Führer und Freiheitskämpfer beseelt, auch in unsere Herzen Eingang finden. Wie die Mannschaft Gideons in ihrem siegreichen Kampfe -gegen Midjan in der einen Hand den Schofar und in der andern die hellauflodernde Fackel hielt, so müssen auch wir am heutigen Feste, wo wir in der einen Hand den Schofar halten, um mit Lessen Freiheitsklängen „den Satan zu bekämpfen," mit der -andern Hand die heilige Leuchte der Religion und der nationalen Begeisterung hoch und immer höher schwingen, auf dass das Wort des Propheten sich erfülle: „Und es wird geschehen an Liesem Tage, da wird in das gewaltige Schofar gestoßen; und «s werden kommen die Verirrten aus dem Lande Aschur und Mizrajim, um sich zu bücken vor dem Ewigen auf dem heiligen > Berge zu Jerusalem." Verschiedene Nachrichten. i Wien. In deram 19. d. unter dem Vorsitze des Präsidenten, kaiserlichen Rath Klinger, stattgefundenen Vorstandssitzung berichtete der j Präsident über die am 10. d. im Stadttempel in Anwesenheit des Vorstandes und zahlreicher Andächtiger abaehaltene Trauerandacht nach weil. Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth. Der Präsident brachte mehrere in der letzten Woche durch das Vertreter-Collegium erfolgte j Erledigungen zur Kenntnis. Wir behalten uns vor, über die verschiedenen I Berathungsgegenstände dieser Sitzung in unserer nächsten Nummer noch -ausführlichen Bericht zu bringen. Wie«. Der Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde, Herr Gottlieb! T a u s s i g, Chef der bekannten Seifen- und Kerzen-Fabriksfirma, ist in Anerkennung seines hervorragenden Wirkens auf commerciellem Ge- | biete von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Ritterkreuze des Franzj Josephs-Ordens ausgezeichnet worden. * Wie«. (Trauerandacht.) Am l0. d. fand im Bethaus- Dereine „Montefiore", II., Taborstraße 36, ein feierlicher Trauergottesdienst für weiland Kaiserin Elisabeth statt. Am Vorabend wurde vom Obmanne, Herrn Jacob Weiß, das Jahrzeitlicht angezündet und j beim Morgengottesdienst wurden 3 Trauer-Psalmen gebetet. Hierauf recitirte der Vorbeter, Herr I. Bresnitz. in ergreifender Weise das! LI Avis Rachamim und das Kaddisch-Gebet. / Wien. (Der Gott es dien st im großen Musikverein ss a a l e.) Herr Alois Kulka, welcher seit 15 Jahren im großen Musikvereinssaale an den hohen Festtagen mit so ausgezeichnetem Erfolge die ersten cantoralen Funktionen versieht, wird in diesem Jahre auf Wunsch des Bethausvorstandes der Cultusgemeinde am ersten n"n Tag das Mufsas, am zweiten Tag ausnahmsweise das Schachrisgebet und am «Tom Kippur Mussaf und Neilo vortragen, während der bisherige Cantor aus Floridsdorf, Herr Schleifer, die übrigen Funktionen versehen wird. Wie«. Am 13. d. M. ist in Ischl nach schwerem Leiden Herr Heinrich Krall, der Gatte der durch ihre vielseitigen humanitären Bethätigungen bekannten Frau Honora Krall, gestorben. An dem Verblichenen, der von dem reichen Lohne, den ihm eine vieljährige, angestrengte und ehrenhafte kaufmännische Thätigkeit brachte, einen große« Theil Humanitären Zwecken zuwandte, verloren viele segensreiche Jnsti» tutionen einen eifrigen Förderer. Das Leichenbegängnis fand Montag, den 17. d., hier in Wien am Centralfriedhof unter überaus zahlreicher Theilnahme statt. Wie«. Nach langem Leiden ist vorige Woche Herr Cantor Zacharias Weinberger gestorben, der in früheren Jahren in Prag und nachher bis zu seiner vor zwei Jahren erfolgten Erkrankung, die ihn berussunsähig machte, an der hiesigen Fugbachsynagoge in stets anerkannter Weise amtirt hat. Der Verblichene war trotz seines umfassenden hebräischen Wissens und seiner reichen Kenntnis des Chasonus von seltener Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit, und niemals kam es ihm in den Sinn, sich selbst über jüngere und Minderbegabte Collegen zu überheben. Das Leichenbegängnis hat Montag, den 17. d. M., stattgefunden. Obercantor Singer sang unter Assistenz der beiden ersten Cantoren Schiller und Blatt die üblichen Trauerpsalmen und hierauf sprach Rabbiner Dr. Schmiedl einen gehaltvollen Nachruf. Der Amtsfolger des Verblichenen an der Fugbachsynagoge. Herr Cantor Seifert, recitirte das „EI mole rachamim“, und zum Schluffe sprach Herr Rabbinats-Candidat Davidoff namens der Landsleute tiefbewegte Abschiedsworte. Auße den Genannten bemerkten wir unter den Trauergästen den Obmann der Fugbachsynagoge, Herrn Schrämet, mit mehreren Vorstandsmitgliedern, seruer aus Collegenkreisen die Obercantoren Bauer, Schorr, Wittmann, Cantor Smotritzky und andere Freunde des Verblichenen n*25»n. Wie«. Herr Richard K r a i t h, Beamter des Wiener Bankvereines, hat sich mit Fräulein Hansi Mensch, Tochter des Bezirksrathes im zweiten Bezirke, Herrn Jacob Mensch, verlobt. ZLrünu. Der Brünner israelitische Freitisch-Verein erfreut sich dank der unermüdlichen Thätigkeit seines Geschästsleiters, des Herrn Alois Witrofsky, eines fortgesetzten Gedeihens und ist zum wahren Segen für die geistig und körperlich arbeitende jüdische Jugend geworden. Nicht weniger als 128 Studenten, Lehrlinge rc. erhalten daselbst ohne Entgelt und nur gegen den Nachweis der Würdigkeit eine gesunde und überaus schmackhafte Mittagskost. Der rührige Vorstand geht jedoch no ch weiter, er sucht auch erziehend auf seine Kostzöglinge einzuwirken und hat da schon manches gute Resultat gezeitigt, was namentlich das Verdienst der Herren Sorer und Königswarter ist. — Der Verein zählt gegenwärtig 1232 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von Kr. 15.751. An außerordentlichen Einnahmen verzeichnet er Kr. 2118 als Spenden und Kr. 1483 Zinsen vom Stammfonds (in der Höhe von Kr. 36.000). — Der jüngst verstorbene Hof- und Gerichtsadvocat Tr. Berthold Raucher, vermachte in seinem Testamente dem Vereine 400 Kronen.^ Agkan. Wie uns mitgetheilt wird, beabsichtigt die Jglauer isr. Cultusgemeinde das Jubiläum der 40jährigen Wirksamkeit des als großen hebräischen Dichters und bedeutenden Gelehrten rühmlichst bekannten Seelenhirten, des ehrwürdigen Herrn Rabbiner Dr. I. Jacob Unge r, diesen Freitag, den 21. d., Abends, und am darauffolgende« Tage, am Sabbath, den 22., besonders festlich zu begehen. Der ob seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit, seiner großen Gelehrsamkeit und Verdienste um Gemeinde, Gotteshaus und Schule rühmlichst bekannte Jubilar, der allen Ovationen und Festivitäten, was seine Person betrifft, stets ferne stand, wird es seiner Gemeinde und der großen Zahl seiner Verehrer diesmal gestatten müssen, dem Danke, den ihm die.e schulden, würdigen Ausdruck zu geben. Wir rufen dem von Hoch und Niedrig, von Reich und Arm, von Juden und Nichtjuden in gleicher Weise hochgeschätzten Jubilar heute die Worte zu: „Ha-sehem jaarich joraow u’schnauaow!“ M. A. Kreissadt. Der k. k. Landespräsident von Schlesien hat im Einvernehmen mit dem Landesausschupe den Cantor und Religionslehrer in Freistadt, Herrn Max G r z y b, zum Mitgliede des k. k. Bezirksschulrathes in Freistadt ernannt. Kekdkirch (Vorarlberg). Aus der Feder des Herrn Rabbiners Dr. Tänzer in Hohenems veröffentlicht die „Feldkircher Zeitung" jetzt i« mehreren Fortsetzungen eine historische Studie „Das älteste Druckwerk Vorarlbergs", die im ganzen Lande großes Aufsehen erregte und ungetheilten Beitall fand. _